Robin Dutt: "Sportliche Sensationen müssen belohnt werd
Verfasst: Samstag 29. Mai 2004, 18:57
"Sportliche Sensationen müssen belohnt werden"
Der Kickers-Trainer Robin Dutt kritisiert das Lizenzierungsverfahren, weil sein Team nicht in die zweite Liga aufsteigen darf
STUTTGART. Im vorletzten Spiel der Fußball-Regionalliga treten die Kickers morgen (14.30 Uhr) beim SC Pfullendorf an. Aufsteigen können die Stuttgarter aber nicht mehr - weil sie keine Lizenz für die zweite Liga beantragt haben. Deshalb ärgert sich der Trainer Robin Dutt.
Von Marko Schumacher
Im Prinzip gibt es für den Fußballtrainer Robin Dutt in diesen Tagen überhaupt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Seine Stuttgarter Kickers haben das Saisonziel Klassenverbleib längst geschafft; die Mannschaft eilt mit höchst attraktivem Fußball seit Wochen von Sieg zu Sieg und liegt in der Rückrundentabelle der Regionalliga folgerichtig auf dem ersten Platz. Auch die Planungen für die neue Runde laufen so, wie der Trainer sich das vorstellt. Dennoch hat Robin Dutt einen richtig dicken Hals. Der Grund: weil die Kickers im Frühjahr bekanntlich keine Lizenz für die zweite Bundesliga beantragt haben, dürfen sie nicht aufsteigen.
"Diese Regelung", sagt Dutt, "ist einfach nur unsportlich und geht nicht in Ordnung." Es könne nicht sein, dass schon im März unwiderruflich die Weichen für die nächste Saison gestellt werden. Damals standen die Kickers auf einem Abstiegsplatz und hatten andere Sorgen, als sich mit der zweiten Liga zu befassen. Nun, zwei Spieltage vor dem Saisonende, liegen sie auf dem sechsten Platz - nur drei Punkte von einem Aufstiegsrang entfernt. "Diese Entwicklung war nicht abzusehen. Wenn man ganz hinten steht, dann gibt man eben nicht einen Euro für die Beantragung einer Lizenz aus", sagt Dutt.
Auch wenn der Durchmarsch von ganz unten nach ganz oben, der Weg vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten, "nur einmal in zwanzig Jahren" vorkommt, müsse sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Ausnahmeregelungen für solche Fälle überlegen, fordert Dutt: "Die besten Mannschaften sollten schließlich aufsteigen - und sportliche Sensationen müssen belohnt werden." Zumal die Kickers auf Grund ihrer ganzen Infrastruktur keine Probleme hätten, die Anforderungen für die zweite Liga zu erfüllen.
Sollten die Stuttgarter Kickers am Ende tatsächlich einen Aufstiegsplatz belegen - den Gerichtsweg wollten sie dennoch nicht bemühen. "Rechtliche Schritte werden uns auf die Schnelle auch nicht weiterhelfen, kurzfristig bringt so etwas nichts", hat Dutt erkannt und will mit seiner Kritik für "ein grundsätzliches Umdenken" sorgen. Die Statuten müssten geändert werden, damit solche Fälle in Zukunft ausbleiben. Dutt will "einen Anstoß an alle Vereine geben, sich nicht alles gefallen zu lassen".
Fragt sich nur, wie ein neues Lizenzierungsverfahren aussehen soll, wenn 36 Profiklubs plus die ambitionierten Regionalligisten ihre Unterlagen einreichen, die teils so dick sind wie das Telefonbuch von Berlin. "Das alles muss schließlich durchgeprüft werden, und da ist nun einmal ein gewisser zeitlicher Vorlauf nötig", sagt der Ludwigsburger Rechtsanwalt Joachim Rain. Vor allem dann, wenn Streitfälle auftauchen, wie es einst bei Reutlingen oder Unterhaching der Fall war. "Das alles lässt sich nicht am Saisonende regeln", sagt Rain, "die Fristen sind für die DFL ein legitimes Bedürfnis." Für die Klubs sieht der Anwalt deshalb nur eine Möglichkeit: "Sie müssen ihre Unterlagen auf Verdacht rechtzeitig einreichen - und sei die sportliche Lage noch so hoffnungslos."
Für die Stuttgarter Kickers bleibt also nur die Hoffnung auf die nächste Saison. Dann wollen sie den Aufstieg in Angriff nehmen und werden die Lizenzunterlagen vermutlich rechtzeitig einreichen. Dutt bastelt schon fleißig an der neuen Mannschaft - und freut sich über zwei weitere Neuzugänge, die gestern Unterschrieben haben: Von der SpVgg 07 Ludwigsburg kommt der 22-Jährige Mittelfeldspieler Mustafa Parmak und erhält einen Einjahresvertrag; und vom FC St. Pauli wechselt Daniel Sager als Ersatz von Sascha Benda nach Degerloch. Der 24-Jährige, der einst bei Waldhof Mannheim gespielt und für zwei Jahre unterschrieben hat, ist ein Allrounder und kann in der Abwehr und im Mittelfeld eingesetzt werden. "Er ist ein erfahrener Regionalligaspieler, der unserer Mannschaft sicher weiterhelfen wird", sagt Dutt.
Vielleicht tragen ja die beiden neuen Spieler dazu bei, dass des Trainers dicker Hals wieder ein wenig abschwillt.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 28. Mai 2004
Der Kickers-Trainer Robin Dutt kritisiert das Lizenzierungsverfahren, weil sein Team nicht in die zweite Liga aufsteigen darf
STUTTGART. Im vorletzten Spiel der Fußball-Regionalliga treten die Kickers morgen (14.30 Uhr) beim SC Pfullendorf an. Aufsteigen können die Stuttgarter aber nicht mehr - weil sie keine Lizenz für die zweite Liga beantragt haben. Deshalb ärgert sich der Trainer Robin Dutt.
Von Marko Schumacher
Im Prinzip gibt es für den Fußballtrainer Robin Dutt in diesen Tagen überhaupt keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Seine Stuttgarter Kickers haben das Saisonziel Klassenverbleib längst geschafft; die Mannschaft eilt mit höchst attraktivem Fußball seit Wochen von Sieg zu Sieg und liegt in der Rückrundentabelle der Regionalliga folgerichtig auf dem ersten Platz. Auch die Planungen für die neue Runde laufen so, wie der Trainer sich das vorstellt. Dennoch hat Robin Dutt einen richtig dicken Hals. Der Grund: weil die Kickers im Frühjahr bekanntlich keine Lizenz für die zweite Bundesliga beantragt haben, dürfen sie nicht aufsteigen.
"Diese Regelung", sagt Dutt, "ist einfach nur unsportlich und geht nicht in Ordnung." Es könne nicht sein, dass schon im März unwiderruflich die Weichen für die nächste Saison gestellt werden. Damals standen die Kickers auf einem Abstiegsplatz und hatten andere Sorgen, als sich mit der zweiten Liga zu befassen. Nun, zwei Spieltage vor dem Saisonende, liegen sie auf dem sechsten Platz - nur drei Punkte von einem Aufstiegsrang entfernt. "Diese Entwicklung war nicht abzusehen. Wenn man ganz hinten steht, dann gibt man eben nicht einen Euro für die Beantragung einer Lizenz aus", sagt Dutt.
Auch wenn der Durchmarsch von ganz unten nach ganz oben, der Weg vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsaspiranten, "nur einmal in zwanzig Jahren" vorkommt, müsse sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Ausnahmeregelungen für solche Fälle überlegen, fordert Dutt: "Die besten Mannschaften sollten schließlich aufsteigen - und sportliche Sensationen müssen belohnt werden." Zumal die Kickers auf Grund ihrer ganzen Infrastruktur keine Probleme hätten, die Anforderungen für die zweite Liga zu erfüllen.
Sollten die Stuttgarter Kickers am Ende tatsächlich einen Aufstiegsplatz belegen - den Gerichtsweg wollten sie dennoch nicht bemühen. "Rechtliche Schritte werden uns auf die Schnelle auch nicht weiterhelfen, kurzfristig bringt so etwas nichts", hat Dutt erkannt und will mit seiner Kritik für "ein grundsätzliches Umdenken" sorgen. Die Statuten müssten geändert werden, damit solche Fälle in Zukunft ausbleiben. Dutt will "einen Anstoß an alle Vereine geben, sich nicht alles gefallen zu lassen".
Fragt sich nur, wie ein neues Lizenzierungsverfahren aussehen soll, wenn 36 Profiklubs plus die ambitionierten Regionalligisten ihre Unterlagen einreichen, die teils so dick sind wie das Telefonbuch von Berlin. "Das alles muss schließlich durchgeprüft werden, und da ist nun einmal ein gewisser zeitlicher Vorlauf nötig", sagt der Ludwigsburger Rechtsanwalt Joachim Rain. Vor allem dann, wenn Streitfälle auftauchen, wie es einst bei Reutlingen oder Unterhaching der Fall war. "Das alles lässt sich nicht am Saisonende regeln", sagt Rain, "die Fristen sind für die DFL ein legitimes Bedürfnis." Für die Klubs sieht der Anwalt deshalb nur eine Möglichkeit: "Sie müssen ihre Unterlagen auf Verdacht rechtzeitig einreichen - und sei die sportliche Lage noch so hoffnungslos."
Für die Stuttgarter Kickers bleibt also nur die Hoffnung auf die nächste Saison. Dann wollen sie den Aufstieg in Angriff nehmen und werden die Lizenzunterlagen vermutlich rechtzeitig einreichen. Dutt bastelt schon fleißig an der neuen Mannschaft - und freut sich über zwei weitere Neuzugänge, die gestern Unterschrieben haben: Von der SpVgg 07 Ludwigsburg kommt der 22-Jährige Mittelfeldspieler Mustafa Parmak und erhält einen Einjahresvertrag; und vom FC St. Pauli wechselt Daniel Sager als Ersatz von Sascha Benda nach Degerloch. Der 24-Jährige, der einst bei Waldhof Mannheim gespielt und für zwei Jahre unterschrieben hat, ist ein Allrounder und kann in der Abwehr und im Mittelfeld eingesetzt werden. "Er ist ein erfahrener Regionalligaspieler, der unserer Mannschaft sicher weiterhelfen wird", sagt Dutt.
Vielleicht tragen ja die beiden neuen Spieler dazu bei, dass des Trainers dicker Hals wieder ein wenig abschwillt.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 28. Mai 2004