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Lars Ricken - Dribbling ins Abseits

Verfasst: Donnerstag 14. Oktober 2004, 12:25
von Jochen K.
Statistenrolle für Dortmunds ewiges Talent: Im Training mimt er den Star des Gegners

Lars Ricken - Dribbling ins Abseits

Stuttgart - Als Teenie galt er als größtes Talent im deutschen Fußball. Das ist zehn Jahre her. Jetzt ist Lars Ricken 28 Jahre alt, und seine Karriere in Dortmund steckt in der Sackgasse. "Borussia ist meine große Liebe'', sagt der ewige Kronprinz. Sie wird nur nicht mehr erwidert. Und so wird Ricken auch am Samstag im Spiel beim VfB die Ersatzbank drücken - wenn überhaupt.

VON THOMAS NÄHER

Es sind bange Zeiten. Das große Zittern beginnt schon Tage vor dem Anpfiff. Dann überprüft Lars Ricken im Training seine Form, nickt und sagt sich: "Eigentlich müsste ich spielen.'' Er spielt dann häufig auch. Bei den Amateuren in der Regionalliga. Bei Trainer Bert van Marwijk dagegen spielt er - keine Rolle. Zehn Minuten stand er in dieser Bundesligasaison auf dem Platz. Zehn von 630 möglichen Minuten. Ricken ist ratlos: "Er scheint ein großes Problem mit mir zu haben. Ich weiß nur nicht welches. Wir reden nicht miteinander.''

Das liegt daran, dass ihn der Holländer genau so einschätzt wie zuletzt dessen Vorgänger Matthias Sammer. "Ich rede nicht mit Ersatzspielern'', sagt van Marwijk, "sie könnten sich falsche Hoffnungen machen.''

Hoffnung auf Anerkennung, auf Einsätze, auf ein Ende dieser Demütigung. Inzwischen ist Ricken am Tiefpunkt: Im Abschlusstraining muss er in der B-Mannschaft den Star des Gegners mimen. "Das sind ganz bittere Momente'', sagt er dann.

Die älteren Sportfreunde werden sich dunkel erinnern. An Rickens Traumtore, an seine Unbekümmertheit, seinen kometenhaften Aufstieg. Als 17-Jähriger feierte er 1994 sein Bundesligadebüt und schoss den BVB gegen La Coruna ins Halbfinale des Uefa-Cups. 1997 erzielte er in der Champions League die Siegtreffer gegen Auxerre und Manchester. Im Finale dann war er 16 Sekunden im Spiel, zog aus 25 Metern ab und traf zum 3:1-Endstand gegen Juventus Turin. "Ein Treffer für die Unsterblichkeit'', jubelte Präsident Gerd Niebaum.

Plötzlich war Ricken ein Popstar des Fußballs. Wider Willen. Er drehte einen Werbespot für Nike über geldgierige Fußballmanager ("Ich sehe Männer in Nadelstreifen . . .'') - wenig später fuhr er selbst Porsche und musste erkennen: Nicht alle Widersprüche lassen sich so einfach lösen wie sein Konflikt mit dem Schlagerfan Sammer, mit dem der Heavy-Metal-Freak Ricken das Zimmer teilte: "Er hört nicht Nicole, und ich lege kein Metallica ein.''

Sammer wachte über seine Karriere wie eine Glucke, er protegierte ihn auch als Trainer bis zum Gehtnichtmehr. Erst vergangenen Winter ließ er ihn fallen: In der Rückrunde stand Ricken kein einziges Mal mehr in der Startelf und suchte die Schuld bei anderen: "Ich werde immer extrem bewertet. Mal bin ich Held, mal Versager, mal Hoffnungsträger.''

Sammer mag nicht darüber reden. "Viele wären froh, sie hätten so eine Karriere hingelegt wie Ricken'', sagt der VfB-Trainer nur. Dreimal deutscher Meister, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, U-16-Europameister. Die Titel in Ehren: Für die ganz große Karriere stand sich Ricken selbst im Weg. Kritiker halten ihm vor: zu langsam, zu laufschwach, zweikampfstark wie die Jogger im Stadtpark, geringe Einsicht und hohe Selbstüberschätzung. In der Wertschätzung des Trainers hat ihm Salvatore Gambino (20) den Rang abgelaufen. Die zentrale Position im Mittelfeld ist an Tomas Rosicky vergeben, und die rechte Seite decken Evanilson, Ewerthon oder David Odonkor ab. Kurz: Für Ricken ist kein Platz mehr. "Irgendwann muss man sich zusammensetzen'', sagt er. Wohl kaum vor 2006. Dann endet sein Vertrag, der angeblich mit 2,5 Millionen Euro im Jahr dotiert ist. Nur das Bankkonto zeugt noch vom Glanz vergangener Tage.

Leonberger Kreiszeitung

> Tief gefallen oder einfach überschätzt??
> Aber für 2,5 Millionen Euro regelmäßig in der Regionalliga kicken ist nicht schlecht! Und das kann sich Dortmund noch leisten...

Re: Lars Ricken - Dribbling ins Abseits

Verfasst: Donnerstag 14. Oktober 2004, 12:55
von Soulfly
> Tief gefallen oder einfach überschätzt??
> Aber für 2,5 Millionen Euro regelmäßig in der Regionalliga kicken ist nicht schlecht! Und das kann sich Dortmund noch leisten...[/quote]

Eine Vertragsauflösung können die sich vermutlich noch viel weniger
leisten. :!:

Re: Lars Ricken - Dribbling ins Abseits

Verfasst: Donnerstag 14. Oktober 2004, 15:13
von Felix B.
Jochen K. hat geschrieben: "Ich rede nicht mit Ersatzspielern'', sagt van Marwijk, "sie könnten sich falsche Hoffnungen machen.''

Was für ne Einstellung, oh je...

Für die ganz große Karriere stand sich Ricken selbst im Weg. Kritiker halten ihm vor: zu langsam, zu laufschwach, zweikampfstark wie die Jogger im Stadtpark, geringe Einsicht und hohe Selbstüberschätzung.
Genau so sieht's aus. Besonders der letze Punkt ist Rickens Hauptproblem. Ich würde noch "Abkassierer" hinzufügen, Ricken hätte schon vor 2-3 Jahren wechseln müssen (und können!) aber er wollte ja lieber weiter Geld scheffeln.

Verfasst: Samstag 16. Oktober 2004, 13:24
von Martin
Ricken wurde einfach von Anfang an viel zu hoch gehandelt. Ein, zwei gute Spiele gemacht und schon zum Superstar gehandelt worden. Er war zwar noch jung und es kam aber dann halt keine entwicklung mehr. Aber sowas wird es immer geben. Mein nächster Tipp für so eine Karriere:
Lukas Podolski