STZ : Dutt - Interview
Verfasst: Donnerstag 13. Januar 2005, 15:37
"Ich erwarte eine gewisse Ungeduld im Umfeld"
Interview mit dem Kickers-Trainer Robin Dutt zu den Aufgaben nach der Winterpause und der Vision zweite Liga
Seit gestern trainieren die Stuttgarter Kickers wieder. Der Fußball-Regionalligist überwintert nur dank dem besseren Torverhältnis auf einem Nichtabstiegsplatz. "Natürlich ist das unbefriedigend, auch wenn es erklärbar ist", sagt der Trainer Robin Dutt im Gespräch mit Joachim Klumpp.
Herr Dutt, Sie sind unter die Häuslesbauer gegangen. Was ist schwerer: so ein Neubau oder der Aufbau des Kickers-Teams?
Der Hausbau ist doch einfacher, schließlich habe ich da einen Bauleiter und muss wenig selbst Hand anlegen. Die Aufgabe bei den Kickers ist schon wesentlich anspruchsvoller.
Auch weil Sie finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen können?
Es ist einfach so: Wir können uns keine Qualität kaufen, sondern müssen Qualität ausbilden. Das ist momentan der Unterschied zu den Klubs, die ganz oben stehen.
Mit den Spielern, die aus der Fremde geholt wurden, hatten Sie zuletzt kein glückliches Händchen: Lakies, jetzt Hampl oder Trejgis, die den Verein allesamt bereits verlassen haben. Spricht das dafür, künftig wieder verstärkt nach Leuten aus der Region zu schauen?
Zunächst einmal holen wir ja zu achtzig Prozent Spieler aus der Region. Das Risiko bei einem Spieler, der von weiter weg kommt, ist immer größer, weil man ihn nicht so gut kennt. Und die Wunschspieler können wir uns nicht leisten, weil die bei den Topklubs der Regionalliga sind. Natürlich ist Hampl oder auch Kegel nicht so zum Zuge gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Wie sieht es bei Bashiru Gambo aus? Ist der so etwas wie der neue Hoffnungsträger?
Man sollte nicht gleich überhöhte Erwartungen an ihn haben. Aber wenn er menschlich und sportlich das bringt, was er in den letzten drei Monaten im Training gezeigt hat, ist er eine echte Verstärkung. Er hat bisher die landläufigen Vorurteile gegenüber afrikanischen Spielern widerlegt, da er sehr diszipliniert und voll integriert ist. Zudem ist es für ihn die letzte Chance, nochmal groß rauszukommen.
Das hoffen auch Sie und die Mannschaft, nachdem die Kickers nur dank dem besseren Torverhältnis auf einem Nichtabstiegsplatz stehen, was unbefriedigend ist.
Natürlich ist der Tabellenplatz nicht zufrieden stellend, auch wenn er auf Grund der Verletzungsmisere erklärbar ist. Deshalb richtet sich der Blick zunächst sicher nach unten. Aber mein Fernziel - und da bin ich mit dem Präsidium auf einer Wellenlänge - ist die zweite Liga. Wir wollen nach oben, deshalb gelten auch keine Alibis, sondern wir müssen uns ständig hinterfragen.
Was hätten Sie denn im Nachhinein anders gemacht in der Vorrunde?
Konzeptionell wenig, aber sicher einige auf den Spieltag bezogene Dinge: also mal eine andere Strategie zu wählen oder auch den einen oder anderen Spieler einzusetzen.
Am nächsten Montag beginnt für Sie der Trainerlehrgang an der Sporthochschule in Köln. Ist das nicht eine zusätzliche Belastung gerade im Abstiegskampf?
Wenn wir zehn Punkte mehr hätten, wäre es eine Belastung im Aufstiegsrennen. Ganz ideal ist es eben nie. Letztendlich muss die Kommunikation mit dem Co-Trainer stimmen. Und es ist eine Chance, die Eigenständigkeit und Eigenmotivation der Mannschaft zu fördern. Außerdem werden wir den Trainingsplan so umstellen, dass ich so oft wie möglich nur zwei bis drei Trainingstage in der Woche fehlen werde.
Vergangene Saison haben die Kickers in einer ähnlichen Situation keine Lizenz für die zweite Liga beantragt. Jetzt macht der Präsident die Entscheidung vom Tabellenplatz abhängig; das heißt, wenn die Mannschaft mit zwei Siegen aus der Winterpause startet, ändert er vielleicht noch seine Meinung. Ist das ein Ansporn?
Wir wollen unabhängig von der Frage der Lizenzierung Vollgas geben. Das Präsidium ist in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind, und so gesehen ist es vielleicht sinnvoll, mal die ersten Spiele abzuwarten, um dann daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.
Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, dann im nächsten?
Das kommt immer auf die Rahmenbedingungen an. Wenn die stimmen, bin ich der Erste, der das Ziel Aufstieg ausgibt. Aber dazu, und das ist sogar schriftlich fixiert, brauchen wir drei bis vier Topspieler. Denn die Beispiele Siegen und Offenbach haben gezeigt, dass man mit den entsprechenden Verstärkungen in der Regionalliga schnell vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten werden kann.
Wobei die Geduld der Fans begrenzt ist.
Ich erwarte vom Umfeld der Kickers sogar eine gewisse Ungeduld und einen gewissen Druck. Sonst ist der Verein emotional tot und wir schaffen den Aufstieg nie.
Und wer schafft die Rahmenbedingungen?
Dafür ist nicht der Trainer zuständig. Da sind wir wieder beim Hausbau. Da muss ich mich auch zuerst fragen, welches Eigenkapital habe ich zur Verfügung. Reicht das? Wenn nicht, muss ich eben weiter mit einer Mietwohnung zufrieden sein.
Interview mit dem Kickers-Trainer Robin Dutt zu den Aufgaben nach der Winterpause und der Vision zweite Liga
Seit gestern trainieren die Stuttgarter Kickers wieder. Der Fußball-Regionalligist überwintert nur dank dem besseren Torverhältnis auf einem Nichtabstiegsplatz. "Natürlich ist das unbefriedigend, auch wenn es erklärbar ist", sagt der Trainer Robin Dutt im Gespräch mit Joachim Klumpp.
Herr Dutt, Sie sind unter die Häuslesbauer gegangen. Was ist schwerer: so ein Neubau oder der Aufbau des Kickers-Teams?
Der Hausbau ist doch einfacher, schließlich habe ich da einen Bauleiter und muss wenig selbst Hand anlegen. Die Aufgabe bei den Kickers ist schon wesentlich anspruchsvoller.
Auch weil Sie finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen können?
Es ist einfach so: Wir können uns keine Qualität kaufen, sondern müssen Qualität ausbilden. Das ist momentan der Unterschied zu den Klubs, die ganz oben stehen.
Mit den Spielern, die aus der Fremde geholt wurden, hatten Sie zuletzt kein glückliches Händchen: Lakies, jetzt Hampl oder Trejgis, die den Verein allesamt bereits verlassen haben. Spricht das dafür, künftig wieder verstärkt nach Leuten aus der Region zu schauen?
Zunächst einmal holen wir ja zu achtzig Prozent Spieler aus der Region. Das Risiko bei einem Spieler, der von weiter weg kommt, ist immer größer, weil man ihn nicht so gut kennt. Und die Wunschspieler können wir uns nicht leisten, weil die bei den Topklubs der Regionalliga sind. Natürlich ist Hampl oder auch Kegel nicht so zum Zuge gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Wie sieht es bei Bashiru Gambo aus? Ist der so etwas wie der neue Hoffnungsträger?
Man sollte nicht gleich überhöhte Erwartungen an ihn haben. Aber wenn er menschlich und sportlich das bringt, was er in den letzten drei Monaten im Training gezeigt hat, ist er eine echte Verstärkung. Er hat bisher die landläufigen Vorurteile gegenüber afrikanischen Spielern widerlegt, da er sehr diszipliniert und voll integriert ist. Zudem ist es für ihn die letzte Chance, nochmal groß rauszukommen.
Das hoffen auch Sie und die Mannschaft, nachdem die Kickers nur dank dem besseren Torverhältnis auf einem Nichtabstiegsplatz stehen, was unbefriedigend ist.
Natürlich ist der Tabellenplatz nicht zufrieden stellend, auch wenn er auf Grund der Verletzungsmisere erklärbar ist. Deshalb richtet sich der Blick zunächst sicher nach unten. Aber mein Fernziel - und da bin ich mit dem Präsidium auf einer Wellenlänge - ist die zweite Liga. Wir wollen nach oben, deshalb gelten auch keine Alibis, sondern wir müssen uns ständig hinterfragen.
Was hätten Sie denn im Nachhinein anders gemacht in der Vorrunde?
Konzeptionell wenig, aber sicher einige auf den Spieltag bezogene Dinge: also mal eine andere Strategie zu wählen oder auch den einen oder anderen Spieler einzusetzen.
Am nächsten Montag beginnt für Sie der Trainerlehrgang an der Sporthochschule in Köln. Ist das nicht eine zusätzliche Belastung gerade im Abstiegskampf?
Wenn wir zehn Punkte mehr hätten, wäre es eine Belastung im Aufstiegsrennen. Ganz ideal ist es eben nie. Letztendlich muss die Kommunikation mit dem Co-Trainer stimmen. Und es ist eine Chance, die Eigenständigkeit und Eigenmotivation der Mannschaft zu fördern. Außerdem werden wir den Trainingsplan so umstellen, dass ich so oft wie möglich nur zwei bis drei Trainingstage in der Woche fehlen werde.
Vergangene Saison haben die Kickers in einer ähnlichen Situation keine Lizenz für die zweite Liga beantragt. Jetzt macht der Präsident die Entscheidung vom Tabellenplatz abhängig; das heißt, wenn die Mannschaft mit zwei Siegen aus der Winterpause startet, ändert er vielleicht noch seine Meinung. Ist das ein Ansporn?
Wir wollen unabhängig von der Frage der Lizenzierung Vollgas geben. Das Präsidium ist in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind, und so gesehen ist es vielleicht sinnvoll, mal die ersten Spiele abzuwarten, um dann daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.
Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, dann im nächsten?
Das kommt immer auf die Rahmenbedingungen an. Wenn die stimmen, bin ich der Erste, der das Ziel Aufstieg ausgibt. Aber dazu, und das ist sogar schriftlich fixiert, brauchen wir drei bis vier Topspieler. Denn die Beispiele Siegen und Offenbach haben gezeigt, dass man mit den entsprechenden Verstärkungen in der Regionalliga schnell vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten werden kann.
Wobei die Geduld der Fans begrenzt ist.
Ich erwarte vom Umfeld der Kickers sogar eine gewisse Ungeduld und einen gewissen Druck. Sonst ist der Verein emotional tot und wir schaffen den Aufstieg nie.
Und wer schafft die Rahmenbedingungen?
Dafür ist nicht der Trainer zuständig. Da sind wir wieder beim Hausbau. Da muss ich mich auch zuerst fragen, welches Eigenkapital habe ich zur Verfügung. Reicht das? Wenn nicht, muss ich eben weiter mit einer Mietwohnung zufrieden sein.