StZ: Dutt verspricht alles - nur keine Wunder
Verfasst: Mittwoch 29. Oktober 2003, 08:06
Dutt verspricht alles - nur keine Wunder
Der neue Trainer der Stuttgarter Kickers hat die Zeichen der Zeit erkannt: "Das Ziel für uns kann nur Klassenverbleib heißen"
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben offiziell ihren neuen Trainer vorgestellt. Gleichzeitig versuchte der Präsident, Licht ins Dunkel der Entlassung von Rainer Adrion zu bringen.
Von Joachim Klumpp
Robin Dutt demonstrierte Geschlossenheit, und das ist schon mal ein gutes Zeichen in diesen nicht nur wegen des Herbstes stürmischen Zeiten auf Degerlochs Höhen. Der neue Chefcoach des Regionalligisten Stuttgarter Kickers betrat gestern demonstrativ zusammen mit Präsident Hans Kullen und Manager Kahraman Erdin das Klublokal. Doch dieser symbolische Akt verschloss dem bisherigen Assistenzcoach nicht die Augen vor der Realität im heutigen Fußball-Geschäft: "Irgendwann werde auch ich entlassen werden", sagte der 38-Jährige der verblüfften Zuhörerschaft. Und nicht nur das.
> Zu seiner Ernennung: "Als ich am Montag gefragt wurde, war ich schon überrascht - zumindest vom Zeitpunkt. Dennoch habe ich spontan zugesagt, denn als so genannter Newcomer ist das eine Chance für mich. Ich bin dem Verein auch finanziell entgegengekommen, aber ich sehe mich nicht als billiger Jakob. Und wenn ich hier erfolgreich arbeite, werden wir nächste Saison sicher nicht über die gleichen Konditionen verhandeln."
> Zu seiner Zielsetzung: "Ich bin hier nur unter der Bedingung angetreten, keine illusorischen Wunderdinge zu versprechen. Das heißt, die kurzfristigen Ziele können nicht Aufstieg heißen, sondern nur Klassenerhalt, wobei ich da keinen großen Unterschied mache zwischen Platz drei und Platz 14."
> Zu seinem Anspruch an die Spieler: "Die Mannschaft hat mehr Potenzial als es der Tabellenplatz aussagt. Die Frage ist, ob sie es auch abrufen kann. Ich kenne sie in- und auswendig, deshalb fange ich hier auch nicht bei null an. Für mich macht es jetzt wenig Sinn, über die Schwächen zu reden, lieber arbeiten wir an den Stärken. Und sicher ist bereits, dass der eine oder andere Spieler aus dem Oberliga-Kader dazustoßen wird, denn die sind leistungsmäßig nicht weit weg von der ersten Mannschaft."
> Zu seinem Führungsstil: "Ich bevorzuge eine Mischung aus kooperativem und autoritärem Stil, denn ohne den geht es nicht. Ordnung und Disziplin ist oberstes Gebot, es gibt eine persönliche Aufgabenstellung für jeden Spieler, die er zu erfüllen hat. Außerdem muss die Mannschaft zumindest zwei Spielsysteme beherrschen. Wir müssen versuchen, nach einer Balleroberung möglichst schnell über Konter den zielgerichteten Abschluss zu suchen. Dabei muss die Mannschaft auf dem Platz zumindest wieder mehr Leidenschaft verkörpern, wenn es schon spielerisch nicht reicht."
> Zu seinem Werdegang: "Ich habe erstmals mit 15 Jahren als Trainer gearbeitet, das war in der C--Jugend der SpVgg Hirschlanden. Denn schon immer habe ich mich mit Fußball beschäftigt. Aber ich bin auch rasch zu der Erkenntnis gekommen, dass es als Spieler nicht zum Profi reicht, deshalb musste ich mir einen anderen Weg suchen - Trainer. Und ich bin überzeugt, dass ich bei den Kickers die Rahmenbedingungen schaffen kann, um erfolgreich zu sein."
> Zu seinem Vorgänger Rainer Adrion: "Für das, was ab sofort läuft, übernehme ich die volle Verantwortung. Deshalb werden wir auch von Mittwoch an drei Tage ins Trainingslager nach Kleinaspach gehen, um uns in aller Ruhe und mit Einzelgesprächen auf das Heimspiel am Samstag gegen den FC Augsburg vorzubereiten. Ich habe mir geschworen, kein schlechtes Wort über den Vorgänger zu verlieren, denn es ist eine Unsitte im Fußball geworden, sich über den körperlichen Zustand oder die Zusammenstellung der Mannschaft negativ zu äußern. "
Schlecht geredet hat dann auch der Präsident nicht über Rainer Adrion. Doch Hans Kullen war gestern sichtlich bemüht, die Irritationen der Entlassung aus dem Weg zu räumen. Auf den Punkt gebracht hieß das: "Rainer Adrion hat in unserem Gespräch am Montag nicht den Eindruck vermittelt, als könne er noch die Wende schaffen." Der Ex-Coach selbst habe am Ende gesagt: "Ihr müsst jetzt eine Entscheidung treffen."
Das hat das Führungsgremium dann nach eingehender Beratung im Laufe des Nachmittags getan - und zwar für Robin Dutt.
Aktualisiert: 29.10.2003, 05:44 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/535785
Der neue Trainer der Stuttgarter Kickers hat die Zeichen der Zeit erkannt: "Das Ziel für uns kann nur Klassenverbleib heißen"
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben offiziell ihren neuen Trainer vorgestellt. Gleichzeitig versuchte der Präsident, Licht ins Dunkel der Entlassung von Rainer Adrion zu bringen.
Von Joachim Klumpp
Robin Dutt demonstrierte Geschlossenheit, und das ist schon mal ein gutes Zeichen in diesen nicht nur wegen des Herbstes stürmischen Zeiten auf Degerlochs Höhen. Der neue Chefcoach des Regionalligisten Stuttgarter Kickers betrat gestern demonstrativ zusammen mit Präsident Hans Kullen und Manager Kahraman Erdin das Klublokal. Doch dieser symbolische Akt verschloss dem bisherigen Assistenzcoach nicht die Augen vor der Realität im heutigen Fußball-Geschäft: "Irgendwann werde auch ich entlassen werden", sagte der 38-Jährige der verblüfften Zuhörerschaft. Und nicht nur das.
> Zu seiner Ernennung: "Als ich am Montag gefragt wurde, war ich schon überrascht - zumindest vom Zeitpunkt. Dennoch habe ich spontan zugesagt, denn als so genannter Newcomer ist das eine Chance für mich. Ich bin dem Verein auch finanziell entgegengekommen, aber ich sehe mich nicht als billiger Jakob. Und wenn ich hier erfolgreich arbeite, werden wir nächste Saison sicher nicht über die gleichen Konditionen verhandeln."
> Zu seiner Zielsetzung: "Ich bin hier nur unter der Bedingung angetreten, keine illusorischen Wunderdinge zu versprechen. Das heißt, die kurzfristigen Ziele können nicht Aufstieg heißen, sondern nur Klassenerhalt, wobei ich da keinen großen Unterschied mache zwischen Platz drei und Platz 14."
> Zu seinem Anspruch an die Spieler: "Die Mannschaft hat mehr Potenzial als es der Tabellenplatz aussagt. Die Frage ist, ob sie es auch abrufen kann. Ich kenne sie in- und auswendig, deshalb fange ich hier auch nicht bei null an. Für mich macht es jetzt wenig Sinn, über die Schwächen zu reden, lieber arbeiten wir an den Stärken. Und sicher ist bereits, dass der eine oder andere Spieler aus dem Oberliga-Kader dazustoßen wird, denn die sind leistungsmäßig nicht weit weg von der ersten Mannschaft."
> Zu seinem Führungsstil: "Ich bevorzuge eine Mischung aus kooperativem und autoritärem Stil, denn ohne den geht es nicht. Ordnung und Disziplin ist oberstes Gebot, es gibt eine persönliche Aufgabenstellung für jeden Spieler, die er zu erfüllen hat. Außerdem muss die Mannschaft zumindest zwei Spielsysteme beherrschen. Wir müssen versuchen, nach einer Balleroberung möglichst schnell über Konter den zielgerichteten Abschluss zu suchen. Dabei muss die Mannschaft auf dem Platz zumindest wieder mehr Leidenschaft verkörpern, wenn es schon spielerisch nicht reicht."
> Zu seinem Werdegang: "Ich habe erstmals mit 15 Jahren als Trainer gearbeitet, das war in der C--Jugend der SpVgg Hirschlanden. Denn schon immer habe ich mich mit Fußball beschäftigt. Aber ich bin auch rasch zu der Erkenntnis gekommen, dass es als Spieler nicht zum Profi reicht, deshalb musste ich mir einen anderen Weg suchen - Trainer. Und ich bin überzeugt, dass ich bei den Kickers die Rahmenbedingungen schaffen kann, um erfolgreich zu sein."
> Zu seinem Vorgänger Rainer Adrion: "Für das, was ab sofort läuft, übernehme ich die volle Verantwortung. Deshalb werden wir auch von Mittwoch an drei Tage ins Trainingslager nach Kleinaspach gehen, um uns in aller Ruhe und mit Einzelgesprächen auf das Heimspiel am Samstag gegen den FC Augsburg vorzubereiten. Ich habe mir geschworen, kein schlechtes Wort über den Vorgänger zu verlieren, denn es ist eine Unsitte im Fußball geworden, sich über den körperlichen Zustand oder die Zusammenstellung der Mannschaft negativ zu äußern. "
Schlecht geredet hat dann auch der Präsident nicht über Rainer Adrion. Doch Hans Kullen war gestern sichtlich bemüht, die Irritationen der Entlassung aus dem Weg zu räumen. Auf den Punkt gebracht hieß das: "Rainer Adrion hat in unserem Gespräch am Montag nicht den Eindruck vermittelt, als könne er noch die Wende schaffen." Der Ex-Coach selbst habe am Ende gesagt: "Ihr müsst jetzt eine Entscheidung treffen."
Das hat das Führungsgremium dann nach eingehender Beratung im Laufe des Nachmittags getan - und zwar für Robin Dutt.
Aktualisiert: 29.10.2003, 05:44 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/535785

