Letzter Versuch des Tor-Krokodils
Stürmer Sean Dundee kämpft bei Kickers Offenbach nach langer Verletzung um die Fortsetzung der Karriere
VON ANDREAS HUNZINGER
Das Gesicht des großen, kräftigen Mannes lässt keine Zweifel aufkommen: Sean Dundee quält sich. In diesen Tagen, da sich Fußball-Zweitligist Kickers Offenbach mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison befindet, muss der mittlerweile 34 Jahre alte Stürmer leiden. Ausdauerläufe, Schnelligkeits- und Krafttraining, harte Gymnastik - tapfer zieht Dundee mit, doch die Anstrengungen sind ebenso wie die körperlichen Defizite des Angreifers deutlich sichtbar.
Das verwundert nicht. Dundee hat im vergangenen Dreivierteljahr nur selten Fußball spielen können. Eine hartnäckige Rückenverletzung macht ihm seit dem Spätherbst des vergangenen Jahres zu schaffen. Damals hatte der einstige Erstliga-Torjäger, der Mitte der 90er Jahre gar als Hoffnungsträger für die deutsche Nationalmannschaft galt, gerade den Sprung in die Stammelf des OFC geschafft. Die Verletzung warf Dundee entscheidend zurück. Weswegen er sich in der Rückrunde der vergangenen Saison an den Regionalligisten Stuttgarter Kickers ausleihen ließ. Doch auch dort kam Dundee nicht richtig in Tritt.
Momentan kaum Beschwerden
Der Rücken war das Problem und ist es nach wie vor. Von einer Entzündung im hinteren Beckenbereich ist die Rede; was exakt den gebürtigen Südafrikaner plagt, "weiß keiner so genau", sagt Dundee. Jedenfalls wird er seit einiger Zeit mehrmals pro Woche mit Infusionen behandelt. Zurzeit aber, so der 1,87 Meter große und 81 Kilogramm schwere Stürmer, "ist mein Zustand ganz okay". Er habe kaum Schmerzen, sagt Dundee. Doch die Angst, dass die Beschwerden zurückkommen, bleibt. Dundee verdrängt sie, so gut er kann, und arbeitet hart daran, noch einmal auf den Platz zurückzukehren. Dass er tatsächlich noch einmal fit genug werden könnte, um den Kickers zu helfen, davon sind die Verantwortlichen des OFC nicht überzeugt. "Derzeit ist er zu weit weg", sagt Kickers-Coach Wolfgang Frank. Und da die Kickers nicht allzu lange warten können, sondiert der Klub nach wie vor den Spielermarkt auf der Suche nach einem Angreifer. "Ich kann das verstehen", sagt Dundee.
Mit Karriereende befasst
Auch Dundee selbst ist nicht hundertprozentig sicher, ob er es noch einmal schafft. Er spricht zwar mit Nachdruck davon, dass er es noch einmal wissen wolle, aber mit dem Thema Karriereende hat sich der Stürmer zumindest schon mal befasst. Während der Sommerpause habe er mit seinem Berater Jürgen Schwab ein Gespräch geführt, ob es nicht doch besser sei, die Kickstiefel an den Nagel zu hängen. Dundee und sein Manager kamen jedoch zu dem Schluss, dass die Zeit für ein Ende der Laufbahn noch nicht gekommen ist. "Ansonsten ärgere ich mich später, dass ich es zumindest nicht noch einmal versucht habe", sagt Dundee, der einst wegen seiner Namensgleichheit zum Filmhelden Crocodile Dundee als "Tor-Krokodil" bekannt wurde.
Also schindet er sich, um noch einmal das Niveau der Kollegen zu erreichen. Dass er - die Wiedererlangung der Fitness und Verletzungsfreiheit vorausgesetzt - im Konkurrenzkampf mit den weiteren OFC-Angreifern Suat Türker, Anestis Agritis und Dino Toppmöller eine Chance hat zu spielen, davon ist Dundee überzeugt. "Wenn ich fit bin, brauche ich keine Angst zu haben", sagt er. Und wenn er noch einmal herankommen und gar eine gute Saison hinlegen sollte, dann steht nicht einmal fest, dass er im Juni 2008, wenn sein Vertrag in Offenbach endet, tatsächlich aufhören wird. "Dann kann alles passieren."
Aber die Zweifel bleiben.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... nt=1171916