100 Jahren die Plätze des Karlsruher FV und der Stuttga

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Che
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100 Jahren die Plätze des Karlsruher FV und der Stuttga

Beitrag von Che »

Die Tage sind gezählt
Die Spielstätte des LSK Lüneburg ist mit 100 Jahren das älteste an seinem Originalort erhaltene Stadion, in dem noch immer Fußball gespielt wird
VON JOACHIM GÖRES

LSK Lüneburg gegen VSK Osterholz-Scharmbeck - das ist Amateurfußball, wie er Woche für Woche tausendfach in Deutschland stattfindet. Spieler, die sich in ungemütlichen Kabinen umziehen, in denen es manchmal durch die Decke regnet. 250 Zuschauer, die sich in einem 7000 Plätze bietenden Stadion verlieren. Dabei stehen in der Partie der Niedersachsenliga Ost sogar einige einstige Fußballgrößen auf und neben dem Rasen - für Osterholz-Scharmbeck spielt der einstige Bundesligastürmer Frank Ordenewitz Libero, und auf der VSK-Trainerbank sitzt Deutschlands unbekanntester Weltmeister Günter Hermann. Als Deutschland 1990 Argentinien im Endspiel schlug, war er Ersatzspieler.

Wer sich im Lüneburger Stadion Wilschenbruch der Vergangenheit widmet, wird schnell vom müden Fünftliga-Kick abgelenkt. Nur wenige Vereine haben wie der LSK eine historische Holztribüne aus dem Jahr 1921, die 421 überdachte Plätze bietet. An der Wand der Tribüne hängt eine Holztafel, auf der über einem großen Soldatenhelm die Namen der im Ersten Weltkrieg gestorbenen LSK-Sportfreunde aufgelistet sind. "Es ist fürs Vaterland wenn wir zu spielen scheinen" - steht auf dieser Tafel, die früher über dem Eingang angebracht war. Das alles findet sich laut LSK-Archivar Erhard Rölcke in Deutschlands ältestem noch an seinem Ursprungsort existierenden Fußballstadion: seit 1905 wird Am Reiherstieg 25 am Stadtrand von Lüneburg Fußball gespielt. Laut Standardwerk "Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien" gibt es zudem seit 100 Jahren die Plätze des Karlsruher FV und der Stuttgarter Kickers.

Manfred Schulte, Platzwart und Stadionsprecher in Personalunion, sorgt dafür, dass die Löcher im Rasen nach jedem Spiel gestopft werden. Davon gibt es genug: Jedes Wochenende finden hier bis zu fünf Spiele statt, von der C-Jugend bis zu den Aktiven. "Kein Problem, der Rasen wird regelmäßig gedüngt und wächst gut", beruhigt Schulte. Die Tribüne könnte etwas Farbe vertragen, ansonsten ist Schulte mit dem Zustand seines Arbeitsplatzes zufrieden.
Kein Interesse an der Vergangenheit

Jeder andere Club hätte zu diesem einmaligen Jubiläum vermutlich kräftig die Werbetrommel gerührt, einen bekannten Verein zum Freundschaftsspiel eingeladen und so das Renommee und die Vereinskasse aufgebessert. Die LSK-Aktiven sind dagegen froh, wenn man sie auf die Vergangenheit und das historische Datum nicht anspricht - sie haben mit der Gegenwart und Zukunft ihres Vereins bereits genug um die Ohren. "Wir haben derzeit nichts zu feiern und brauchen jeden müden Euro, um zu überleben", sagt LSK-Präsident Manfred Harder. Wenn es nach dem langjährigen Bundesligaschiedsrichter ginge, dann würden auf Deutschlands ältestem Sportplatz statt einer historischen Tribüne bald Einfamilienhäuser stehen. "Das ist unsere einzige Chance, den LSK am Leben zu halten", so Harder.

Seit dreieinhalb Jahren befindet sich der Verein in der Insolvenz. Wie so vielen Clubs vor ihm wurde dem LSK der Aufstieg in die dritte Liga zum Verhängnis. In der Saison 2000/01 spielte man in der Regionalliga Nord. Von Anfang an kämpfte der LSK gegen den Abstieg, der mit ehemaligen Profis verhindert werden sollte. Das ging schief. Der LSK stieg 2001 ab, verlor seine besten Spieler - darunter den heutigen Nationalspieler Patrick Owomoyela - und ist nun mit 1,6 Millionen Euro verschuldet. Dass es den Club überhaupt noch gibt, verdankt er einzig seinem Stadion, das dem Verein gehört. Es liegt am Rand einer Wohngegend, der Verkauf könnte Millionen bringen. Haken Nummer eins: dann wäre der Verein zwar schuldenfrei, hätte aber keine Spielstätte mehr. Haken Nummer zwei: der Platz befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet, wo derzeit nicht gebaut werden darf.

Die Frage ist: wie lange noch? Denn der Lüneburger Kreistag hat mit großer Mehrheit für die Herausnahme des Sportplatzes aus dem Landschaftsschutz gestimmt. LSK-Archivar Rölcke will sich damit nicht abfinden und hat beim Niedersächsischen Landtag eine Petition für den Erhalt des Stadions eingereicht. "Wenn wir unseren Platz aufgeben, können wir den Verein dichtmachen", sagt er und wird von etlichen der 400 Mitglieder unterstützt. Sie würden eher die Insolvenz in Kauf nehmen, was mit dem Abstieg in die unterste Spielklasse verbunden wäre. "Das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans ist eingeleitet und kann frühestens Anfang 2005 abgeschlossen werden", sagt Harder, der sich um eine neue Heimat für seinen Verein bemüht.

"Andere Vereine in dieser Klasse haben nur ein einfaches Geländer rund um den Rasenplatz. Das LSK-Stadion ist dagegen regionalligatauglich und bietet eine tolle Atmosphäre. Es ist schade, wenn es verschwindet", sagt Thomas Seeliger. Der ehemalige Profi war bis vor kurzem LSK-Trainer - nachdem der Verein in akuter Abstiegsgefahr überwintert, nahm er seinen Hut.

Beim Spiel gegen Osterholz-Scharmbeck halfen auch die am Spielfeldrand aufgestellten Schilder "LSK lebt" nichts - nach 90 Minuten war wieder eine Niederlage besiegelt. Die wenigen treuen Anhänger wurden über die Stadionlautsprecher mit der passenden Musik zum wohl unvermeidlichen Ende für Deutschlands ältestes Fußballstadion nach Hause geschickt: The final Countdown
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