Erfolgsgeheimnisse von Langzeittrainern? (mit Umfrage)
Verfasst: Sonntag 8. November 2015, 17:02
Der Trainerstuhl bei den Kickers gehört nicht gerade zu den sichersten in der großen weiten Fußballwelt. Mit Horst Steffen musste mal wieder einer der deutlich besseren Sorte schon nach zwei Jahren wieder gehen. Das dürfte für einen Kickers-Trainer bereits eine überdurchschnittliche Amtsdauer sein. Ich verfolge die Kickers seit Ende der 80er. Von da ab bis heute waren alle Kickers-Trainer weniger als 4 Jahre im Amt. Die längsten Amtszeiten waren die von Wolfgang Wolf (1994-1998), Robin Dutt (2003-2007) und Dirk Schuster (2009-2012). Robin Dutt war von den dreien der einzige, der theoretisch länger hätte im Amt bleiben können. Er wurde im Gegensatz zu den beiden anderen nicht entlassen, sondern ging zu einem höherklassigen Verein. Wolfgang Wolf schien lange Zeit der perfekte Kickers-Trainer zu sein, eilte von Erfolg zu Erfolg, bis schließlich seine Zeit auf der Sporthochschule in Köln wegen des Trainerscheins seine Autorität scheinbar untergraben hat. Robin Dutt hat diesen Spagat besser hinbekommen, dennoch gab es auch unter ihm gegen Ende seiner Amtszeit teilweise Querelen im Spielerkader. Auch unter Dirk Schuster ging es die meiste Zeit nur aufwärts, am Ende bedeutete, wie jetzt auch bei Horst Steffen, die erste ernst zu nehmende Krise das Aus. Leider war es in beiden Fällen nicht nur eine leichte Leistungsdelle, sondern ein Tief mit Nachhaltigkeitscharakter. Schade, denn beiden hätte ich eine längere Amtszeit gegönnt.
Auf der anderen Neckarseite ist mir auch kein Trainer bekannt, der die 4-Jahres-Schallmauer übersprungen hat. Trotzdem gibt es immer wieder Vereine, bei denen Trainer langfristig arbeiten können. Paradevereine in dieser Hinsicht gibt es mehrere:
-Werder Bremen mit den zweistelligen Amtszeiten von Otto Rehhagel und Thomas Schaaf
-SC Freiburg mit Rekordhalter Volker Finke (16 Jahre Trainer mit mehreren Auf- und Abstiegen)
-Borussia Dortmund mit Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp
-Mainz 05 mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel
-Heidenheim mit Frank Schmidt
Im Ausland sind natürlich v. a. noch ManU mit Ferguson und Arsenal mit Wenger zu nennen...
Auch Augsburg scheint mit Markus Weinzierl einen Langzeitkandidaten zu haben, ebenso Darmstadt mit Dirk Schuster und Freiburg mit Christian Streich? Warum schaffen das die Kickers nicht? Da ist zum einen möglicherweise die schwäbische Mentalität. Man bruddelt hierzulande halt ziemlich schnell und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein. Dazu kommt vielleicht eine latent hohe Erwartungshaltung. Auch hier schließe ich mich ausdrücklich ein. Auch ich würde die Kickers gerne mindestens in der 2. Liga sehen. Da gehören sie von der Vergangenheit her zwar grundsätzlich hin, nicht aber vom Zuschauerzuspruch her. Da gibt es zahlreiche Regionalligisten mit wesentlich mehr Zuschauerzuspruch. Insofern ist es auch ein Stück lebendige Demokratie, wenn die Vereine mit den höchsten Zuschauerzahlen auch in den höchsten Ligen spielen. Aber zurück zum Thema. Festzustellen ist, dass die meisten Mannschaften mit langjährigen Erfolgstrainern diesen sehr freie Hand lassen. Dirk Schuster ist in Darmstadt ebenso wie früher Finke in Freiburg Mädchen für alles. Das scheint ihm zu liegen, denn bei uns war es bekanntlich so, dass sein Verhältnis zu Michael Zeyer nicht das beste gewesen sein kann und es dadurch zu Reibungsverlusten kam. Bei Finke hat sich dadurch allerdings irgendwann die Arroganz der Macht eingeschlichen, was letztlich zu seinem Abgang geführt hat. Schuster hat in Darmstadt auch deshalb eine Jobgarantie, weil er die Erwartungen längst übererfüllt hat. Das war auch in Freiburg bei Finke lange Zeit der Fall, weil die Bundesliga nie als Pflicht, sondern immer als Kür angesehen wurde. Freiburg hatte allerdings auch das Glück, noch nie direkt wieder abgestiegen zu sein, sondern immer über mehrere Jahre am Stück Bundesliga spielen zu können, bis man irgendwann wieder abstieg, zuletzt sogar 6 Jahre. Dieses Glück hatten die Kickers damals nicht, sonst hätte Rainer Zobel dort ein Langzeittrainer werden können. Auch Augsburg hat bisher die Klasse halten können, hat schon einige Jahre keinen Abstieg mehr erlebt. Durch diesen längerfristigen Erfolg, wie er etwa in Augsburg, Darmstadt, Freiburg oder Mainz zu beobachten ist, wurde die finanzielle Grundlage dieser Vereine stetig verbessert. Gemessen an den Großen der Bundesliga sind diese Verhältnisse zwar immer noch eher bescheiden, vieles wird aber durch langfristig aufrecht erhaltenem Teamgeist wettgemacht. Vereine wie Sandhausen, Heidenheim oder der Ponyhof fallen eher nicht in dieses Raster. Hier gibt es jeweils ein vergleichsweise finanzstarkes Umfeld, das die gegenwärtigen Erfolge überhaupt erst ermöglicht hat. Man muss aber zugeben, dass dort fähige Leute in der sportlichen Leitung sitzen. Ein Beispiel, dass es unter ähnlichen Voraussetzungen auch schief gehen kann ist der VfR Aalen, der in den letzten Jahren auch zwei Abstiege erleben musste. Dort gab es bezeichnenderweise auch keinen echten Langzeittrainer. Voraussetzung für einen solchen scheint mir daher auch eine gewisse finanzielle Basis zu sein, die es erlaubt, unaufgeregt zu arbeiten und Krisen möglicherweise durch Zukauf neuer Spieler zu meistern. Diese Voraussetzungen sind bei den Kickers schon seit jeher begrenzt. Da hat der Ponyhof inzwischen leider deutliche Vorteile. Hier ist es vielleicht sogar ein Vorteil, nur wenige Zuschauer zu haben, denn die wenigen, die kommen, sind vermutlich eher leicht zu handhaben und bruddeln wenig. Hatten aber zuletzt auch keinen Grund dafür. Durch systematisches Understatement wird zudem auch der Erwartungsdruck niedrig gehalten. Das alles zeigt, dass sich die Katze bei den Kickers leider ziemlich oft in den Schwanz beißt. Deshalb hatten wir auch schon lange keinen echten Langzeittrainer mehr. Interessanterweise hatten aber auch die Bayern mit Ausnahme von 6 Jahren Ottmar Hitzfeld auch nicht wirklich einen Langzeittrainer - oder gerade auch deshalb, weil es die Bayern sind?
Über weitere Gedanken zu diesem Thema würde ich mich freuen. Dazu gibt es noch eine kleine Umfrage...
Auf der anderen Neckarseite ist mir auch kein Trainer bekannt, der die 4-Jahres-Schallmauer übersprungen hat. Trotzdem gibt es immer wieder Vereine, bei denen Trainer langfristig arbeiten können. Paradevereine in dieser Hinsicht gibt es mehrere:
-Werder Bremen mit den zweistelligen Amtszeiten von Otto Rehhagel und Thomas Schaaf
-SC Freiburg mit Rekordhalter Volker Finke (16 Jahre Trainer mit mehreren Auf- und Abstiegen)
-Borussia Dortmund mit Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp
-Mainz 05 mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel
-Heidenheim mit Frank Schmidt
Im Ausland sind natürlich v. a. noch ManU mit Ferguson und Arsenal mit Wenger zu nennen...
Auch Augsburg scheint mit Markus Weinzierl einen Langzeitkandidaten zu haben, ebenso Darmstadt mit Dirk Schuster und Freiburg mit Christian Streich? Warum schaffen das die Kickers nicht? Da ist zum einen möglicherweise die schwäbische Mentalität. Man bruddelt hierzulande halt ziemlich schnell und da schließe ich mich ausdrücklich mit ein. Dazu kommt vielleicht eine latent hohe Erwartungshaltung. Auch hier schließe ich mich ausdrücklich ein. Auch ich würde die Kickers gerne mindestens in der 2. Liga sehen. Da gehören sie von der Vergangenheit her zwar grundsätzlich hin, nicht aber vom Zuschauerzuspruch her. Da gibt es zahlreiche Regionalligisten mit wesentlich mehr Zuschauerzuspruch. Insofern ist es auch ein Stück lebendige Demokratie, wenn die Vereine mit den höchsten Zuschauerzahlen auch in den höchsten Ligen spielen. Aber zurück zum Thema. Festzustellen ist, dass die meisten Mannschaften mit langjährigen Erfolgstrainern diesen sehr freie Hand lassen. Dirk Schuster ist in Darmstadt ebenso wie früher Finke in Freiburg Mädchen für alles. Das scheint ihm zu liegen, denn bei uns war es bekanntlich so, dass sein Verhältnis zu Michael Zeyer nicht das beste gewesen sein kann und es dadurch zu Reibungsverlusten kam. Bei Finke hat sich dadurch allerdings irgendwann die Arroganz der Macht eingeschlichen, was letztlich zu seinem Abgang geführt hat. Schuster hat in Darmstadt auch deshalb eine Jobgarantie, weil er die Erwartungen längst übererfüllt hat. Das war auch in Freiburg bei Finke lange Zeit der Fall, weil die Bundesliga nie als Pflicht, sondern immer als Kür angesehen wurde. Freiburg hatte allerdings auch das Glück, noch nie direkt wieder abgestiegen zu sein, sondern immer über mehrere Jahre am Stück Bundesliga spielen zu können, bis man irgendwann wieder abstieg, zuletzt sogar 6 Jahre. Dieses Glück hatten die Kickers damals nicht, sonst hätte Rainer Zobel dort ein Langzeittrainer werden können. Auch Augsburg hat bisher die Klasse halten können, hat schon einige Jahre keinen Abstieg mehr erlebt. Durch diesen längerfristigen Erfolg, wie er etwa in Augsburg, Darmstadt, Freiburg oder Mainz zu beobachten ist, wurde die finanzielle Grundlage dieser Vereine stetig verbessert. Gemessen an den Großen der Bundesliga sind diese Verhältnisse zwar immer noch eher bescheiden, vieles wird aber durch langfristig aufrecht erhaltenem Teamgeist wettgemacht. Vereine wie Sandhausen, Heidenheim oder der Ponyhof fallen eher nicht in dieses Raster. Hier gibt es jeweils ein vergleichsweise finanzstarkes Umfeld, das die gegenwärtigen Erfolge überhaupt erst ermöglicht hat. Man muss aber zugeben, dass dort fähige Leute in der sportlichen Leitung sitzen. Ein Beispiel, dass es unter ähnlichen Voraussetzungen auch schief gehen kann ist der VfR Aalen, der in den letzten Jahren auch zwei Abstiege erleben musste. Dort gab es bezeichnenderweise auch keinen echten Langzeittrainer. Voraussetzung für einen solchen scheint mir daher auch eine gewisse finanzielle Basis zu sein, die es erlaubt, unaufgeregt zu arbeiten und Krisen möglicherweise durch Zukauf neuer Spieler zu meistern. Diese Voraussetzungen sind bei den Kickers schon seit jeher begrenzt. Da hat der Ponyhof inzwischen leider deutliche Vorteile. Hier ist es vielleicht sogar ein Vorteil, nur wenige Zuschauer zu haben, denn die wenigen, die kommen, sind vermutlich eher leicht zu handhaben und bruddeln wenig. Hatten aber zuletzt auch keinen Grund dafür. Durch systematisches Understatement wird zudem auch der Erwartungsdruck niedrig gehalten. Das alles zeigt, dass sich die Katze bei den Kickers leider ziemlich oft in den Schwanz beißt. Deshalb hatten wir auch schon lange keinen echten Langzeittrainer mehr. Interessanterweise hatten aber auch die Bayern mit Ausnahme von 6 Jahren Ottmar Hitzfeld auch nicht wirklich einen Langzeittrainer - oder gerade auch deshalb, weil es die Bayern sind?
Über weitere Gedanken zu diesem Thema würde ich mich freuen. Dazu gibt es noch eine kleine Umfrage...