"Sie kennen uns, wir kennen sie!"
Mit den Stuttgarter Kickers steht dem SC Pfullendorf nach dem FSV Frankfurt und der Spvgg. Unterhaching bereits der dritte Gegner in Folge aus der Kategorie "Regionalliga-Spitzenmannschaft" gegenüber. Doch im SCP-Lager fürchtet sich niemand so recht vor den "Blauen".
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 11.08.2007
Ein Sieg (2:0 gegen Frankfurt zum Auftakt) und eine Niederlage (1:2 am Mittwochabend in Unterhaching) weist die SCP-Startbilanz aus. Die Leistung in Unterhaching wurde trotz des Misserfolgs allgemein positiv bewertet, weshalb der Optimismus vor dem Duell mit den Kickers auf Pfullendorfer Seite überwiegt. Was Spieler und Trainer beim SCP zurzeit so selbstbewusst macht, ist die neue Spielkultur, die sich aktuell entwickelt. Wo früher mit der Holzkeule gekämpft wurde, führten Leandro und Kollegen in der jüngeren Vergangenheit plötzlich fein das Florett. So war es phasenweise gegen den FSV Frankfurt, und auch bei Zweitligaabsteiger Unterhaching setzte der SC Pfullendorf die Mehrzahl der spielerischen Akzente. Regisseur Leandro (Trainer Feichtenbeiner: "Einer der Besten der Liga auf dieser Position!") und Sturmneuzugang Marco Calamita stehen in erster Linie für diese Qualitätsverbesserung. Von ihnen inspiriert und von Coach Feichtenbeiner motiviert, riefen zuletzt auch die Teamkollegen ihr schlummerndes Kreativpotenzial im offensiv ausgerichteten 4:3:3-System wieder verstärkt ab. Zudem stehen mit Spetim Muzliukay und Faruk Gül technisch versierte Ergänzungsspieler bereit. Keeper Ralf Hermanutz, neben dem weiterhin verletzten Patrick Hagg dienstältester SCP-Akteur, stellt fest: "Man hat in Haching gesehen, dass wir spielerisch auch mit so einer Mannschaft mithalten können. Wir haben uns da durch die Neuzugänge stark weiterentwickelt."
Doch attraktives Spiel bringt nur dann Erfolg, wenn das "Kleinklein" in Nähe des gegnerischen Strafraums nicht übertrieben wird - wie am Mittwoch geschehen. "Ich habe im Angriff die Zielstrebigkeit vermisst", kritisierte Coach Feichtenbeiner zurecht.
Nun also das Baden-Württemberg-Derby mit den Kickers. Meist war es in der gemeinsamen Regionalliga-Vergangenheit beider Clubs so, dass jedes Team eines der beiden Duelle pro Saison gewann. So auch in der abgelaufenen Runde: Im Hinspiel behielten die Schwaben in der Alno-Arena mit 2:1 die Oberhand, im Rückspiel gab es den für Pfullendorfer Fans sicherlich unvergesslichen 2:1-Sieg, als Neno Rogosic beide Tore machte und Sebastian Heidinger (jetzt Fortuna Düsseldorf) sein bestes Spiel in zwei Jahren beim SCP ablieferte.
Im Umfeld der Stuttgarter Kickers (Hauptsponsor Gazi, offizieller Jahresetat 2,4 Millionen Euro und damit doppelt so hoch wie der des SC Pfullendorf) ist die Erwartungshaltung wie vor jeder Saison sehr hoch. Minimal- ziel ist die Qualifikation für die dritte Liga, aber auch der Aufstieg in die zweite Liga darf es gerne sein. Da kann Peter Zeidler, Nachfolger von Robin Dutt auf der Trainerbank, noch so oft betonen, dass dies (also der Zweitligaaufstieg) in dieser Saison unmöglich sei. Mit einem 3:2-Sieg am ersten Spieltag bei Titelmitfavorit FC Ingolstadt 04 gelang den Degerlochern zwar ein Traumstart. Doch dann verloren sie ihr Heimspiel gegen Aufsteiger Jahn Regensburg unerwartet mit 1:3. Tragische Figur bei der schmerzlichen Heimpleite am zweiten Spieltag war Pfullendorfs Ex-Abwehrchef Marcel Rapp, der den SCP im Sommer nach fünf Jahren Richtung Kickers verlassen hatte. Laut Zeidler im gestern veröffentlichten Interview mit dieser Zeitung verschuldete Rapp nach seiner Einwechslung gegen Regensburg zwei Tore. Trotzdem sei er froh, Rapp zu haben, beschwichtigte der neue Chef der Blauen. Und Rapp ist mit seinem neuen Arbeitgeber ebenfalls sehr zufrieden: Ob Geschäftsstelle, Stadion, Management, "...alles ist bei den Kickers professioneller", wird Rapp in der "Stuttgarter Zeitung" zitiert. Auch spiele er "...lieber vor 4000 Zuschauern als vor 1000". So ist es halt: "Wes' Brot ich ess', des Lied ich sing'" - warum sollten Fußballer da auch anders gestrickt sein als "Otto Normalo"? Vielleicht bringen Rapp & Co. heute ja ein paar Hundertschaften von Fans mit, sodass der Pfullendorfer Vorjahresschnitt von 1086 Zuschauern pro Spiel übertroffen wird.
Die Kickers bangen um ihre beiden Offensivkräfte Vaccaro (Zerrung) und Parmak (Grippe). Kapitän Härter, Sohler und Gambo waren auch verschnupft, sind aber wieder hergestellt.
Beim SC Pfullendorf fehlt voraussichtlich der Torschütze gegen Unterhaching, Michael Falkenmayer, der sich am Mittwochabend eine Adduktorenzerrung holte. Physiotherapeutin Katharina Mützel vermeldet: "Für ihn wird es eng bis Samstag." Christian Deufel stünde für die Position hinten rechts als Alternative bereit.
Überraschungen taktischer oder personeller Natur schließt Feichtenbeiner auf beiden Seiten weitgehend aus: "Die wird es wohl nicht geben. Wir kennen sie, sie kennen uns."
Harry Langer
http://www.sc-pfullendorf.de
erstellt am 11.08.2007