Stiftung Warentest kritisiert WM-Stadien

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Tacheles
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Stiftung Warentest kritisiert WM-Stadien

Beitrag von Tacheles »

Studie sorgt für Aufregung: Alle WM-Arenen haben Mängel


Gefahr bei Massenpanik - WM-OK: «Stadien sind sicher» - Kritik von Beckenbauer

Fehlende Fluchttore, zu kurze und zu
steile Treppen sowie massive Bedenken beim Brandschutz: Fünf Monate
vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat eine Untersuchung der
zwölf WM-Stadien durch die Stiftung Warentest für große Aufregung
gesorgt. Während die Studie Gefahrenpotenzial in allen Arenen
anprangert und vier Stadien sogar «erhebliche Sicherheitsmängel»
attestiert, erklärte das Organisationskomitee seine Spielstätten für
absolut WM-tauglich. «Wir bleiben dabei: Unsere Stadien sind sicher»,
sagte OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt bei einer Pressekonferenz am
Dienstag in Frankfurt.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Stiftung Warentest in Berlin
ihre Studie mit teilweise alarmierenden Ergebnissen präsentiert.
Einige Stadien könnten im Fall einer Massenpanik zur tödlichen Falle
für die Zuschauer werden, hieß es. «Ich denke, die WM kann
stattfinden. Aber es muss noch einiges passieren, damit wir ein guter
Gastgeber sind», sagte Hubertus Primus, Chefredakteur der Zeitschrift
«Test».

Besonders im Fokus stehen vier Arenen: Das Olympiastadion in
Berlin, in dem am 9. Juli das Finale stattfindet, die Veltins-Arena
in Gelsenkirchen und das Zentralstadion in Leipzig haben laut Studie
«erhebliche» Bau-Mängel, weil die Zuschauer wegen fehlender
Fluchttore im Notfall nicht auf das Spielfeld laufen können. Durch
drängende Menschen könne «innerhalb kürzester Zeit ein so hoher
Staudruck entstehen, dass sogar eisenarmierte Betonmauern nachgeben»,
hieß es. Das Fritz-Walter Stadion in Kaiserslautern habe «erhebliche
Mängel» beim Brandschutz.

Acht Arenen haben laut der Studie «erhebliche» oder «deutliche»
Sicherheitsmängel. Damit entsprechen zwei Drittel der WM-Stadien aus
Sicht der Stiftung nicht den Sicherheits-Richtlinien des Fußball-
Weltverbandes FIFA - obwohl die Spielstätten für rund 1,4 Milliarden
Euro neu- oder umgebaut wurden. «Wir haben uns schon gefragt, warum
so eine technische Realisierung von baulicher Seite abgenommen worden
ist», sagte Holger Brackemann von der Abteilung Produkttests.

WM-OK-Chef Franz Beckenbauer hatte schon vor der Veröffentlichung
heftigste Kritik an der Studie geäußert. «Also ganz ehrlich, mir
reicht`s jetzt mit diesem Heer der Besserwisser und Wichtigtuer, die
sich über die WM profilieren wollen», sagte der OK-Präsident in einem
Interview mit der «Bild»-Zeitung (Dienstag-Ausgabe). Mit «solchen
Nörgeleien» hätte Deutschland vor sechs Jahren die WM nie bekommen.

OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach erneuerte die Kritik an der
Studie. «Da ist in der Ankündigung schlampig formuliert worden und
ein falscher Eindruck entstanden. Wir sind sehr für Panik-Forschung,
aber nicht für Panikmache.» Nun stehe man offensichtlich vor einem
Expertenstreit über die erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung
schlimmer Folgen im Fall einer Massenpanik. «Wenn die Stiftung
Warentest noch mehr fordert als der Gesetzgeber, sind wir mit unserem
Latein am Ende. Die Studie geht weit darüber hinaus, was deutsches
Baurecht fordert.»

Laut Studie klafft auch nach dem Umbau des Berliner
Olympiastadions um die Spielfläche ein fast drei Meter tiefer,
unüberwindbarer Graben. Auch im Zentralstadion in Leipzig könnten
sich die Zuschauer im Notfall kaum auf das Spielfeld retten, da sie
eine Betonmauer überwinden und dann mehr als drei Meter in die Tiefe
springen müssten. In der Veltins-Arena gebe es eine Lücke zwischen
Rasen und Rangabgrenzung, hieß es in der Studie.

Bei den Stadien in Hamburg, Frankfurt/Main, Dortmund und Stuttgart
stellten die Tester «deutliche Mängel» fest. Hier wurden fehlende
Fluchtwege, Stolpergefahren und unzureichender Brandschutz
kritisiert. Die Stadien in Hannover, Nürnberg, Köln und München
hätten nur «geringe Mängel» im Brandschutz wie zu steile Wege für die
Feuerwehr.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnte vor Hysterie. Er bot
an, in Kooperation mit dem OK, Bauministerium und den lokalen
Behörden die Ergebnisse zu überprüfen. Der Sportausschuss des
Bundestages will sich bereits in der kommenden Woche mit den
Ergebnissen beschäftigen. Der Ausschuss-Vorsitzende Peter Danckert
forderte, es müsse alles unternommen werden, um die Stadien
nachzubessern. «Ich bin überrascht über den Umfang der Mängelliste,
das habe ich so nicht erwartet», sagte der SPD-Politiker.

Der Start der Bundesliga-Rückrunde am 27. Januar wird durch die
Studie nicht beeinflusst. «Weder die Rückrunde noch der
Rückrundenauftakt sind durch Sicherheitsprobleme gefährdet»,
versicherte Geschäftsführer Holger Hieronymus von der Deutschen
Fußball Liga.

Ein internationaler Imageschaden für den WM-Gastgeber ist zu
befürchten, Kritik vom Weltverband FIFA erwartet das OK aber nicht.
«Ich habe gestern mit dem FIFA-Generalsekretär Urs Linsi gesprochen
und er hat gesagt: `Keine Panik, wir vertrauen euch, dass ihr die
Dinge löst`», sagte Schmidt. Im Dezember hatte sich FIFA-Chef Joseph
Blatter nach Pannen in den Stadien von Frankfurt, Kaiserslautern und
Nürnberg kritisch geäußert und einen FIFA-Test für das Frühjahr
angekündigt.

Sechs bis acht Stunden sei pro Stadion getestet worden. An der
Prüfung waren neben Stiftungsmitarbeitern ein Ingenieurbüro und auch
die Stadionbetreiber beteiligt. Die Wahrscheinlichkeit einer
Massenpanik sei zwar gering, doch Fußball-Stadien gehören laut
Stiftung zu den gefährlichsten Versammlungsstätten. Weltweit kam es
dort seit dem 2. Weltkrieg zu mehr als 60 schweren Unfällen mit 1500
Toten.
Überlinger

Beitrag von Überlinger »

Wenn das schlimm sein soll, dann darf man die nächsten 100 Jahre keine WM nach Afrika vergeben! :roll:
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VinceVega
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Beitrag von VinceVega »

typisch "deutsch" eben. :?
Horizont nennt man den Abstand zwischen Kopf und Brett.
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G.Regor
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Beitrag von G.Regor »

Also ich kann ja eigentlich das selbstherrliche Gesabbel vom Kaiser Franz nicht mehr hören, aber diesesmal hat er recht:

"Also ganz ehrlich, mir reicht es jetzt mit den ewigen Besserwissern, die sich auf Kosten der WM profilieren möchten. Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscremes, Olivenöl und Staubsaugern aus."

Ab sofort meines Erachtens wegen Sicherheitsmängeln ebenfalls zu verbieten: Eis am Stiel, weil ein in Panik geratenes Kind den Stiel verschlucken könnte, der Rhein, weil er für in Panik geratene Altstadtbesucher ein unüberwindbares Hindernis ist und sie unweigerlich darin ertrinken und vor allem Hunde und Kleinkinder auf der Königstraße an Adventssamstagen, weil sie im Panikfall Stolpergefahren darstellen.

Die Stiftung Warentest bewertet sicher auch die Sonne noch mit "mangelhaft" (Krebsgefahr!) und bewölkten Himmel mit "ernstzunehmenden Sicherheitsmängeln" (in Panik geratene Wolken könnten einen Hurricane verursachen!)
***Abteilung Ostafrika***
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K-P
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Beitrag von K-P »

Momentan versucht doch jeder mit der WM Geld zu machen oder sich über die WM ins Gespräch zu bringen. Das kann man doch alles nicht mehr ernst nehmen.
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