Wettskandal holt Kickers Offenbach ein
Verfasst: Donnerstag 3. Februar 2005, 09:07
Hausdurchsuchung bei OFC-Spieler Bruno Akrapovic / Der Bosnier beteuert Unschuld: "Das ist für mich ein Schock"
Die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft im Wettskandal haben den Drittligisten Kickers Offenbach erreicht. Zu den Verdächtigen zählt nun auch OFC-Akteur Bruno Akrapovic, dessen Wohnung gestern von der Polizei durchsucht wurde.
VON I. DURSTEWITZ, S. GEHRMANN UND W. HETTFLEISCH
Frankfurt a. M. · 2. Februar · Es war vermutlich der Traum all jener, die es mit den Offenbacher Kickers halten, dass der Name des Clubs nie mehr in Zusammenhang mit Schiebung im Fußball genannt werden würde. Ältere Anhänger des OFC denken mit Schrecken an den Bundesliga-Skandal der Saison 1970/71, der durch die Enthüllungen des damaligen Kickers-Präsidenten Horst-Gregorio Canellas ans Licht gekommen war. Freilich war der OFC selbst in die Schiebereien im Kampf um den Klassenerhalt verstrickt. 1971 entzog der DFB Kickers Offenbach für zwei Jahre die Lizenz. OFC-Vize-Präsident Thomas Kalt hatte gestern Mühe, die Gespenster der Vergangenheit zu bändigen: "Wir hoffen, das alles ist ein Missverständnis. Ich finde es schade, dass nun in einem Atemzug mit dem Schwindel auch die Offenbacher Kickers genannt werden."
Um 5.30 Uhr klingelt die Polizei
Gestern war die Nachtruhe für das Rentnerpaar in Obertshausen, bei dem Akrapovic zur Untermiete wohnt, früh beendet. Um 5.30 Uhr klingelte die Polizei. Die Beamten machten sich daran, die Bleibe des defensiven Mittelfeldspielers zu durchsuchen, um Beweismaterial für dessen Verwicklung in den Wettskandal sicherzustellen. Akrapovic, im OFC-Trainingslager im portugiesischen Vale do Lobo über den ungebetenen Besuch informiert, war stocksauer: "16 Jahre in Deutschland - und nie habe ich mir etwas zu Schulden kommen lassen." Der Routinier beteuerte im Gespräch mit der FR seine Unschuld, weiß aber gleichwohl, "dass die Kacke jetzt am Dampfen ist". Erklären kann er sich das Interesse der Berliner Staatsanwaltschaft nicht: "Das war für mich ein Schock. Ich muss mich jetzt für Dinge rechtfertigen, mit denen ich nichts zu tun habe." Auf die Nachfrage, ob er in irgendeiner Weise in die Affäre verstrickt sei, entgegnet Akrapovic: "Nein! Um Gottes Willen."
Der Ex-Spieler von Tennis-Borussia Berlin (1998 - 2000) geht davon aus, dass sich die Vorwürfe auf seine Zeit in der Hauptstadt beziehen. Wie viele andere Fußballer verkehrte auch der Bosnier einst im Berliner Café "King", das sich nun als Zentrale der Wettbetrüger erwies. Das und seine Herkunft aus Ex-Jugoslawien genüge offenbar, um ihn verdächtig zu machen, sagte Akrapovic, der das für Rufmord hält: "Mein Name wird in den Dreck gezogen."
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft bezieht sich indes auf Vorfälle, die nicht so lang zurückliegen wie Akrapovic' Engagement bei TeBe. In der Mitteilung heißt es: "Die Beschuldigten sind verdächtig, zumindest zehn Spiele der ersten, zweiten und dritten Liga sowie aus dem DFB-Pokal im Jahr 2004 manipuliert zu haben, damit die Gebrüder S. bei verschiedenen Wettanbietern im In- und Ausland erfolgreich wetten konnten." Seltsam nur: Nach Medienberichten pfiff keiner der verdächtigten Schiedsrichter (Hoyzer, Jansen, Zwayer, Marks) 2004 ein Spiel der Regionalliga Süd.
Die Überraschung stand auch Kickers-Manager Rüdiger Lamm ins Gesicht geschrieben: "Von offizieller Seite haben wir überhaupt keine Nachricht. Alles was wir wissen, ist an uns über Dritte herangetragen worden." Er gehe davon aus, so Lamm, "dass es sich dabei um alte Geschichten handeln muss". Vize-Präsident Thomas Kalt kündigte an, man werde sich bald zum Gespräch mit dem Spieler zusammensetzen.
Akrapovic informierte in Vale do Lobo umgehend Hans-Jürgen Boysen über den Polizeibesuch in Obertshausen. Der Kickers-Coach fiel aus allen Wolken: "Wir sind davon völlig überrumpelt worden. Das Handy klingelt Sturm." Boysen mühte sich um Gelassenheit: "Es gab keine Krisensitzung. Ich will niemanden vorverurteilen. Wir warten jetzt mal ab, was kommt." Dass der lange Schatten des Skandals nun auch auf den OFC gefallen ist, nahm den Trainer aber spürbar mit. Womöglich fürchtet Boysen, die Angelegenheit könnte sich auf die Vorbereitung des Tabellenführers der Regionalliga Süd auswirken, der nach der Winterpause Ende Februar Kurs auf die zweite Liga nehmen will. Die Abgeschiedenheit des Feriendomizils an der Algarve kommt ihm da zupass: "Wir sind hier so weit ab vom Schuss. Das ist vielleicht ganz gut."
Frankfurter Rundschau
Die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft im Wettskandal haben den Drittligisten Kickers Offenbach erreicht. Zu den Verdächtigen zählt nun auch OFC-Akteur Bruno Akrapovic, dessen Wohnung gestern von der Polizei durchsucht wurde.
VON I. DURSTEWITZ, S. GEHRMANN UND W. HETTFLEISCH
Frankfurt a. M. · 2. Februar · Es war vermutlich der Traum all jener, die es mit den Offenbacher Kickers halten, dass der Name des Clubs nie mehr in Zusammenhang mit Schiebung im Fußball genannt werden würde. Ältere Anhänger des OFC denken mit Schrecken an den Bundesliga-Skandal der Saison 1970/71, der durch die Enthüllungen des damaligen Kickers-Präsidenten Horst-Gregorio Canellas ans Licht gekommen war. Freilich war der OFC selbst in die Schiebereien im Kampf um den Klassenerhalt verstrickt. 1971 entzog der DFB Kickers Offenbach für zwei Jahre die Lizenz. OFC-Vize-Präsident Thomas Kalt hatte gestern Mühe, die Gespenster der Vergangenheit zu bändigen: "Wir hoffen, das alles ist ein Missverständnis. Ich finde es schade, dass nun in einem Atemzug mit dem Schwindel auch die Offenbacher Kickers genannt werden."
Um 5.30 Uhr klingelt die Polizei
Gestern war die Nachtruhe für das Rentnerpaar in Obertshausen, bei dem Akrapovic zur Untermiete wohnt, früh beendet. Um 5.30 Uhr klingelte die Polizei. Die Beamten machten sich daran, die Bleibe des defensiven Mittelfeldspielers zu durchsuchen, um Beweismaterial für dessen Verwicklung in den Wettskandal sicherzustellen. Akrapovic, im OFC-Trainingslager im portugiesischen Vale do Lobo über den ungebetenen Besuch informiert, war stocksauer: "16 Jahre in Deutschland - und nie habe ich mir etwas zu Schulden kommen lassen." Der Routinier beteuerte im Gespräch mit der FR seine Unschuld, weiß aber gleichwohl, "dass die Kacke jetzt am Dampfen ist". Erklären kann er sich das Interesse der Berliner Staatsanwaltschaft nicht: "Das war für mich ein Schock. Ich muss mich jetzt für Dinge rechtfertigen, mit denen ich nichts zu tun habe." Auf die Nachfrage, ob er in irgendeiner Weise in die Affäre verstrickt sei, entgegnet Akrapovic: "Nein! Um Gottes Willen."
Der Ex-Spieler von Tennis-Borussia Berlin (1998 - 2000) geht davon aus, dass sich die Vorwürfe auf seine Zeit in der Hauptstadt beziehen. Wie viele andere Fußballer verkehrte auch der Bosnier einst im Berliner Café "King", das sich nun als Zentrale der Wettbetrüger erwies. Das und seine Herkunft aus Ex-Jugoslawien genüge offenbar, um ihn verdächtig zu machen, sagte Akrapovic, der das für Rufmord hält: "Mein Name wird in den Dreck gezogen."
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft bezieht sich indes auf Vorfälle, die nicht so lang zurückliegen wie Akrapovic' Engagement bei TeBe. In der Mitteilung heißt es: "Die Beschuldigten sind verdächtig, zumindest zehn Spiele der ersten, zweiten und dritten Liga sowie aus dem DFB-Pokal im Jahr 2004 manipuliert zu haben, damit die Gebrüder S. bei verschiedenen Wettanbietern im In- und Ausland erfolgreich wetten konnten." Seltsam nur: Nach Medienberichten pfiff keiner der verdächtigten Schiedsrichter (Hoyzer, Jansen, Zwayer, Marks) 2004 ein Spiel der Regionalliga Süd.
Die Überraschung stand auch Kickers-Manager Rüdiger Lamm ins Gesicht geschrieben: "Von offizieller Seite haben wir überhaupt keine Nachricht. Alles was wir wissen, ist an uns über Dritte herangetragen worden." Er gehe davon aus, so Lamm, "dass es sich dabei um alte Geschichten handeln muss". Vize-Präsident Thomas Kalt kündigte an, man werde sich bald zum Gespräch mit dem Spieler zusammensetzen.
Akrapovic informierte in Vale do Lobo umgehend Hans-Jürgen Boysen über den Polizeibesuch in Obertshausen. Der Kickers-Coach fiel aus allen Wolken: "Wir sind davon völlig überrumpelt worden. Das Handy klingelt Sturm." Boysen mühte sich um Gelassenheit: "Es gab keine Krisensitzung. Ich will niemanden vorverurteilen. Wir warten jetzt mal ab, was kommt." Dass der lange Schatten des Skandals nun auch auf den OFC gefallen ist, nahm den Trainer aber spürbar mit. Womöglich fürchtet Boysen, die Angelegenheit könnte sich auf die Vorbereitung des Tabellenführers der Regionalliga Süd auswirken, der nach der Winterpause Ende Februar Kurs auf die zweite Liga nehmen will. Die Abgeschiedenheit des Feriendomizils an der Algarve kommt ihm da zupass: "Wir sind hier so weit ab vom Schuss. Das ist vielleicht ganz gut."
Frankfurter Rundschau