STZ: Interview mit Christian Mauch
Verfasst: Sonntag 27. November 2005, 14:46
"Wir müssen an den Aufstieg glauben: jetzt oder nie"
Der neue Aufsichtsratschef der Stuttgarter Kickers, Christian Mauch, über die Perspektiven des Vereins und die Zusammenarbeit mit dem Präsidium
Beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ist am vergangenen Samstag ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt worden - zur allgemeinen Überraschung ist es der Orthopäde Christian Mauch. "Ich wollte damit auch ein Zeichen setzen, dass die jüngere Generation im Verein Verantwortung übernimmt", sagt der 42-Jährige im Gespräch mit Joachim Klumpp.
Herr Mauch, Sie sind zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt worden. Das kam überraschend, nachdem in der Vergangenheit eher davon die Rede gewesen ist, dass Sie sich aus dem Gremium zurückziehen wollen. Warum dieser Sinneswandel?
Weil ich mit den neuen Leuten einfach die Chance sehe, etwas zu bewegen. Ich bin seit fünf Jahren als Mannschaftsarzt im Verein - und seither immer nur abgestiegen. Das ist frustrierend, darauf habe ich keine Lust mehr. Außerdem wollte ich mit meinen 42 Jahren auch ein Zeichen setzen, dass bei den Kickers die jüngere Generation Verantwortung übernimmt. Wir bekommen frischen Wind mit beruflich erfolgreichen Leuten.
Von Seiten des Präsidiums und auch der Mitglieder ist damit vor allem die Hoffnung verbunden, die Kickers wirtschaftlich voranzubringen. Wie kann das gelingen?
Auf jeden Fall nicht so, dass vom Aufsichtsrat oder Präsidium erwartet wird, stets die Zeche zu bezahlen. Wir werden sicher jederzeit die eine oder andere Maßnahme - wie Weihnachtsfeiern oder Trainingslager - finanziell unterstützen, nur grundsätzlich muss sich der Verein selbst tragen. Wir können aber für die entsprechenden Kontakte sorgen, also quasi als Türöffner fungieren. Ob das dann Klein-, Mittel- oder Großsponsoren sind, wird man sehen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingen wird.
Ähnliche Töne gab es auch schon in der Vergangenheit. Was macht Sie so optimistisch, dass jetzt alles besser wird?
Wir sind alle etablierte Geschäftsleute, die es schon ihrem Ruf schuldig sind, Erfolg zu haben. Außerdem hat der Verein hervorragende Strukturen - auf der Geschäftsstelle, im Nachwuchsbereich, mit Trainer Dutt und der Mannschaft, deren Stärke langsam zum Tragen kommt. Dieses Potenzial müssen wir ausschöpfen, ohne uns dabei aber unter Wert zu verkaufen.
In der Vergangenheit ging es zwischen Aufsichtsrat und Präsidium nicht immer einvernehmlich zu. Wie wollen Sie diesen Zustand ändern?
Auch in Zukunft wird es sicher die eine oder andere Auseinandersetzung geben, aber das sehe ich nicht so dramatisch. Denn insgesamt verläuft die Kommunikation hervorragend. Die Unternehmensführung ist gut: Wir bekommen vom Manager und auch vom Präsidenten stets die richtigen Zahlen zum richtigen Zeitpunkt. Die Mauscheleien sind vorbei.
Dennoch stehen die Kickers immer vor der Insolvenz, weil der Verein von zwei Personen - Frau Dünnwald-Metzler und Herrn Kullen - und deren Darlehen abhängig ist.
Daran wird sich kurzfristig auch nichts ändern, weil wir in der dritten Liga nicht in der Lage sind, ein Sanierungskonzept zu erstellen. Wenn eine der beiden genannten Personen plötzlich sagt “ich will nicht mehr”, müssten wir Insolvenz anmelden. Doch davon gehe ich nicht aus. Ich sehe das so, dass es sich dabei um Ehrenschulden handelt. Und sobald wir in der zweiten Liga sind, werden wir uns an die Rückzahlung der Darlehen machen, das verspreche ich.
Sie glauben also an den Aufstieg, vielleicht sogar schon in dieser Saison?
Wir müssen daran glauben. Jetzt oder nie. Denn ich denke, der Verein ist nicht in der Lage, nochmal fünf Jahre in der Regionalliga rumzudümpeln. Was diese Saison angeht, warten wir einfach mal die drei restlichen Spiele bis zu Winterpause ab, dann sehen wir, was noch möglich ist.
Werden die Kickers denn dieses Mal die Lizenz für die zweite Liga beantragen?
Das hängt ganz vom Tabellenplatz ab. Wenn wir im Mittelfeld liegen, dann ist es nicht nötig. Aber wenn es unsere Platzierung hergibt, wollen wir schon gerne ein Signal an die Mannschaft geben, auch wenn das letztendlich das Präsidium zu entscheiden hat.
Wie sehen Sie denn die Zukunft des Präsidenten Hans Kullen, der sich in seiner Amtszeit nicht nur Freunde gemacht hat?
Sicher hat auch er Fehler gemacht und manchmal überzogen reagiert. Andererseits musste er die alten Zöpfe abschneiden. Und da liegt es in der Natur der Sache, dass man es nicht allen recht macht. Wir werden die Probleme in Ruhe ausräumen, sodass wieder ein vernünftiger Umgangston in Degerloch herrscht. Es kommt nicht in Frage, dass der alte Zustand fortgesetzt wird.
Und bei der nächsten Hauptversammlung werden Sie dann Hans Kullen ablösen?
Nein, das ist nicht mein Ziel. Ich habe mich zwar schon früher nie aus der Verantwortung gestohlen. Aber alleine aus zeitlichen und beruflichen Gründen kommt das nicht in Frage. Überhaupt sehe ich mich bei den Kickers nur als einen von vielen.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 24. November 2005
Der neue Aufsichtsratschef der Stuttgarter Kickers, Christian Mauch, über die Perspektiven des Vereins und die Zusammenarbeit mit dem Präsidium
Beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ist am vergangenen Samstag ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt worden - zur allgemeinen Überraschung ist es der Orthopäde Christian Mauch. "Ich wollte damit auch ein Zeichen setzen, dass die jüngere Generation im Verein Verantwortung übernimmt", sagt der 42-Jährige im Gespräch mit Joachim Klumpp.
Herr Mauch, Sie sind zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt worden. Das kam überraschend, nachdem in der Vergangenheit eher davon die Rede gewesen ist, dass Sie sich aus dem Gremium zurückziehen wollen. Warum dieser Sinneswandel?
Weil ich mit den neuen Leuten einfach die Chance sehe, etwas zu bewegen. Ich bin seit fünf Jahren als Mannschaftsarzt im Verein - und seither immer nur abgestiegen. Das ist frustrierend, darauf habe ich keine Lust mehr. Außerdem wollte ich mit meinen 42 Jahren auch ein Zeichen setzen, dass bei den Kickers die jüngere Generation Verantwortung übernimmt. Wir bekommen frischen Wind mit beruflich erfolgreichen Leuten.
Von Seiten des Präsidiums und auch der Mitglieder ist damit vor allem die Hoffnung verbunden, die Kickers wirtschaftlich voranzubringen. Wie kann das gelingen?
Auf jeden Fall nicht so, dass vom Aufsichtsrat oder Präsidium erwartet wird, stets die Zeche zu bezahlen. Wir werden sicher jederzeit die eine oder andere Maßnahme - wie Weihnachtsfeiern oder Trainingslager - finanziell unterstützen, nur grundsätzlich muss sich der Verein selbst tragen. Wir können aber für die entsprechenden Kontakte sorgen, also quasi als Türöffner fungieren. Ob das dann Klein-, Mittel- oder Großsponsoren sind, wird man sehen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingen wird.
Ähnliche Töne gab es auch schon in der Vergangenheit. Was macht Sie so optimistisch, dass jetzt alles besser wird?
Wir sind alle etablierte Geschäftsleute, die es schon ihrem Ruf schuldig sind, Erfolg zu haben. Außerdem hat der Verein hervorragende Strukturen - auf der Geschäftsstelle, im Nachwuchsbereich, mit Trainer Dutt und der Mannschaft, deren Stärke langsam zum Tragen kommt. Dieses Potenzial müssen wir ausschöpfen, ohne uns dabei aber unter Wert zu verkaufen.
In der Vergangenheit ging es zwischen Aufsichtsrat und Präsidium nicht immer einvernehmlich zu. Wie wollen Sie diesen Zustand ändern?
Auch in Zukunft wird es sicher die eine oder andere Auseinandersetzung geben, aber das sehe ich nicht so dramatisch. Denn insgesamt verläuft die Kommunikation hervorragend. Die Unternehmensführung ist gut: Wir bekommen vom Manager und auch vom Präsidenten stets die richtigen Zahlen zum richtigen Zeitpunkt. Die Mauscheleien sind vorbei.
Dennoch stehen die Kickers immer vor der Insolvenz, weil der Verein von zwei Personen - Frau Dünnwald-Metzler und Herrn Kullen - und deren Darlehen abhängig ist.
Daran wird sich kurzfristig auch nichts ändern, weil wir in der dritten Liga nicht in der Lage sind, ein Sanierungskonzept zu erstellen. Wenn eine der beiden genannten Personen plötzlich sagt “ich will nicht mehr”, müssten wir Insolvenz anmelden. Doch davon gehe ich nicht aus. Ich sehe das so, dass es sich dabei um Ehrenschulden handelt. Und sobald wir in der zweiten Liga sind, werden wir uns an die Rückzahlung der Darlehen machen, das verspreche ich.
Sie glauben also an den Aufstieg, vielleicht sogar schon in dieser Saison?
Wir müssen daran glauben. Jetzt oder nie. Denn ich denke, der Verein ist nicht in der Lage, nochmal fünf Jahre in der Regionalliga rumzudümpeln. Was diese Saison angeht, warten wir einfach mal die drei restlichen Spiele bis zu Winterpause ab, dann sehen wir, was noch möglich ist.
Werden die Kickers denn dieses Mal die Lizenz für die zweite Liga beantragen?
Das hängt ganz vom Tabellenplatz ab. Wenn wir im Mittelfeld liegen, dann ist es nicht nötig. Aber wenn es unsere Platzierung hergibt, wollen wir schon gerne ein Signal an die Mannschaft geben, auch wenn das letztendlich das Präsidium zu entscheiden hat.
Wie sehen Sie denn die Zukunft des Präsidenten Hans Kullen, der sich in seiner Amtszeit nicht nur Freunde gemacht hat?
Sicher hat auch er Fehler gemacht und manchmal überzogen reagiert. Andererseits musste er die alten Zöpfe abschneiden. Und da liegt es in der Natur der Sache, dass man es nicht allen recht macht. Wir werden die Probleme in Ruhe ausräumen, sodass wieder ein vernünftiger Umgangston in Degerloch herrscht. Es kommt nicht in Frage, dass der alte Zustand fortgesetzt wird.
Und bei der nächsten Hauptversammlung werden Sie dann Hans Kullen ablösen?
Nein, das ist nicht mein Ziel. Ich habe mich zwar schon früher nie aus der Verantwortung gestohlen. Aber alleine aus zeitlichen und beruflichen Gründen kommt das nicht in Frage. Überhaupt sehe ich mich bei den Kickers nur als einen von vielen.
Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 24. November 2005