Vorbericht Deutschland-Schottland
Verfasst: Mittwoch 10. September 2003, 17:27
Zwischen Unsicherheit und Zuversicht
Völler: "Absolutes Herzblut ist angesagt. Es müssen elf Spieler auf dem Platz stehen, die alles für den Sieg tun"
Dortmund - Unsicherheit und Zuversicht halten sich die Waage bei der deutschen Nationalmannschaft vor dem vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (ab 20.15 Uhr LIVE). "Das ist das Spiel des Jahres", sagt Franz Beckenbauer.
"Wer jetzt nicht kapiert hat, worum es geht, dem ist nicht mehr zu helfen", sagt Kapitän Oliver Kahn. Und so ruhen die Hoffnungen der deutschen Fans darauf, dass die DFB-Auswahl nach dem Ausraster von Rudi Völler endlich die Zeichen erkannt hat.
"Wir stehen in der Pflicht"
"Wir stehen in der Pflicht und werden Gas geben", kündigt Verteidiger Christian Wörns an. Zwei Dinge machen Hoffnung: Zum einen wird erwartet, dass das Team mit einer völlig anderen Einstellung als in den letzten Länderspielen in die Partie geht.
"Die Mannschaft will es allen beweisen", weiß Völler und fordert: "Absolutes Herzblut ist angesagt. Es müssen elf Spieler auf dem Platz stehen, die alles für den Sieg tun."
Hoffnungen aufs Dortmunder Publikum
Darüber hinaus setzt der Teamchef darauf, dass das Publikum im mit 67.000 Plätzen ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion die deutsche Mannschaft förmlich zum Sieg schreien wird. Einen eindrucksvollen Vorgeschmack machte das öffentliche Training am Dienstagabend, als rund 5.000 Zuschauer bereits einen Höllenlärm veranstalteten.
"Dafür bist du als Fußballer geboren. Das ist der Traum eines jeden Kindes, hier zu spielen", hat Völler seinen Spielern gesagt. "Das ist nicht mit Geld zu bezahlen." Selten zuvor hat sich Völler derart leidenschaftlich an seine Mannschaft gewandt.
Auch die Statistik macht Mut: In den bisher zehn Länderspielen im Westfalenstadion gab es noch nie eine Niederlage bei acht Siegen und zwei Unentschieden.
Erinnerungen an das Ukraine-Spiel
Zuletzt spielte Deutschland hier vor knapp zwei Jahren im Relegationsspiel um die WM-Teilnahme gegen die Ukraine. Die DFB-Elf gewann damals 4:1 und legte den Grundstein für den späteren Einzug ins WM-Finale.
"Wir müssen endlich ein Tor schießen. Wenn wir gegen die Schotten schnell ein 1:0 erzielen, kann das wie eine Befreiung wirken. So wie gegen die Ukraine", sieht nicht nur Kahn eine Parallele.
Problemzone Sturm
Gleichzeitig legt der Torhüter den Finger in die Wunde: Der deutsche Sturm ist derzeit nur ein laues Lüftchen. 180 Minuten ohne Tor war eine deutsche Auswahl zuletzt beim EM-Debakel 2000. Während beim 0:1 gegen Italien fahrlässig Chancen versiebt wurden, konnte beim 0:0 gegen Island aber nicht mal mehr Chancen herausgespielt werden.
"Mehr Fantasie im Offensivspiel", fordert daher Fredi Bobic. Der Neu-Berliner wird an alter Wirkungsstätte von Beginn an stürmen.
Dagegen muss Völler definitiv auf Stürmer Oliver Neuville verzichten. Der 30 Jahre alte Profi von Bayer Leverkusen kann wegen einer Wirbelblockade, die ihn bereits am Dienstagabend zum Abbruch des Abschlusstrainings gezwungen hatte, im Westfalenstadion nicht mitwirken. Miroslav Klose bekommt dadurch eine weitere Chance. Auf der Bank sitzen zudem Kevin Kuranyi und der nachnominierte Benjamin Lauth.
Rau kommt für Rahn
Ohnehin stellt sich die Anfangself fast von alleine auf. Nach den Ausfällen von Jens Jeremies und Sebastian Deisler führt an den gegen Island hart kritisierten Carsten Ramelow und Sebastian Kehl kein Weg vorbei. Neu ins Team kommt Tobias Rau auf der linken Seite für Christian Rahn.
"Wenn ich klagen würde, könnte man es ja noch verstehen", sieht Berti Vogts darin allerdings keinen Vorteil für seine Schotten. "Mir fehlen drei meiner besten Stürmer, ich weiß noch gar nicht, wen ich bringen soll. Aber diejenigen werden alles geben."
Selbstbewusste Schotten
Mit absolutem Einsatz wollen die vom Ex-Bundestrainer betreuten "Bravehearts" mindestens einen Punkt mitnehmen. Und während Vogts jegliche Favoritenrolle weit von sich weist, zeigen sich die Spieler wesentlich selbstbewusster.
"Wir haben eine unglaubliche Chance", sagt Kapitän Paul Lambert, der ein Wiedersehen mit dem Stadion seines Ex-Klubs Borussia Dortmund feiert. So spricht vom Papier her vieles für ein Unentschieden, auch die Tatsache, dass die letzten drei deutschen EM-Qualifikationsspiele mit einem Remis endeten.
"Aber wir wollen natürlich gewinnen", sagt Völler, schließlich haben sich nach Rudis Wutrede und dem gewaltigen Echo darauf die Vorzeichen geändert. Der 43-Jährige selbst ist dadurch offenbar noch populärer geworden und kann in Dortmund mit einem begeisterten Empfang rechnen.
"Den Druck kann uns keiner nehmen"
"Der Teamchef hat sich eindrucksvoll vor die Mannschaft gestellt", sagt Kahn. "Aber den Druck kann uns keiner nehmen."
Damit wird die Nationalmannschaft umgehen müssen, sonst könnte erstmals seit 1968 eine EM-Endrunde verpasst werden. Mit einem Sieg wäre das Team wieder Tabellenführer, bei einer Niederlage wäre die direkte Qualifikation aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.
"Ich glaube, dass wir dem Druck stand halten werden", sagt Bobic. "Wir müssen gewinnen, egal wie."
Aus Dortmund berichtet Martin Volkmar
Quelle: Sport1
Völler: "Absolutes Herzblut ist angesagt. Es müssen elf Spieler auf dem Platz stehen, die alles für den Sieg tun"
Dortmund - Unsicherheit und Zuversicht halten sich die Waage bei der deutschen Nationalmannschaft vor dem vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland (ab 20.15 Uhr LIVE). "Das ist das Spiel des Jahres", sagt Franz Beckenbauer.
"Wer jetzt nicht kapiert hat, worum es geht, dem ist nicht mehr zu helfen", sagt Kapitän Oliver Kahn. Und so ruhen die Hoffnungen der deutschen Fans darauf, dass die DFB-Auswahl nach dem Ausraster von Rudi Völler endlich die Zeichen erkannt hat.
"Wir stehen in der Pflicht"
"Wir stehen in der Pflicht und werden Gas geben", kündigt Verteidiger Christian Wörns an. Zwei Dinge machen Hoffnung: Zum einen wird erwartet, dass das Team mit einer völlig anderen Einstellung als in den letzten Länderspielen in die Partie geht.
"Die Mannschaft will es allen beweisen", weiß Völler und fordert: "Absolutes Herzblut ist angesagt. Es müssen elf Spieler auf dem Platz stehen, die alles für den Sieg tun."
Hoffnungen aufs Dortmunder Publikum
Darüber hinaus setzt der Teamchef darauf, dass das Publikum im mit 67.000 Plätzen ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion die deutsche Mannschaft förmlich zum Sieg schreien wird. Einen eindrucksvollen Vorgeschmack machte das öffentliche Training am Dienstagabend, als rund 5.000 Zuschauer bereits einen Höllenlärm veranstalteten.
"Dafür bist du als Fußballer geboren. Das ist der Traum eines jeden Kindes, hier zu spielen", hat Völler seinen Spielern gesagt. "Das ist nicht mit Geld zu bezahlen." Selten zuvor hat sich Völler derart leidenschaftlich an seine Mannschaft gewandt.
Auch die Statistik macht Mut: In den bisher zehn Länderspielen im Westfalenstadion gab es noch nie eine Niederlage bei acht Siegen und zwei Unentschieden.
Erinnerungen an das Ukraine-Spiel
Zuletzt spielte Deutschland hier vor knapp zwei Jahren im Relegationsspiel um die WM-Teilnahme gegen die Ukraine. Die DFB-Elf gewann damals 4:1 und legte den Grundstein für den späteren Einzug ins WM-Finale.
"Wir müssen endlich ein Tor schießen. Wenn wir gegen die Schotten schnell ein 1:0 erzielen, kann das wie eine Befreiung wirken. So wie gegen die Ukraine", sieht nicht nur Kahn eine Parallele.
Problemzone Sturm
Gleichzeitig legt der Torhüter den Finger in die Wunde: Der deutsche Sturm ist derzeit nur ein laues Lüftchen. 180 Minuten ohne Tor war eine deutsche Auswahl zuletzt beim EM-Debakel 2000. Während beim 0:1 gegen Italien fahrlässig Chancen versiebt wurden, konnte beim 0:0 gegen Island aber nicht mal mehr Chancen herausgespielt werden.
"Mehr Fantasie im Offensivspiel", fordert daher Fredi Bobic. Der Neu-Berliner wird an alter Wirkungsstätte von Beginn an stürmen.
Dagegen muss Völler definitiv auf Stürmer Oliver Neuville verzichten. Der 30 Jahre alte Profi von Bayer Leverkusen kann wegen einer Wirbelblockade, die ihn bereits am Dienstagabend zum Abbruch des Abschlusstrainings gezwungen hatte, im Westfalenstadion nicht mitwirken. Miroslav Klose bekommt dadurch eine weitere Chance. Auf der Bank sitzen zudem Kevin Kuranyi und der nachnominierte Benjamin Lauth.
Rau kommt für Rahn
Ohnehin stellt sich die Anfangself fast von alleine auf. Nach den Ausfällen von Jens Jeremies und Sebastian Deisler führt an den gegen Island hart kritisierten Carsten Ramelow und Sebastian Kehl kein Weg vorbei. Neu ins Team kommt Tobias Rau auf der linken Seite für Christian Rahn.
"Wenn ich klagen würde, könnte man es ja noch verstehen", sieht Berti Vogts darin allerdings keinen Vorteil für seine Schotten. "Mir fehlen drei meiner besten Stürmer, ich weiß noch gar nicht, wen ich bringen soll. Aber diejenigen werden alles geben."
Selbstbewusste Schotten
Mit absolutem Einsatz wollen die vom Ex-Bundestrainer betreuten "Bravehearts" mindestens einen Punkt mitnehmen. Und während Vogts jegliche Favoritenrolle weit von sich weist, zeigen sich die Spieler wesentlich selbstbewusster.
"Wir haben eine unglaubliche Chance", sagt Kapitän Paul Lambert, der ein Wiedersehen mit dem Stadion seines Ex-Klubs Borussia Dortmund feiert. So spricht vom Papier her vieles für ein Unentschieden, auch die Tatsache, dass die letzten drei deutschen EM-Qualifikationsspiele mit einem Remis endeten.
"Aber wir wollen natürlich gewinnen", sagt Völler, schließlich haben sich nach Rudis Wutrede und dem gewaltigen Echo darauf die Vorzeichen geändert. Der 43-Jährige selbst ist dadurch offenbar noch populärer geworden und kann in Dortmund mit einem begeisterten Empfang rechnen.
"Den Druck kann uns keiner nehmen"
"Der Teamchef hat sich eindrucksvoll vor die Mannschaft gestellt", sagt Kahn. "Aber den Druck kann uns keiner nehmen."
Damit wird die Nationalmannschaft umgehen müssen, sonst könnte erstmals seit 1968 eine EM-Endrunde verpasst werden. Mit einem Sieg wäre das Team wieder Tabellenführer, bei einer Niederlage wäre die direkte Qualifikation aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.
"Ich glaube, dass wir dem Druck stand halten werden", sagt Bobic. "Wir müssen gewinnen, egal wie."
Aus Dortmund berichtet Martin Volkmar
Quelle: Sport1
