Der Thread zur Fussballphilosophie

Alles, was nicht mit unseren Blauen zu tun hat

Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon Wehener » Freitag, 21.Mär 2014 - 18:16

Hallo zusammen meine lieben Stuttgarter,

wollte mal nachfragen, ob sich hier Leute finden lassen, mit denen man über die (Spiel)Philosophie in der dritten Liga philosophieren kann.
Ich wollte einfach mal anstoßen zur freudig philosophischen Diskussionsrunde über die Philosophie im Zusammenhang mit Fußball.

Da hätte ich gleich eine Frage: Verfolgt jeder Fussballclub eine philosophische Grundeinstellung oder Geisteshaltung?

Warum ich grad hier in diesem Forum schreibe... nun , ihr Stuttgarter seit mir gut in Erinnerung geblieben und deswegen hab ich mich hier im Forum angemeldet.

Viele Grüße
Wehener
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon noblesseoblige » Sonntag, 23.Mär 2014 - 10:23

Eine einheitliche Philosophie gibt es im Fußball allgemein und in der Dritten Liga im besonderen sicherlich nicht. Jeder Verein hat seine Entwicklung, seine Historie, seine Fans, sein Image im bundesweiten Vergleich und seine individuelle Stellung in der Region.

Unseren Blauen bin ich nun seit 47 Jahren verbunden. Wir haben im Ländle immer ein Mauerblümchendasein gefristet. In dieser Nische zwischen großen Nachbarn haben wir seit jeher mehr oder weniger gut überlebt. Diese Nähe und Identifikation mit einem Underdog haben mich immer bei der Stange gehalten.

Ganz schlimm finde ich die zunehmende Kommerzialisierung im Profifußball, wie sie sich insbesondere in der 1. Liga zeigt. Der Zuschauer ist dort nur noch Konsument und Kunde, die Spieler sind distanzierte Stars und die Mitglieder „Stimmvieh“. Natürlich bin ich insoweit Realist, als dass ein Überleben im Profisport ohne Sponsoren und Mäzene schlechterdings nicht mehr möglich ist. Allerdings sollte es stets eine gewisse Balance und Wertschätzung zwischen Verein, Mitgliedern und Werbepartnern geben.

Dieses Gleichgewicht sehe ich z. B. bei RB Leipzig von Anbeginn nicht als gegeben an. Sie haben derzeit nur acht Mitglieder, ein Mitgliedsantrag kann ohne Angaben von Gründen abgelehnt werden und ist zudem mit einer Aufnahmegebühr verbunden. Die jährliche Mitgliedschaft ist mit 800 € unverschämt hoch und soll wohl auch eher als Abschreckung verstanden werden. Eine Mitbestimmung und Wertschätzung eines Mitglieds sieht wohl irgendwie anders aus.

Bei den Blauen ist es eher wie in einer großen Familie. Spieler und Offizielle sind zum „Anfassen“, stehen Rede und Antwort, wirken geerdet. Fanstammtische und Mitgliederversammlungen werden noch gelebt.

Was den Sport allgemein und den Fußball sowie die Vereine insgesamt verbindet, ist seine soziale und – kaum zu glauben – friedensstiftende Funktion. Brot und Spiele (panem et circenses) haben schon seit der Antike eine Ventilfunktion. Der Sport initiiert zwar Emotionen, verhindert aber gleichzeitig größere Konfrontationen und Auseinandersetzungen. Der englische Philosoph, Mathematiker und Pazifist hat es wie folgt auf den Punkt gebracht: „Die Instinkte, die früher unsere wilden Vorfahren zur Jagd und zum Fischfang trieben, verlangen nach einem Betätigungsfeld; wenn sie nichts anderes finden können, verwandeln sie sich in Hass und Bösartigkeit. Aber gerade für diese Instinkte gibt es Betätigungsfelder, die frei vom Bösen sind. An die Stelle von Vernichtungskampf kann Wettbewerb und aktiver Sport treten.“
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon noblesseoblige » Mittwoch, 24.Aug 2016 - 9:39

"Am Ende brauchst du halt einen, der das Ding rein macht." http://www.zeit.de/sport/2016-08/fussball-analyse-ballbesitz-pep-guardiola-thomas-tuchel Richtig! :D
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon stoitschkov » Mittwoch, 24.Aug 2016 - 18:10

noblesseoblige hat geschrieben:"Am Ende brauchst du halt einen, der das Ding rein macht." http://www.zeit.de/sport/2016-08/fussball-analyse-ballbesitz-pep-guardiola-thomas-tuchel Richtig! :D


Eilenberger arbeitet sich wieder mal am Pep-Fussball ab :lol: :lol:
ich bin ja immer sehr neugierig auf andere Sichtweisen/Blickwinkel, aber seine "neuen Analyseinstrumente" felddominant-szenendominant werden sich im Leben nicht durchsetzen, das geht schon Richtung bullshit in Reinform
....und Mourinho ist längst Geschichte, von wegen "spannendstes Duell im Weltfussball" :roll:
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon derPeterII » Mittwoch, 24.Aug 2016 - 18:47

Ich finde, die Analyse macht schon Sinn. Der größte Fehler ist allerdings, dass sie auf den ersten Blick unwissenschaftlich wirkt. Die meisten Behauptungen sind bestenfalls Vermutungen. Gibt keine Studie, die das stützt. Vielleicht ein Denkanstoß für einige Sportwissenschaftler. Zu hoffen, wäre es.

Denn auch wenn Stoitschkov das vielleicht nicht schmeckt, gewinnt nicht immer der attraktivere Fußball :wink:
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon noblesseoblige » Mittwoch, 24.Aug 2016 - 19:37

Mir war die Abhandlung von Eilenberger auch viel zu theoretisch. Es steckt sicherlich ein Körnchen Wahrheit dahinter, wenn er darauf verweist, dass ich letztendlich zu Torchancen / Szenen kommen muss.

Ballbesitz ist grundsätzlich nicht verkehrt, da in dieser Zeit der Gegner regelmäßig kein Tor erzielen kann. Es kommt m. E. aber entscheidend darauf an, wie ich den Ballbesitzfußball praktiziere. Ballbesitz in der eigenen Hälfte und im Mittelfeld allein verschafft mir noch keine Vorteile. Ich muss einfach in / vor die Box bzw. in die Vertikale kommen, um letztendlich Torgefahr zu erzeugen bzw. zum Abschluss zu kommen.

Wenn ich als Beispiele mal Bayern oder Dortmund nehme, so schaffen es diese Mannschaften, den Ballbesitz bis vor den gegnerischen Strafraum auszuüben oder im Falle eines Ballverlustes den Gegner bereits in seinem Abwehrdrittel sofort wieder unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Die meisten Tore werden nach solchen Ballgewinnen und sofortigem Umschaltspiel erzielt. Das gilt national wie international.
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon Ranger » Donnerstag, 25.Aug 2016 - 1:47

noblesseoblige hat geschrieben:Mir war die Abhandlung von Eilenberger auch viel zu theoretisch. Es steckt sicherlich ein Körnchen Wahrheit dahinter, wenn er darauf verweist, dass ich letztendlich zu Torchancen / Szenen kommen muss.

Ballbesitz ist grundsätzlich nicht verkehrt, da in dieser Zeit der Gegner regelmäßig kein Tor erzielen kann. Es kommt m. E. aber entscheidend darauf an, wie ich den Ballbesitzfußball praktiziere. Ballbesitz in der eigenen Hälfte und im Mittelfeld allein verschafft mir noch keine Vorteile. Ich muss einfach in / vor die Box bzw. in die Vertikale kommen, um letztendlich Torgefahr zu erzeugen bzw. zum Abschluss zu kommen.

Wenn ich als Beispiele mal Bayern oder Dortmund nehme, so schaffen es diese Mannschaften, den Ballbesitz bis vor den gegnerischen Strafraum auszuüben oder im Falle eines Ballverlustes den Gegner bereits in seinem Abwehrdrittel sofort wieder unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen. Die meisten Tore werden nach solchen Ballgewinnen und sofortigem Umschaltspiel erzielt. Das gilt national wie international.


noblesseoblige, wir hatten mal bei Kickers einen Trainer Namens Kerr, der sagte : Buam, spults den Ball, hauts des Runde zwischen die 3 Hölzer, das ist die beste Fussballphilosopie. :lol:
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Re: Der Thread zur Fussballphilosophie

Beitragvon Laudrup » Mittwoch, 23.Nov 2016 - 5:08

Spannender Artikel aus dem Guardian zu den Gedankengängen von großen Spielern auf dem Platz, Raum, Zeit … und warum Interviews vor und nach einem Spiel fast immer sehr inhaltsarm sind :roll:
https://www.theguardian.com/football/2016/nov/21/heres-a-thought-how-do-footballers-do-what-they-do
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