HSV eröffnet Fan-Friedhof

Alles, was nicht mit unseren Blauen zu tun hat

HSV eröffnet Fan-Friedhof

Beitragvon Tacheles » Donnerstag, 11.Sep 2008 - 13:53

Ewige Ruhe im Zeichen der Raute


Mit dem Lieblingsclub über den Tod hinaus verbunden - was sich so mancher eingefleischte Fußball-Fan vielleicht wünscht, ist für die Anhänger des Hamburger SV ab sofort möglich. Am Dienstag eröffneten die Hanseaten als erster Verein Europas einen Fan-Friedhof, nur einen Steinwurf von der Westtribüne der Arena am Volkspark entfernt. "Man bekommt von hier sogar mit, wie die Spiele ausgehen", beschreibt der im Vorstand für Fan-Angelegenheiten zuständige Christian Reichert "das gefühlte Dabeisein" auch nach dem Tod. Die erste Bestattung soll bereits in den nächsten Tagen stattfinden. Das "Grabfeld HSV" auf dem Friedhof Altona, das nach rund einem Jahr Bauzeit fertiggestellt wurde, ist einem Stadion nachempfunden: Am Eingang steht ein Fußball-Tor aus Beton, die Grabstellen sind traversenartig in Halbkreisen angelegt, der verlegte Rasen kommt aus dem Stadion. Wer möchte, kann sich zu Klängen eines Vereinsliedes im blauen Sarg mit der HSV-Raute bestatten lassen. Dann wird er garantiert mit "bespielter Erde" aus der Heimstätte der "Rothosen" zugedeckt, schildert Reichert.

Ein Fan-Friedhof hat Seltenheitswert, gibt es so etwas bisher doch nur bei den Boca Juniors in Argentinien. "Leider sind die uns zuvorgekommen. Aber deren Grabfeld liegt vor den Toren der Stadt. Wir haben die Nähe zum Stadion", erklärt Reichert. Verrückte Anfragen von Fans hat Reichert auch schon bekommen. So habe ein 40 Jahre altes HSV-Mitglied gefragt, ob nach seinem Tod Freunde die Urne auf seinen Dauerkarten-Platz stellen dürften. Damit aber würde man laut Reichert Probleme mit der deutschen Grabstätten-Ordnung bekommen. Ebenso dürfe man keine Asche im Stadion verstreuen lassen - wie es in den Niederlanden möglich ist - oder Urnen am Spielfeldrand vergraben wie beim englischen Erstligisten FC Everton. Und so konnte sich Reichert mit der Idee der Friedhofsgärtner-Genossenschaft, ein "HSV-Themengrabfeld" einzurichten, anfreunden. Der ausgebildete Sonderschullehrer betont aber, der HSV verfolge dabei keinerlei kommerzielle Interessen: "Der Verein wird nicht zum Bestattungsunternehmen, die Einnahmen stecken wir ausschließlich in die Gestaltung und in die Pflege." Der HSV tritt beim Verkauf der Gräber nur als Vermittler auf, für die Organisation und Abwicklung wurden Lizenzverträge an Steinmetze und Bestatter vergeben.
Uwe Seeler skeptisch

Bis zu 500 HSVer finden auf dem Feld ihre letzte Ruhe, je nachdem, wie viele sich für kleinere Urnengräber entscheiden. Zwar ist die Einweihung erst der Startschuss für mögliche Reservierungen, rund 20 konkrete Anfragen liegen aber bereits vor. "Jedes Alter ist vertreten, vom 28-Jährigen bis zum über 80-Jährigen." Horst Eberstein, 79 Jahre altes Aufsichtsratsmitglied des Vereins, will sich auch einen Platz sichern. HSV-Ikone Uwe Seeler hingegen will das nicht. Der 71-Jährige sieht die Geschichte eher skeptisch: "Wenn es solche Anhänger gibt, die das wollen, meinetwegen, aber vielleicht ist das auch ein bisschen viel des Guten."


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Beitragvon Tacheles » Donnerstag, 11.Sep 2008 - 13:56

"Von Fangesängen rate ich ab"


Der HSV hat jetzt einen Friefhof in Stadionnähe. Er hat rund 500 Plätze und ist einmalig in Europa. Ein Gespräch mit Bestatter Amm.


:?: Herr Amm, Sie bieten auf dem HSV-Friedhof den Abschied im Zeichen der Raute an. Wie läuft denn Ihre Bestattung „Schlusspfiff“ ab?

Es gibt mehrere Kategorien. Das fängt an mit der Bestattung in der einfachen HSV-Urne und geht hoch bis zu einem Gesamtarrangement mit Fahrdienst. Ansonsten läuft die Beerdigung aber ganz normal ab, also je nach Konfession des Verstorbenen oder mit einer weltlichen Trauerfeier.

:?: HSV-Urne? Gibt es etwa auch den HSV-Sarg?

Aber sicher. Der ist wie die Urne ganz in HSV-Blau mit Raute. Wir haben aber auch nur die „kleine Raute“: Die wird mit Spezialkleber am Fußende herkömmlicher Särge befestigt.

:?: Können die verstorbenen Fans auch in ihrer Trauerfeier die Verbundenheit zum Klub zeigen?

Ja, es gibt die Möglichkeit, die HSV-Hymne zu spielen oder ein anderes Hamburg-Lied. Außerdem stellen wir ein Hintergrunddisplay mit Fotos vom Stadioninnenraum auf, wenn das gewünscht wird. In der Trauerhalle können wir auch mit Beamer arbeiten. Da kann man bestimmte Spiele noch mal im Hintergrund laufen zu lassen. Etwa den Europapokalsieg des HSV von 1983.

:?: Aber Fangesänge werden nicht erschallen?

Nein, es gibt Dinge, die man aus Pietätsgründen besser unterlassen sollte. Ich würde davon ganz dringend abraten.

:?: Muss man eigentlich Hamburger sein, um auf dem HSV-Friedhof beerdigt zu werden?

Nein, wir haben zehn Partner in ganz Deutschland. Die erledigen dann alle Formalitäten vor Ort, und dann werden der Sarg oder die Urne nach Hamburg überführt und hier beigesetzt.

:?: Der Friedhof ist nicht weit vom Stadion entfernt, an Spieltagen hört man die Fans im Stadion. Kann so ein Platz überhaupt eine Ruhestätte sein?

Ich glaube, es ist in jedem Fall eine Ruhestätte. Ein Friedhof ist ja eine soziale Gemeinschaft. Und Fußballfans sind ja auch nichts anderes als eine solche Gemeinschaft. Warum sollte man dann nicht auch eine gemeinsame Ruhestätte nahe am Stadion wählen? Außerdem sind die Flugzeuge, die über den Friedhof fliegen, viel lauter.

:?: Sie sind selbst seit vielen Jahren HSV-Fan. Haben Sie sich schon Ihre Grabstelle reserviert?

Ich wohne in Kiel. Die räumliche Nähe zum Friedhof wäre also gegeben. Aber konkrete Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht, ich bin ja erst 47. Es ist bei Bestattern sowieso selten der Fall, dass sie sich Gedanken über die eigene Bestattung machen.


Das Gespräch führte Martin Gropp.
Thomas Amm, 47, bestattet jetzt Fans des HSV in Stadionnähe. Der HSV-Friedhof hat etwa 500 Plätze und ist einmalig in Europa. Die Urne mit Raute kostet 370 Euro, der Sarg 2350 Euro.


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