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Verletzungen um 92 Prozent senken - so geht es bei Milan

Verfasst: Donnerstag 4. März 2004, 14:49
von McVillager
Prognosesystem beim AC Milan Komplexes Wissensmanagementsystem beim AC Milan hält Spieler fit Künstliche Intelligenz sagt das Verletzungsrisiko vorher

Das neuronaleNetz generalisiert Elf Assets müsst ihr sein

Spieler sind das wertvollste Kapital des Unternehmens AC Milan. Das ist kein Lippenbekenntnis: Die Gesundheit der Kicker managt beim Tabellenführer der italienischen Serie A ein IT-System, das in seiner Akkuratesse wohl einzigartig ist seit der Einführung ist die Verletzungsrate um 91 Prozent gesunken. Auch andere Fußballclubs holen sich Verstärkung: Der VfB Stuttgart prüft sich selbst mit einer Balance Scorecard.

Über seine wertvollsten Arbeitnehmer weiß der internationale Spitzenfußballclub AC Milan alles. Sie sind aktenkundig: der Fastfood-Burger nebenbei, die Malaise in der Beziehung oder feinste Muskel- und Skelettschädigungen. Alle zwei Wochen absolvieren die Weltklassespieler um Maldini, Cafu und Seedorf den dreiteiligen Check des Milan Circuits im Milanlab. Biochemische Werte schaut sich der Mediziner an, dieTestergebnisse über den mentalen Zustand der Psychologe und die Athletik der Fitnesstrainer. Sie holen sich die Daten grafisch gefällig präsentiert über das personalisierte Portal aus der Wissensdatenbank, zu der insgesamt 100 Anwender Zugang haben.

Die Millionäre in kurzen Hosen lehnen die Durchleuchtung ihrer Privatsphäre nicht mehr ab wer fit bleibt, spielt mehr und länger. Stürmerstar Andriy Shevchenko: Ohne diese Technologie könnte ich nicht kontrollieren, ob meine Leistungen schlechter geworden sind. Das System erkennt alle Veränderungen in meinem Körper. Und nicht nur das: Bewertet das Wissensmanagementsystem bisher den Ist-Zustand, so stellt seit Januar ein Vorhersagesystem den Zusammenhang her zwischen Fitness-Metrik und der Verletzungsdiagnose: Es prognostiziert, ob sich noch unauffällige Symptome zu ernsten nicht-traumatische Verletzungen auswachsen können. Das Analysesystem hat über die Saison 2002/2003 endlich genug Daten zugefüttert bekommen, so dass es mit dem Cross-Validation-Protokoll gelernt hat, welche Werte eine Verletzung ankündigen. In der jetzt laufenden Saison soll sich das Prädiktionssystem endgültig warm laufen.

Prädiktives System zeigt die rote Karte

Natürlich stellt Trainer Carlo Ancelotti die Mannschaft auf, Muss aber ein Spieler ein Risiko eingehen oder droht Leistungsabfall, dann bekommt er eine Pause verordnet, stellt Milan-Psychologe Bruno Demichelis klar. Er wird anders trainiert, sein Training wird verbessert oder er darf einfach mehr spielen.

Kondition und Verfassung der Spieler sind in persönlichen Profilen statistisch aufbereitet. Der Medizinerstab des Milanlab reduziert durch die Infos die Verletzungsrate, fördert den Gesundheits-Gesamtzustands und perfektioniert das Fitnesstraining. Letzteres ist dem Mittelfeldspieler Rui Costa wichtig: Jeder kann ein individuelles Trainigsprogramm absolvieren in der Gruppe zu arbeiten, entspricht nicht dem Bedürfnis eines Spielers.

Wir wussten am Anfang nicht, wo uns dieses Projekt hinführen würde, gesteht AC-Milan-Marketingchefin Laura Masi. Aber wir hatten keine Informationen über die Spieler gesammelt und bei Trainerwechseln ging wertvolles Wissen verloren. Der Verein von Präsident Silvio Berlusconi habe begriffen, dass er wie jedes andere Unternehmen seine wichtigsten Assets managen muss: die Spieler. Wegen einer Sponsoringaktivität war gerade Computer Associates (CA) im Haus März 2002 startete das Pilotprojekt.

Der Infrastrukturspezialist modellierte zwei Subsysteme: das Wissensmanagement auf Basis des Cleverpath Portal und die Analyselösung mit dem Cleverpath Predictive Analysis Server. Dessen neuronales Netz hilft dem Trainer und seinen Assistenten bei der Entscheidungsfindung (siehe Interview). CA zimmerte auch das Backend mit System-, Netzwerk- und Datenmanagement sowie die Anwendungsentwicklung. Und natürlich steht die Abwehr: In dem hermetisch abgeriegelten Netz liegen datenschutzrechtlich brisante Daten. Zudem ist das System im emotionsgeladenen Fußballgeschäft gegen Manipulationsversuche der Anhänger gegnerischer Mannschaften zu verteidigen und gegen die Informationsgier der Fans. Diesem Druck begegnet der AC Milan mit Homepage, einer eigenen Zeitung und dem eigenen TV-Sender.

Das im Juli 2002 eröffnete weitläufige Milanlab besteht aus mehreren Plätzen, Fitnessstudios und Laboratorien. Für die Datenerhebung im Milan Circuit identifiziert sich der Spieler mit seinem elektronischen Schlüssel an einem Multimediakiosk, das ihm sein Pensum im Videoformat vorführt. Auch an den Sportgeräten des Kraftraums meldet er sich an. In den Labs wird mit Kameras das Gangmuster virtualisiert, werden Knochen- und Muskelbewegungen beim Springen kontrolliert, Augen und Ohren überprüft, mentale Messerte erhoben sowie die Ernährung abgestimmt und die Spieler auf Schadstoffe geprüft, seien es nicht zugelassenen Medikamente, Schwermetalle oder Alkohol und Nikotin.Das System konvertiert die Leistungsdaten in ein brauchbares Format und pflegt sie in das Wissensmanagementsystem ein. Dieses bereitet nun Statistiken auf, und liefert sie mit einer klaren Statusangabe nach Art einer Ampel über das Portal an Ärzte und Trainer. Die erarbeiten nun die nächste Spielaufstellung und das individuelle Trainingspensum bis hin zu Reflexübungen. Milans Mentaltrainer Demichelis: Was ältere Spieler nicht mehr mit Kraft machen können, müssen sie mit Hirn und Reaktionszeit wett machen. Der AC Milan habe nun einen systematischen Blick auf die Mannschaft. Daten statt Meinungen dieser Kulturwechsel war der größte Schritt. rr

Assistenz-PDA bindet Fans in das Stadiongeschehen ein

Als Smart Sport Solution bezeichnet das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik seinen PDA für Fußballfans, Journalisten, Sportler und Trainer. Der mobile Begleiter sammelt personalisiert Zusatzinformationen und bindet in Stadionservices ein. Künftig soll auch die An- und Abfahrt zu den Stadien durch Leit- und Verkehrsführungssysteme sowie bessere Parkplatzauslastung reibungsloser verlaufen. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik hat dabei schon die Weltmeisterschaft 2006 im Blick. Das System der Logistiker koordiniert die Verkehrsströme im öffentlichen Verkehrsraum und privaten Logistiknetze sowie den Mobilitätsbedarf der Zuschauer und Akteuren. Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) bündelt die Fußballforschung in der Initiative Mit Innovation am Ball. rr/Foto: FhG-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft

Balanced Scorecard verschafft dem VfB Stuttgart Überblick

Der VfB Stuttgart kämpft wie fast alle Bundesliga-Fußballvereine mit den Finanzen auch die Jungen Wilden wollen Geld verdienen. Mit rund 16 Millionen Euro steht der Deutsche Vizemeister bei den Banken in der Kreide. Es gibt aber einen bedeutenden Unterschied zu den anderen Clubs: Die Schwaben haben inzwischen einen sehr genauen und zeihnahen Überblick über ihre finanzielle Situation. Als erster deutscher Profiverein setzen die Stuttgarter eine Business-Intelligence-Lösung unter dem Namen Balplan ein, deren Kern ein Balanced-Scorecard-System ist.

Initiator dieses Management-Informationssystems ist der neue VfB-Präsident Erwin Staudt, dessen IT-Affinität leicht zu erklären ist bis vor einem Jahr war er noch Chef von IBM-Deutschland. Die Grundlage von Balplan bildet die multidimensionale Datenbank TM1 von Applix, als Frontend dient das Reporting-Tool Insight von Arcplan. Angepasst hat die Lösung der Dienstleister Horváth & Partner. Insgesamt werden 130 Kennzahlen generiert, 100 davon für die verschiedenen Abteilungen des Vereins, 30 für den Vorstand. Die Kennzahlen unterteilen sich in die vier Funktionsbereich Sport, Finanzen, Kunden sowie Organisation.

Ziel der Lösung ist es nicht nur, alle relevanten Kennziffern schneller auf den Bildschirm zu bekommen um zeitnahm reagieren zu können. Balplan ist sowohl ein Controlling-Instrument, mit dem wir die Analyse der eigenen Prozesse und Standortbestimmungen durchführen können, als auch eine strategische Ausrichtung des Unternehmens VfB Stuttgart, erläutert Staudt den Einsatzbereich. Gerade die Möglichkeit der Business-Intelligence-Lösung, zukunftsorientierte Planungsszenarien durchspielen zu können, ist dem VfB-Präsidenten wichtig: Staudt will den eingetragenen Verein alter Prägung in ein modernes mittelständisches Unternehmen umwandeln und dazu konsequent die entsprechenden Führungswerkzeuge einsetzen. mr

Prognosesystem beim AC Milan

Das neuronale Netz generalisiert

Mit einem Artificial Neuronal Network (ANN) verwandelt das Milanlab Daten der Fußballer in Informationen. Laut CA-Projektleiter Fabrizio Tittarelli läuft die Optimierung.

Warum verwendet der AC Milan ein neuronales Netz als Analysetechnik ?

Das ANN analysiert gleichzeitig große Mengen verschiedenartiger Informationen, verarbeitet sie sehr schnell und lernt selbsttätig.

Was wird gelernt?

Das ANN lernt aus Beispielen und generalisiert. Durchläuft nun ein neuer Spieler zum Test den Standardzirkel mit Diagnosegeräten, so reichen dem ANN diese Daten zu einer ersten Fitnessbewertung der AC Milan braucht dazu also keine historischen Daten mehr.

Das Projekt läuft seit Frühjahr 2002. Warum dauert das so lange?

Die IT-Lösung war schnell aufgesetzt, aber die Datensammlung braucht Zeit. Alle zwei Wochen werden die Spieler in den Milanlab-Zirkel geschickt und wir bekommen frische Leistungsdaten für die 50 Spieler der ersten und zweiten Mannschaft. Wird die Frequenz verkürzt, arbeitet das ANN nicht mehr korrekt.

Lässt sich die Qualität der Daten verbessern?

Wir haben nicht von allen Spielern alle 14 Tage die Daten sie sind manchmal bei ihren Nationalmannschaften oder im Urlaub. Eine Vorhersage für Verletzungen wird aber um so besser, je mehr Daten vorhanden sind. Wir müssen also diese Datenlücke füllen und auch die Schlüsselvariablen aus den rund 70 Werten herausarbeiten. rr

http://www.computerzeitung.de/O/50/Y/84 ... fault.aspx