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„Eindeutig die dritte Profiliga“

Verfasst: Donnerstag 5. August 2004, 14:18
von Die Macht im Schwabenland
„Eindeutig die dritte Profiliga“
Fußball: Regionalliga-Sprecher Uwe Wiesinger zu den Problemen und Zukunfts-Aussichten für die dritte Klasse




ECHO: Die zweigleisige Fußball-Regionalliga geht in ihre fünfte Saison. Was hat sich seit ihrem Auftakt im Jahr 2000 verbessert?

Uwe Wiesinger: „Sicherlich waren die Anfänge schwierig. Seitdem – und besonders im Vorfeld des DFB-Bundestages, wo erstmals mit ziemlich viel Streit damals unter DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sich die Regionalliga-Vereine erst einmal eine gewisse Stellung erkämpfen mussten – hat sich in der Spielordnung deutlich einiges verbessert in der Angleichung zur Lizenzspielerordnung. Natürlich ist es auch so, dass die Liga als solche sich inzwischen besser positioniert. Denn rückblickend werden viele Fehler auch weggelassen. Die Regionalliga ist ein Stück stabiler geworden. Im übrigen konnte die Ärmelwerbung als weitere Werbemöglichkeit auf dem Trikot durchgesetzt werden. Das war eine gute Geschichte, die die Vereine finanziell schon etwas besser stellt.“


ECHO: Hat sich auch etwas verschlechtert?


Wiesinger: „Ja. Die Anzahl der zweiten Mannschaften von Proficlubs werden in der Liga nicht als Vorteil gesehen. Ebenfalls als Verschlechterung werden die Beschlüsse gesehen, dass in zweiten Mannschaften drei ältere Nicht-U 24-Spieler aus dem Profibereich eingesetzt werden dürfen. Und es ist auch eine Verschlechterung, dass sich viele Dinge noch nicht verbessert haben. Denn die Verbesserung des Status quo geht mir persönlich zu langsam.“


ECHO: Die Regionalliga ist die oberste Amateurliga unter der Verantwortung des DFB. Wie stellt sich das Verhältnis zum Profiverband DFL dar?


Wiesinger: „Problematisch, allerdings auf dem Weg zur Besserung. Ich bin ja bekannt als einer der härtesten Kritiker an das Lizenzlager. Und trotzdem war ich überrascht, dass bei der geheimen Wahl innerhalb der letzten Tagung beim DFB die meisten Lizenzvereine für mich gestimmt haben müssen bei 95 Prozent Zustimmung. Das jedenfalls war bei mir ein Signal, dass man trotz meiner klaren Aussagen einen Konsens sucht. Schon 2002 in Dresden während einer Klausur waren im Regionalliga-Ausschuss erste Denkansätze mit dem damaligen DFL-Geschäftsführer Heribert Bruchhagen spürbar. Für die Entwicklung des Verhältnisses wird auch entscheidend sein, wie der neu auszuhandelnde Grundlagenvertrag 2005 zwischen DFB und DFL gezeichnet wird. Da kommt es zum Treueschwur.“


ECHO: Die zunehmende Zahl von Amateurmannschaften der Proficlubs in der Regionalliga stößt nicht gerade auf Begeisterung. Eine Gefahr für die Regionalligen?


Wiesinger: „Natürlich. In einer Kommission, der ich angehöre, beschäftigen wir uns auch mit Marketing, mit Standort-, mit Profilschärfung der dritten Liga. Und insoweit muss man einfach auch für die Zukunft sehen, dass die Regionalliga ein Profil hat, zum einen eine Wettbewerbsliga zu sein, zum anderen eine Ausbildungsliga. Man wird nicht umhinkommen, um sich den Frieden zu erhalten, dass die DFL mit uns, dem DFB, eine Lösung finden muss, damit die Regionalliga nicht plötzlich eine Runde wird von zweiten Mannschaften der Lizenzvereine. Diese Einsicht ist allerdings auch bei der DFL vorhanden. Nur, sie greift mir zu langsam um sich. Wenn man hinbekommt, dass die Wettbewerbsbedingungen zwischen Bundes- und Regionalliga sich noch mehr angleichen, wie es zum Teil schon geschafft wurde in den letzten Jahren, dann werden unter diesen Umständen die zweiten Mannschaften der Profivereine in der Regionalliga mit gleichzeitigem Wettbewerbsfrieden bleiben können. Nur muss man die Zahl in irgendeiner Form begrenzen.“


ECHO: Es wird immer wieder einmal die Eingleisigkeit gefordert. Was spricht dagegen, was dafür?


Wiesinger: „In den Erkenntnissen aller Gremien der DFL und des DFB hat sich diese Zweigleisigkeit bewährt. Sport- und verbandspolitisch vertrete ich schon immer die Auffassung, dass der mediale Fußball eine Mittelpunktfunktion ausfüllt. Wenn es 18 Mittelpunktfunktionen weniger gäbe – die Regionalliga ist ja mittlerweile eine TV- und Media-Liga –, dann gäbe es zu viele weiße Flächen auf der Fußball-Landkarte. Dafür würde sicherlich sprechen, dass dann Platz für zweite Mannschaften nicht mehr vorhanden wäre. Wenn man denn aber meint, dass die Eingleisigkeit eine bessere finanzielle Ausstattung der verbliebenen Vereine bringen würde, so ist das ein Ammenmärchen. Ich bin mir sicher, dass dann die Spieler das Doppelte verdienen würden.“


ECHO: Beim DFB-Bundestag Ende Oktober in Osnabrück wird das Thema Regionalliga sicherlich wieder diskutiert. Stehen Veränderungen an?


Wiesinger: „Bei der Umsetzung der Anträge an den Bundestag, die Regionalliga betreffend, bin ich federführend eingebunden. Im Januar habe ich ein Gedankenpapier entworfen, vieles davon wird derzeit diskutiert und soll mit den DFB-Juristen in Antragsform gegossen werden. Nur – wenn man die Dinge ernst nimmt, geht es nicht darum, populistische Anträge zu stellen, sondern sie auch mehrheitsfähig zu machen. Es wird demnächst Hauptaufgabe sein, in Verbindung mit der DFL hier für berechtigte Forderungen Mehrheiten zu finden. Ich hoffe, wir können Veränderungen durchsetzen. Sicherlich muss die Dritte Liga als Liga geschärft werden, es wird generell um die Altersgrenze gehen, die U 21- und U 24-Spieler und die Festspielregelung müssen überdacht werden, die Gleichbehandlung der Lizenzvereine bei den TV-Geldern innerhalb der Regionalliga halte ich für sehr problematisch. Zudem bemühe ich mich schon drei, vier Jahre lang, die Kapitalgesellschaft für die Regionalliga, die Ausgliederung des bezahlten Sports, herzustellen. Das wird eine Revolution sein, sicherlich, aber es kommt. Da habe ich mich beim DFB durchgesetzt, die Gremien haben schon zugestimmt. Auch in der DFL stößt dieser Gedanke auf Zustimmung. Wenn ein Verein als Kapitalgesellschaft in die Regionalliga absteigt und es gibt dort keine Möglichkeit der Fortführung dieser Kapitalgesellschaft, ist das ein Problem.“


ECHO: Hat die Regionalliga in ihrer jetzigen Form eine Zukunftschance, vor allem wegen der fi-nanziellen Zwänge?


Wiesinger: „Die Regionalliga ist nicht nur für mich eindeutig die dritte Profi-Liga. Und Fakt ist auch, dass in der Pyramide erste, zweite und dritte Liga die gewöhnlich 72 Vereine Spitzenfußball in Deutschland darstellen. Diese 72 Vereine sind im Grunde genommen die, die den bezahlten Fußball repräsentieren. Wenn die Maßnahmen, die wir anstreben, auch durch ihr äußeres Erscheinungsbild wie eigenes Logo und so weiter bis hin, dass die Interessensvertretung weiter konsequent wahrgenommen wird, dann hat die Liga ganz klar eine Zukunftschance. Zudem sie, und das begreift die DFL immer besser, auch den Unterbau zur Zweiten Liga bildet. Das wird aber auch die Zulassung der Vereine betreffen. Sie müssen ein Umfeld und eine Infrastruktur schaffen, in denen sie die Chance haben, aufzusteigen, ja auch aufsteigen zu wollen. Der SV Wehen als Aufstiegskandidat mit den Problemen der dortigen Infrastruktur für eine Zulassung zur Zweiten Liga war kein Ruhmesblatt für die Regionalliga.“


ECHO: Wäre es nicht sinnvoller – dem Beispiel der Divisionen in Großbritannien folgend –, die Regionalliga auch ganz offiziell als dritte Profiliga unter dem Dach der DFL zu installieren?


Wiesinger: „Fakt ist, alle Spieler sind Berufsfußballer. Der DFB wird die Regionalliga als dritte Liga nicht abgeben wollen, die DFL wird sich gegen eine Aufnahme wehren. Aber wir als Interessenvertreter der Regionalliga drängen den DFB auch, diese Liga als Profiliga zu sehen. Bei den Pflichten wie den Beiträgen zur Berufsgenossenschaft oder dem Lizenzierungsverfahren besteht kein Unterschied zu einem Lizenzverein, bei den TV-Geldern allerdings ist das Gefälle bei 375 000 Euro je Regionalliga-Verein mehr als problematisch.“


ECHO: Welche Mannschaften sind in dieser Saison in der Regionalliga Süd die Favoriten auf den Zweitliga-Aufstieg?


Wiesinger: „Erstaunlich viele Vereine gehen sehr offensiv mit einer hohen Zielvorgabe ins Rennen. Jahn Regensburg und FC Augsburg bekennen sich klar zu ihren Aufstiegsambitionen, der SV Wehen ebenfalls. Ich lasse die als Favoriten stehen, die sich selbst so bezeichnen.“


ECHO: Welche Rolle werden die drei Hessen-Teams SV Darmstadt 98, SV Wehen und Kickers Offenbach in dieser Saison spielen?


Wiesinger: „Die Regionalliga ist eine Wundertüte. Zwischen der Aufstiegs- und Abstiegszone werden lange Zeit nur wenige Punkte Differenz sein. Dass Wehen und Kickers Offenbach sich zu ihren hohen Zielen bekennen, ist bekannt. Aus eigener Anschauung weiß ich, dass der SV 98 als Aufsteiger eine ehrgeizige und gute Rolle in der Regionalliga spielen will. Ich wünsche mir, dass es eine sehr spannende Saison für die hessischen Vereine wird. Man verzeihe mir in der Liga auch den Lokalpatriotismus – mit gutem Ausgang für den SV 98.“

Hans-Jürgen Kalweit
5.8.2004