Serie über Traditionsvereine im Süden
Verfasst: Dienstag 2. August 2005, 18:08
Spiegel online startet eine recht interessante Serie:
Süddeutsche Traditionsvereine
Sorgen, die im Wein schwimmen
Von Thorsten Stegemann
Hof wurde einmal zur fußballfreudigsten Stadt Deutschlands gewählt, der Freiburger FC stand oft auf dem Sprung in die erste Bundesliga. Wie geht es diesen süddeutschen Traditionsvereinen heute? SPIEGEL ONLINE besuchte Clubs, deren besten Zeiten lange zurückliegen.
Waldhof Mannheim: Am Anfang war ein "Schlammloch"
11. April 1907: Im Lokal "Zum Tannenbaum" gründen 42 Mannheimer Fußballfreunde den SV Waldhof 07. Einige von ihnen waren zuvor in der "Fußballgesellschaft Ramelia" aktiv und bringen gleich ihr eigenes Spielfeld mit. Doch das Viereck hat seine Tücken. Ortskundige nennen es aus gutem Grund "Das Schlammloch", und so dauert es einige Jahre, bis sich die hiesige Fußballschule zu voller Blüte entwickelt. Doch schon in den zwanziger Jahren kann der Verein mit großen Namen aufwarten. In seinen Reihen spielen der spätere Fußball-Übervater Sepp Herberger, Nationalspieler Karl Höger - und das Training bekommt durch den englischen Coach William Townley internationales Flair.
Waldhof macht eine gute Figur in den verschiedenen Ligen, doch der große Durchbruch gelingt den Mannheimern erst in den späten siebziger und achtziger Jahren. Zunächst etablieren sie sich in der zweiten Bundesliga, 1983 schaffen die "Waldhof-Buben" sogar den Sprung ins Fußballoberhaus. Mit Stars wie Fritz Walter oder Jürgen Kohler und dem Traineroriginal Klaus Schlappner kann sich der Verein einige Jahre in der Bundesliga etablieren.
Nach dem Abstieg 1990 versuchen bekannte Trainer wie Klaus Toppmöller, Uli Stielike, noch einmal Schlappner oder Uwe Rapolder, wieder an große Zeiten anzuknüpfen. Vergeblich. 2003 steigt Waldhof aus der zweiten Bundesliga ab, muss danach ein Insolvenzverfahren über sich ergehen lassen und spielt heute in der Oberliga Baden-Württemberg. Hier kommt es - unter den Augen von Sportdirektor Maurizio Gaudino und drei- bis viertausend treuen Zuschauern - nun regelmäßig zu Lokalderbys mit dem VfR Mannheim, der 1911 gegründet wurde, sich aber auf die "Mannheimer Fussball Gesellschaft" von 1896 zurückführt.
Der VfR stand meist im Schatten der Waldhöfer und gab Mitte der siebziger Jahre auch nur ein kurzes Gastspiel in der zweiten Liga. Trotzdem gelang es dem Erzrivalen vor über achtzig Jahren Sepp Herberger abzuwerben und zudem 1949 einen Deutschen Meistertitel nach Mannheim zu holen. Damals besiegte der Verein für Rasenspiele Borussia Dortmund im Finale mit 3:2 Toren und konnte sich als erster Club in die neue Meisterschale eingravieren lassen. Mehrere Versuche, die Mannheimer Traditionsvereine zu fusionieren, scheiterten an den fortdauernden Rivalitäten beider Clubs.
Würzburger Kickers, FV 04 Würzburg: Stadion als WM-Quartier
Der Würzburger Fußball sorgte in den vergangenen rund 100 Jahren vorwiegend für regionale Aufmerksamkeit, doch in den siebziger Jahren schafften es die Franken immerhin in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Und das gleich mit zwei Vereinen, denn der FV 04 Würzburg war von 1976 bis 1980 in der Südliga vertreten; auch die Würzburger Kickers schafften es in diese Klasse - wenn auch nur in der Saison 1977/78.
Die 1907 gegründeten Kickers rutschten bald wieder in untere Amateurregionen, sicherten sich in der abgelaufenen Saison 2004/05 mit 17 Punkten Vorsprung allerdings die Meisterschaft in der Bezirksoberliga Unterfranken und damit den Aufstieg in die Landesliga, in der die Dauerkarte 65 Euro kostet. Kein schlechter Zeitpunkt, denn das Stadion am Dallenberg soll 2006 als WM-Quartier dienen.
Der FV 04 musste 1981 mit einem Schuldenberg von 2,5 Millionen Mark Konkurs anmelden. Sogar das Stadion an der Frankfurter Straße wurde versteigert. Doch der Stolz des traditionsreichen Arbeiterstadtteils Zellerau stand schneller auf als er untergegangen war.
Am 22. Mai 1981 gründeten unverdrossene Nullvierer um Vereinsheld Sepp Endres, der insgesamt 1000 Spiele für den Club absolviert haben soll, den Würzburger FV. Der Club begann in der C-Klasse und arbeitete sich bis 1999 langsam, aber stetig wieder in die Bayernliga vor. Es folgten einige Rückschläge, zu denen sicher auch das 0:10 im DFB-Pokal gegen 1860 München gezählt werden darf, aber die vergangene Saison war wieder von Erfolg gekrönt. Nach 36 hart umkämpften Spieltagen wurde der FV Meister der Landesliga Nord und gehört fortan wieder zur vierthöchsten deutschen Spielklasse.
FC Bayern Hof: Hoffnung durch Fusion
Für den FC Bayern Hof reichte es in dieser Saison der bayerischen Landesliga Nord zur zu Rang zwei - hinter Würzburg. Trotzdem nehmen die Verantwortlichen am ruhmreichen Stadion "Grüne Au" den Verbleib in der Landesliga verhältnismäßig gelassen, denn die Vereinschronik liest sich wie eine Geschichte der verpassten Chancen. Der Club, der 1911 aus Begeisterung für das Mutterland des Fußballs als "FC Britannia Hof" gegründet wurde, versuchte es dreimal vergeblich, in der Fußball-Bundesliga Aufnahme zu finden. Doch die Bayern spielten über mehrere Jahrzehnte gleichwohl eine hervorragende Rolle im deutschen Fußball. Die "Münchner Abendzeitung" kürte Hof 1960 zur "fußballfreudigsten Stadt Deutschlands", auch als Zweitligateam sorgte der FC mit Leistungsträgern wie Bobby Breuer oder Walter Greim für einiges Aufsehen.
Erst mit dem Abstieg aus der Südliga im Jahr 1978 verabschiedeten sich die Gelb-Schwarzen aus dem bezahlten Fußball. Auch Lorenz-Günther Köstner, der einst in der Jugendauswahl von Bayern Hof gespielt hatte und in der Saison 1982/83 die Mannschaft trainiert hatte, konnte den Absturz nicht verhindern. Nach einigem Hin und Her sind die Oberfranken in der Landesliga angekommen.
Zu den Heimspielen, die vor einem halben Jahrhundert von knapp 20.000 Fans besucht wurden, kommen derzeit nur etwa 800 Zuschauer, die sich allerdings gute Chancen ausrechnen, demnächst wenigstens wieder in der Oberliga zu spielen. Dieses Ziel ist durchaus realistisch, denn durch die Fusion mit der SpVgg Hof konnten Anfang Mai existenzgefährdende wirtschaftliche Probleme vorerst abgewendet werden. Der Traditionsclub wird allerdings nun SpVgg Bayern Hof heißen.
Freiburger FC: Keine Häme beim Nachbarn
Der Freiburger FC wurde 1897 gegründet, umgehend Süddeutscher Meister und zehn Jahre später - nach einem 3:1-Sieg gegen Viktoria 89 Berlin - sogar Deutscher Meister. Zu dieser Zeit hieß der SC Freiburg noch Freiburger Fußballverein 04 und bekam vom Stadtrat nicht mal einen eigenen Rasenplatz zugewiesen. Schlimmer noch: Auf Antrag des Lokalrivalen musste der Vereinsname in "Sportverein 04" geändert werden, und 1912 stand auch noch eine Fusion mit dem FC Union Freiburg zum Sportclub Freiburg auf der Tagesordnung.
Ein knappes Jahrhundert später hatten die Vereine die Rollen getauscht. Nun stand der FC kurz vor dem Konkurs und musste das altehrwürdige, aber leider baufällige Möslestadion an den SC abtreten. Hier steht heute die Freiburger Fußballschule, und während der FC verzweifelt versucht, aus der Verbandsliga Süd herauszukommen, wird beim Nachbarn akribisch die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geplant. "Häme über diese Entwicklung gibt es beim Sportclub keine, im Gegenteil", versichert Vereinschronist Toni Nachbar.
Das Ende der siebziger und den Beginn der achtziger Jahre erlebten beide Clubs in der zweiten Bundesliga. Der FC hatte zuvor ernsthafte Ambitionen, erstklassig zu werden. Doch nach dem Abstieg 1982 kam der Verein, der heute noch 980 Mitglieder zählt, aus dem Tritt, während der Lokalrivale, der sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten irgendwo in der Tiefe des Raumes versteckt hatte, plötzlich die Überholspur entdeckte und sich schließlich sogar für den UEFA-Pokal qualifizierte.
Aber wer weiß schon, wie die Geschichte weitergeht? Der ehemalige Bundesligaprofi und jetzige FC-Trainer Maximilian Heidenreich, der die Badener seit 2001 betreut, hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, damit sein Team vielleicht noch einmal namhaftere Gegner bekommt als Bad Dürrheim, Steinen-Höllstein, Teningen, Bötzingen oder die zweite Mannschaft des SC Pfullendorf.
FC 04 Ingolstadt: Männer und Eisenbahner vereint
Am 1. Juli 2004 verabschiedeten sich der ESV und der MTV Ingolstadt von ihren Fußballabteilungen, die beiden Vereinen in den späten siebziger Jahren zu kurzfristigem Zweitliga-Ruhm verholfen hatten. Der Männer-Turn-Verein stieg 1978 in die Südliga auf und zwei Jahre später wieder ab, der Eisenbahner-Sportverein, der bereits von 1962 bis 1966 und von 1968 bis 1972 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse aktiv gewesen war, machte es den Kollegen 1979 nach, musste nach zwei Jahren aber ebenfalls den Rückweg ins Amateurlager antreten. Am 18. August 1979 und am 9. Februar 1980 fanden folgerichtig die beiden einzigen Lokalderbys in der zweiten Bundesliga statt. Der MTV gewann das erste mit 2:1 Toren, das Rückspiel endete 2:2.
Nach dem Abstieg beider Teams herrschte fußballerische Tristesse in der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Bayern-Ingolstadt. Dazu passt das Motto der MTV-Vereinsgaststätte: "Ich suchte meine Sorgen im Wein zu ertränken - aber die Biester können schwimmen!"
Doch der Nachfolgeverein lässt die Fans nun wieder hoffen. Der FC Ingolstadt 04 qualifizierte sich über den bayerischen Toto-Cup für die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal, belegte hinter der SpVgg Bayreuth den zweiten Tabellenplatz und verpasste den Aufstieg in die Regionalliga Süd am Ende nur um einen einzigen Punkt. "Gemessen am Trainingsfleiß und Charakter der Mannschaft sind wir schon Meister. Aber was uns fehlt, ist die spielerische Klasse. Der FC Ingolstadt ist noch nicht reif für die Regionalliga, das sieht man ja auch an der Zuschauerzahl", erklärte Trainer Jürgen Press nach dem 2:2 gegen den 1. FC Passau, das Anfang Mai gerade einmal 450 Zuschauer sehen wollten. Dabei ständen im Stadion am Kreuzweg eigentlich 8000 Plätze zur Verfügung.
In der nächsten Folge stellen wir folgende Vereine vor: KSV Baunatal, VfB Eppingen, SpVgg Bayreuth und FK Pirmasens.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 77,00.html
Süddeutsche Traditionsvereine
Sorgen, die im Wein schwimmen
Von Thorsten Stegemann
Hof wurde einmal zur fußballfreudigsten Stadt Deutschlands gewählt, der Freiburger FC stand oft auf dem Sprung in die erste Bundesliga. Wie geht es diesen süddeutschen Traditionsvereinen heute? SPIEGEL ONLINE besuchte Clubs, deren besten Zeiten lange zurückliegen.
Waldhof Mannheim: Am Anfang war ein "Schlammloch"
11. April 1907: Im Lokal "Zum Tannenbaum" gründen 42 Mannheimer Fußballfreunde den SV Waldhof 07. Einige von ihnen waren zuvor in der "Fußballgesellschaft Ramelia" aktiv und bringen gleich ihr eigenes Spielfeld mit. Doch das Viereck hat seine Tücken. Ortskundige nennen es aus gutem Grund "Das Schlammloch", und so dauert es einige Jahre, bis sich die hiesige Fußballschule zu voller Blüte entwickelt. Doch schon in den zwanziger Jahren kann der Verein mit großen Namen aufwarten. In seinen Reihen spielen der spätere Fußball-Übervater Sepp Herberger, Nationalspieler Karl Höger - und das Training bekommt durch den englischen Coach William Townley internationales Flair.
Waldhof macht eine gute Figur in den verschiedenen Ligen, doch der große Durchbruch gelingt den Mannheimern erst in den späten siebziger und achtziger Jahren. Zunächst etablieren sie sich in der zweiten Bundesliga, 1983 schaffen die "Waldhof-Buben" sogar den Sprung ins Fußballoberhaus. Mit Stars wie Fritz Walter oder Jürgen Kohler und dem Traineroriginal Klaus Schlappner kann sich der Verein einige Jahre in der Bundesliga etablieren.
Nach dem Abstieg 1990 versuchen bekannte Trainer wie Klaus Toppmöller, Uli Stielike, noch einmal Schlappner oder Uwe Rapolder, wieder an große Zeiten anzuknüpfen. Vergeblich. 2003 steigt Waldhof aus der zweiten Bundesliga ab, muss danach ein Insolvenzverfahren über sich ergehen lassen und spielt heute in der Oberliga Baden-Württemberg. Hier kommt es - unter den Augen von Sportdirektor Maurizio Gaudino und drei- bis viertausend treuen Zuschauern - nun regelmäßig zu Lokalderbys mit dem VfR Mannheim, der 1911 gegründet wurde, sich aber auf die "Mannheimer Fussball Gesellschaft" von 1896 zurückführt.
Der VfR stand meist im Schatten der Waldhöfer und gab Mitte der siebziger Jahre auch nur ein kurzes Gastspiel in der zweiten Liga. Trotzdem gelang es dem Erzrivalen vor über achtzig Jahren Sepp Herberger abzuwerben und zudem 1949 einen Deutschen Meistertitel nach Mannheim zu holen. Damals besiegte der Verein für Rasenspiele Borussia Dortmund im Finale mit 3:2 Toren und konnte sich als erster Club in die neue Meisterschale eingravieren lassen. Mehrere Versuche, die Mannheimer Traditionsvereine zu fusionieren, scheiterten an den fortdauernden Rivalitäten beider Clubs.
Würzburger Kickers, FV 04 Würzburg: Stadion als WM-Quartier
Der Würzburger Fußball sorgte in den vergangenen rund 100 Jahren vorwiegend für regionale Aufmerksamkeit, doch in den siebziger Jahren schafften es die Franken immerhin in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Und das gleich mit zwei Vereinen, denn der FV 04 Würzburg war von 1976 bis 1980 in der Südliga vertreten; auch die Würzburger Kickers schafften es in diese Klasse - wenn auch nur in der Saison 1977/78.
Die 1907 gegründeten Kickers rutschten bald wieder in untere Amateurregionen, sicherten sich in der abgelaufenen Saison 2004/05 mit 17 Punkten Vorsprung allerdings die Meisterschaft in der Bezirksoberliga Unterfranken und damit den Aufstieg in die Landesliga, in der die Dauerkarte 65 Euro kostet. Kein schlechter Zeitpunkt, denn das Stadion am Dallenberg soll 2006 als WM-Quartier dienen.
Der FV 04 musste 1981 mit einem Schuldenberg von 2,5 Millionen Mark Konkurs anmelden. Sogar das Stadion an der Frankfurter Straße wurde versteigert. Doch der Stolz des traditionsreichen Arbeiterstadtteils Zellerau stand schneller auf als er untergegangen war.
Am 22. Mai 1981 gründeten unverdrossene Nullvierer um Vereinsheld Sepp Endres, der insgesamt 1000 Spiele für den Club absolviert haben soll, den Würzburger FV. Der Club begann in der C-Klasse und arbeitete sich bis 1999 langsam, aber stetig wieder in die Bayernliga vor. Es folgten einige Rückschläge, zu denen sicher auch das 0:10 im DFB-Pokal gegen 1860 München gezählt werden darf, aber die vergangene Saison war wieder von Erfolg gekrönt. Nach 36 hart umkämpften Spieltagen wurde der FV Meister der Landesliga Nord und gehört fortan wieder zur vierthöchsten deutschen Spielklasse.
FC Bayern Hof: Hoffnung durch Fusion
Für den FC Bayern Hof reichte es in dieser Saison der bayerischen Landesliga Nord zur zu Rang zwei - hinter Würzburg. Trotzdem nehmen die Verantwortlichen am ruhmreichen Stadion "Grüne Au" den Verbleib in der Landesliga verhältnismäßig gelassen, denn die Vereinschronik liest sich wie eine Geschichte der verpassten Chancen. Der Club, der 1911 aus Begeisterung für das Mutterland des Fußballs als "FC Britannia Hof" gegründet wurde, versuchte es dreimal vergeblich, in der Fußball-Bundesliga Aufnahme zu finden. Doch die Bayern spielten über mehrere Jahrzehnte gleichwohl eine hervorragende Rolle im deutschen Fußball. Die "Münchner Abendzeitung" kürte Hof 1960 zur "fußballfreudigsten Stadt Deutschlands", auch als Zweitligateam sorgte der FC mit Leistungsträgern wie Bobby Breuer oder Walter Greim für einiges Aufsehen.
Erst mit dem Abstieg aus der Südliga im Jahr 1978 verabschiedeten sich die Gelb-Schwarzen aus dem bezahlten Fußball. Auch Lorenz-Günther Köstner, der einst in der Jugendauswahl von Bayern Hof gespielt hatte und in der Saison 1982/83 die Mannschaft trainiert hatte, konnte den Absturz nicht verhindern. Nach einigem Hin und Her sind die Oberfranken in der Landesliga angekommen.
Zu den Heimspielen, die vor einem halben Jahrhundert von knapp 20.000 Fans besucht wurden, kommen derzeit nur etwa 800 Zuschauer, die sich allerdings gute Chancen ausrechnen, demnächst wenigstens wieder in der Oberliga zu spielen. Dieses Ziel ist durchaus realistisch, denn durch die Fusion mit der SpVgg Hof konnten Anfang Mai existenzgefährdende wirtschaftliche Probleme vorerst abgewendet werden. Der Traditionsclub wird allerdings nun SpVgg Bayern Hof heißen.
Freiburger FC: Keine Häme beim Nachbarn
Der Freiburger FC wurde 1897 gegründet, umgehend Süddeutscher Meister und zehn Jahre später - nach einem 3:1-Sieg gegen Viktoria 89 Berlin - sogar Deutscher Meister. Zu dieser Zeit hieß der SC Freiburg noch Freiburger Fußballverein 04 und bekam vom Stadtrat nicht mal einen eigenen Rasenplatz zugewiesen. Schlimmer noch: Auf Antrag des Lokalrivalen musste der Vereinsname in "Sportverein 04" geändert werden, und 1912 stand auch noch eine Fusion mit dem FC Union Freiburg zum Sportclub Freiburg auf der Tagesordnung.
Ein knappes Jahrhundert später hatten die Vereine die Rollen getauscht. Nun stand der FC kurz vor dem Konkurs und musste das altehrwürdige, aber leider baufällige Möslestadion an den SC abtreten. Hier steht heute die Freiburger Fußballschule, und während der FC verzweifelt versucht, aus der Verbandsliga Süd herauszukommen, wird beim Nachbarn akribisch die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geplant. "Häme über diese Entwicklung gibt es beim Sportclub keine, im Gegenteil", versichert Vereinschronist Toni Nachbar.
Das Ende der siebziger und den Beginn der achtziger Jahre erlebten beide Clubs in der zweiten Bundesliga. Der FC hatte zuvor ernsthafte Ambitionen, erstklassig zu werden. Doch nach dem Abstieg 1982 kam der Verein, der heute noch 980 Mitglieder zählt, aus dem Tritt, während der Lokalrivale, der sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten irgendwo in der Tiefe des Raumes versteckt hatte, plötzlich die Überholspur entdeckte und sich schließlich sogar für den UEFA-Pokal qualifizierte.
Aber wer weiß schon, wie die Geschichte weitergeht? Der ehemalige Bundesligaprofi und jetzige FC-Trainer Maximilian Heidenreich, der die Badener seit 2001 betreut, hat seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, damit sein Team vielleicht noch einmal namhaftere Gegner bekommt als Bad Dürrheim, Steinen-Höllstein, Teningen, Bötzingen oder die zweite Mannschaft des SC Pfullendorf.
FC 04 Ingolstadt: Männer und Eisenbahner vereint
Am 1. Juli 2004 verabschiedeten sich der ESV und der MTV Ingolstadt von ihren Fußballabteilungen, die beiden Vereinen in den späten siebziger Jahren zu kurzfristigem Zweitliga-Ruhm verholfen hatten. Der Männer-Turn-Verein stieg 1978 in die Südliga auf und zwei Jahre später wieder ab, der Eisenbahner-Sportverein, der bereits von 1962 bis 1966 und von 1968 bis 1972 in der zweithöchsten deutschen Spielklasse aktiv gewesen war, machte es den Kollegen 1979 nach, musste nach zwei Jahren aber ebenfalls den Rückweg ins Amateurlager antreten. Am 18. August 1979 und am 9. Februar 1980 fanden folgerichtig die beiden einzigen Lokalderbys in der zweiten Bundesliga statt. Der MTV gewann das erste mit 2:1 Toren, das Rückspiel endete 2:2.
Nach dem Abstieg beider Teams herrschte fußballerische Tristesse in der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Bayern-Ingolstadt. Dazu passt das Motto der MTV-Vereinsgaststätte: "Ich suchte meine Sorgen im Wein zu ertränken - aber die Biester können schwimmen!"
Doch der Nachfolgeverein lässt die Fans nun wieder hoffen. Der FC Ingolstadt 04 qualifizierte sich über den bayerischen Toto-Cup für die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal, belegte hinter der SpVgg Bayreuth den zweiten Tabellenplatz und verpasste den Aufstieg in die Regionalliga Süd am Ende nur um einen einzigen Punkt. "Gemessen am Trainingsfleiß und Charakter der Mannschaft sind wir schon Meister. Aber was uns fehlt, ist die spielerische Klasse. Der FC Ingolstadt ist noch nicht reif für die Regionalliga, das sieht man ja auch an der Zuschauerzahl", erklärte Trainer Jürgen Press nach dem 2:2 gegen den 1. FC Passau, das Anfang Mai gerade einmal 450 Zuschauer sehen wollten. Dabei ständen im Stadion am Kreuzweg eigentlich 8000 Plätze zur Verfügung.
In der nächsten Folge stellen wir folgende Vereine vor: KSV Baunatal, VfB Eppingen, SpVgg Bayreuth und FK Pirmasens.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0, ... 77,00.html