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Amateurfußball in BW streikt am Wochenende!

Verfasst: Mittwoch 1. Dezember 2004, 08:48
von McVillager
Protest

Am Wochenende ruht der Ball

Württembergische Amateurfußballer streiken wegen geplanter Mittelkürzung der Landesregierung


Stuttgart - Der württembergische Amateurfußball will sich weitere finanzielle Einschnitte nicht gefallen lassen und geht gegen die Sparpläne der Landesregierung in die Offensive. Aus Protest gegen die geplanten Kürzungen der Sportfördermittel im Land wird am kommenden Wochenende der gesamte Spielbetrieb in Württemberg von der Kreisliga bis zur Verbandsliga ausgesetzt. "Auch alle Jugendspiele werden ausfallen", sagte am Dienstag Thomas Proksch, der beim Württembergischen Fußballverband (WFV) für den Spielbetrieb zuständig ist. Ausgenommen seien Veranstaltungen in der Halle.

Sollten sich Baden und Südbaden anschließen, würde der Streik auf die Oberliga, die höchste Spielklasse in Baden-Württemberg, ausgedehnt werden. "Das ist aber noch nicht geklärt", sagte Proksch weiter. Eine Entscheidung werde bis zum Mittwoch fallen, an dem der Verband in einer Pressekonferenz weitere Einzelheiten zum Streik bekannt geben will. "Es wäre wünschenswert, dass sich der Fußball als Einheit in Baden-Württemberg zeigt", sagte WFV-Geschäftsführer Michael Hurler.

Die geplanten Mittelkürzungen im baden-württembergischen Doppelhaushalt 2005/06 hätten für die Sportvereine und -verbände "drastische Folgen", hieß es in einer Mitteilung des WFV, der sich mit der Spielpause dem Protestaufruf des Landessportverbandes Baden- Württemberg (LSV) anschließt. "Die Schmerzgrenze war bereits mit den Kürzungen 2004 erreicht. Einen Spielraum, um die weiteren Einsparungen aufzufangen, gibt es nicht mehr."

Die CDU/FDP-Landesregierung plant bisher, in den Jahren 2005 und 2006 jeweils weitere 5,28 Millionen Euro weniger auszuzahlen. Im laufenden Haushaltsjahr waren die Fördermittel bereits um zehn Millionen Euro gekürzt worden. Bei einer weiteren Kürzung wäre auch die Übungsleiterpauschale von maximal 360 Euro pro Trainer und Jahr nicht mehr finanzierbar, hatte kürzlich der Württembergische Landessportbund (WLSB) mitgeteilt. Den Etatentwurf für den Doppelhaushalt 2005/2006 wird Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) am 8. Dezember in den Landtag einbringen.

Die Sportverbände haben statt einer Kürzung eine Erhöhung der Mittel gefordert, um die vielfältigen Angebote der Sportvereine aufrechterhalten zu können. Ziel sei der Haushaltsansatz von 2004, eine Wiederauszahlung der im Vorjahr einbehaltenen 4,4 Millionen Euro aus dem der Toto-Lotto-Wetten sowie die Einführung der Projektförderung im kommunalen Sportstättenbau. WFV-Chef Hurler verlangt unterdessen, "aus dem Wettmittel-Fonds einen konkreten Betrag für den Sport festzulegen, um Planungssicherheit zu haben. Wir brauchen über Jahre hinaus eine Grundfinanzierung."

Unterstützung hat der Sport auch aus der Politik erhalten. CDU-Fraktionschef Günther Oettinger hatte kürzlich angekündigt, sich dafür einzusetzen, dass die Übungsleiterpauschalen nicht weiter gekürzt werden. Sie seien ein symbolischer Akt der Anerkennung gegenüber vielen Menschen, die im Sport ehrenamtlich tätig seien. Die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt hatte erklärt, die Sparpläne "legen die Axt an die Wurzeln unseres ehrenamtlichen Engagements. Die Landesregierung zieht den vielen ehrenamtlich Aktiven in den Sportvereinen den Boden unter den Füßen weg."

Informationen auch im Internet unter: http://www.vereine-vor-dem-aus.de

Von Matthias Jung, dpa

Verfasst: Mittwoch 1. Dezember 2004, 17:58
von Tüten-Tim
Überschrift stimmt nicht ganz: Nur in Württemberg wird gestreikt!

Verfasst: Donnerstag 2. Dezember 2004, 10:34
von Raul
Der Württembergische Fußball-Verband (WFV) protestiert gegen die Sparpläne des Landes - Baden hält sich raus

Der Fußball über der Grenze des Erträglichen

Stuttgart - Nach außen demonstriert der Sport im Land Stärke, innerhalb der Organisation aber gärt es. Der Grund: unterschiedliche Positionen im Zuschuss-Streit mit der Landesregierung.

VON GUNTER BARNER

Solch große Aufmerksamkeit hat der Württembergische Fußball-Verband (WFV) im Lauf seiner 53-jährigen Geschichte selten auf sich gezogen. Medien aus dem ganzen Land berichten über den Streik der 50 000 Amateurfußballer und 1700 Teams am kommenden Wochenende, in der Stuttgarter WFV-Zentrale geben sich die TV-Teams die Klinke in die Hand, und selbst der VfB Stuttgart will am Samstag im Heimspiel gegen den VfL Bochum auf der Videotafel im Daimlerstadion den Protest der Ehrenamtlichen unterstützen: Vereine vor dem Aus!

Der Württembergische Fußballverband macht sich mutig zum Vorreiter einer nie da gewesenen Protestaktion. Aber irgendwie wird der Beobachter den Eindruck nicht los: Der Rest der baden-württembergischen Sportwelt wünscht ihm zwar gutes Gelingen, hütet sich ansonsten aber davor, die Finger einzuklemmen.

"Wir sind über der Grenze des Erträglichen'', sagte WFV-Präsident Herbert Rösch am Mittwoch vor der Presse und betonte den kulturellen Wert des Sports. Ohne gute Vereinsarbeit gebe es keine intakten örtlichen Gemeinschaften. "Die Vereine tun viel, aber sie brauchen dazu die Mittel der öffentlichen Hand'', sagte der Oberbürgermeister von Ostfildern. Der Sport akzeptiere klaglos, dass er seinen Teil beitragen müsse zur Konsolidierung des Landeshaushalts, aber er benötige verlässliche Rahmenbedingungen für seine Arbeit. Noch im Jahr 1992 habe das Land pro Sportler durchschnittlich 37,18 Euro pro Jahr an Zuschüssen gezahlt, im Jahr 2004 seien es nur noch 16,13 Euro. Jetzt droht eine neuerliche Kürzung der Zuschüsse um 5,28 Millionen Euro pro Jahr. Der WFV-Chef fürchtet den Frust der Ehrenamtlichen. "Viele Freiwillige können die Lobeshymnen, sie seien die Stützen des Staates, nicht mehr hören'', kritisierte Rösch.

Doch so entschlossen sich der WFV-Chef zeigt, so uneinig ist sich der organisierte Sport hinter den Kulissen. Tagelang versuchte der WFV die Verbände in Nord- und Südbaden mit ins Boot zu holen, doch als es zum Schwur kam, winkten die Badener ab. Gundolf Fleischer, den mächtigen Präsidenten des Südbadischen Sportbundes, hätte es wohl auch in akute Erklärungsnöte gestürzt. Als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion müsste er gegen die eigenen Sparpläne aufbegehren.

Doch auch innerhalb der Sportbünde gärt es. So versucht sich der Landessport-Verband Baden-Württemberg (LSV) neuerdings in der Kunst der Diplomatie. Als landesweite Dachorganisation muss er zwar die Protestnoten der Württemberger unterstützen, gleichzeitig aber den Badenern vermitteln, dass er damit nichts zu tun habe. Entsprechende E-Mails jagen durchs Net - mit bissigen Kommentaren versehen.

Der Zeitpunkt hätte nicht passender gewählt werden können: Am Mittwochabend trafen sich die Granden des Sports im Land mit Kultusministerin Annette Schavan, um den Sportgipfel im nächsten Frühjahr vorzubereiten. "Sie ist doch unsere Freundin'', sagt Herbert Rösch. Der Mann hat Humor.

Quelle: LKZ

Verfasst: Samstag 4. Dezember 2004, 12:50
von Jürgen K.
Vereine vor dem Aus! Spielabsetzung betrifft auch die Kickers-Jugend

Nachdem sich der WFV dem Protestaufruf des Landessportverbandes Baden-Württemberg angeschlossen und alle Verbandsspiele am kommenden Wochenende abgesetzt hat, sind selbstverständlich auch die Spiele der Kickers-Jugend betroffen. Die Spiele der A2, B2, C2, D1, D2, D3/E1-Junioren finden alle nicht statt und werden voraussichtlich am nächsten Wochenende nachgeholt.
Das Heimspiel der A1-Junioren gegen den Karlsruher SC wird dagegen wie geplant am morgigen Samstag um 13 Uhr stattfinden. Ob die Bezirkssportanlage Waldau bespielbar ist, wird erst morgen entschieden, sonst findet die Partie auf dem Kunstrasen im ADM-Sportpark statt.
Die B1-Junioren spielen am Sonntag um 11 Uhr beim KSC, die 2. Mannschaft der Kickers spielt ebenfalls am Sonntag um 14 Uhr beim SV Bonlanden.

Verfasst: Dienstag 7. Dezember 2004, 07:51
von Raul
Sportförderung sorgt für Streit im Landtag: Heilsamer Druck oder Trick?

Harte Bandagen im Verteilungskampf

Stuttgart - Beim Sport ist Feuer unterm Dach, weil er mithelfen soll, den Landeshaushalt zu sanieren. Die jüngste Zuschussgarantie für Übungsleiter ändert daran nichts: Anton Häffner, der Präsident des Landessportverbands (LSV), nennt das Entgegenkommen einen Trick. Im Landtag sieht man das aber unterschiedlich.

VON ARNOLD RIEGER

Falls Kultusministerin Annette Schavan erwartet hatte, der Protest flaue nach dem Amateurfußball-Boykott am vergangenen Wochenende ab, klangen ihr am Montag die Ohren. Denn die Vertreter des Sports schlugen bei einer Anhörung der SPD schrille Töne an. Von "verheerenden Folgen'' des Rotstifts war die Rede, von drohenden Beitragserhöhungen, von Motivationsverlust und sozialer Härte. Und Häffner kündigte ein "aggressives Vorgehen'' dagegen an.

"Das wird ein heißer Tanz'', sekundierte Karsten Ewald, Geschäftsführer des MTV Stuttgart. In einer Anzeigenkampagne will der MTV Ross und Reiter nennen. Ewald: "Wir werden sagen, wer Schuld hat.'' Dabei hatte Schavan doch noch am Wochenende zugesichert, die Kürzungen abzumildern. Statt 5,28 Millionen Euro soll der Sport nur rund 3,1 Millionen opfern. Damit dieses Geld auch wirklich den Übungsleitern zugute kommt, werde man eben "gemeinsam Förderprioritäten'' festlegen. Auch der künftige Ministerpräsident Günther Oettinger ließ am Montag mitteilen, die Übungsleiterpauschale werde "nicht gekürzt''.

"Erpressung'' nennt dies SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler. Dahinter stecke ein ungenierter Eingriff in die Finanzhoheit des Sports. Auch Häffner bezeichnet Schavans Schachzug als "Trick'': Denn so müssten die Organisationen eben bei der Ausbildung, bei Trainingsanlagen, beim Leistungssport oder bei Geräten sparen - allerdings mit dem Unterschied, dass nur ein kleiner Teil der 11 258 Vereine diese Grausamkeiten zu spüren bekäme. Häffner: "Sie versucht damit, uns in die Defensive zu drängen.''

Die SPD haben die Verbände klar an ihrer Seite, die Grünen im Landtag allerdings nur bedingt. Denn deren sportpolitische Sprecherin Heike Dederer erklärte am Montag, der Sparzwang werde "am Sport nicht spurlos vorbeigehen''. Und sie stieß in genau dasselbe Horn wie ihre CDU-Kollegin Schavan, man möge dem Sport die Zuschussverwendung künftig vorschreiben: "So kann sichergestellt werden, dass die Übungsleiterpauschale in gleicher Höhe fortgeführt wird wie bisher.''

Bei dieser Gelegenheit erinnert Dederer auch daran, dass es unter dem Dach des LSV gleich drei Sportbünde gibt und folgert: "Eine schlankere Struktur mit weniger Personal ist überfällig.''

Quelle: LKZ