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Bundesligisten fordern mehr Geld vom DFB

Verfasst: Samstag 1. Mai 2004, 21:30
von Blau&Weiß
Der Fußballstreit:
Liga kontra Verband


Die Bundesligisten fordern mehr Geld vom DFB

STUTTGART. Die DFL wird den Grundlagenvertrag mit dem DFB zu den aktuellen Konditionen nicht verlängern. Der Ligaverband verlangt mehr Geld - und hat dabei ein enormes Druckmittel in der Hinterhand. Denn die Frage lautet: Was wird aus dem DFB-Pokal?


Von Thomas Haid

Beim Länderspiel am Mittwoch in Bukarest saßen Gerhard Mayer-Vorfelder und Werner Hackmann auf der Tribüne einträchtig nebeneinander. So vermittelten der Präsident des Deutschen Fußball-Verbandes (DFB) und der Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein harmonisches Bild, was das Verhältnis der beiden Gremien in diesen Wochen jedoch nicht sonderlich treffend beschreibt. Denn für Konfliktstoff ist gesorgt.
Auf der einen Seite steht der DFB als Verantwortlicher für die Nationalmannschaften und den Amateurbereich - und die andere Position besetzt die DFL als Dachorganisation der 36 Profivereine. Da prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Diese Strömungen soll der Grundlagenvertrag unter einen Hut bringen. Aber die Abmachung gilt nur noch bis Juni 2005 - und wie es danach weitergeht, steht in den Sternen.
Fest steht wohl nur, dass für die DFL eine Vertragsverlängerung unter den gegenwärtigen Bedingungen ausgeschlossen ist. Hinter den Kulissen ist darüber ein Machtkampf entbrannt, der sogar zur Spaltung des deutschen Fußballs führen könnte. Die Liga will - auf Druck der Klubs - vom DFB mehr Geld. Darüber hat Hackmann mit Mayer-Vorfelder schon verhandelt, zuletzt in Bukarest. Das Ergebnis? "Laufende Gespräche kommentiere ich nicht", erklärt der DFL-Chef, für den jedoch klar ist, dass wir in den nächsten Wochen eine Entscheidung brauchen".

Planungssicherheit gefragt

Das zeigt: die Sache ist dringlich und genießt Priorität. Denn es geht um eine Planungssicherheit für die Vereine, die mit den Verhältnissen unzufrieden sind. Bisher sieht die Regelung vor, dass die DFL dem DFB pro Jahr drei Prozent ihrer Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Fernsehhonoraren zu zahlen hat, zumindest aber 12,5 Millionen Euro. Für die Leistungen der Liga überweist der DFB wiederum 25 Prozent seiner Länderspieleinnahmen an die DFL, mindestens aber vier Millionen Euro. Dazu kommen die Versicherungsbeträge und Abstellungsgebühren für die Nationalspieler. Diese Posten machen auch noch mal rund fünf Millionen Euro aus.
Im Jahr 2002 bedeutete das beispielsweise, dass der DFB aus dem Grundlagenvertrag 13,5 Millionen Euro von der DFL kassierte - und der Ligaverband elf Millionen vom DFB. Doch bei dieser Verteilung wird es kaum bleiben. Denn dazu ist der Unmut in den Klubs viel zu groß.
Inzwischen ist der Poker voll entbrannt. Mayer-Vorfelder betont, dass der Grundlagenvertag in seinen wesentlichen Punkten nicht antastbar sei. "Wenn die Liga die Rechte zu diesen Konditonen nicht mehr will, dann fallen sie eben wieder zurück an den DFB", sagt der Präsident. Doch mit dieser Argumentation macht es sich Mayer-Vorfelder wahrscheinlich zu einfach. Die DFL hat nämlich noch einen hohen Trumpf in der Hinterhand, der im Zweifelsfall stechen dürfte: den Pokal.
Dieser Wettbewerb läuft noch unter der Regie des DFB, obwohl er von den Profivereinen getragen wird. Deshalb denkt die DFL daran, auch den Pokal für sich zu beantragen. Das würde den DFB treffen, weil sich sein Wirken dann abgesehen von den Auswahlteams auf die Amateure reduzieren würde. "Ich rede nicht über Druckmittel", sagt Hackmann gegenüber der StZ, "aber ich räume ein, dass auch der Pokal in unseren Verhandlungen mit dem DFB ein Thema ist."

Der VfB zeigt sich solidarisch

Ihre Vorgehensweise hat die DFL im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung mit den Klubs besprochen. Die Forderung nach mehr Geld wird erstens damit begründet, dass die TV-Honorare im Profifußball nicht mehr so üppig wie vor der Kirch-Pleite ausfallen. Dagegen habe der DFB die Fernsehverträge für seine Nationalmannschaften aufstocken können. Zweitens habe der Verband Sponsoren verpflichtet, die der Liga nicht mehr zur Verfügung stehen. Und drittens müssten die Vereine ihre Spieler für die Auswahlteams abstellen - und dennoch weiter für die vollen Lohnkosten aufkommen.
Im letzten Punkt hat Ulrich Ruf einmal nachgerechnet. Herausgekommen ist dabei, dass der VfB - und wohl nicht nur da - Jahre mit einer Weltmeisterschaft oder einer Europameisterschaft gegeben hat, in denen einige Profis dem Klub mehr als 100 Tage fehlten. Zwecks einer Ausgleichszahlung hat der Zusammenschluss der europäischen Großvereine "G 14" inzwischen übrigens sogar bei der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) juristische Schritte gegen den Weltverband Fifa eingeleitet - und Ruf erklärt sich zumindest mit der grundsätzlichen Stoßrichtung der DFL bezüglich einer Reform des Grundlagenvertrages solidarisch. "Keine Frage, wir unterstützen den Ligaverband in dieser Angelegenheit", sagt der Finanzdirektor des VfB Stuttgart.
Für Ruf ist das im Herbst 2000 unterzeichnete Abkommen ohnehin unter Gesichtspunkten zu Stande gekommen, die keine Gültigkeit mehr besitzen. "Damals war auch ein politischer Preis zu entrichten", sagt er - und zwar deshalb, weil sich die Liga ihre Loslösung vom DFB und ihre Selbstständigkeit teuer erkaufen musste. Dieser Schritt wurde vollzogen. Nun ist die DFL in einer stärkeren Position - und vermutlich hat Hackmann auch das seinem Kollegen Mayer-Vorfelder in Bukarest noch einmal mitgeteilt.

Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 30. April 2004