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StZ: Die Kickers zwischen Konflikt und Krise

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 07:07
von Basti
Die Kickers zwischen Konflikt und Krise

Das Führungsgremium des Fußball-Regionalligisten will in die Offensive gehen, weil es nicht nur im sportlichen Bereich Probleme gibt

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben in der Fußball-Regionalliga gegen Eschborn nur 1:1 gespielt. Als Sieger darf sich einstweilen der Präsident Hans Kullen fühlen. "Wir stehen hinter der Entlassung der Jugendleitung", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Wetzel.

Von Joachim Klumpp

Vor dem Spiel am Freitagabend gegen Eschborn umschrieb ein langjähriger Besucher die Stimmung im VIP-Raum des Waldaustadions mit den Worten: "Da drinnen rumort es ganz gewaltig." Leider war davon später auf dem Rasen recht wenig zu spüren beim 1:1 (Torschütze Malchow) gegen die Hessen - was so etwas wie Symbolcharakter hat. Bei dem Fußball-Regionalligisten kracht es zwar ordentlich, aber derzeit leider an der falschen Stelle. Eine Analyse der Problembereiche.

> Der sportliche Bereich: Aus den vergangenen neun Spielen sprang gerade ein Sieg heraus (bezeichnenderweise zu Hause gegen das Schlusslicht Kaiserslautern). "Damit können wir natürlich nicht zufrieden sein", sagt der Präsident Hans Kullen. Und weiter: "Die zweite Halbzeit muss das absolute Minimum unseres Anspruchs sein." Wobei die Betonung auf Minimum liegt, denn auch da bot die Mannschaft gegen den seit zehn Spielen sieglosen Aufsteiger nur eine Durchschnittsleistung. Und die 13 Zähler aus jetzt zwölf Partien würden hochgerechnet am Ende deutlich unter 40 Punkte bedeuten - zu wenig für den Klassenverbleib. Wo das Ziel doch ein einstelliger Tabellenplatz war.

> Der Trainer: Rainer Adrion wirkte nach dem 1:1 zwar nicht fassungs-, aber doch ein wenig ratlos. Seine Feststellung "an der zweiten Halbzeit müssen wir anknüpfen", ist nicht neu in dieser Saison. Irgendwann muss es die Mannschaft aber auch einmal schaffen, die überwiegende Spielzeit zu dominieren - nicht nur phasenweise. Und wenn nicht bald der erste Auswärtssieg kommt, droht endgültig der Sturz auf einen der vier Abstiegsplätze, was die Kickers in dieser Runde unbedingt vermeiden wollten. Noch sagt Kullen: "Es gibt keine Trainerdiskussion." Doch er fügt hinzu: "Natürlich kennen auch wir die Gesetze des Fußballs."

> Der wirtschaftliche Bereich: Der Minusrekord am Freitag (2356 zahlende Besucher) signalisiert, dass die Geduld der Fans nicht grenzenlos ist. Dabei kann der Verein jeden Euro brauchen. Denn auch in dieser Saison bewegen sich Blauen schon wieder im roten Bereich, und das nicht zu knapp. "Wir arbeiten noch die genauen Zahlen aus. Damit werden wir in Kürze an die Öffentlichkeit gehen", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jürgen Wetzel, "und dann wollen wir auch ein Konzept für die Zukunft des Vereins präsentieren." Dabei wird wohl auch die Vergangenheit aufgearbeitet - und an diesem Punkt kommt der Manager ins Spiel.

> Der Manager: Unverkennbar ist, dass es in gewissen Kreisen des Aufsichtsrats Vorbehalte gegen den Geschäftsführer Kahraman Erdin gibt, der zum Sündenbock der Finanzmisere gemacht wird, auch wenn sich Wetzel diplomatisch ausdrückt: "Die Suche nach dem Schuldigen hat noch in den seltensten Fällen den Schuldigen zu Tage geführt." Erdin verweist auf die Sponsoren und Kontakte, die er gebracht hat, seine Kritiker verweisen auf die Zahl der Kündigungen von Verträgen während seiner Amtszeit.

> Der Jugendbereich: Die Entlassung der Jugendleitung Kilgus und Hutt hat hohe Wellen geschlagen, zumal dieser Bereich in jüngster Vergangenheit gewissermaßen das letzte Aushängeschild des Vereins gewesen ist. Doch wer geglaubt hat, dem Präsidenten und insbesondere dem für den Nachwuchs zuständigen Vorstandsmitglied Edin Rahic würde daraus ein Strick gedreht, muss sich eines Besseren belehren lassen. "Wir als Aufsichtsrat stehen geschlossen hinter der Entscheidung", sagt Wetzel. Es gibt wenig Grund, an dieser Aussage zu zweifeln - womit der nicht unumstrittene Kullen sich zunächst einmal als Sieger fühlen darf.

> Der Hauptsponsor: Der Chef des Hauptsponsors, Eduardo Garcia, hat sich bei der Mitgliederversammlung zwar aus den offiziellen Gremien zurückgezogen, gilt aber noch immer als starke Kraft innerhalb des Vereinszirkels - wobei er auf die Führungsriege derzeit nicht gut zu sprechen ist, auch wenn er sich mit öffentlicher Kritik bewusst zurückhält. Doch zu der Suspendierung von Kilgus bezieht er eine klare Position: "Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden - und das habe ich den Herren Kullen und Rahic auch deutlich gesagt." Der Präsident räumt das ein, ohne diesen Dialog überbewerten zu wollen. Allerdings: noch in dieser Woche soll ein (Schlichtungs-)Gespräch zwischen Garcia und dem einflussreichen Aufsichtsratsmitglied Günter Daiss anberaumt werden. Schließlich tun die Kickers gut daran, sich in ihrer Situation nicht auch noch mit dem Hauptgeldgeber anzulegen, zumal Garcia sagt: "Wegen der Sache mit Kilgus sind bereits weitere Sponsoren abgesprungen."

Fazit: Es gibt viel Klärungsbedarf bei den Kickers - und ganz nebenbei auch Bedarf an mehr Punkten auf dem Platz.

Aktualisiert: 20.10.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/529274

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 07:21
von Blaufieber
Aus meiner Sicht ein sehr guter Artikel, objektiv und sachlich.

Sind die Kickers noch lernfähig?

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 07:43
von BlauerHarry
Ja, guter Artikel...

...also wenn die Kickers dieses Jahr wieder ihre Finanzen nicht in den Griff bekommen, dann ist denenn wirklich nicht zu helfen...Amateurhaft!

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 08:22
von Ralphonso
imho ist das der anfang vom ende, danke! :x

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 10:37
von Jürgen K.
Sehr guter Artikel !!!

Mich wundert nur dass Herr Daiss und nicht Herr Wetzel oder einer seiner AR-Stellvertreter das Gespräch mit Herrn Garcia suchen, aber sei es drum.


Und die Behauptung, dass wegen Kilgus Sponsoren abgesprungen seien, behaupte ich mal, dass dies nur daher gesagt ist.
Diese Saison betrifft dies eh nicht mehr, frühestens die nächste.

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 13:48
von kickers85
Eigentlich wird es von Jahr zu jahr schlimmer jetzt muss man nur noch warten bis das Boot sinkt und alle mitreißt.

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 14:20
von Ralphonso
das boot ist schon beim sinken, es ist nur die frage bis wann es vollends voll gelaufen ist.

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 20:27
von Jürgen K.
Bild

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 21:03
von Blaufieber
Blubb Blubb blubb...

Verfasst: Montag 20. Oktober 2003, 21:29
von Die Macht im Schwabenland
Jürgen K. hat geschrieben:Bild
einige werden da aber überleben, wie damals bei der titanic, das werden ein paar spieler sein(benda Köstel..),die einen neuen verein finden, aber für spieler wie minki wäre es wohl das kariereende...