Günter Rommel - Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Verfasst: Sonntag 12. September 2004, 19:45
Dass der SC Pfullendorf nach fünf Spielen in den Startlöchern sitzen geblieben ist, die mieseste Bilanz in seiner insgesamt sechsjährigen Zugehörigkeit zur Fußball-Regionalliga vorweist, geht an Trainer Günter Rommel nicht spurlos vorüber. Besonders nach dem 1:3 in Mainz wirkte er niedergeschlagen. "Es wäre auch schlimm, wenn es einen völlig unbeteiligt ließe", sagt der 48-Jährige. Ihm taten die Akteure auf dem Rasen leid. "Das sind Hammerschläge - noch mehr für meine Jungs!"
Dabei tut sich der Coach schwer, Gründe für das Rundherum-Scheitern ins Feld zu führen. Es seien Nuancen, die zu den individuellen Fehlern im Abwehrverhalten und zur schlechten Chancenauswertung geführt hätten. Keinem seiner Spieler könne er mangelndes Engagement vorwerfen.
Gefreut hat es ihn, dass sich nach der fünften Pleite in Serie so viele Kumpels an die Strippe hängten und ihm Mut zusprachen. Auch bei Begegnungen mit der Pfullendorfer Bevölkerung hört Günter Rommel nur aufbauende Worte wie "Ihr werdet's noch packen!" Diese seien für ihn umso mehr eine Verpflichtung, das Ruder mit allen Kräften herumzureißen.
Was ihm zum Abschalten hilft, ist die räumliche Distanz. 140 Kilometer von Pfullendorf entfernt, liegt der Stuttgarter Stadtteil Zazenhausen - ein beschauliches Nest mit 1500 Bewohnern, landschaftlich sehr reizvoll eingebettet und von der Landwirtschaft geprägt - ein Stück "heile Welt" abseits großstädtischer Wuseligkeit. "Hier ist mein Daheim", sagt Günter Rommel und denkt an seine Familie, Freunde und Kumpels. Dazu gehört auch die Verbundenheit zu seinem Heimatverein TV Zazenhausen, der sich just neben dem schmucken Vereinsheim ein neues, modernes Sportgelände geschaffen hat. Hier befinden sich auch die zurzeit gut gefüllten Camps seiner Fußballschule, die er zusammen mit dem Kickers-Coach Robin Dutt und dem Heidenheimer Coach Marcus Sorg betreibt.
Sportlich viel vorzuzeigen hat auch seine Ehefrau, Carola Sauvigny. Sie sorgte als Nationalspielerin in der Volleyball-Bundesliga beim CJD Feuerbach mit ihren beiden Schwestern Andrea und Nicola für Furore, war erste deutsche Profispielerin im italienischen Cecina. Heute unterrichtet sie als Lehrerin am Ludwigsburger Mörike-Gymnasium die Fächer Biologie und Sport.
Bevor sie sich während ihres Studiums an der Uni näher kennenlernten, gehörte es für Rommel und seine Studiums-Kollegen Peter Zeidler, Ralf Rangnick und Michael Feichtenbeiner im Institut zur absoluten Pflicht, an Samstag-Abenden den Heimspielen der Volleyballerinnen in der mit 1800 Zuschauern rappelvollen Feuerbacher Halle beizuwohnen und "mit großen Augen zuzuschauen, wie die Mädels den Ball übers Netz patschten!"
Sein achtjähriger Steppke Nicolas (Rommel: "Ich bin ein junger Vater") kann sich mehr für's Skifahren, Rodeln und Schwimmen begeistern. Mit dem Fußballspielen hat er's nicht so. Da kommt er ganz nach dem Papa, der zugibt, selbst kein großer Fußballer gewesen zu sein. "Mehr schlecht als recht" sei es beim damals viertklassigen FV Salamander Kornwestheim gelaufen. Mit dem heutigen Blick des kritischen Trainers würde er dem Spieler Rommel die Klassifizierung "Stolperer" zugeschrieben haben.
Nunmehr sei Mountainbikefahren seine Lieblings-Freizeitbeschäftigung. "Weil's mit den Knochen noch am besten geht. Mein Problem ist nur, dass die Zunge andauernd in der Kette hängt," witzelt der geradlinige Schwabe, dessen feinsinniger Humor mit einer Portion Selbstironie zu ihm gehört wie das Klavier zum Pianisten.
Rommel ist beruflich selbstständig. Das Büro seines 1992 gegründeten Unternehmen "Sports-Travel" liegt fünf Kilometer entfernt, "über dem Buckel" im Stuttgarter Stadtteil Freiberg - in ebenso ruhiger Wohnlage, obgleich die "Retortenstadt" zu ihrer Gründerzeit als gefährliches Pflaster galt. Das Hauptbetätigungsfeld seiner Firma sind Reise-Angebote in Verbindung mit Sport, die Organisation von Trainingslagern für Sportmannschaften mit Schwerpunkten in Österreich und Italien. "Das ist eine gute Abwechslung zum Fußball, sich mit anderen Dingen zu befassen", sagt Rommel, der zwei Mal halbtags während der Woche und den ganzen Mittwoch dort die wichtigsten Geschäfte abwickelt. Den Rest müssen zwei bis drei Mitarbeiter erledigen. Allerdings gäbe die flaue Auftragslage in diesem Sommer keinen Anlass dazu, in Jubel auszubrechen. Man müsse wohl über eine Werbeoffensive nachdenken.
Günter Rommel, der immer ein freundliches Gesicht zeigt, auf Leute zuzugehen versteht und eine souveräne Ausstrahlung besitzt, fixierte sich auf dem sportlichen Sektor nicht nur auf ein Metier. Bevor er den Fußballtrainer-A-Schein erwarb, machte er die Ausbildung zum Ski- und Tennislehrer. Und wenn für ihn die Sache einmal "ausgelutscht" war, wie 1990 nach fünfjähriger Trainertätigkeit bei der A-Jugend der Stuttgarter Kickers, sattelte er spontan um: zum sportlichen Leiter bei der TSF Ditzingen. Da konnte er sein Organisationstalent beweisen und sich um andere Dinge kümmern - eine Art Managerfunktion, die ihm Spaß bereitete. Wiederum kreuzten sich die Wege mit seinem Freund Michael Feichtenbeiner, der dort für zwei Jahre sehr erfolgreich den Trainerposten übernahm.
1999 war die Konstellation perfekt: das Freundestrio Michael Feichtenbeiner, Marcus Sorg und Günter Rommel - er halste sich als Jugendkoordinator, Assistenz- und A-Jugendtrainer gleich mehrere Jobs auf - zeichneten plötzlich für die Geschicke in Stuttgart-Degerloch verantwortlich. Dennoch spricht Rommel nicht gern über jene Episode, zumal der Großteil des Kickers-Personals dem zuvor geschassten Trainer Paul Linz nachhängte und sie zwischen die Fronten gerieten. Da hätte er als "Co" doch mehr ein Mittler sein müssen.
Freilich: ohne Michael Feichtenbeiner und dessem Übermittler in Pfullendorf, dem Hotelier Markus Kling, wäre wohl 2001 kein Angebot vom SC Pfullendorf gekommen. Ratzfatz sei die Vereinbarung schließlich mit Manager Hans-Hermann Krane zustande gekommen. Dieses schnelle Procedere habe man bis heute durchgehalten.
Drei Jahre hat Günter Rommel beim SCP als Verfechter der kontrollierten Offensive ganze Arbeit geleistet und auch abgedriftete Spieler wie einen Torjäger Mark Römer wieder auf Kurs gebracht. Ob sich jetzt, nachdem die ersten dunklen Wolken am Horizont auftauchen, womöglich was zusammenbraut? Rommel weiß, dass das Fußballgeschäft nicht für Sentimentalitäten taugt, dass die Trainerfrage für die Verantwortlichen letztlich der einzige Mechanismus bleibe, um Veränderungen in Gang zu bringen. Dabei stimmt das Verhältnis der Mannschaft zum Coach, wie sein Angreifer Sascha Maier betont und ihm zugute hält, dass er jetzt nicht die Attacke-Variante wählte, sondern stets fair und umgänglich geblieben ist.
Doch Siege im Fußball sind nun einmal die beste Medizin gegen Zahnschmerzen, Liebeskummer und gegen aufkommende Unruhe im Umfeld. Die Heimpartie gegen Aalen am nächsten Dienstag, 19 Uhr, hat Endspielcharakter. Wenn's da nicht klappt, "ist der Lauf der Dinge vorgegeben", mutmaßt Günter Rommel. Man kann ihm nur das richtige Händchen wünschen, damit sie gemeinsam den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Jürgen Witt
http://www.suedkurier.de/sport/regional ... 6733dbe715
Dabei tut sich der Coach schwer, Gründe für das Rundherum-Scheitern ins Feld zu führen. Es seien Nuancen, die zu den individuellen Fehlern im Abwehrverhalten und zur schlechten Chancenauswertung geführt hätten. Keinem seiner Spieler könne er mangelndes Engagement vorwerfen.
Gefreut hat es ihn, dass sich nach der fünften Pleite in Serie so viele Kumpels an die Strippe hängten und ihm Mut zusprachen. Auch bei Begegnungen mit der Pfullendorfer Bevölkerung hört Günter Rommel nur aufbauende Worte wie "Ihr werdet's noch packen!" Diese seien für ihn umso mehr eine Verpflichtung, das Ruder mit allen Kräften herumzureißen.
Was ihm zum Abschalten hilft, ist die räumliche Distanz. 140 Kilometer von Pfullendorf entfernt, liegt der Stuttgarter Stadtteil Zazenhausen - ein beschauliches Nest mit 1500 Bewohnern, landschaftlich sehr reizvoll eingebettet und von der Landwirtschaft geprägt - ein Stück "heile Welt" abseits großstädtischer Wuseligkeit. "Hier ist mein Daheim", sagt Günter Rommel und denkt an seine Familie, Freunde und Kumpels. Dazu gehört auch die Verbundenheit zu seinem Heimatverein TV Zazenhausen, der sich just neben dem schmucken Vereinsheim ein neues, modernes Sportgelände geschaffen hat. Hier befinden sich auch die zurzeit gut gefüllten Camps seiner Fußballschule, die er zusammen mit dem Kickers-Coach Robin Dutt und dem Heidenheimer Coach Marcus Sorg betreibt.
Sportlich viel vorzuzeigen hat auch seine Ehefrau, Carola Sauvigny. Sie sorgte als Nationalspielerin in der Volleyball-Bundesliga beim CJD Feuerbach mit ihren beiden Schwestern Andrea und Nicola für Furore, war erste deutsche Profispielerin im italienischen Cecina. Heute unterrichtet sie als Lehrerin am Ludwigsburger Mörike-Gymnasium die Fächer Biologie und Sport.
Bevor sie sich während ihres Studiums an der Uni näher kennenlernten, gehörte es für Rommel und seine Studiums-Kollegen Peter Zeidler, Ralf Rangnick und Michael Feichtenbeiner im Institut zur absoluten Pflicht, an Samstag-Abenden den Heimspielen der Volleyballerinnen in der mit 1800 Zuschauern rappelvollen Feuerbacher Halle beizuwohnen und "mit großen Augen zuzuschauen, wie die Mädels den Ball übers Netz patschten!"
Sein achtjähriger Steppke Nicolas (Rommel: "Ich bin ein junger Vater") kann sich mehr für's Skifahren, Rodeln und Schwimmen begeistern. Mit dem Fußballspielen hat er's nicht so. Da kommt er ganz nach dem Papa, der zugibt, selbst kein großer Fußballer gewesen zu sein. "Mehr schlecht als recht" sei es beim damals viertklassigen FV Salamander Kornwestheim gelaufen. Mit dem heutigen Blick des kritischen Trainers würde er dem Spieler Rommel die Klassifizierung "Stolperer" zugeschrieben haben.
Nunmehr sei Mountainbikefahren seine Lieblings-Freizeitbeschäftigung. "Weil's mit den Knochen noch am besten geht. Mein Problem ist nur, dass die Zunge andauernd in der Kette hängt," witzelt der geradlinige Schwabe, dessen feinsinniger Humor mit einer Portion Selbstironie zu ihm gehört wie das Klavier zum Pianisten.
Rommel ist beruflich selbstständig. Das Büro seines 1992 gegründeten Unternehmen "Sports-Travel" liegt fünf Kilometer entfernt, "über dem Buckel" im Stuttgarter Stadtteil Freiberg - in ebenso ruhiger Wohnlage, obgleich die "Retortenstadt" zu ihrer Gründerzeit als gefährliches Pflaster galt. Das Hauptbetätigungsfeld seiner Firma sind Reise-Angebote in Verbindung mit Sport, die Organisation von Trainingslagern für Sportmannschaften mit Schwerpunkten in Österreich und Italien. "Das ist eine gute Abwechslung zum Fußball, sich mit anderen Dingen zu befassen", sagt Rommel, der zwei Mal halbtags während der Woche und den ganzen Mittwoch dort die wichtigsten Geschäfte abwickelt. Den Rest müssen zwei bis drei Mitarbeiter erledigen. Allerdings gäbe die flaue Auftragslage in diesem Sommer keinen Anlass dazu, in Jubel auszubrechen. Man müsse wohl über eine Werbeoffensive nachdenken.
Günter Rommel, der immer ein freundliches Gesicht zeigt, auf Leute zuzugehen versteht und eine souveräne Ausstrahlung besitzt, fixierte sich auf dem sportlichen Sektor nicht nur auf ein Metier. Bevor er den Fußballtrainer-A-Schein erwarb, machte er die Ausbildung zum Ski- und Tennislehrer. Und wenn für ihn die Sache einmal "ausgelutscht" war, wie 1990 nach fünfjähriger Trainertätigkeit bei der A-Jugend der Stuttgarter Kickers, sattelte er spontan um: zum sportlichen Leiter bei der TSF Ditzingen. Da konnte er sein Organisationstalent beweisen und sich um andere Dinge kümmern - eine Art Managerfunktion, die ihm Spaß bereitete. Wiederum kreuzten sich die Wege mit seinem Freund Michael Feichtenbeiner, der dort für zwei Jahre sehr erfolgreich den Trainerposten übernahm.
1999 war die Konstellation perfekt: das Freundestrio Michael Feichtenbeiner, Marcus Sorg und Günter Rommel - er halste sich als Jugendkoordinator, Assistenz- und A-Jugendtrainer gleich mehrere Jobs auf - zeichneten plötzlich für die Geschicke in Stuttgart-Degerloch verantwortlich. Dennoch spricht Rommel nicht gern über jene Episode, zumal der Großteil des Kickers-Personals dem zuvor geschassten Trainer Paul Linz nachhängte und sie zwischen die Fronten gerieten. Da hätte er als "Co" doch mehr ein Mittler sein müssen.
Freilich: ohne Michael Feichtenbeiner und dessem Übermittler in Pfullendorf, dem Hotelier Markus Kling, wäre wohl 2001 kein Angebot vom SC Pfullendorf gekommen. Ratzfatz sei die Vereinbarung schließlich mit Manager Hans-Hermann Krane zustande gekommen. Dieses schnelle Procedere habe man bis heute durchgehalten.
Drei Jahre hat Günter Rommel beim SCP als Verfechter der kontrollierten Offensive ganze Arbeit geleistet und auch abgedriftete Spieler wie einen Torjäger Mark Römer wieder auf Kurs gebracht. Ob sich jetzt, nachdem die ersten dunklen Wolken am Horizont auftauchen, womöglich was zusammenbraut? Rommel weiß, dass das Fußballgeschäft nicht für Sentimentalitäten taugt, dass die Trainerfrage für die Verantwortlichen letztlich der einzige Mechanismus bleibe, um Veränderungen in Gang zu bringen. Dabei stimmt das Verhältnis der Mannschaft zum Coach, wie sein Angreifer Sascha Maier betont und ihm zugute hält, dass er jetzt nicht die Attacke-Variante wählte, sondern stets fair und umgänglich geblieben ist.
Doch Siege im Fußball sind nun einmal die beste Medizin gegen Zahnschmerzen, Liebeskummer und gegen aufkommende Unruhe im Umfeld. Die Heimpartie gegen Aalen am nächsten Dienstag, 19 Uhr, hat Endspielcharakter. Wenn's da nicht klappt, "ist der Lauf der Dinge vorgegeben", mutmaßt Günter Rommel. Man kann ihm nur das richtige Händchen wünschen, damit sie gemeinsam den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Jürgen Witt
http://www.suedkurier.de/sport/regional ... 6733dbe715