StZ: Erreicht Adrion die Spieler noch?
Verfasst: Montag 27. Oktober 2003, 08:09
Erreicht Adrion die Spieler noch?
Alarmstimmung beim Kickers-Manager: Ich habe nicht das Gefühl, dass alle für den Trainer spielen
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers sind dort gelandet, wo sie in dieser Saison nicht hinwollten: auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga. "So kann es nicht weitergehen", sagt der Trainer Adrion, der den einen oder anderen Spieler auf die Tribüne setzen will.
Von Joachim Klumpp
"Man ist als Trainer nur so gut wie das letzte Ergebnis." Das sagt Arsène Wenger, der Teammanager von Arsenal London. Im übertragenen Sinne gilt das in der englischen Premier League genauso wie in der Regionalliga Süd. Nach der wengerschen Devise also ist Rainer Adrion derzeit kein guter Trainer. Das letzte Ergebnis der Stuttgarter Kickers (0:1 in Elversberg) war schlecht, und nicht nur das, auch das vorletzte und so weiter. Die Konsequenz: ein Abstiegsplatz.
"Es ist klar ersichtlich, dass bei uns die Tendenz in den Keller geht", gibt Adrion zu. Und natürlich kennt er die Sitten des Fußballs nur zu gut, um zu wissen, dass die Luft dünn wird. Doch noch genießt er Rückendeckung: "Der Präsident und ich stehen hinter ihm", sagt der Manager Kahraman Erdin.
Was ist Adrion also vorzuwerfen, außer schwachen Ergebnissen? Zumindest hat es der Trainer bisher nicht verstanden, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Vor allem das offensive 4-4-2 oder 4-3-3 verpufft wirkungslos. Die Kickers haben nach 13 Spielen gerade zwölf Tore geschossen, so wenig wie keine andere Mannschaft in der Liga; sie sind auswärts ohne Sieg, als einziges Team der Liga. "Harmlos" nannte selbst Adrion den Auftritt in Elversberg, "nach vorne fehlte uns die Durchschlagskraft." Und das, obwohl im Verlauf der Partie fünf nominelle Stürmer zum Einsatz kamen. "Natürlich ist es unbefriedigend, wenn diese Spieler das Vertrauen nicht rechtfertigen", sagt Adrion. "So kann es nicht weitergehen."
13 Punkte aus 13 Spielen bedeuten hochgerechnet - Abstieg. Doch was tun? "Natürlich kann man den einen oder anderen Spieler auf Eis legen, nachdem die Streicheleinheiten nicht gefruchtet haben", sagt Adrion, der sich wohl schon heute mit dem Kickers-Präsidenten zusammensetzen wird. Und Hans Kullen sagt immer: "Wichtig ist, dass der Trainer die Mannschaft erreicht." In diesem Punkt herrscht Übereinstimmung, denn auch Adrion weiß: "Wenn man alle elf nicht mehr erreicht, hat man ausgedient."
So weit ist es noch nicht, doch angekratzt ist das Verhältnis allemal. "Ich habe nicht den Eindruck, dass alle für den Trainer spielen", sagt Erdin. Speziell der Draht zu den Routiniers (Malchow, Cast, Minkwitz) könnte besser sein, auch Ivan, der Brasilianer, blühte unter Adrion nicht gerade auf; bei Zdenko Juric wiederum muss man sich etwa fragen, warum er überhaupt geholt wurde.
"Wir können nur mit Teamgeist gewinnen", so predigt Adrion. Doch gerade damit scheint es nicht weit her. "Der Erfolg am Anfang hat sicher einiges kaschiert", sagt der Trainer, "jetzt dürfen wir nicht in Grüppchenbildung verfallen." Man will die Spieler in die Pflicht nehmen. "Dass sich das sportliche Aushängeschild so präsentiert, können wir uns nicht bieten lassen", sagt Erdin. "Wir werden Konsequenzen ziehen."
Und damit meint er nicht den vorgezogenen Spielbeginn am nächsten Samstag. Gegen den FC Augsburg ist bereits um 12.30 Uhr Anpfiff, damit man dem Lokalrivalen VfB (gegen Freiburg) aus dem Weg geht.
Kickers: Köstel - Steinle (79. Juric), Cast, Malchow, Minkwitz - Barth, Braun, Stierle (46. Milchraum) - Ivan (71. Rahmanovic), Mesic, Obinna.
Aktualisiert: 27.10.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/534209
Alarmstimmung beim Kickers-Manager: Ich habe nicht das Gefühl, dass alle für den Trainer spielen
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers sind dort gelandet, wo sie in dieser Saison nicht hinwollten: auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga. "So kann es nicht weitergehen", sagt der Trainer Adrion, der den einen oder anderen Spieler auf die Tribüne setzen will.
Von Joachim Klumpp
"Man ist als Trainer nur so gut wie das letzte Ergebnis." Das sagt Arsène Wenger, der Teammanager von Arsenal London. Im übertragenen Sinne gilt das in der englischen Premier League genauso wie in der Regionalliga Süd. Nach der wengerschen Devise also ist Rainer Adrion derzeit kein guter Trainer. Das letzte Ergebnis der Stuttgarter Kickers (0:1 in Elversberg) war schlecht, und nicht nur das, auch das vorletzte und so weiter. Die Konsequenz: ein Abstiegsplatz.
"Es ist klar ersichtlich, dass bei uns die Tendenz in den Keller geht", gibt Adrion zu. Und natürlich kennt er die Sitten des Fußballs nur zu gut, um zu wissen, dass die Luft dünn wird. Doch noch genießt er Rückendeckung: "Der Präsident und ich stehen hinter ihm", sagt der Manager Kahraman Erdin.
Was ist Adrion also vorzuwerfen, außer schwachen Ergebnissen? Zumindest hat es der Trainer bisher nicht verstanden, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Vor allem das offensive 4-4-2 oder 4-3-3 verpufft wirkungslos. Die Kickers haben nach 13 Spielen gerade zwölf Tore geschossen, so wenig wie keine andere Mannschaft in der Liga; sie sind auswärts ohne Sieg, als einziges Team der Liga. "Harmlos" nannte selbst Adrion den Auftritt in Elversberg, "nach vorne fehlte uns die Durchschlagskraft." Und das, obwohl im Verlauf der Partie fünf nominelle Stürmer zum Einsatz kamen. "Natürlich ist es unbefriedigend, wenn diese Spieler das Vertrauen nicht rechtfertigen", sagt Adrion. "So kann es nicht weitergehen."
13 Punkte aus 13 Spielen bedeuten hochgerechnet - Abstieg. Doch was tun? "Natürlich kann man den einen oder anderen Spieler auf Eis legen, nachdem die Streicheleinheiten nicht gefruchtet haben", sagt Adrion, der sich wohl schon heute mit dem Kickers-Präsidenten zusammensetzen wird. Und Hans Kullen sagt immer: "Wichtig ist, dass der Trainer die Mannschaft erreicht." In diesem Punkt herrscht Übereinstimmung, denn auch Adrion weiß: "Wenn man alle elf nicht mehr erreicht, hat man ausgedient."
So weit ist es noch nicht, doch angekratzt ist das Verhältnis allemal. "Ich habe nicht den Eindruck, dass alle für den Trainer spielen", sagt Erdin. Speziell der Draht zu den Routiniers (Malchow, Cast, Minkwitz) könnte besser sein, auch Ivan, der Brasilianer, blühte unter Adrion nicht gerade auf; bei Zdenko Juric wiederum muss man sich etwa fragen, warum er überhaupt geholt wurde.
"Wir können nur mit Teamgeist gewinnen", so predigt Adrion. Doch gerade damit scheint es nicht weit her. "Der Erfolg am Anfang hat sicher einiges kaschiert", sagt der Trainer, "jetzt dürfen wir nicht in Grüppchenbildung verfallen." Man will die Spieler in die Pflicht nehmen. "Dass sich das sportliche Aushängeschild so präsentiert, können wir uns nicht bieten lassen", sagt Erdin. "Wir werden Konsequenzen ziehen."
Und damit meint er nicht den vorgezogenen Spielbeginn am nächsten Samstag. Gegen den FC Augsburg ist bereits um 12.30 Uhr Anpfiff, damit man dem Lokalrivalen VfB (gegen Freiburg) aus dem Weg geht.
Kickers: Köstel - Steinle (79. Juric), Cast, Malchow, Minkwitz - Barth, Braun, Stierle (46. Milchraum) - Ivan (71. Rahmanovic), Mesic, Obinna.
Aktualisiert: 27.10.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/534209