Seite 1 von 1

und noch einmal: Dutt in Leonberg

Verfasst: Freitag 8. Juli 2005, 09:48
von magge
Spitzensportler müssen intelligent sein

"Wenn Leichtathleten sagen, die Fußballer sind bekloppt, da haben die ja recht. Wir haben bloß noch nicht festgestellt, ob die Leichtathleten nicht auch bekloppt sind.'' Dem Vorurteil gegenüber seiner Sportart begegnet der Trainer der Stuttgarter Kickers, Robin Dutt, auf seine eigene Weise.

Von Andreas Klingbeil

Natürlich will der Fußballlehrer die Aussage nicht einfach so im Raum stehen lassen. Wenn schon in dieser Art und Weise argumentiert wird, dann muss für ihn der Ansatz lauten: "Alle Spitzen- und Hochleistungssportler sind irgendwo bekloppt. Sonst könnten sie das in dieser Form ja gar nicht machen.''

Die alte Mär', dass es bei den Topleuten letztlich nur auf den Muskelumfang ankommt, ist längst überholt. Charaktere sind gefragt. Das wurde jüngst beim Konföderationenpokal deutlich. In der deutschen Nationalmannschaft stehen gerade die Youngster Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski für die neue Generation von Spielern.

Für Robin Dutt ist klar: "Ein Hochleistungssportler muss generell, egal ob er Fußballer ist oder Hockey spielt, intelligent sein. Sonst schafft er es ja gar nicht. Der Körper ist etwas ganz sensibles. Und wenn man nicht intelligent genug ist, seinen Körper und die Emotionen richtig einzusetzen, dann hat man im Hochleistungssport keine Chance.''

Die Schlussfolgerung aus diesem Ansatz: Die Persönlichkeitsbildung nimmt einen breiten Raum in der Arbeit des Trainers ein. Auf die jungen Spieler muss dabei individuell eingegangen werden. Einzelgespräche gehören genauso zum Repertoire wie die Diskussion in der gesamten Gruppe. Das war nicht immer so. Das beliebte Beispiel beim Trainerlehrgang in Köln ist die Kommunikation zwischen Hennes Weisweiler, Berti Vogts und Günther Netzer, die zusammen an einem Tisch sitzen. Weisweiler zu Vogts: "Berti sag' mal dem Langen, wenn der sich nicht bewegt, ist er draußen.'' Netzer antwortete: "Berti, sag' dem Trainer, ich versuche alles.''

Dutt legt Wert auf das Gemeinschaftsgefühl, den Teamgeist. Und da gehören auch vermeintliche Kleinigkeiten dazu. So geht die Mannschaft gemeinsam auf den Trainingsplatz und verlässt ihn erst dann, wenn alle Bälle wieder gefunden wurden, die irgendwo im Grünen gelandet sind. Oder aber das gemeinsame Essen, das zusammen begonnen und beendet wird. Und da sage noch einer, Fußballer sind alle bekloppt.