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Dortmund: Sturzflug ins Nichts?

Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 11:43
von Überlinger
Sturzflug ins Nichts?

Verwunden hat Dr. Reinhard Rauball das Geschehen von Braunschweig noch nicht. Der Ärger über das Pokal-Ausscheiden ballt sich wie eine Faust in seiner Magengegend zusammen.

"Diese Niederlage", wettert der Boss von Borussia Dortmund, "diese Niederlagen hat enorme, einschneidende Auswirkungen auf eine mögliche Ergebnisverbesserung im laufenden Geschäftsjahr." Noch unangenehmer, schickt Rauball hinterher, sei das "Abrutschen der Stimmungslage bei den Fans". Innerhalb eines Monats musste der von roten Zahlen weiter bedrohlich angefressene Bundesligist gleich zwei Pleiten in seine Bilanz schreiben.

Erst die gegen Olmütz (UI-Cup), dann die gegen den Zweitligisten, die alle beim BVB mit der Wucht einer Abrissbirne traf und schwere Depressionen im Dortmunder Umfeld auslöste. Steht die Borussia, wie Schwarzseher unken, vor einem Sturzflug ins Nichts, vor einer Wiederholung des Hinrunden-Horrors von 2004?

Der Knauserkurs der neuen Macher, die den Verein nur mit einer finanziellen Vollbremsung am Leben erhalten konnten, hat Substanz gekostet, ihm aber keineswegs, wie hartnäckig behauptet wird, die Wettbewerbsfähigkeit geraubt. Insofern zielt die erneut entbrannte Qualitätsdebatte ins Leere. "Wir sind nicht so aufgestellt wie vor drei Jahren", sagt Kapitän Christian Wörns (33), "aber um Platz fünf können wir trotzdem mitspielen, wenn alles optimal läuft." Pauschale Hinweise auf fehlende fußballerische Klasse ziehen nicht: In Braunschweig standen acht aktuelle oder ehemalige A-Nationalspieler in Borussias Startelf, das sollte für einen Klub, der sich, was die wirtschaftlichen Möglichkeiten angeht, nur noch im Mittelfeld der Liga bewegt, ausreichen. "An der Qualität", folgert Geschäftsführer Hans- Joachim Watzke (46), "kann es nicht gelegen haben."

Stattdessen bringen haarsträubend absurde, individuelle Patzer, Kindergartenfehler, den BVB in Teufels Küche. Christoph Metzelder oder Philipp Degen, der auf der rechten Seite weiterhin eine unheilvolle Abneigung gegen durchschlagende Defensivarbeit zeigt, müssen im Moment als Sicherheitsrisiko gelten. "Einfache und billige Gegentore", prangert Wörns deshalb an, Konzentrationsfehler, deren Ursachen fieberhaft gesucht werden. "Wenn wir nur die Hälfte dieser Fehler gemacht hätten, was immer noch zu viel wäre, dann", sagt Watzke, "hätten wir jetzt eine andere Situation."

Dass der starke Mann in Dortmund seinen Profis dringend ans Herz legt, in Zukunft "das richtige Maß" zu finden zwischen ihrer Kernarbeit und "den Dingen, die sie außerhalb des Fußballs noch machen", legt die Vermutung nahe, dass nach der großartigen Rückrunde der Vorsaison ein Stück Ernsthaftigkeit und Pflichtbewusstsein auf der Strecke geblieben ist. Ehrlich hatte Metzelder schon nach der Niederlage gegen Schalke "Feuer und Leidenschaft" innerhalb der Mannschaft angemahnt.

Entsprechend emotionslos und freundlich inaktiv tritt sie auf, mental verhedderte, unter einer Beißhemmung leidende Typen, die strahlungsarm und kommunikationslos über den Platz laufen, die hinten schludern, Laufbereitschaft als reinen Aktionismus begreifen und vorne unter Torschusspanik leiden, die zu wenig Entschlossenheit entwickeln und zu schnell zufrieden sind. Gegen Olmütz (1:1), Wolfsburg (2:2), Schalke (1:2) und Braunschweig (1:2) ging sie jeweils in Führung, gewann aber nie. "Wir müssen unserem Gegner auch mal den Todesstoß verpassen", fordert Wörns. In Braunschweig lebte der Erfolgshunger nur 35 Minuten. "Das ist eine Katastrophe", fauchte Bert van Marwijk (53).

Auch auf den Trainer (Vertrag bis 2007) richten sich kritische Augen. Dass er immer dieselben Spieler in den Senkel stellt (Degen, Odonkor, Gambino) und größeren Namen (Metzelder, Smolarek) öffentliche Schelte erspart, hat zu lebhaften internen Diskussionen geführt. Der in der ersten Jahreshälfte allerorten auf Hochglanz polierte Heiligenschein des Holländers hat an Leuchtkraft verloren. Sein stures Festhalten an System (4-3-3) und formschwachem Personal (Smolarek) rief Widerspruch hervor. Auch van Marwijks Arbeit wird hinterfragt. Das sei "völlig normal, wenn du sportlich deine Ziele nicht erreichst", beteuert Watzke, "das gilt für den Trainer, das gilt aber auch für alle anderen".

Also auch für ihn, der die Verpflichtungen von Degen und Delron Buckley absegnete, zwei bisher total enttäuschenden Neuzugängen. Watzke äußert weiterhin die Überzeugung, "dass uns beide Spieler weiterhelfen können. Man darf sie nur nicht mit Einkäufen anderer Klubs vergleichen, die fünf oder acht Millionen gekostet haben". Über diese Summen verfügt Dortmund nicht mehr. Die Möglichkeit, über die 450 000 Euro hinaus im Pokal zusätzliche Beträge zu erwirtschaften, wurde in Braunschweig schludrig vergeben. Vertrauensbildend in Kreisen von genau hinschauenden Geldgebern und Gläubigern war das nicht.

Quelle: kicker.de

Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 13:44
von Martin
mit dem dortmunder pack hab ich mit sicherheit kein mitleid. mit dem jahrelangen missmanagement ist es ne frechheit, dass dieser verein überhaupt eine bundesliga-lizenz besitzt. dafür ist zwar auch die dfl mitverantwortlich, aber trotzdem erfüllt es mein herz mit einem lächeln, wie die lüdenscheider borussia vor die hunde geht :D

Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 15:30
von Tüten-Tim
...und Schalke gleich mit!

Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 15:36
von DirtyToby
Ach, hätten wir doch im Pokal wieder gegen Dortmund gespielt... :roll:

Verfasst: Donnerstag 25. August 2005, 15:54
von hobbesblau
Ach, hätten wir doch im Pokal wieder gegen Dortmund gespielt...
Aber wer hätte die denn sehen wollen?