STN: Finanzen und Familiensinn
Verfasst: Samstag 19. November 2005, 10:11
Finanzen und Familiensinn
Mitglieder der Stuttgarter Kickers beklagen die Außendarstellung des Clubs
Es wird nicht viele Sportvereine geben, deren Mitglieder ein sechsstelliges Minus in der Jahresbilanz so klaglos hinnehmen, wie die der Stuttgarter Kickers. 190 000 Euro fehlten am 30. Juni 2005, doch von einem zaghaften Versuch des Protests abgesehen, blieb die Mitgliederversammlung der Kickers am Donnerstagabend stumm. "Ich hatte eigentlich mehr befürchtet", gibt Aufsichtsrat Joachim Bayh zu.
VON DIRK PREISS
Rote Zahlen im blauen Kassenbuch sind eben zur traurigen Tradition geworden. Ein Bilanzdefizit ist unterm Fernsehturm mittlerweile so normal wie Schneefall in der Antarktis. Man nimmt"s gelassen hin, solange die Existenz nicht auf dem Spiel steht.
Doch weil sich genau das im Frühjahr kommenden Jahres ändern könnte - die Liquidität ist nur bis Mitte April gesichert -, sorgen sich die Mitglieder vor allem um die Außendarstellung des Vereins. Wie um alles in der Welt will man Sponsoren für einen Club gewinnen, wenn dieser wegen interner Querelen ständig in den Schlagzeilen steht?
Diese Gedanken machte sich auch Christian Dinkelacker, als er vor Monaten das erste Mal gefragt worden war, ob er sich für die Kickers engagieren würde. "Ich habe abgesagt, weil ich den Eindruck hatte, dass sich die Gremien nur über die Öffentlichkeit unterhalten." Nun sitzt er doch im Aufsichtsrat. Auch, weil ihm die Situation bei den Kickers nicht unbekannt ist. Anfang der 90er Jahre verwaltete er die Finanzen des Hockey-Bundesligisten HTC Stuttgarter Kickers. "Da war die Lage ähnlich", sagt er, "Schulden und zerstrittene Gremien". Zwei Jahre später, so der Geschäftsführende Gesellschafter einer Bäckerei, habe er ein bestelltes Feld hinterlassen.
Die Hockeyspieler der Kickers sind mittlerweile deutscher Meister - und preisen den Familiensinn ihres Vereins. So soll es auch bei den Fußballern der Blauen wieder werden. Sportlich würde man sich allerdings mit dem Aufstieg in die zweite Liga begnügen. Wie alle anderen neu gewählten Aufsichtsratsmitglieder gab auch Dinkelacker als Ziel die Rückkehr in den Profifußball aus. Zunächst allerdings müsse man die Voraussetzungen dafür schaffen. Sprich: Geld in die klamme Kasse bekommen. Ihre Kontakte in die Wirtschaft zu nutzen, das ist die Hauptaufgabe der fünf neuen Kickers-Aufsichtsräte. Neben Dinkelacker wurden am Mittwoch Gerhard W. Kluge, der Geschäftsführer einer Versicherungsverwaltung, der Unternehmer Kai-Uwe Völschow sowie Jürgen Köhn, der Geschäftsführer eines Automobilclubs, und der Rechtsanwalt Rainer Lorz in das Gremium gewählt. "Da haben wir eine gute Mannschaft beisammen", findet Joachim Bayh, der wie Manfred Parlow, Edgar Kurz und Christian Mauch dem Aufsichtsrat erhalten bleibt. Den Vorsitz des Kontrollgremiums wird voraussichtlich Edgar Kurz, Vater von Ex-Bundesligaprofi Marco Kurz, übernehmen.
Am wirtschaftlichen Erfolg wird der neue Aufsichtsrat in einem Jahr gemessen werden. Aber auch am Image des Vereins. "Wir müssen eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen", sagt Bayh. Wenn das klappt, hat er bei der nächsten Mitgliederversammlung nichts zu befürchten.
Mitglieder der Stuttgarter Kickers beklagen die Außendarstellung des Clubs
Es wird nicht viele Sportvereine geben, deren Mitglieder ein sechsstelliges Minus in der Jahresbilanz so klaglos hinnehmen, wie die der Stuttgarter Kickers. 190 000 Euro fehlten am 30. Juni 2005, doch von einem zaghaften Versuch des Protests abgesehen, blieb die Mitgliederversammlung der Kickers am Donnerstagabend stumm. "Ich hatte eigentlich mehr befürchtet", gibt Aufsichtsrat Joachim Bayh zu.
VON DIRK PREISS
Rote Zahlen im blauen Kassenbuch sind eben zur traurigen Tradition geworden. Ein Bilanzdefizit ist unterm Fernsehturm mittlerweile so normal wie Schneefall in der Antarktis. Man nimmt"s gelassen hin, solange die Existenz nicht auf dem Spiel steht.
Doch weil sich genau das im Frühjahr kommenden Jahres ändern könnte - die Liquidität ist nur bis Mitte April gesichert -, sorgen sich die Mitglieder vor allem um die Außendarstellung des Vereins. Wie um alles in der Welt will man Sponsoren für einen Club gewinnen, wenn dieser wegen interner Querelen ständig in den Schlagzeilen steht?
Diese Gedanken machte sich auch Christian Dinkelacker, als er vor Monaten das erste Mal gefragt worden war, ob er sich für die Kickers engagieren würde. "Ich habe abgesagt, weil ich den Eindruck hatte, dass sich die Gremien nur über die Öffentlichkeit unterhalten." Nun sitzt er doch im Aufsichtsrat. Auch, weil ihm die Situation bei den Kickers nicht unbekannt ist. Anfang der 90er Jahre verwaltete er die Finanzen des Hockey-Bundesligisten HTC Stuttgarter Kickers. "Da war die Lage ähnlich", sagt er, "Schulden und zerstrittene Gremien". Zwei Jahre später, so der Geschäftsführende Gesellschafter einer Bäckerei, habe er ein bestelltes Feld hinterlassen.
Die Hockeyspieler der Kickers sind mittlerweile deutscher Meister - und preisen den Familiensinn ihres Vereins. So soll es auch bei den Fußballern der Blauen wieder werden. Sportlich würde man sich allerdings mit dem Aufstieg in die zweite Liga begnügen. Wie alle anderen neu gewählten Aufsichtsratsmitglieder gab auch Dinkelacker als Ziel die Rückkehr in den Profifußball aus. Zunächst allerdings müsse man die Voraussetzungen dafür schaffen. Sprich: Geld in die klamme Kasse bekommen. Ihre Kontakte in die Wirtschaft zu nutzen, das ist die Hauptaufgabe der fünf neuen Kickers-Aufsichtsräte. Neben Dinkelacker wurden am Mittwoch Gerhard W. Kluge, der Geschäftsführer einer Versicherungsverwaltung, der Unternehmer Kai-Uwe Völschow sowie Jürgen Köhn, der Geschäftsführer eines Automobilclubs, und der Rechtsanwalt Rainer Lorz in das Gremium gewählt. "Da haben wir eine gute Mannschaft beisammen", findet Joachim Bayh, der wie Manfred Parlow, Edgar Kurz und Christian Mauch dem Aufsichtsrat erhalten bleibt. Den Vorsitz des Kontrollgremiums wird voraussichtlich Edgar Kurz, Vater von Ex-Bundesligaprofi Marco Kurz, übernehmen.
Am wirtschaftlichen Erfolg wird der neue Aufsichtsrat in einem Jahr gemessen werden. Aber auch am Image des Vereins. "Wir müssen eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen", sagt Bayh. Wenn das klappt, hat er bei der nächsten Mitgliederversammlung nichts zu befürchten.