STZ: Hollenbach im Interview
Verfasst: Freitag 19. September 2003, 07:27
"Unser Etat ist geringer als viele glauben"
Interview mit dem Vizepräsidenten der Stuttgarter Kickers vor dem Saisonauftakt in der Handball-Verbandsliga beim SV Möhringen
Morgen starten die Handballer der Stuttgarter Kickers in die neue Saison in der Verbandsliga - mit dem Derby beim ruhmreichen SV Möhringen (20 Uhr, Rembrandthalle). Der Kickers-Vizepräsident und Handball-Abteilungsleiter Jürgen Hollenbach sagt im Gespräch mit Joachim Klumpp: "Unser Ziel muss Aufstieg heißen."
Herr Hollenbach, seit Juli diesen Jahres sind Sie Vizepräsident im Gesamtverein SV Stuttgarter Kickers. Wer wird denn nun als Erster in der zweiten Liga ankommen: die Fußballer oder die Handballer?
Nachdem uns im Fußball nur eine Klasse von diesem Ziel trennt, glaube und hoffe ich, dass es dort sein wird. Im Handball ist das ein längerer Weg, da haben wir noch einige Hürden vor uns.
Aber mit einem einstelligen Tabellenplatz wie im Fußball werden Sie sich diese Saison im Handball nicht zufrieden geben?
Sicher nicht, aber das ist doch auch klar. In der vergangenen Saison waren wir Dritter und haben damit den Relegationsplatz nur knapp verpasst. Und nachdem vier höherklassige Spieler - bei lediglich zwei Abgängen - dazukamen, haben wir uns sicher eher verstärkt als geschwächt. Deshalb muss das Ziel Aufstieg heißen. Die Oberliga soll jedenfalls nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung von Ihnen?
Das ist falsch. Die finanzielle Belastung verteilt sich auf mehrere Schultern. Es ist auch nicht so, dass ich der Hauptsponsor bin, wie es oft dargestellt wird. Ich versuche nur, das Umfeld zu optimieren und die richtigen Strippenzieher zusammenzubringen. Ein Meilenstein war dabei, Scharnhausens ehemaligen Bundesligaspieler Jürgen Metzger als sportlichen Leiter zu gewinnen. Unser Etat ist jedenfalls geringer, als viele glauben.
In Zahlen ausgedrückt heißt das . . .
. . . so um die 30 000 Euro pro Saison. Der SV Möhringen zum Beispiel hat offiziell, glaube ich, 50 000 - wobei die davon natürlich ihre 17 Jugendmannschaften unterhalten müssen.
Die Kickers haben keine einzige, das wird Ihnen von den Kritikern oft vorgeworfen. Was antworten Sie dann?
Als ich 1995 als vierter Verantwortlicher bei den Handballern eingestiegen bin, ist der Nachwuchs bereits am Auseinanderbröckeln gewesen, das kann man mir also nicht vorhalten. Ich habe dann als Abteilungsleiter den Neuaufbau erst einmal bei den Aktiven vorangetrieben, weil ich gesagt habe, im Umkreis von Degerloch sind schon viele Vereine, die den Jugend-Handball erfolgreich betreiben. Aber das fertige Nachwuchskonzept der Kickers liegt in der Schublade, und es gibt die Zusage von qualifizierten Leuten im Trainerbereich, dies auch umzusetzen. Mein Motto lautet immer: Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.
In der Region gibt es bereits etliche erfolgreiche Handball-Vereine: Göppingen und Pfullingen in der ersten, Kornwestheim und Oßweil in der zweiten Liga. Fast alle tendieren ein wenig nach Stuttgart und haben in der Schleyerhalle schon Spiele ausgetragen. Was spricht denn dafür, dass die Kickers da noch eine Nische finden.
Alle diese Vereine kommen nicht aus Stuttgart und verkörpern somit nicht die Stadt. Der Name Kickers aber wird immer mit Stuttgart in Verbindung gebracht, auch wenn wir natürlich im Schatten des VfB stehen.
Als es vor einigen Wochen um die Nachfolge von Axel Dünnwald-Metzler als Kickers-Präsident ging und auch Ihr Name ins Spiel kam, wurde Hans Kullen nicht zuletzt mit dem Argument vorgezogen, ein Handballer sei in einem so vom Fußball geprägten Verein nur schwer vermittelbar. Sehen Sie denn diese Amtszeit als Übergangsphase, um den Mitgliedern zu zeigen: Seht her, auch ein Handballer wäre ein guter Präsident.
Zunächst einmal ist Hans Kullen für drei Jahre gewählt und die Zusammenarbeit klappt hervorragend. So gesehen stellt sich die Frage derzeit nicht. Aber wenn es danach so weit kommen sollte, würde ich sicher dafür sorgen, dass weder die eine noch die andere Abteilung vernachlässigt wird, auch wenn die Kickers natürlich zu 98 Prozent aus Fußball bestehen.
Gewissensfrage: was schauen Sie sich morgen an - das Fußballspiel in Siegen oder das Handballderby in Möhringen.
Wenn es geht, beides. Ich habe vor, mich direkt nach dem Spiel in Siegen ins Auto zu setzen, damit ich rechtzeitig in Möhringen bin. Das muss klappen.
Aktualisiert: 19.09.2003, 05:05 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 2003-09-19
Interview mit dem Vizepräsidenten der Stuttgarter Kickers vor dem Saisonauftakt in der Handball-Verbandsliga beim SV Möhringen
Morgen starten die Handballer der Stuttgarter Kickers in die neue Saison in der Verbandsliga - mit dem Derby beim ruhmreichen SV Möhringen (20 Uhr, Rembrandthalle). Der Kickers-Vizepräsident und Handball-Abteilungsleiter Jürgen Hollenbach sagt im Gespräch mit Joachim Klumpp: "Unser Ziel muss Aufstieg heißen."
Herr Hollenbach, seit Juli diesen Jahres sind Sie Vizepräsident im Gesamtverein SV Stuttgarter Kickers. Wer wird denn nun als Erster in der zweiten Liga ankommen: die Fußballer oder die Handballer?
Nachdem uns im Fußball nur eine Klasse von diesem Ziel trennt, glaube und hoffe ich, dass es dort sein wird. Im Handball ist das ein längerer Weg, da haben wir noch einige Hürden vor uns.
Aber mit einem einstelligen Tabellenplatz wie im Fußball werden Sie sich diese Saison im Handball nicht zufrieden geben?
Sicher nicht, aber das ist doch auch klar. In der vergangenen Saison waren wir Dritter und haben damit den Relegationsplatz nur knapp verpasst. Und nachdem vier höherklassige Spieler - bei lediglich zwei Abgängen - dazukamen, haben wir uns sicher eher verstärkt als geschwächt. Deshalb muss das Ziel Aufstieg heißen. Die Oberliga soll jedenfalls nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung von Ihnen?
Das ist falsch. Die finanzielle Belastung verteilt sich auf mehrere Schultern. Es ist auch nicht so, dass ich der Hauptsponsor bin, wie es oft dargestellt wird. Ich versuche nur, das Umfeld zu optimieren und die richtigen Strippenzieher zusammenzubringen. Ein Meilenstein war dabei, Scharnhausens ehemaligen Bundesligaspieler Jürgen Metzger als sportlichen Leiter zu gewinnen. Unser Etat ist jedenfalls geringer, als viele glauben.
In Zahlen ausgedrückt heißt das . . .
. . . so um die 30 000 Euro pro Saison. Der SV Möhringen zum Beispiel hat offiziell, glaube ich, 50 000 - wobei die davon natürlich ihre 17 Jugendmannschaften unterhalten müssen.
Die Kickers haben keine einzige, das wird Ihnen von den Kritikern oft vorgeworfen. Was antworten Sie dann?
Als ich 1995 als vierter Verantwortlicher bei den Handballern eingestiegen bin, ist der Nachwuchs bereits am Auseinanderbröckeln gewesen, das kann man mir also nicht vorhalten. Ich habe dann als Abteilungsleiter den Neuaufbau erst einmal bei den Aktiven vorangetrieben, weil ich gesagt habe, im Umkreis von Degerloch sind schon viele Vereine, die den Jugend-Handball erfolgreich betreiben. Aber das fertige Nachwuchskonzept der Kickers liegt in der Schublade, und es gibt die Zusage von qualifizierten Leuten im Trainerbereich, dies auch umzusetzen. Mein Motto lautet immer: Entweder mache ich es richtig oder gar nicht.
In der Region gibt es bereits etliche erfolgreiche Handball-Vereine: Göppingen und Pfullingen in der ersten, Kornwestheim und Oßweil in der zweiten Liga. Fast alle tendieren ein wenig nach Stuttgart und haben in der Schleyerhalle schon Spiele ausgetragen. Was spricht denn dafür, dass die Kickers da noch eine Nische finden.
Alle diese Vereine kommen nicht aus Stuttgart und verkörpern somit nicht die Stadt. Der Name Kickers aber wird immer mit Stuttgart in Verbindung gebracht, auch wenn wir natürlich im Schatten des VfB stehen.
Als es vor einigen Wochen um die Nachfolge von Axel Dünnwald-Metzler als Kickers-Präsident ging und auch Ihr Name ins Spiel kam, wurde Hans Kullen nicht zuletzt mit dem Argument vorgezogen, ein Handballer sei in einem so vom Fußball geprägten Verein nur schwer vermittelbar. Sehen Sie denn diese Amtszeit als Übergangsphase, um den Mitgliedern zu zeigen: Seht her, auch ein Handballer wäre ein guter Präsident.
Zunächst einmal ist Hans Kullen für drei Jahre gewählt und die Zusammenarbeit klappt hervorragend. So gesehen stellt sich die Frage derzeit nicht. Aber wenn es danach so weit kommen sollte, würde ich sicher dafür sorgen, dass weder die eine noch die andere Abteilung vernachlässigt wird, auch wenn die Kickers natürlich zu 98 Prozent aus Fußball bestehen.
Gewissensfrage: was schauen Sie sich morgen an - das Fußballspiel in Siegen oder das Handballderby in Möhringen.
Wenn es geht, beides. Ich habe vor, mich direkt nach dem Spiel in Siegen ins Auto zu setzen, damit ich rechtzeitig in Möhringen bin. Das muss klappen.
Aktualisiert: 19.09.2003, 05:05 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... 2003-09-19