Presse zur JHV
Verfasst: Freitag 26. November 2004, 09:08
Sparkurs bei den Kickers greift - dennoch Verlust
Kampf ums Überleben geht weiter
Stuttgart - Selten war eine Mitgliederversammlung bei den Stuttgarter Kickers so schnell zu Ende. Die Botschaft in den zweieinhalb Stunden im Clubheim: Die Blauen leben noch - nicht mehr und nicht weniger.
VON DIRK PREISS
Hans Kullen atmete lang und tief durch, blickte noch einmal auf sein Manuskript, dann begann er seine Rede. Die erste an die 175 anwesenden Mitglieder, seit er vor 16 Monaten zum Präsidenten der Kickers gewählt worden war. Es war eine Art Plädoyer für die eigene Sache: den Sanierungskurs, den er dem Fußball-Regionalligisten verordnet hatte, um dessen Überleben zu sichern. "Viele hatten mir zur Insolvenz geraten'', sagte Kullen, dessen Präsidium ebenso wie der Aufsichtsrat entlastet wurde, "ich bin stolz, dass ich diesen Ratschlägen nicht gefolgt bin.'' Die schwierige finanzielle Situation sei mittlerweile besser geworden, aber noch lange nicht ausgestanden.
In nackten Zahlen bedeutet das: In der vergangenen Saison erwirtschafteten die Kickers wieder einmal ein Minus von rund 0,231 Millionen Euro. Weshalb das Präsidium die Bilanz des Geschäftsjahres 2003/2004 dennoch als Erfolg verkauft: Nach der Etatplanung der alten Führungsriege wäre ein Verlust von über 0,4 Millionen Euro am Ende der vergangenen Regionalligasaison gestanden. Keine Frage: Der rigorose Sparkurs Kullens hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Blauen gaben rund 1,15 Millionen Euro weniger aus als in der Saison zuvor. Dass es dennoch nicht zu einem positiven Abschluss reichte, liegt an den ebenfalls sinkenden Einnahmen. Allein im Sponsoring fehlen 0,27 Millionen Euro.
Deshalb gilt: Den Stuttgarter Kickers steht das Wasser weiter bis zum Hals. Oder wie es Hans Kullen mit Blick auf den Radsport formulierte: "Die Alpen haben wir hinter uns, die Pyrenäen liegen noch vor uns.'' Dass der Club überhaupt noch im Rennen liegt, hängt nicht nur mit Kullens Sparkurs, sondern auch und vor allem mit seinem persönlichen finanziellen Engagement (0,45 Millionen Euro) und das des mittlerweile verstorbenen Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler (0,55 Millionen Euro) zusammen. Beide Darlehen sind mit einem Rangrücktritt versehen. Sprich: Die beiden Gläubiger bekommen bei einer Insolvenz erst Geld zurück, wenn alle anderen Gläubiger bedient sind - wenn überhaupt. "Ohne diese Rangrücktritte würden wir uns strafbar machen'', erklärt Kickers-Finanzchef Siegfried Jahnke, "wegen Insolvenzverschleppung.'' Die Kickers wären dann pleite - aktuell stehen Verbindlichkeiten von 0,938 Millionen Euro.
Für die Kickers geht es also weiter ums nackte Überleben. Vor allem auch, weil sie über keinerlei Rücklagen mehr verfügen. "Das Vereinsvermögen ist bereits versilbert worden'', sagte Jahnke, der für die laufende Saison immerhin eine Gewinn bringende Etatplanung vorlegen konnte. Wenn auch mit Hilfe eines kleinen Tricks: Der Transfererlös für den Wechsel von Patrick Milchraum zu 1860 München sowie der jährliche Erlös aus dem Verkauf der Namensrechte für das Stadion (je 0,1 Millionen Euro) tauchen erst in der aktuellen Planung auf.
Am Ende von Kullens Rede gab es einen freundlichen Applaus - Begeisterung wäre auch nicht angebracht gewesen.
Leonberger Kreiszeitung
Kampf ums Überleben geht weiter
Stuttgart - Selten war eine Mitgliederversammlung bei den Stuttgarter Kickers so schnell zu Ende. Die Botschaft in den zweieinhalb Stunden im Clubheim: Die Blauen leben noch - nicht mehr und nicht weniger.
VON DIRK PREISS
Hans Kullen atmete lang und tief durch, blickte noch einmal auf sein Manuskript, dann begann er seine Rede. Die erste an die 175 anwesenden Mitglieder, seit er vor 16 Monaten zum Präsidenten der Kickers gewählt worden war. Es war eine Art Plädoyer für die eigene Sache: den Sanierungskurs, den er dem Fußball-Regionalligisten verordnet hatte, um dessen Überleben zu sichern. "Viele hatten mir zur Insolvenz geraten'', sagte Kullen, dessen Präsidium ebenso wie der Aufsichtsrat entlastet wurde, "ich bin stolz, dass ich diesen Ratschlägen nicht gefolgt bin.'' Die schwierige finanzielle Situation sei mittlerweile besser geworden, aber noch lange nicht ausgestanden.
In nackten Zahlen bedeutet das: In der vergangenen Saison erwirtschafteten die Kickers wieder einmal ein Minus von rund 0,231 Millionen Euro. Weshalb das Präsidium die Bilanz des Geschäftsjahres 2003/2004 dennoch als Erfolg verkauft: Nach der Etatplanung der alten Führungsriege wäre ein Verlust von über 0,4 Millionen Euro am Ende der vergangenen Regionalligasaison gestanden. Keine Frage: Der rigorose Sparkurs Kullens hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Blauen gaben rund 1,15 Millionen Euro weniger aus als in der Saison zuvor. Dass es dennoch nicht zu einem positiven Abschluss reichte, liegt an den ebenfalls sinkenden Einnahmen. Allein im Sponsoring fehlen 0,27 Millionen Euro.
Deshalb gilt: Den Stuttgarter Kickers steht das Wasser weiter bis zum Hals. Oder wie es Hans Kullen mit Blick auf den Radsport formulierte: "Die Alpen haben wir hinter uns, die Pyrenäen liegen noch vor uns.'' Dass der Club überhaupt noch im Rennen liegt, hängt nicht nur mit Kullens Sparkurs, sondern auch und vor allem mit seinem persönlichen finanziellen Engagement (0,45 Millionen Euro) und das des mittlerweile verstorbenen Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler (0,55 Millionen Euro) zusammen. Beide Darlehen sind mit einem Rangrücktritt versehen. Sprich: Die beiden Gläubiger bekommen bei einer Insolvenz erst Geld zurück, wenn alle anderen Gläubiger bedient sind - wenn überhaupt. "Ohne diese Rangrücktritte würden wir uns strafbar machen'', erklärt Kickers-Finanzchef Siegfried Jahnke, "wegen Insolvenzverschleppung.'' Die Kickers wären dann pleite - aktuell stehen Verbindlichkeiten von 0,938 Millionen Euro.
Für die Kickers geht es also weiter ums nackte Überleben. Vor allem auch, weil sie über keinerlei Rücklagen mehr verfügen. "Das Vereinsvermögen ist bereits versilbert worden'', sagte Jahnke, der für die laufende Saison immerhin eine Gewinn bringende Etatplanung vorlegen konnte. Wenn auch mit Hilfe eines kleinen Tricks: Der Transfererlös für den Wechsel von Patrick Milchraum zu 1860 München sowie der jährliche Erlös aus dem Verkauf der Namensrechte für das Stadion (je 0,1 Millionen Euro) tauchen erst in der aktuellen Planung auf.
Am Ende von Kullens Rede gab es einen freundlichen Applaus - Begeisterung wäre auch nicht angebracht gewesen.
Leonberger Kreiszeitung