ZWEITLIGA-SKANDAL: Schiebung in 2. Bundesliga
Verfasst: Mittwoch 15. Dezember 2004, 12:28
ZWEITLIGA-SKANDAL
DFL ermittelt wegen Verdachts der Schiebung
Dem deutschen Profifußball droht der größte Skandal seit Jahren: Nach zwei dubiosen Toren und ungewöhnlich hohen Wetteinsätzen auf das richtige Ergebnis der Zweitliga-Partie zwischen Erzgebirge Aue und Rot-Weiß Oberhausen hat sich mittlerweile die DFL in die Ermittlungen eingeschaltet.
[M]DDP;mm.de
Lukrative Fußballwetten: "Ungewöhnliche hohe Einsätze"
Frankfurt am Main - "Wir befinden uns im Gespräch mit dem Kontrollausschuss", sagte DFL-Sprecher Tom Bender, "falls es einen Anfangsverdacht gibt, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und zunächst der Schiedsrichter gefragt." Aue hatte zum Hinrunden-Abschluss am vergangenen Sonntag sein Heimspiel gegen Oberhausen mit 2:0 (1:0) gewonnen.
Eigentlich war der Sieg der Auer kein ungewöhnliches Ergebnis, wenn da nicht die Tore gewesen wären, die auf dubiose Weise gefallen waren. In der 8. Minute köpfte Oberhausens Verteidiger Tony Tieku den Ball unbedrängt ins eigene Tor, in der 57. Minute verwandelte Aues Sven Günther einen Elfmeter zum 2:0-Endstand. Vor dem Schiedsrichterpfiff hatte Oberhausens Andre Izepan seinen Gegenspieler Kos so lange am Trikot festgehalten, bis Schiedsrichter Welz schließlich eingreifen musste. "Im Fußball ist alles möglich", kommentierte Tieku sein Missgeschick zum 0:1.
Was einige Wettanbieter jedoch stutzig machte, war der Fakt, dass eben auf das 2:0-Endergebnis vor der Partie außergewöhnlich hohe Handicap-Wetten eingegangen waren. Eine Handicap-Wetten bedeutet, dass man das Ergebnis mit dem exakten Torunterschied voraussagen muss. Allein beim englischen Wettanbieter Betfair sollen 500.000 Euro auf Aue gesetzt worden sein. Die Quote sank von 21:10 auf 14:10. Auch in anderen Wettbüros wunderte man sich über das überraschende Interesse an dieser eher unbedeutenden Zweitliga-Partie. "Das Wettverhalten zu diesem Spiel war extrem ungewöhnlich", sagte Nicole Engelbart, Geschäftsführerin vom österreichischen Wettanbieter "Pagobet" der "Bild"-Zeitung, "mit 75.000 Euro gab es einen erheblich höheren Umsatz als sonst. Normal sind 20.000."
In Aue wollte man sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Spekulationen äußern. "Kein Statement, no comment", antwortete Pressesprecher Höhner kurz und knapp. In Oberhausen war heute Vormittag niemand zu sprechen. Christian Pfennig von der Presseabteilung der DFL sagte zu dem Fall: "Ob ein Verdachtmoment besteht, muss jetzt der DFB-Kontrollausschuss überprüfen, denn dort liegt die Sportgerichtsbarkeit. Wir können nicht mehr dazu sagen." Auch beim DFB konnte niemand Auskunft geben, wie es bei dem Aue-Oberhausen-Fall zu bewerten ist. "Wir müssen warten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen", so Klaus Koltzenburg von der DFB-Pressestelle. Wann der Kontrollausschuss zusammentreffen wird, wusste in der DFB-Zentrale niemand.
Die Spekulation um die Schiebereien nährte Oberhausen Ex-Coach Jörn Anderson, der in der Vorrunde nach einem enttäuschenden Saisonstart bei RWO entlassen wurde. "Während meiner Zeit in Oberhausen haben mir sogar Leute erzählt, dass es Verdacht auf Schiebereien schon länger gibt", wird der Norweger in der "Bild" zitiert.
www.spiegel.de
DFL ermittelt wegen Verdachts der Schiebung
Dem deutschen Profifußball droht der größte Skandal seit Jahren: Nach zwei dubiosen Toren und ungewöhnlich hohen Wetteinsätzen auf das richtige Ergebnis der Zweitliga-Partie zwischen Erzgebirge Aue und Rot-Weiß Oberhausen hat sich mittlerweile die DFL in die Ermittlungen eingeschaltet.
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Lukrative Fußballwetten: "Ungewöhnliche hohe Einsätze"
Frankfurt am Main - "Wir befinden uns im Gespräch mit dem Kontrollausschuss", sagte DFL-Sprecher Tom Bender, "falls es einen Anfangsverdacht gibt, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und zunächst der Schiedsrichter gefragt." Aue hatte zum Hinrunden-Abschluss am vergangenen Sonntag sein Heimspiel gegen Oberhausen mit 2:0 (1:0) gewonnen.
Eigentlich war der Sieg der Auer kein ungewöhnliches Ergebnis, wenn da nicht die Tore gewesen wären, die auf dubiose Weise gefallen waren. In der 8. Minute köpfte Oberhausens Verteidiger Tony Tieku den Ball unbedrängt ins eigene Tor, in der 57. Minute verwandelte Aues Sven Günther einen Elfmeter zum 2:0-Endstand. Vor dem Schiedsrichterpfiff hatte Oberhausens Andre Izepan seinen Gegenspieler Kos so lange am Trikot festgehalten, bis Schiedsrichter Welz schließlich eingreifen musste. "Im Fußball ist alles möglich", kommentierte Tieku sein Missgeschick zum 0:1.
Was einige Wettanbieter jedoch stutzig machte, war der Fakt, dass eben auf das 2:0-Endergebnis vor der Partie außergewöhnlich hohe Handicap-Wetten eingegangen waren. Eine Handicap-Wetten bedeutet, dass man das Ergebnis mit dem exakten Torunterschied voraussagen muss. Allein beim englischen Wettanbieter Betfair sollen 500.000 Euro auf Aue gesetzt worden sein. Die Quote sank von 21:10 auf 14:10. Auch in anderen Wettbüros wunderte man sich über das überraschende Interesse an dieser eher unbedeutenden Zweitliga-Partie. "Das Wettverhalten zu diesem Spiel war extrem ungewöhnlich", sagte Nicole Engelbart, Geschäftsführerin vom österreichischen Wettanbieter "Pagobet" der "Bild"-Zeitung, "mit 75.000 Euro gab es einen erheblich höheren Umsatz als sonst. Normal sind 20.000."
In Aue wollte man sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu den Spekulationen äußern. "Kein Statement, no comment", antwortete Pressesprecher Höhner kurz und knapp. In Oberhausen war heute Vormittag niemand zu sprechen. Christian Pfennig von der Presseabteilung der DFL sagte zu dem Fall: "Ob ein Verdachtmoment besteht, muss jetzt der DFB-Kontrollausschuss überprüfen, denn dort liegt die Sportgerichtsbarkeit. Wir können nicht mehr dazu sagen." Auch beim DFB konnte niemand Auskunft geben, wie es bei dem Aue-Oberhausen-Fall zu bewerten ist. "Wir müssen warten, bis die Fakten auf dem Tisch liegen", so Klaus Koltzenburg von der DFB-Pressestelle. Wann der Kontrollausschuss zusammentreffen wird, wusste in der DFB-Zentrale niemand.
Die Spekulation um die Schiebereien nährte Oberhausen Ex-Coach Jörn Anderson, der in der Vorrunde nach einem enttäuschenden Saisonstart bei RWO entlassen wurde. "Während meiner Zeit in Oberhausen haben mir sogar Leute erzählt, dass es Verdacht auf Schiebereien schon länger gibt", wird der Norweger in der "Bild" zitiert.
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