Blauer Adel, der nicht mehr verpflichtet
Verfasst: Mittwoch 28. Juli 2004, 07:10
LEONBERGER KREISZEITUNG
Kickers-Präsident Hans Kullen saniert den Club in Rambo-Manier - und mehrt ohne Not die Zahl seiner Kritiker
Blauer Adel, der nicht mehr verpflichtet
Stuttgart - Experten attestieren dem Kickers-Präsidenten gute Arbeit - in finanzieller Hinsicht. Der Fußball-Regionalligist ist dem Knock-out fürs Erste entgangen. Doch die brachiale Art wie Hans Kullen die Dinge betreibt, mehrt den Unmut einflussreicher Klientel. Noblesse oblige - was unter Axel Dünnwald-Metzler noch Gesetz war, entsorgt sein Nachfolger auf der Müllhalde der Geschichte.
VON GUNTER BARNER
Sein jüngstes Opfer heißt Daniela Rehm. Kurz nach seinem Amtsantritt präsentierte Hans Kullen die blonde Lady als die personifizierte Antwort auf alle Fragen der blauen Zukunft. Jung, dynamisch und erfolgreich. Gepriesen als Marketingfachfrau von höchster Qualität. Und wer mit skeptischem Blick über den Brillenrand die Frage zu stellen wagte, was um alles in der Welt die Koryphäe von Kullens Gnaden dazu bewege, ausgerechnet den Pflegefall von der Waldau zu übernehmen, den ortete der Alb-Import als Inkarnation des Bösen.
Am vergangenen Freitag wurde Daniela Rehm vom Dienst an den Kickers freigestellt. "Die Zusammenarbeit hat sich nicht so entwickelt wie erhofft'', antwortet Kullen auf entsprechende Fragen nur widerwillig. Tage zuvor hatte er seine Emissäre auf den Stuttgarter Weissenhof entsandt. Joachim Cast, der neue Manager, und Martin Kurzka, designierter Nachfolger an der Marketingfront, drückten der Kollegin die Abmahnung in die Hand. Sie habe ohne Genehmigung des Chefs beim ATP-Turnier gearbeitet. Dabei hatte Rehm beim Einstellungsgespräch selbstredend auf ihren Nebenverdienst hingewiesen - und für den Job beim Tennisturnier Urlaub eingereicht. Ein früheres Angebot mit beschnittenen Kompetenzen und deutlich verringerten Bezügen hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits abgelehnt. Jetzt haben die Anwälte das Wort.
Der tiefe Fall von Daniela Rehm ist nur ein Beispiel von vielen für den neuen Stil auf der Waldau. Wo das Messer des Chirurgen genügt, wütet Hans Kullen mit dem Beil eines Metzgers. Wo ein Gespräch im Vertrauen Türen öffnen könnte, wird der Chef unvermittelt zum rasenden Hans. "Bürschle, dich krieg' ich auch noch aus dem Verein'', rief er einem seiner Kritiker mit hochrotem Kopf über die Ballustrade des Clubheims im ADM-Sportpark zu. Als Christian Merz (Merzschule) sich in einer Sitzung des Förderkreises in gesetzten Worten nach dem umstrittenen Abgang eines Nachwuchskickers erkundigte, antwortete Kullen, dass er sich nicht auch noch um so einem "Sch. . . -Fall'' kümmern könne. Merz verließ irritiert den Saal. Wer die sportliche Zukunft eines 14-Jährigen mit Fäkalsprache abtue, sei für ihn kein Gesprächspartner.
Auch sonst zählt sich der ADM-Nachfolger eher zum Adel, der nicht mehr verpflichtet. Vor Sponsoren nestelte er aufgeregt in seinem Jackett und schimpfte wie ein Bierkutscher. "Wo ist bloß das Sch. . . -Manuskript?'' Dumm nur, dass die Mikros schon offen waren. Dass er einen Geschäftstellen-Mitarbeiter auf dem Parkplatz anherrschte: "Und Sie sind der Nächste, den ich rausschmeiße'', bestreitet Kullen. Unbestritten ist, dass er die Schiedsrichter-Abteilung mit den Worten auflösen wollte: "Ihr seid zu teuer.'' Als ihn jemand aufklärte, dass der Verband Strafe kassiere, für jeden Schiri, den der Verein nicht stelle, antwortete er in der Attitüde des Parvenues: "Das regle ich.''
Einen seiner Mitarbeiter, der sich ob des Sparkurses um die Sicherheit im Stadion mit den Worten Gedanken machte ("Wenn was passiert, stehen wir im Regen'') beschied Kullen unwirsch: "Und Sie geben mein Geld aus.'' Die Blauen, teilt er dem Verdutzten mit, habe er gekauft. Ohne ihn wäre der Club mausetot.
Längst macht der Feldzug des Rächers von der Waldau auch nicht mehr Halt vor kritischen Journalisten. Zwei Stuttgarter Reportern drohte er mit Stadionverbot. Fast zeitgleich ließ er um Frei-Abos für die verarmte Geschäftsstelle betteln. Den Berichterstatter einer Stuttgarter Zeitung lobte er dagegen mit den Worten: Weil er für ihn sei, bekomme er exklusive Informationen.
Kullen pflegt die schlichten Wahrheiten, Stilfragen sind nicht sein Stil. "Entweder er ändert sich, oder es kommt zum Knall'', sagt einer, der es gut mit ihm meint. Aber Kullen schätzt nur eine Meinung - seine eigene.
http://www.leonberger-kreiszeitung.de/d ... 0022.shtml
Kickers-Präsident Hans Kullen saniert den Club in Rambo-Manier - und mehrt ohne Not die Zahl seiner Kritiker
Blauer Adel, der nicht mehr verpflichtet
Stuttgart - Experten attestieren dem Kickers-Präsidenten gute Arbeit - in finanzieller Hinsicht. Der Fußball-Regionalligist ist dem Knock-out fürs Erste entgangen. Doch die brachiale Art wie Hans Kullen die Dinge betreibt, mehrt den Unmut einflussreicher Klientel. Noblesse oblige - was unter Axel Dünnwald-Metzler noch Gesetz war, entsorgt sein Nachfolger auf der Müllhalde der Geschichte.
VON GUNTER BARNER
Sein jüngstes Opfer heißt Daniela Rehm. Kurz nach seinem Amtsantritt präsentierte Hans Kullen die blonde Lady als die personifizierte Antwort auf alle Fragen der blauen Zukunft. Jung, dynamisch und erfolgreich. Gepriesen als Marketingfachfrau von höchster Qualität. Und wer mit skeptischem Blick über den Brillenrand die Frage zu stellen wagte, was um alles in der Welt die Koryphäe von Kullens Gnaden dazu bewege, ausgerechnet den Pflegefall von der Waldau zu übernehmen, den ortete der Alb-Import als Inkarnation des Bösen.
Am vergangenen Freitag wurde Daniela Rehm vom Dienst an den Kickers freigestellt. "Die Zusammenarbeit hat sich nicht so entwickelt wie erhofft'', antwortet Kullen auf entsprechende Fragen nur widerwillig. Tage zuvor hatte er seine Emissäre auf den Stuttgarter Weissenhof entsandt. Joachim Cast, der neue Manager, und Martin Kurzka, designierter Nachfolger an der Marketingfront, drückten der Kollegin die Abmahnung in die Hand. Sie habe ohne Genehmigung des Chefs beim ATP-Turnier gearbeitet. Dabei hatte Rehm beim Einstellungsgespräch selbstredend auf ihren Nebenverdienst hingewiesen - und für den Job beim Tennisturnier Urlaub eingereicht. Ein früheres Angebot mit beschnittenen Kompetenzen und deutlich verringerten Bezügen hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits abgelehnt. Jetzt haben die Anwälte das Wort.
Der tiefe Fall von Daniela Rehm ist nur ein Beispiel von vielen für den neuen Stil auf der Waldau. Wo das Messer des Chirurgen genügt, wütet Hans Kullen mit dem Beil eines Metzgers. Wo ein Gespräch im Vertrauen Türen öffnen könnte, wird der Chef unvermittelt zum rasenden Hans. "Bürschle, dich krieg' ich auch noch aus dem Verein'', rief er einem seiner Kritiker mit hochrotem Kopf über die Ballustrade des Clubheims im ADM-Sportpark zu. Als Christian Merz (Merzschule) sich in einer Sitzung des Förderkreises in gesetzten Worten nach dem umstrittenen Abgang eines Nachwuchskickers erkundigte, antwortete Kullen, dass er sich nicht auch noch um so einem "Sch. . . -Fall'' kümmern könne. Merz verließ irritiert den Saal. Wer die sportliche Zukunft eines 14-Jährigen mit Fäkalsprache abtue, sei für ihn kein Gesprächspartner.
Auch sonst zählt sich der ADM-Nachfolger eher zum Adel, der nicht mehr verpflichtet. Vor Sponsoren nestelte er aufgeregt in seinem Jackett und schimpfte wie ein Bierkutscher. "Wo ist bloß das Sch. . . -Manuskript?'' Dumm nur, dass die Mikros schon offen waren. Dass er einen Geschäftstellen-Mitarbeiter auf dem Parkplatz anherrschte: "Und Sie sind der Nächste, den ich rausschmeiße'', bestreitet Kullen. Unbestritten ist, dass er die Schiedsrichter-Abteilung mit den Worten auflösen wollte: "Ihr seid zu teuer.'' Als ihn jemand aufklärte, dass der Verband Strafe kassiere, für jeden Schiri, den der Verein nicht stelle, antwortete er in der Attitüde des Parvenues: "Das regle ich.''
Einen seiner Mitarbeiter, der sich ob des Sparkurses um die Sicherheit im Stadion mit den Worten Gedanken machte ("Wenn was passiert, stehen wir im Regen'') beschied Kullen unwirsch: "Und Sie geben mein Geld aus.'' Die Blauen, teilt er dem Verdutzten mit, habe er gekauft. Ohne ihn wäre der Club mausetot.
Längst macht der Feldzug des Rächers von der Waldau auch nicht mehr Halt vor kritischen Journalisten. Zwei Stuttgarter Reportern drohte er mit Stadionverbot. Fast zeitgleich ließ er um Frei-Abos für die verarmte Geschäftsstelle betteln. Den Berichterstatter einer Stuttgarter Zeitung lobte er dagegen mit den Worten: Weil er für ihn sei, bekomme er exklusive Informationen.
Kullen pflegt die schlichten Wahrheiten, Stilfragen sind nicht sein Stil. "Entweder er ändert sich, oder es kommt zum Knall'', sagt einer, der es gut mit ihm meint. Aber Kullen schätzt nur eine Meinung - seine eigene.
http://www.leonberger-kreiszeitung.de/d ... 0022.shtml