Der DFB schwimmt im Geld
Fußball-Bund legt erstmals eigene Finanzen offen / Klamme
Bundesliga betrachtet Zahlenwerk mit Argwohn
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist schuldenfrei und hat
im Jahr 2002 Einnahmen in Höhe von 61,3 Millionen Euro
erwirtschaftet. Davon wurden 50,6 Millionen Euro direkt
investiert, 10,7 Millionen flossen in die Rücklagen.
VON WOLFGANG HETTFLEISCH
Frankfurt a. M. · 11. November · Der
Verband habe "immer eine vorsichtige
Finanzpolitik betrieben", sagte
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder
bei der Vorstellung der Zahlen für 2002
gestern in der DFB-Zentrale im
Frankfurter Stadtwald. Mit der
Offenlegung des eigenen
Finanzgebarens, die in den
einschlägigen Gremien nicht
unumstritten gewesen sein soll, betrat
der Fußballbund Neuland. Von einem
Novum mit dem Ziel, "die Dinge
transparenter zu machen", sprach Mayer-Vorfelder. In der
Vergangenheit war es schier unmöglich, Bilanzzahlen aus der
Otto-Fleck-Schneise zu bekommen.
Nach Angaben von DFB-Schatzmeister Theo Zwanziger, der die
Zahlen erläuterte, ist der größte deutsche Sportverband
finanziell kerngesund. "Wir wirtschaften so, dass wir für
anderthalb bis zwei Jahre unsere Aufgaben erfüllen können,
ohne Einnahmen zu haben", sagte der 58-jährige Jurist, der
auch Vize-Präsident des Organisationskomitees für die WM
2006 (OK) ist. Demnach verfügt der DFB derzeit über rund 100
Millionen Euro an freien Mitteln. Hingegen klagen die Proficlubs
über die exorbitante Schuldenlast von derzeit rund 680
Millionen Euro.
Das DFB-Vermögen ist dem gesetzlichen Auftrag zufolge
"wieder in den Kreislauf des Fußballs zu lenken", sagte
Zwanziger. Der Verband darf das Geld nicht auf die hohe Kante
legen. Zwanziger: "Wir sind kein gewinnorientiertes
Unternehmen." Indes sei dem DFB daran gelegen, neben
finanzieller Stabilität "Nachhaltigkeit in der Aufgabenerfüllung"
zu gewährleisten.
Bei den Nettoerlösen im Jahr 2002 machte der so genannte
wirtschaftliche Geschäftsbetrieb mit 15,8 Millionen Euro (26
Prozent) den größten Sammelposten aus. Dabei handelt es
sich vorrangig um die Fernseh-Erlöse aus Spielen der
Nationalmannschaften. Der Betrag liegt wegen der Erfolge des
deutschen Männer-Teams bei der WM in Japan und Südkorea
über den Erwartungen. Auf 14,8 Millionen (24 Prozent) beliefen
sich die steuerfreien Einkünfte aus dem Bereich
Vermögensverwaltung, was vor allem aus Erlösen für
Bandenwerbung bei Länderspielen resultiert. Im Marketing
erzielte der DFB im vorigen Jahr 11,2 Millionen Euro (18
Prozent). Aus DFB-Pokal, Beiträgen und Zuschüssen von Fifa
und Uefa kamen weitere sechs Millionen Euro (10 Prozent)
hinzu.
Zu einem positiven Saldo kommt der DFB bei den vertraglich
geregelten Finanztransfers mit der Bundesliga, ein Fakt, der
den Bundesligaclubs seit geraumer Zeit sauer aufstößt. 13,5
Millionen Euro flossen anno 2002 von der Deutschen
Fußball-Liga (DFL) an den DFB, der seinerseits 25 Prozent
seiner Länderspiel-Bruttoerlöse (rund elf Millionen Euro) an die
Liga abzutreten hat. Bei den Ausgaben in 2002 wirft die WM im
eigenen Land ihre Schatten voraus. Knapp 15 Millionen Euro
wurden für die "Stabilitätssicherung der WM 2006"
aufgewendet. Aus diesem Topf wurden unter anderem das OK,
der Sönke-Wortmann-Film "Das Wunder von Bern" und das
WM-Kulturprogramm von André Heller bezuschusst. Dabei
handele es sich um "Anlauffinanzierungen", sagte Zwanziger,
der die Hoffnung äußerte, "dass wir künftig nicht den
DFB-Haushalt nutzen müssen, um WM-Ausgaben zu
bestreiten". Weiter wachsen sollen die Ausgaben für die
Nachwuchsförderung. 2002 investierte der DFB in die 390
bundesweit eingerichteten Stützpunkte und weitere
Maßnahmen zur Sichtung und Ausbildung von Talenten 6,6
Millionen Euro. "Das wird eher noch mehr werden", stellte
Zwanziger weitere Anstrengungen für den Nachwuchs in
Aussicht.
Zwanziger und Mayer-Vorfelder hoben übereinstimmend die
zentrale Rolle des deutschen Profifußballs für die
Verbandsarbeit hervor. Er habe im Amateurbereich wiederholt
darauf hingewiesen, "dass letztlich der ganze DFB davon lebt,
dass es der Liga gut geht", sagte Mayer-Vorfelder.
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Zahlen offen gelegt: DFB schwimmt im Geld
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