Offener Brief des Präsidenten Prof. Dr. Rainer Lorz
Verfasst: Sonntag 2. Mai 2021, 16:40
OFFENER BRIEF DES PRÄSIDENTEN
Liebe Kickers-Fans, liebe Partner, liebe Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,
auf diesem Wege wollen wir Sie gern über den aktuellen Stand, die Hintergründe und die weitere Vorgehensweise nach der Entscheidung über die Annullierung der Spielzeit 2020/21 in der Oberliga-Baden-Württemberg informieren.
Seit der Entscheidung der Verbände, die Oberliga-Spielzeit ohne Auf- und Absteiger zu annullieren, haben wir viele Gespräche auf verschiedensten Ebenen geführt. Intern sind wir dabei zu einer einstimmigen Entscheidung gekommen: Wir werden die Interessen der Stuttgarter Kickers mit Nachdruck vertreten und gehen trotz der schwierigen Ausgangslage davon aus, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Nach dem Motto: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat bereits verloren.“
Die Art der Entscheidungsfindung, die Kommunikation mit den beteiligten Vereinen und natürlich auch die Entscheidung selbst haben uns extrem enttäuscht. Die Verbände laufen mit solchen Prozessen Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit vollends zu verspielen. Warum können in Bayern im Zeitraum zwischen dem 18. Mai und 5. Juni Relegationsspiele um den Aufstieg in die 3. Liga stattfinden? Warum nimmt der TSV Havelse mit 9 ausgetragenen Spielen an der Relegation zur 3. Liga teil? Warum steigt Viktoria Berlin mit 11 ausgetragenen Spielen in die 3. Liga auf? Wir gönnen all diesen Vereinen die hiermit verbundene Möglichkeit, sich in der nächsthöheren Spielklasse sportlich zu beweisen. Aber wo verläuft die Grenze zwischen Vereinen, die in ganz Deutschland eigentlich nach vergleichbaren Regeln und unter dem gleichen Dach Fußball spielen sollten? Zwischen Ulm und Neu-Ulm?
Zu den wichtigsten Aufgaben eines Sportverbands gehört es, einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb zu organisieren und einen Rahmen für einen fairen sportlichen Wettbewerb zu gewährleisten. Die Vereine unterwerfen sich dem entsprechenden Regelwerk und den hiermit verbundenen Konsequenzen und tragen durch ihre Abgaben dazu bei, dass die für einen solchen Wettbewerb erforderlichen Organisationsstrukturen aufrechterhalten werden können. Aber auch im zweiten Anlauf ist es der Regionalliga Südwest und der Oberliga Baden-Württemberg unter zugebenermaßen schwierigen Rahmenbedingungen nicht gelungen, einen sportlich nachvollziehbaren Weg zur Entscheidung über Auf- und Abstieg sicherzustellen. Nachdem im ersten Jahr eine den Regularien seinerzeit unbekannte Quotientenregelung zur Anwendung gebracht wurde, lässt die Regionalliga Südwest nun kraft eigenmächtiger Entscheidung keine Aufsteiger zu, da sie diese nicht als hinreichend sportlich qualifiziert ansieht, belässt aber Vereine in der Liga, die entgegen der vor Saisonbeginn einvernehmlich festgelegten Abstiegsregelung in der vollen Spielzeit die entsprechende sportliche Qualifikation nicht erreichen. Die intransparente Entscheidungsfindung durch die beteiligten Verbände, die zugleich Gesellschafter der Regionalliga Südwest GbR sind, verschärft unser Unverständnis und Unbehagen. Nicht zuletzt droht die Gefahr, dass wir junge Sportler nicht nur wegen der Bedingungen der Pandemie verlieren, sondern auch, weil talentierte Spieler durch solche Entscheidungen in ihrer Entwicklung gehemmt werden.
In der Corona-bedingt größten Krise des Fußballs, in der alle Vereine von der Kreisliga C bis zur Oberliga, von den Bambinis bis zur U19, Hilfe brauchen und auf Hilfe angewiesen sind, fühlen wir uns nicht nur hier – wie sehr viele andere Vereine – von den Verbänden allein gelassen. Energie wird – wie an diesem Wochenende – verbraucht für außerordentliche Sitzungen der Verbandspräsidenten mit dem DFB-Präsidium, mit Machtkämpfen und wohl auch Eitelkeiten – und dabei vergisst man anscheinend die Vereine, die den Verband bilden. Es werden nicht nur Energie und Kosten gebunden, sondern man erschwert auch noch die Arbeit der Vereine, indem man ein schlechtes Bild für den deutschen Fußball abgibt und die Anstrengungen der Vereine erschwert, die Partner und Sponsoren trotz aller Widrigkeiten bei der Stange zu halten.
Liebe Kickers-Fans, liebe Partner, wir werden jedenfalls weiter für unseren Verein kämpfen. Gründlichkeit geht aber nicht nur in diesem Fall vor Schnelligkeit und wir werden daher das weitere genaue Vorgehen in den nächsten Tagen mit unseren Anwälten, den anderen betroffenen Vereinen und Experten besprechen und Sie über den weiteren Fortgang unterrichtet halten.
Wir gehen im Übrigen davon aus, dass in den nächsten Tagen unsere U19, die mit neun Siegen aus neun Spielen verlustpunktfrei und mit sechs Punkten Vorsprung die Tabelle in der A-Junioren Oberliga anführt, den verdienten Aufstieg in die Bundesliga von den regionalen Verbänden „genehmigt“ bekommt. So wie es im Übrigen im Norden schon passiert ist, wo der FC Hansa Rostock, der sogar zwei Spiele weniger hat als unsere U19, diesen Aufstieg vom Nordostdeutschen Fußball-Verband bereits vor einigen Tagen bestätigt bekommen hat.
Im Namen des Präsidiums
Prof. Dr. Rainer Lorz
- Präsident -
Liebe Kickers-Fans, liebe Partner, liebe Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,
auf diesem Wege wollen wir Sie gern über den aktuellen Stand, die Hintergründe und die weitere Vorgehensweise nach der Entscheidung über die Annullierung der Spielzeit 2020/21 in der Oberliga-Baden-Württemberg informieren.
Seit der Entscheidung der Verbände, die Oberliga-Spielzeit ohne Auf- und Absteiger zu annullieren, haben wir viele Gespräche auf verschiedensten Ebenen geführt. Intern sind wir dabei zu einer einstimmigen Entscheidung gekommen: Wir werden die Interessen der Stuttgarter Kickers mit Nachdruck vertreten und gehen trotz der schwierigen Ausgangslage davon aus, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Nach dem Motto: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat bereits verloren.“
Die Art der Entscheidungsfindung, die Kommunikation mit den beteiligten Vereinen und natürlich auch die Entscheidung selbst haben uns extrem enttäuscht. Die Verbände laufen mit solchen Prozessen Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit vollends zu verspielen. Warum können in Bayern im Zeitraum zwischen dem 18. Mai und 5. Juni Relegationsspiele um den Aufstieg in die 3. Liga stattfinden? Warum nimmt der TSV Havelse mit 9 ausgetragenen Spielen an der Relegation zur 3. Liga teil? Warum steigt Viktoria Berlin mit 11 ausgetragenen Spielen in die 3. Liga auf? Wir gönnen all diesen Vereinen die hiermit verbundene Möglichkeit, sich in der nächsthöheren Spielklasse sportlich zu beweisen. Aber wo verläuft die Grenze zwischen Vereinen, die in ganz Deutschland eigentlich nach vergleichbaren Regeln und unter dem gleichen Dach Fußball spielen sollten? Zwischen Ulm und Neu-Ulm?
Zu den wichtigsten Aufgaben eines Sportverbands gehört es, einen ordnungsgemäßen Spielbetrieb zu organisieren und einen Rahmen für einen fairen sportlichen Wettbewerb zu gewährleisten. Die Vereine unterwerfen sich dem entsprechenden Regelwerk und den hiermit verbundenen Konsequenzen und tragen durch ihre Abgaben dazu bei, dass die für einen solchen Wettbewerb erforderlichen Organisationsstrukturen aufrechterhalten werden können. Aber auch im zweiten Anlauf ist es der Regionalliga Südwest und der Oberliga Baden-Württemberg unter zugebenermaßen schwierigen Rahmenbedingungen nicht gelungen, einen sportlich nachvollziehbaren Weg zur Entscheidung über Auf- und Abstieg sicherzustellen. Nachdem im ersten Jahr eine den Regularien seinerzeit unbekannte Quotientenregelung zur Anwendung gebracht wurde, lässt die Regionalliga Südwest nun kraft eigenmächtiger Entscheidung keine Aufsteiger zu, da sie diese nicht als hinreichend sportlich qualifiziert ansieht, belässt aber Vereine in der Liga, die entgegen der vor Saisonbeginn einvernehmlich festgelegten Abstiegsregelung in der vollen Spielzeit die entsprechende sportliche Qualifikation nicht erreichen. Die intransparente Entscheidungsfindung durch die beteiligten Verbände, die zugleich Gesellschafter der Regionalliga Südwest GbR sind, verschärft unser Unverständnis und Unbehagen. Nicht zuletzt droht die Gefahr, dass wir junge Sportler nicht nur wegen der Bedingungen der Pandemie verlieren, sondern auch, weil talentierte Spieler durch solche Entscheidungen in ihrer Entwicklung gehemmt werden.
In der Corona-bedingt größten Krise des Fußballs, in der alle Vereine von der Kreisliga C bis zur Oberliga, von den Bambinis bis zur U19, Hilfe brauchen und auf Hilfe angewiesen sind, fühlen wir uns nicht nur hier – wie sehr viele andere Vereine – von den Verbänden allein gelassen. Energie wird – wie an diesem Wochenende – verbraucht für außerordentliche Sitzungen der Verbandspräsidenten mit dem DFB-Präsidium, mit Machtkämpfen und wohl auch Eitelkeiten – und dabei vergisst man anscheinend die Vereine, die den Verband bilden. Es werden nicht nur Energie und Kosten gebunden, sondern man erschwert auch noch die Arbeit der Vereine, indem man ein schlechtes Bild für den deutschen Fußball abgibt und die Anstrengungen der Vereine erschwert, die Partner und Sponsoren trotz aller Widrigkeiten bei der Stange zu halten.
Liebe Kickers-Fans, liebe Partner, wir werden jedenfalls weiter für unseren Verein kämpfen. Gründlichkeit geht aber nicht nur in diesem Fall vor Schnelligkeit und wir werden daher das weitere genaue Vorgehen in den nächsten Tagen mit unseren Anwälten, den anderen betroffenen Vereinen und Experten besprechen und Sie über den weiteren Fortgang unterrichtet halten.
Wir gehen im Übrigen davon aus, dass in den nächsten Tagen unsere U19, die mit neun Siegen aus neun Spielen verlustpunktfrei und mit sechs Punkten Vorsprung die Tabelle in der A-Junioren Oberliga anführt, den verdienten Aufstieg in die Bundesliga von den regionalen Verbänden „genehmigt“ bekommt. So wie es im Übrigen im Norden schon passiert ist, wo der FC Hansa Rostock, der sogar zwei Spiele weniger hat als unsere U19, diesen Aufstieg vom Nordostdeutschen Fußball-Verband bereits vor einigen Tagen bestätigt bekommen hat.
Im Namen des Präsidiums
Prof. Dr. Rainer Lorz
- Präsident -