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Das Geld zu Gast bei Freunden

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 09:39
von Rinderwahn
Schön das die Öffentlichkeit langsam auch mal was von der ganzen Kommerzscheiße mitbekommt.


Das Geld zu Gast bei Freunden

Von Christian Gödecke und Mike Glindmeier

Der Konföderationen-Cup ist nicht nur die sportliche Generalprobe für die WM 2006. Auch die exklusiven Sponsoren-Partner der Fifa laufen sich für das Großereignis warm. Viele Fans stört die Kommerzialisierung - und ein Sportereignis im Hochsicherheitstrakt.

DPA
Fifa-Präsident Blatter, Innenminister Schily und Hessens Ministerpräsident Koch: Und dann die Hände zum Himmel
Sogar der Landesvater war vorbeigekommen, um sich das neue Schmuckstück anzusehen. Gegen 19 Uhr traf Roland Koch samt Gefolge vor der Commerzbank-Arena ein, gab noch schnell ein Fernsehinterview - und schaute sich später am Abend den 4:3-Sieg der DFB-Elf gegen Australien an. Was er sah, wird dem Ministerpräsidenten Hessens gefallen haben. Vor allem aber, was er hörte: Die Akustik in der neuen Arena - sieht man einmal von der Lautsprecheranlage ab - ist außergewöhnlich gut geraten.

Besonders deutlich wurde das paradoxerweise, als das Spiel bereits vorbei war. Das deutsche Team klatschte sich gerade ab, als der Stadionlautsprecher noch eine Botschaft verkündete. Kapitän Michael Ballack sei zum Spieler des Spiels, besser: zum "Anheuser Busch Player of the Match" (wo findet das Turnier statt??? In Amerika?? England??) gewählt worden. Gut, Ballack hatte zuvor in der zweiten Hälfte einen Foulelfmeter zum wichtigen 3:2 verwandelt und Lukas Podolski kurz vor Schluss das 4:2 aufgelegt, während der Gerstensaft zum Unmut der Zuschauer schon zur Halbzeit vergriffen war.

Aber Spieler des Spiels? Immerhin war der Kapitän über große Strecken der Partie durch Unauffälligkeit aufgefallen und zudem nicht ohne Schuld am 2:2-Ausgleich der Australier gewesen. Das Unverständnis der mehr als 40.000 Fans machte sich nur Sekunden nach der Durchsage in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert Luft, das wohl bis zur Fifa-Zentrale in Zürich zu hören war. Ballack selbst war später sichtlich verlegen, als er die Auszeichnung in Form einer Medaille überreicht bekam. Und verwies eilig auf die Expertenkommission, die ihn auserkoren hatte. Dort säßen sicher honorige Leute, erklärte der Ausgezeichnete. "Die werden schon Ahnung haben."

Ballacks Verwunderung und die hörbare Empörung über die Wahl der honorigen Versammlung, die während des Konföderationen-Cups vom ehemaligen Beckenbauer-Assistenten Holger Osieck geleitet wird, warf noch eine andere Frage auf: Wollte sich der bierbrauende Namensgeber der Auszeichnung, die amerikanische Anheuser-Busch-Brauerei, lieber mit einem prominenten Gewinner schmücken? Der Exklusivsponsor darf nach jedem Spiel des Konföderationen-Cups den "Spieler des Spiels" präsentieren - und da passt eine Medaille für Ballack besser ins Konzept der Brauerei als beispielsweise ein Per Mertesacker oder ein Australier. Schließlich lässt sich ein Erinnerungsfoto mit dem DFB-Kapitän besser vermarkten als der (sportlich herausragende) Novize. Weltweit.

Dieses Beispiel zeigt indes, dass der Konföderationen-Cup nicht nur eine sportliche Standortbestimmung für die Teilnehmer ist, sondern auch ein Probelauf der mit der Fifa verbandelten Firmen. Neben der Welt ist auch das Geld zu Gast bei Freunden. 45 Millionen Euro hat jeder der 15 Großsponsoren bezahlt, um bis zur WM 2006 mit allen Fifa-Turnieren exklusiv werben zu dürfen, inklusive dem Konföderationen-Cup. Im Gegenzug garantiert der Weltverband, dass der jeweilige Sponsor der einzige aus seiner Branche ist, der die WM-Plattform offiziell nutzen darf.

Dass die exklusive Narrenfreiheit mitunter merkwürdige Blüten treibt, ist vor jedem Spiel zu besichtigen. Da wurde über die Stadionlautsprecher der Commerzbank-Arena mitgeteilt, dass "Proud Partners" wie ein Brausemulti oder ein großer Telekomkonzern die "Ball Kids und Flag Bearers gescoutet" hätten; ein anderer stolzer Partner des Fußball-Weltverbandes Fifa (aus dem Bereich Fast Food) hat "Player escorts" - zu Deutsch: Einläufe auf das Feld mit den Spielern - verlost. Sogar die Seitenwahl ("Coin escort") wird von einem Getränkehersteller präsentiert. Wo früher das Sitzkissen zur Standardausrüstung eines Stadiongängers gehörte, darf mittlerweile auch ein Wörterbuch nicht fehlen.

Den meisten Fans wäre ein Fußballspiel ohne diese künstlichen Elemente lieber. Vielmehr ärgern sich aber die Anhänger derzeit über die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld der WM. Vor der Partie zogen rund 1500 Fans aus dem gesamten Bundesgebiet mit einem Protestmarsch durch die Stadt. Dabei trugen sie T-Shirts mit Aufschriften wie: "WM 2006: Die Welt zu Gast - fühl Dich wie im Knast" oder "Fußballfans sind keine Verbrecher".

Eintracht-Frankfurt-Fan Stefan Hebenstreit, Teilnehmer des Protestmarsches, sieht in vielen Aktionen der Behörden reine Willkür und wittert Repressalien gegen friedliche Anhänger: "Mittlerweile werden Stadionverbote wegen Nichtigkeiten wie öffentliches Urinieren ausgesprochen." Beim anschließenden Spiel der deutschen Nationalmannschaft beschwerten sich besonders die weiblichen Fans darüber, dass ein Teil der Stadiontoiletten verschlossen blieb.

Innenminister Otto Schily, der das Maßnahmenpaket zur Sicherheit in den WM-Stadien jüngst geschnürt hatte, ließ sich von den Protesten der Fans nicht die gute Laune vermiesen. Im Stadion zelebrierte der Ehrengast gemeinsam mit Sepp Blatter und Koch die La-Ola-Welle.

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 11:01
von Soulfly
Das hat alles bald ein Ende!

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 12:16
von DirtyToby
Meine Güte!!! Das hört sich ja mal echt mega scheisse an... sind wir dann nächstes JAhr bei einem überdimensionalen SuperBowl, oder was?!?

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 12:38
von Rinderwahn
Manchmal bin ich froh das wir nur in der RL kicken und uns die Kommerzscheiße nicht antun müssen.

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 15:14
von Steffen FFC
Rinderwahn hat geschrieben:Manchmal bin ich froh das wir nur in der RL kicken und uns die Kommerzscheiße nicht antun müssen.
Das denk ich mir auch immer wieder. In der RL ist alles noch natürlicher, so wies die Kickers ja auch bewerben: Fußball pur!

Verfasst: Freitag 17. Juni 2005, 16:36
von Felix B.
Steffen FFC hat geschrieben: Das denk ich mir auch immer wieder. In der RL ist alles noch natürlicher, so wies die Kickers ja auch bewerben: Fußball pur!
Jetzt wisst ihr auch was es mit meiner vor ein paar Monaten arg belächelten Aussage dass es mir in der RL ganz gut gefällt auf sich hat.