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Schöne alte Zeit

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 00:14
von DirtyToby
Bin gerade dabei mein Zimmer auszuräumen, da ich zum studieren nach Karlsruhe zieh. Dabei sind mir ein paar alte Artikel in die Hände gefallen, die ich jetzt einfach mal zum Träumen an bessere Zeiten hier poste...


Die Sensation ist perfekt - Kickers sind weiter
Nach dem 3:1-Erfolg gegen Dortmund durch zwei Treffer von Kevric und ein Tor von Maric träumt der Zweitligist von Berlin

STUTTGART. Schreiben die Kickers wieder einmal Pokalgeschichte? Das erste Kapitel jedenfalls steht schon. Nach dem 3:1 (2:1) über Bundesliga Spitzenreiter Dortmund hat der Trainer Michael Feichtenbeiner gesagt: "Sensatinell, was meine Spieler geleistet haben."

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Von Wolf Schelling
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"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Naja, ein paar ganz Übermütige unter den gut 10.000 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Waldaustadion hatten den Schlachtruf schon vor dem Anpfiff auf den Lippen, das Pokalfinale im nächsten Mai im Hinterkopf. Doch Kickers-Trainer Michael Feichtenbeiner hatte ganz anderes im Kopf: den Respekt vor dem Gegner. Das war schließlich kein Wald-und-Wiesen-Verein, sondern der Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund.
Also, gib Acht. Die Kickers jedenfalls setzten auf Defensive. Und auf Stefan Minkwitz für Toni Sailer in der Anfangsformation. Wie hatte Feichtenbeiner noch vorab gewarnt: "Es wäre fatal, wenn die aus der ersten Chance gleich ein Tor machen würden. Dann wäre unsere ganze Rechnung durchkreuzt."
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Die Kickers durchkreuzten die Pläne der Dortmunder, die fast provokativ pomadig wirkten. Zum Beispiel ihr Stefan Reuter. Nach 30 Sekunden erlaubte sich der Libero einen schlampige Rückpass auf Teddy de Beer und vergaß dabei wohl, dass der gute Torhüter schon lange keine Spielpraxis mehr gehabt hatte. Jedenfalls schoss de Beer den Kickers-Stürmer Maric an und konnte dann nur mit einem Hechtsprung den Rückstand verhindern.
Langweilig wurde es de Beer auch weiterhin nicht. Minkwitz versuchte es aus 25 Metern, Kevric erst aus der Drehung, dann mit einem Kopfball. Noch ohne Erfolg. Bis zur neunten Minute. Der Brasilianer Cassio, auf der linken Seite sträflich allein gelassen, flankte mustergültig auf Kevric, der den Ball Mit dem Kopf ins Netz wuchtete.
Das Waldaustadion bebte. Zumindest acht Minuten lang. Denn dann war's passiert, wie ein Blitz aus dem Abendhimmel fiel das 1:1. Durch Karsten Bauman, dessen angedachte Flanke Cassio so unglücklich abfälschte, dass daraus ein Torschuss und der Ausgleich wurde. Die Kickers geschockt? Mitnichten. Sie spielten herrlichen Fußball und erspielten sich Chance um Chance. Die beste davon in der 39. Minute, als Cassios Schuss nach einer schönen Einzelaktion gerade noch von de Beer über die Latte gelenkt werden konnte. Die Zuschauer waren angetan.
Erst recht natürlich in der 45. Minute. Tomislav Maric traf zum 2:1, nachdem Dortmunds Lars Ricken den ball noch abgefällscht hatte, und das kurz vor dem Pausenpfiff, zu einem psychologisch ungünstigen zeitpunkt, wie es so schön heißt.
Und weil's so schön war, machten die Kickers nach dem Wechsel einfach da weiter, wo sie aufgehört hatten. Zwei Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, als wieder Adnan Kevric traf. Und wie. Mit einem satten Schuss aus 18 Metern krönte er seine überragende Leistung an diesem Abend.
Und Dortmund? Traf auch. Aber nur den Gegner. Wie etwa Ikpeba, total frustriert, in der 55. Minute Schlussmann Bernd Klaus. Der schon verwarnte Nigerianer sah erst Gelb und dann Rot. Zwei Tore Vorsprung gegen nur noch zehn Mann, die Sensation war greifbar nahe. "Kickers, Kickers!", hallte es durchs Waldaustadion, und die, die nicht gekommen waren, werden sich grün und blau geärgert haben. Im Gegensatz zu Trainer Michael Feichtenbeiner. Der sagte: "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft."
Der Bundesligist dagegen enttäuschte auf der ganzen Linie. Fredi Bobic war an alter Wirkungsstätte längst ausgewechselt worden und Andreas Möller zeigte überhaupt keine Wirkung. "Die Kickers haben 90 Minuten Gas gegeben und verdient gewonnen", gab selbst Dortmunnds Trainer Michael Skibbe zu.
Und am Ende waren es nicht nur die Übermütigen, die sich mutig gaben. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!". Auf jeden Fall. Am Sonntag geht's zu Tennis Borussia. Alltag in der zweiten Liga. Aber der muss ja künftig nicht mehr so grau aussehen, nach diesem grandiosen Pokal-Auftritt.


- Stuttgarter Kickers: Klaus - Keuler, Ramovs, Pfuderer, Kümmerle - Marell, Raspe, Kevric (88. Malchow), Minkwitz (59. Carl), Cassio - T.Maric (82. Sailer)
- Borussia Dortmund: de Beer - Reuter - Baumann, Wörns - Evanilson (46. Nijhuis), Ricken, Nerlinger (59. Barbarez), Dede - Bobic (59. Herrlich), Ikpeba, Möller
- Schiedsrichter: Berg (Konz)
- Zuschauer: 10.600
- Tore: 1:0 Kevric (9.), 1:1 Baumann (17.), 2:1 T.Maric (45.), 3:1 Kevric (47.)
- Gelb-Rote Karte: Ikpeba (55.)

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 00:33
von DirtyToby
Euphorie im Heldendress
Kickers-Fans feiern den Sieg

STUTTGART (sto). Borussia Dortmund ist gestern zu Gast bei den Stuttgarter Kickers gewesen - Ausnahmezustand im und ums Waldaustadion. Ein Pokalspiel, das alle Beteiligten nicht so schnell vergessen werden.

Ein ganz besonderer Abend, der gestrige - das ist schon an diversen Randerscheinungen festzumachen gewesen. Allein der Gang ins Waldaustadion nutzte so mancher Besucher zum Schaulaufen. Wer Kickers-Fan sein will, muss leiden. Zur Feier des Pokalabends - kein Geringerer als Weltpokalsieger Borussia Dortmund war zu Gast - quälten sich die unverbesserlichen Romantiker ins hellblaue Kickers-Trikot aus dem Jahre 1987. Da war doch was. Die Erinnerungen ans Berliner Pokalfinale gegen den HSV wurden aus der Mottenkiste gekramt. Vergilbt der Heldendress, verformt der Bauch des Trägers. Beide haben schon bessere Tage erlebt. Aber besondere Ereignisse erfordern besondere Aktionen geradezu heraus. Es war Feiertag für die Kickers, oder besser: ein Feierabend.
Auch im Waldaustadion war es irgendwie anders als sonst. Stimmung. Wo sich normalerweise 3000 Leute verlieren, standen sich zehntausend Menschen auf den Füßen. "Und mit der Nummer zeh, Adnan..." - im Normalfall bekommt Stadionanimateur Jens Zimmermann beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung selten eine Rückmeldung - "... Kevric!!!", brüllten ihm die Fans gestern aus dem B-Block entschlossen entgegen, und die Nachnamen der anderen Kickers-Spieler natürlich auch. Also, es geht doch.
Erschwerte Bedingungen allerdings auf der Pressetribüne. Die Plätze überbucht. Selbst Journalisten, die man schon lange im Ruhestand wähnnte, mobilisierten noch einmal die letzten Kräfte und ließen sich nach dem Motto nieder: hier sitze ich und kann nicht anders. Die Kickers - für einen Abend im Mittelpunktdes medialen Interesses. Auch die Fernsehsender RTL, ARD, Sat 1 - alle erwiesen sie Degerloch die seltene Ehre.
Und dann der Kickers-Präsident: So hat man Axel Dünwald-Metzler schon lange nicht mehr gesehen. Euphorisiert schon vor dem Anpfiff. Sobald Dünnwald-Metzler einen nur annähernd entfernt Bekannten die Stufen der Haupttribüne hoch kommen sah, federte er auf und ballte die Fäuste. Ja, hat der Kickers-Chef da womögliuch schon geahnt, was an diesem Abend noch alles passieren sollte.....

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 00:37
von DirtyToby
Hat irgendwer noch Video- und/oder Fotomaterial vom DFB-Pokal 99/00? Bitte unbedingt mir per PN melden. Habe die möglichkeit, mir das zu überspielen. Wäre echt super!!!

Re: Schöne alte Zeit

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 07:01
von Tobaiäs
DirtyToby hat geschrieben:
Bundesliga Spitzenreiter Dortmund
Ja ja schöne alte Zeit :lol: :lol:

Re: Schöne alte Zeit

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 16:35
von Soulfly
DirtyToby hat geschrieben:
- Stuttgarter Kickers: Klaus - Keuler, Ramovs, Pfuderer, Kümmerle - Marell, Raspe, Kevric (88. Malchow), Minkwitz (59. Carl), Cassio - T.Maric (82. Sailer)
Für mich bis heute unverständlich, wie man mit dieser Mannschaft
damals absteigen konnte.

Re: Schöne alte Zeit

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 17:33
von Überlinger
Soulfly hat geschrieben:
DirtyToby hat geschrieben:
- Stuttgarter Kickers: Klaus - Keuler, Ramovs, Pfuderer, Kümmerle - Marell, Raspe, Kevric (88. Malchow), Minkwitz (59. Carl), Cassio - T.Maric (82. Sailer)
Für mich bis heute unverständlich, wie man mit dieser Mannschaft
damals absteigen konnte.
Man muß einfach sagen, dass Feichtenbeiner seiner Aufgabe einfach nicht gewachsen war! Man hätte damals einfach früher den Trainer wechseln müssen! Mit Stepi gings dann steil bergauf, doch es hat eibfach nicht mehr gereicht. Wenn man damals die Rückrunde nimmt wären wir fast aufgestiegen. Diese Saison wurde wie viele andere schon in der Vorrunde versaut!

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 17:47
von Blauer Bayer
Ich habe noch nie eine Mannschaft so versagen sehen wie unsere am letzten Spieltag in Karlsruhe. Tausende blaue Fans - und NULL Kampfbereitschaft auf dem Platz. Maric, bei dem der Abschied schon feststand, war der einzige.

Das war unter Stepi und hatte mit "guter alter Zeit" wenig zu tun. Leider.

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 20:09
von DirtyToby
Blauer Bayer hat geschrieben:Ich habe noch nie eine Mannschaft so versagen sehen wie unsere am letzten Spieltag in Karlsruhe. Tausende blaue Fans - und NULL Kampfbereitschaft auf dem Platz. Maric, bei dem der Abschied schon feststand, war der einzige.

Das war unter Stepi und hatte mit "guter alter Zeit" wenig zu tun. Leider.
Oh je, das war echt ein Graus. Aber in diesem Jahr sind wir doch nachträglich noch drin geblieben; oder?

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 20:16
von GelsenKickers
DirtyToby hat geschrieben: Oh je, das war echt ein Graus. Aber in diesem Jahr sind wir doch nachträglich noch drin geblieben; oder?
Genau!
Das war das TB Berlin-Jahr.

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 20:58
von Wagimen
Blauer Bayer hat geschrieben:Ich habe noch nie eine Mannschaft so versagen sehen wie unsere am letzten Spieltag in Karlsruhe. Tausende blaue Fans - und NULL Kampfbereitschaft auf dem Platz. Maric, bei dem der Abschied schon feststand, war der einzige.
Das gedenkt mir auch noch... Und die heulenden Kickers-Fans nach dem Spiel... Na ja, ist ne Weile her!

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 21:06
von DirtyToby
Wagimen hat geschrieben:
Blauer Bayer hat geschrieben:Ich habe noch nie eine Mannschaft so versagen sehen wie unsere am letzten Spieltag in Karlsruhe. Tausende blaue Fans - und NULL Kampfbereitschaft auf dem Platz. Maric, bei dem der Abschied schon feststand, war der einzige.
Das gedenkt mir auch noch... Und die heulenden Kickers-Fans nach dem Spiel... Na ja, ist ne Weile her!
Jo, hab nach dem Spiel noch nen paar Bier mit nen paar Badensern getrunken. Die waren da doch auch schon abgestiegen; oder?

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 21:11
von GelsenKickers
DirtyToby hat geschrieben:Jo, hab nach dem Spiel noch nen paar Bier mit nen paar Badensern getrunken. Die waren da doch auch schon abgestiegen; oder?
Schau einfach mal hier...
http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/2000/

Re: Schöne alte Zeit

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 22:02
von Buddy
Überlinger hat geschrieben:Man muß einfach sagen, dass Feichtenbeiner seiner Aufgabe einfach nicht gewachsen war! Man hätte damals einfach früher den Trainer wechseln müssen!

Wenn sie im Pokal früher ausgeschieden wären, hätte er sicher schon eher gehen müssen. Aber so wurde die Leistung in der Liga immer überdeckt von den Pokalerfolgen.

Verfasst: Dienstag 27. September 2005, 22:35
von Blauer Bayer
Wagimen hat geschrieben: Und die heulenden Kickers-Fans nach dem Spiel...
Yep. Mein Kumpel hat geheult und ich war so sauer, dass ich mindestens 30mal gesagt hab: So ne Scheißtruppe hat's auch nicht verdient. Darüber wiederum haben wir uns dann so gestritten, dass zwischen Karlsruhe und Stuttgart kein Wort mehr gewechselt wurde.
Rückblickend schon wieder ziemlich lustig. 8)

Verfasst: Mittwoch 28. September 2005, 15:59
von Felix B.
Coole Aktion mit den Artikeln, war wirklich schön das mal wieder zu lesen. Das Spiel war damals der Punkt an dem ich mein Herz endgültig an die Blauen verloren habe.

Verfasst: Mittwoch 28. September 2005, 16:31
von SIR Andrew
DirtyToby hat geschrieben:Euphorie im Heldendress
Kickers-Fans feiern den Sieg

STUTTGART (sto). Borussia Dortmund ist gestern zu Gast bei den Stuttgarter Kickers gewesen - Ausnahmezustand im und ums Waldaustadion. Ein Pokalspiel, das alle Beteiligten nicht so schnell vergessen werden.

Ein ganz besonderer Abend, der gestrige - das ist schon an diversen Randerscheinungen festzumachen gewesen. Allein der Gang ins Waldaustadion nutzte so mancher Besucher zum Schaulaufen. Wer Kickers-Fan sein will, muss leiden. Zur Feier des Pokalabends - kein Geringerer als Weltpokalsieger Borussia Dortmund war zu Gast - quälten sich die unverbesserlichen Romantiker ins hellblaue Kickers-Trikot aus dem Jahre 1987. Da war doch was. Die Erinnerungen ans Berliner Pokalfinale gegen den HSV wurden aus der Mottenkiste gekramt. Vergilbt der Heldendress, verformt der Bauch des Trägers. Beide haben schon bessere Tage erlebt. Aber besondere Ereignisse erfordern besondere Aktionen geradezu heraus. Es war Feiertag für die Kickers, oder besser: ein Feierabend.
Auch im Waldaustadion war es irgendwie anders als sonst. Stimmung. Wo sich normalerweise 3000 Leute verlieren, standen sich zehntausend Menschen auf den Füßen. "Und mit der Nummer zeh, Adnan..." - im Normalfall bekommt Stadionanimateur Jens Zimmermann beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung selten eine Rückmeldung - "... Kevric!!!", brüllten ihm die Fans gestern aus dem B-Block entschlossen entgegen, und die Nachnamen der anderen Kickers-Spieler natürlich auch. Also, es geht doch.
Erschwerte Bedingungen allerdings auf der Pressetribüne. Die Plätze überbucht. Selbst Journalisten, die man schon lange im Ruhestand wähnnte, mobilisierten noch einmal die letzten Kräfte und ließen sich nach dem Motto nieder: hier sitze ich und kann nicht anders. Die Kickers - für einen Abend im Mittelpunktdes medialen Interesses. Auch die Fernsehsender RTL, ARD, Sat 1 - alle erwiesen sie Degerloch die seltene Ehre.
Und dann der Kickers-Präsident: So hat man Axel Dünwald-Metzler schon lange nicht mehr gesehen. Euphorisiert schon vor dem Anpfiff. Sobald Dünnwald-Metzler einen nur annähernd entfernt Bekannten die Stufen der Haupttribüne hoch kommen sah, federte er auf und ballte die Fäuste. Ja, hat der Kickers-Chef da womögliuch schon geahnt, was an diesem Abend noch alles passieren sollte.....

Genau - und dann hallte es laut über den Kickers-Platz: "Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin".....

Und das haben wir dann ja auch ein paar Tage später, direkt nach dem Krautfest in LE, gemacht.... Reisegruppe Ostfildern lenkte seinezeit den Zweitürer (oder war es ein Viertürer?) mit drei noch freudestrahlenden (?!)Krautfestbesuchern ab 6 Uhr morgens in Richtung Brandenburger Tor....Und dieses Spiel haben wir dann sang- und klanglos bei TeBe Berlin im Mommsenstadion mit 0-2 verloren! :cry:

Schon hatte uns der "Alltag" wieder; ---> bis zum nächsten Pokalevent damals!

Verfasst: Mittwoch 28. September 2005, 17:23
von DirtyToby
Felix B. hat geschrieben:Coole Aktion mit den Artikeln, war wirklich schön das mal wieder zu lesen. Das Spiel war damals der Punkt an dem ich mein Herz endgültig an die Blauen verloren habe.
jo, war auch ganz "ergriffen" als ich die Artikel gefunden habe :cry:

DESHALB BRAUCHE ICH AUCH DRINGEND NOCH AUFZEICHNUNGEN AUS DER ZEIT!!! (Gell Tobi)

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 11:37
von EliteSued
SIR Andrew hat geschrieben:

Genau - und dann hallte es laut über den Kickers-Platz: "Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin".....

Und das haben wir dann ja auch ein paar Tage später, direkt nach dem Krautfest in LE, gemacht.... Reisegruppe Ostfildern lenkte seinezeit den Zweitürer (oder war es ein Viertürer?) mit drei noch freudestrahlenden (?!)Krautfestbesuchern ab 6 Uhr morgens in Richtung Brandenburger Tor....Und dieses Spiel haben wir dann sang- und klanglos bei TeBe Berlin im Mommsenstadion mit 0-2 verloren! :cry:

Schon hatte uns der "Alltag" wieder; ---> bis zum nächsten Pokalevent damals!

ganz ähnlich verhielt es sich ja damals auch mit dem pokalhalbfinale in bremen. mittwochs (ich glaube, es war ein mittwoch) hunderte von kickersfans, die sich auf in den hohen norden machten und am samstag/sonntag darauf mit 30 mann nach st. pauli..

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 12:13
von Biene
Da hätte ich auch noch etwas anzubieten:


"Trainer, das war unser Spiel!"
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von unserem Mitarbeiter Reiner Schloz
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BERLIN - Ralf Vollmer schaute gar nicht hoch zur Ehrentribüne im Berliner Olympia-Stadion. Da stand Uli Stein, Torwart des Hamburger SV. Er hielt den Pokal in Händen und strahlte über beide Wangen. Ralf Vollmer blickte ins Leere. "Wahnsinn", stammelte Vollmer, "das ist doch Wahnsinn. Wenn ich bedenke, wie der VfB hier vor einem Jahr vorgeführt wurde. Und wir? Wir waren doch so nahe dran."

Aber der DFB-Pokal 1987 geht nach Hamburg Dabei hatten die Stuttgarter Kickers mit beiden Händen nach dem Cup gegriffen. 89 Minuten lang zeigten die kleinen Kickers diesem großen HSV die Zähne - und dann haute Ihnen Manfred Kaltz voll einen in die Schnauze. Ein Kullertor des alten Hamburger Fuchses - und alles war vorbei.

Fassungslos standen die Blauen auf dem Rasen. Ersatz-Keeper Waldemar Cimander versuchte Dirk Kurtenbach zu trösten. aber Kurtenbach sagte nur: "Fußbal ist Sch..."

Ditmar Jakobs, der Libero des HSV, nimmt Heribert Stadler in den Am wie einen Sohn: "Ihr habt gut gespielt, macht weiter so", sagte Jacobs - aber Stadler verzog keine Miene.

Ganz im Gegensatz zu Kickers-Trainer Dieter Renner. Der heulte wie ein Schloßhund. Es war sein letztes Spiel auf der Kickers-Bank. Was für ein Spiel! "Trainer", sagte Kapitän Dieter Finke, der zu Waldhof wechselt, "das war unser Spiel, auch wenn wir verloren haben. Dieses Spiel kann uns keiner nehmen."

"Lauft eine Ehrenrunde", schluchzte Renner, "die Leute hier waren so toll." Renner setzte sich auf die Bank, umringt von 20 Fotografen, aber eigentlich ganz allein.

"Können wir nicht mit erhobenen Händen hier rausgehen?" fragte Frank Elser, und alles nickte. Aber ein Trost war das in diesem Moment auch nicht.

Der HSV kommt von der Siegerehrung zurück, das Stadion tobt, alle lachen, nur die Kickers nicht. Miroslav Okonski, der HSV-Spielmacher, sucht seinen polnischen Landsmann. Am Mittelkreis nimmt er Kazimierz Kmiecik in den Arm. "Willst Du mein Trikot haben?" fragt Okonski, und Kmiecik bedankt sich. Die Anzeigentafel leuchtet auf: "Wir gratulieren dem Hamburger SV."

Auf der Aschenbahn schluckt Dieter Finke noch einmal und sagt: "Irgendwie haben wir doch gewonnen. Keiner", wiederholt sich Finke, "keiner kann uns dieses Spiel nehmen."

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 12:21
von SIR Andrew
EliteSued hat geschrieben:
SIR Andrew hat geschrieben:

Genau - und dann hallte es laut über den Kickers-Platz: "Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin".....

Und das haben wir dann ja auch ein paar Tage später, direkt nach dem Krautfest in LE, gemacht.... Reisegruppe Ostfildern lenkte seinezeit den Zweitürer (oder war es ein Viertürer?) mit drei noch freudestrahlenden (?!)Krautfestbesuchern ab 6 Uhr morgens in Richtung Brandenburger Tor....Und dieses Spiel haben wir dann sang- und klanglos bei TeBe Berlin im Mommsenstadion mit 0-2 verloren! :cry:

Schon hatte uns der "Alltag" wieder; ---> bis zum nächsten Pokalevent damals!

ganz ähnlich verhielt es sich ja damals auch mit dem pokalhalbfinale in bremen. mittwochs (ich glaube, es war ein mittwoch) hunderte von kickersfans, die sich auf in den hohen norden machten und am samstag/sonntag darauf mit 30 mann nach st. pauli..

Oh ja - was für eine Woche....Stuttgart - Bremen - Stuttgart
und dann Stuttgart - Hamburg - Stuttgart.......
Also das war eine ganz große BUSFAHR-Woche....!

Aber bis aufs Spiel in HH und den -gottseidank nur kurzen- unschönen Szenen nach dem Spiel, war es in HH damals aber echt lustig. Remember FISCHMARKT... usw...! :D

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 12:36
von Biene
Kickers-Stadt Stuttgart

So werden Sieger gefeiert. Ein Meer von blau-weißen Fahnen, 4500 hochgestimmte Fans, eine volle Haupttribüne und immer wieder Sprechchöre "Kickers, Kickers": Die Rückkehr der Berliner Gladiatoren wurde zum Triumphzug. Zwar hatten die 13 Kickers-Kämpfer und ihr Trainer das Olympiastadion geschlagen verlassen, doch die moralischen Sieger beim Berliner Publikum und bei der Fernsehnation waren sie. Am Samstag wurde Stuttgart zur Kickers-Stadt. Und das galt natürlich erst recht für Degerloch.

Zum Empfang unter dem Fernsehturm war der Oberbürgermeister höchstpersönlich erschienen. Manfred Rommel, der bisher nie den Ehrgeiz verriet, als Fußball-Experte oder als Anhänger eines der beiden führenden Klubs der Landeshauptstadtgelten zu wollen, würdigte bei seinem ersten Besuch bei den "Blauen" die "gewaltige Leistung" des Zweitligisten im Berliner Pokalfinale. Und nach den Glückwünschen der Stadt bewies er sich als wahrer Fußball-Philosoph. "Die Welt ist nicht gerecht. Wäre sie gerecht, hätten Sie gesiegt." Die blaue Gemeinde auf der Haupttribüne antwortete dem OB auf ihre Art - mit Sprechchören: "Kickers, Kickers!"

Dem Jubel unter dem Fernsehturm tat auch die einstündige Verspätung der Mannschaft keinen Abbruch. Die Chartermaschine, die sie zurückbrachte, war von Paris kommend schon über eine halbe Stunde zu spät in Berlin eingeschwebt. Derweil sangen sich die Fans mit dem Kickers-Lied ("Blau und Weiss sind unsere Farben") aus der Feder von "Blacky" Fuchsberger in Laune. Vor der Haupttribüne spielte die Conny-Wagner-Showband auf. Und Manfred Rommel wartete geduldig. Schließlich hatte er für Präsident Axel Dünnwald-Metzler und seine Kicker ein Präsent mitgebracht: eine rechteckige Torte aus Marzipan mit Fußballfeld, Toren und Spielern, von Rathaus-Küchenchef Seitz gefertigt. Die Aufschrift: "Wir danken dem zweiten Sieger. Ihr wart einfach toll."

Als der OB das süße Werk endlich überreichen konnte, waren die Fans endgültig aus dem Häuschen. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, aus blau bepinselten Flaschen wurde Schampus ausgeschenkt - die Vereinsfarbe blau war vollends Trumpf.

Den Kickers-Profis blieb aber auch am Sonntag eine Enttäuschung nicht erspart. Sie hatten Ihre Autos vor der Abreise nach Berlin auf dem Parkplatz unter dem Fernsehturm abgestellt. In der Nacht zum Spiel wurden sie von Unbekannten aufgebrochen und um die Radios erleichtert. Die Stuttgarter Polizei freilich hielt die böse Überraschung bis gestern zurück: bloß keine Belastung vor dem Spiel...

"Das müssen Durchreisende gewesen sein", ließ sich Spaßvogel Anthony Baffoe die Laune nicht verderben, "denn in Stuttgart gibt´s jetzt nur noch Kickers-Fans." sim

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 15:24
von moehringer
also jetzt noch ein bericht aus dem jahre 1908 und die gänsehaut geht nie mehr weg...

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 16:57
von Soulfly
Habe ich kurz vor dem diesjährigen HSV-Spiel aus irgendeiner Schwarzwälder Zeitung grissen:

Bild

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 18:02
von BBDieter1
Der Spielberichtswunsch von 1908 kann erfüllt werden (Aus unserem Fanbuch):

Viktoria Berlin - FC Kickers

Mehr als ein Menschenleben ist inzwischen vergangen, doch das Endspiel unserer Kickers um die deutsche Meisterschaft in Berlin bleibt unvergessen. Richard Rüdiger, ein beteiligter Spieler erinnert sich an das größte Ereignis unseres Vereins.

Über den damaligen englischen Trainer Griffiths konnte man nur vollen Lobes sein. Nur ihm verdanken wir die süddeutsche Meisterschaft und das Vordringen in das Endspiel. Unser Erfolg kam nicht von ungefähr, denn unser Lebenswandel war unserer Sportbetätigung angepasst. Wir mussten uns ehrenwörtlich verpflichten, ab Donnerstag nicht mehr zu rauchen, zu trinken und abends um 21.30 Uhr zu Hause zu sein. Die Einhaltungen dieser Vorschriften wurden vom Verein aus nachgeprüft und wehe, wer sich auf Abwegen erwischen ließ.

Am Abend vor dem entscheidenden Spiel um die süddeutsche Meisterschaft gegen Fürth wurde ich und mein Kamerad Häußler von einem Vereinsmitglied in den Wilhelmsbau zu einer Tasse Kaffee eingeladen. Bei einer angeregten Unterhaltung vergaß man die Zeit, und als wir gegen halb elf Uhr nach Hause gingen, wurden wir gesehen. Am anderen Tag stellte uns Spielführer Rüdinger nicht auf, trotz des entscheidenden Spiels, sondern ließ uns beide durch Nachwuchsspieler ersetzen. Diese haben sich aber glänzend gehalten, denn das Spiel wurde mit 2:1 gewonnen. Ich habe mich dafür sehr geschämt, denn Kameradschaft war bei uns oberstes Gesetz und wer sich dagegen verging, musste aus der Gemeinschaft ausscheiden - mit dem heutigen Fußball kein Vergleich!

Der Weg ins Finale
Damit waren wir für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifiziert. In der Vorrunde mussten wir am 3. Mai gegen den Freiburger FC in Pforzheim antreten. Doch das Spiel wurde beim Stand von 1:0 für die Badner abgebrochen, da ein Teil der Freiburger Spieler einfach den Platz verließ.
Das Wiederholungsspiel zwei Wochen später in Karlsruhe ging mit 5:1 an uns. Das Halbfinale gegen den Duisburger Spiel-Verein (5:1) in Frankfurt/Main ebnete uns endgültig den Weg ins Finale.
Unser Gegner aus Berlin legte noch beeindruckendere Viertel- und Halbfinalspiele an den Tag: VfB Königsberg wurde mit 7:0 vom Platz gefegt und gegen Wacker Leipzig gewann Viktoria 4:0.

„Berlin, Berlin - wir fahren
nach Berlin“
Da zu der Zeit noch kein Spesenamateur und Vertragsspieler existierte, wurde die Fahrt nach Berlin so kurz wie möglich vor dem Spiel angesetzt. Auch die Dauer des Aufenthalts war den Verhältnissen angepasst - damals war noch nichts mit in der U-Bahn übernachten und am nächsten Tag ein paar Kampfbahnen anzusehen - auf neudeutsch auch abhoppen genannt!
In Berlin nahm die Öffentlichkeit am besagten Pfingstsonntag, den 7. Juni 1908 keine große Notiz von dem sportlichen Großereignis. Trotzdem waren die Blau-Weißen baff, als sie auf dem Germania 88-Platz in Tempelhof, Ringbahnstraße, von sechstausend Zuschauern begrüßt wurden. Unaufhörlich feuerten die Berliner ihre Mannschaft vom Berliner Thor- und Fußball-Club Viktoria an. In diesem Hexenkessel verloren unsere Männer die Nerven. Das waren wir nicht gewohnt. Die Anfeuerungsrufe durch Zuschauer kannten wir kaum. Schließlich gab es bei uns auf der Waldau noch keinen B-Block und auch keine Blue Boys.
Bis zur Halbzeit ging es gut. Mit 0:0 wechselten wir die Seiten. Dann traten bei uns, durch die lange Bahnfahrt bedingt, Ermüdungserscheinungen ein. Obwohl wir immer noch spielten, dem Kampf das Gepräge gaben, waren die Aktionen der Viktorianer kraftvoller. In dieser Spielphase verlor Bürkle im Tor die Nerven. Drei Fehler, drei Tore. Jedesmal rutschten ihm leichte Bälle zwischen den Beinen ins Netz. Ich bin sicher, hätten wir damals den Bernd Klaus gehabt, wir hätten uns des Deutschen Meistertitels schmücken können!
Nach dem Spiel gab es nur eine Meinung: die Kickers haben gespielt und die Viktoria gewonnen. Für die Objektivität des Berliner Publikums spricht es, dass sie uns genau so bejubelten wie den Deutschen Meister. Der DFB verlieh dem neuen Meister die damalige „Viktoria“ (Vorgänger der Meisterschale) und einen Wimpel. Ein Bankett schloss den Tag.

Haltestelle Ludwigsburg
Die Stimmung bei der Rückfahrt war sehr gedämpft. Vor allem Bürkle, der Unglücksrabe, war untröstlich und verdrückte sich in einer Ecke. Als dann noch in einer Sportzeitung eine Karikatur von ihm erschien, mit einem Netz zwischen den Beinen, stieg er in Ludwigsburg aus dem Zug. Der Grund: Er traute sich der Handvoll blau-weißer Anhänger im Stuttgarter Hauptbahnhof nicht unter die Augen. In Stuttgart war ein Empfang vorbereitet. Man machte uns Vorwürfe über unsere Niederlage, Entschuldigungen wurden überhört.

Das war also unser Endspiel an der Wiege des deutschen Fußballsports. Man nahm es mit dem Sieg und der Niederlage sehr ernst. Und die Mahnung auf dem Sockel der alten „Viktoria“, der Siegestrophäe des Deutschen Fußballmeisters: „Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen“, war aus dem Geist der Fußballbewegung jener Zeit geboren. Eine Verpflichtung für jede Fußballgeneration. Deutscher Meister können nur elf Freunde werden!

P.S.: Nach 1908 nahmen wir noch fünf mal an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teil: 1913, 1936, 1939, 1940, 1941. Nie vergessen werden wir das Jahr 1942: Wir waren gemeinsam mit dem VfB Tor- und Punktgleich Gauligameister Württemberg. Die Kickers überließen jedoch dem VfB die Vertretung in der deutschen Meisterschaft, die dann sang und klanglos vor 15.000 Zuschauer in der Adolf-Hitler-Kampfbahn gegen 1860 0:3 eingingen...


Gruß,
Blue Boys-Dieter

Verfasst: Donnerstag 29. September 2005, 18:18
von moehringer
und jetzt hab ich sogar noch das berühmte tröpfle in der hose!
:wink:
besten dank für den artikel dieter, das waren echt noch zeiten...