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Braunbär "Bruno" tot
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 09:22
von Martin
Braunbär "Bruno" tot
Der seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunende Braunbär "Bruno" ist tot. Das Tier wurde in der Nacht zu Montag in der Nähe des Spitzingseegebiets im bayerischen Landkreis Miesbach geschossen. Das bestätigte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums. Der Bär sei gegen 4.50 Uhr in der Nähe der Rotwand erlegt worden. Bayerns Landesumweltminister Werner Schnappauf (CSU) hatte sich zuvor trotz zahlreicher Proteste von Umweltschützern geweigert, die Abschussverfügung zurückzunehmen.
Bruno war am Samstag von einer Gruppe Radfahrer am oberbayerischen Soinsee im Landkreis Miesbach gesehen worden, wie er den See durchschwamm. Wanderer beobachteten anschließend, dass er ins Gebirge kletterte. Das Raubtier war zuvor am Freitag bei Thiersee nahe Kufstein in Österreich gesehen worden. Dort hatte er einen Schafwidder gerissen.
"JJ1", wie der "Problembär" offiziell heißt, streunte seit Mai durch die Alpenregion zwischen Bayern und Österreich. Zwei Dutzend Mal hatte die Umweltstiftung WWF versucht, "Bruno" in eine Spezialfalle zu locken - vergeblich. Danach hatten finnische Bärenfänger zwei Wochen lang vergeblich versucht, ihn lebend zu fangen. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder abreisen. Daraufhin wurde die Abschussgenehmigung erneuert.
Zum Abschuss freigegeben
Der erste Bär in Bayern seit 170 Jahren hatte jedenfalls die Sympathien auf seiner Seite. Schüler sammelten Unterschriften für "Bruno", allerorten war er das Tagesgespräch. "Braunbär "Bruno " darf nicht sterben", schrieb der Vorsitzende des Tierschutzbundes Bayern, Manfred Fleischer, in einem offenen Brief an Schnappauf und verlangte: "Lassen Sie den Bären leben!"
Laut bayerischem Landesjagdverband wollten die Jäger nicht aktiv nach "Bruno" suchen. "Der Jäger, der "Bruno " abschießt, wird seines Lebens nicht mehr froh", sagt Naturschützer Thomas Schreder. Naturschützer hätten schon angekündigt, den Schützen zu verklagen.
In Gutachten war "Bruno" schon nach seinem ersten Auftauchen in Bayern vor mehr als einem Monat als gefährlich eingestuft worden. Der Grund: Er riss Schafe, knackte Hühnerställe, plünderte Bienenstöcke und näherte sich gelegentlich menschlichen Siedlungen.
Sein ungewöhnliches Verhalten hat "JJ1", der seinen offiziellen Namen von seinen im italienischen Trentino lebenden Eltern "Jurka" und "Jose" bekam, von der Mutter gelernt. Seit vier Wochen wird versucht, auch "Jurka" zu fangen. Behörden fürchten, dass sie "Brunos" drei kleinen Geschwistern die gleichen schlechten Manieren beibringe.
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 09:48
von Überlinger
Wieso konnte man nicht mit einem Betäubungsgewehr schießen?

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 09:53
von Martin
Überlinger hat geschrieben:Wieso konnte man nicht mit einem Betäubungsgewehr schießen?

weil des eben nicht jeder machen kann, weil dazu die richtige dosierung etc. benötigt wird und es dafür extra "spezialisten" gibt. diese haben ihn aber halt nie gefunden :D zeit hatte man ihnen ja gelassen
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 11:20
von Bluebyte
Überlinger hat geschrieben:Wieso konnte man nicht mit einem Betäubungsgewehr schießen?

Weil es für solche Fälle nur
ein rostiges Betäubungsgewehr gibt das aus Finnland eingeflogen werden muss. Echte Knarren und ihre Besitzer laufen in Bayern/Östereich aber zu Tausenden herum, die sabbernd nur darauf gewartet haben den finalen Rettungsschuß setzen zu dürfen.
Waidmanns Heil !
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 11:33
von Tacheles
Ist irgendwie schon ein Armutszeugnis !!
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 11:41
von DirtyToby
Tacheles [reloaded] hat geschrieben:Ist irgendwie schon ein Armutszeugnis !!
Aber echt.
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 12:08
von Martin
DirtyToby hat geschrieben:Tacheles [reloaded] hat geschrieben:Ist irgendwie schon ein Armutszeugnis !!
Aber echt.
ich finds aber vor allem ein armutszeugnis, dass die den wochenlang net finden. dann wird er zum abschuss freigegeben und kurz drauf hat man ihn gleich. da waren wohl unter den sog. experten ein haufen pfeifen dabei
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 12:32
von Kickers-Oli
Tacheles [reloaded] hat geschrieben:Ist irgendwie schon ein Armutszeugnis !!
aber echt wahr.
R.I.P Bruno
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 13:25
von Mario LP`99
diese scheiss natur, das sich die aber nun mal gar nicht an uns menschen anpassen kann! hoffentlich is bald alles zu betoniert, dann gibts auch keine probleme mehr mit nem bären!
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 15:33
von Martin
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 20:47
von Kickers-Oli
war klar das sowas früher oder später kommen musste

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 21:29
von Blaues Stuttgart
Überall auf der Welt verhungern Menschen und ihr heult wegen so nem dummen Bär rum

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 21:34
von barneygumble
Blaues Stuttgart hat geschrieben:Überall auf der Welt verhungern Menschen und ihr heult wegen so nem dummen Bär rum

Haste eigentlich recht...
In Portionen abgepackt und ab nach irgendwo auf "überall auf der Welt" lässt er mindestens 10 Menschen mal richtig satt werden!

Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 22:02
von DirtyToby
Blaues Stuttgart hat geschrieben:Überall auf der Welt verhungern Menschen und ihr heult wegen so nem dummen Bär rum

.....
Verfasst: Montag 26. Juni 2006, 23:35
von kickersharry
Mario LP`99 hat geschrieben:diese scheiss natur, das sich die aber nun mal gar nicht an uns menschen anpassen kann! hoffentlich is bald alles zu betoniert, dann gibts auch keine probleme mehr mit nem bären!
Tja,das schlimmste Tier ist und bleibt der Mensch!
Verfasst: Dienstag 27. Juni 2006, 12:46
von Heiko K.
Wochenlanges Kasperltheater und nun ist so gekommen wie es abzusehen war. Bär tot, Jäger Sündenbock, Bildzeitung Titelseite.
Möchte gar nicht wissen was der Quatsch wieder gekostet hat.
Wer jetzt ein Problem mit dem Abschuß hat dem empfehle ich einen Besuch im Schlachthof - oder vielleicht auf einer Putenfarm?
Verfasst: Dienstag 27. Juni 2006, 18:33
von Kickers-Oli
welch passender Vergleich
Verfasst: Dienstag 27. Juni 2006, 19:24
von DirtyToby
Kickers-Oli hat geschrieben:welch passender Vergleich
Ich wollte dazu eigentlich nichts mehr schreiben, aber wenn du das schon sagst, schließe ich mich an...

Verfasst: Mittwoch 28. Juni 2006, 08:09
von Martin
Verfasst: Mittwoch 28. Juni 2006, 13:10
von Überlinger
Heiko K. hat geschrieben:...Möchte gar nicht wissen was der Quatsch wieder gekostet hat...
Wenn ichs richtig aufgeschnappt habe, dann sind es ca. 120.000 Euro!
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2006, 11:17
von Jean-Luc Girard
dazu ein schöner Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung:
Sein Werk wird bleiben
Er war der zwölfte Mann. Darum der Nachruf auf einen Helden: Zum Tode Brunos, des Bären.
Von Christopher Schmidt
Eher als die Jäger, die ihn am Montag in den frühen Morgenstunden erlegten, hatte ein Cartoonist ins Schwarze getroffen: Seine Zeichnung zeigt den Bären, wie er selbstverliebt mit einem Fußball zaubert, Unterzeile: das Foto des Jahres. Treffend war das nicht nur, weil Bruno, der Bär, zur WM ins Sommerloch getapst war, bevor Ottfried Fischer sich breit auf den Abfluss setzte, sondern auch, weil es vielleicht nur das Fehlen eines Gummigeschosses war, was seine Integration verhindert hat. Weil er den Jäger in sich nie sozialverträglich domestizieren konnte, musste er eine Außenseiter-Karriere als Problembär einschlagen.
Als solcher erinnerte er an die dunklen, atavistischen Urgründe der Männlichkeit und jene „protoartilleristischen Jagderfolgsgefühle“, wie das der Philosoph Peter Sloterdijk kürzlich genannt hat, die im Fußball stellvertretend ausgelebt würden. Dass Bruno zu dieser kulturellen Anpassungsleistung nicht imstande war, dafür wurde er von einer Gesellschaft bestraft, die keine Helden mehr duldet, sondern nur noch Stars. Beide unterscheide ja, so Sloterdijk weiter, dass ein Held (wie Bruno, Anm. der Red.) früh stirbt, während sich der Star überlebt. Auf den symbolischen Tod des Stars in den Medien folge die freiwillige Hermaphroditisierung zur Werbe-Ikone, durch die der abgetanzte Fußballer seine Bereitschaft zur Wiedereingliederung ins zivile Leben signalisiere.
Bruno jedoch konnte nicht nur mit seiner Popularität sehr gut leben, er setzte sein passives Aufmerksamkeitsprivileg strategisch ein; vielleicht wollte er einfach sehen, was Sloterdijk bei der WM sehen will: wie (auch sozialhistorisch) am Boden liegende Männer „wieder aufstehen“ und die gesellschaftliche Gravitation Lügen strafen. Als geborener Medienkünstler, manche sagen: Berufsprovokateur, verletzte der Bär den Konsens durch seinen oszillierenden Status zwischen Täter und Opfer. Bruno polarisierte: Die einen verwiesen auf seinen Migrationshintergrund und die problematischen Sozialisationsbedingungen im Auswilderungsprogramm, die anderen sahen in seiner Gewaltbereitschaft ein besonders eklatantes Beispiel für das Scheitern von Parallelgesellschaften. Dieser Bär, hieß es, sei gar kein Bär mehr, sondern ein urbaner Nomade mit Patchwork-Biographie. Er verhalte sich wie die tribalistischen Ghetto-Kids von Paris, da er wie diese nicht davor Halt machte, private Pkws zu demolieren. Der petz maudit arbeitete grenzüberschreitend, interventionistisch und seriell, Schafsblut und Honig waren die wichtigsten Arbeitsmaterialien seines Orgien-Mysterientheaters, und sein größter PR-Stunt war es, als er in der Nacht zum 17. Juni nach Kochel hinabstieg und vor der Polizeiwache ein Sleep-in veranstaltete.
Mittlerweile wissen wir, dass wie bei allen großen Künstlern eine starke Mutterbindung schuld war an allem. Bruno hatte nie die Chance, sich richtig abzunabeln, und seine Vorliebe fürs Urbane hatte er ebenfalls von der Mutter, die lieber shoppen ging, als für ihre Kinder Honigbrote zu schmieren. So wurde aus ihm das, was Jan Philipp Reemtsma mit Bezug auf Muhammed Ali als „dissoziiertes Individuum“ bezeichnet hat, einer, der die Grenzen sichtbar macht, indem er sie verletzt. Er war ein Pop-Rebell („live fast, die young“) und ein Frühvollendeter. Die Männer, die ihn töteten, ziehen es verständlicherweise vor, anonym zu bleiben. Wäre Bruno rechtzeitig von einem Talent-Scout des Fußballs entdeckt worden, hätte er irgendwann für Schuppen-Shampoo Werbung machen müssen. So aber ist er im Alter von zweieinhalb Jahren gestorben, als Mann und ungewaschen.
SZ v. 27.06.2006
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2006, 23:15
von Soccer-Kit
"Die haben Bruno getötet"
"Ihr SCHWEINE!"
Ach, der arme Teddy - obwohl, ich hätte dem nicht mal im hellen begegnen wollen.
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2006, 23:19
von barneygumble
Soccer-Kit hat geschrieben:"Die haben Bruno getötet"
"Ihr SCHWEINE!"
Ach, der arme Teddy - obwohl, ich hätte dem nicht mal im hellen begegnen wollen.
Der hat ja nix gemacht...
Selbst den Öschi hat er ja nicht angegriffen... :wink:
Verfasst: Mittwoch 5. Juli 2006, 13:26
von Überlinger
"Brunos" Leichnam wird Fall für Diplomatie
München/Rom - Italien will den toten "Bruno" haben. Die sterblichen Überreste des aus Südtirol stammenden Braunbären sollen nach dem Willen der italienischen Behörden nicht in Deutschland ins Museum gekommen.
Tiefgekühlt oder ausgestopft, das ist noch unklar - auf jeden Fall soll das in Bayern abgeschossene Tier in seine Heimat zurückkehren. Diese Woche lief im bayerischen Umweltministerium das Schreiben aus dem Fax, in dem Rom offiziell die Rückgabe des Braunbären mit dem offiziellen Namen "JJ1" verlangt. Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) will sich nun beraten und dann entscheiden, ob er den Bären hergibt - "Bruno" wird zum Fall für die Diplomatie.
"Der Braunbär war Teil eines auf italienischem Staatsgebiet durchgeführten Projekts zur Wiedereingliederung der Braunbären in der Adamello-Brenta-Gruppe und ist somit Eigentum des italienischen Staates", heißt es in dem vom italienischen Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio persönlich unterzeichneten Schreiben. Die Anfrage fuße nicht auf einem bestimmten Paragrafen, sondern habe "eher emotionale Hintergründe", meint der Sprecher des bayerischen Ministeriums, Roland Eichhorn. In italienischen Medien hatte es geheißen, der erschossene "Bruno" dürfe nicht zu einer Touristen-Attraktion werden.
Was Italien allerdings mit den Resten des Kadavers anfangen will, ließ Rom offen - für die genauen Modalitäten der Rückgabe solle sich Bayern an das italienische Forstministerium wenden. Übrig sein dürften wahrscheinlich ohnehin nur noch Haut und Knochen sowie die in Chemikalien eingelegten Organe - das Fleisch sollte in der Tierkörperbeseitigung landen.
Der sprichwörtliche Streit um das Fell des Bären tobt schon, seit das Tier tot ist. Während der Freistaat den ersten Braunbären in Bayern seit 170 Jahren im Münchner Museum "Mensch und Natur" zeigen will, kündigte Ex-Skistar Markus Wasmeier an, er werde sich darum bemühen, dass der Bär in sein 25 Hektar großes Bauernhofmuseum in Schliersee kommt. Auf der Rotwand südlich des Ferienortes war "JJ1" erlegt worden. Doch auch die Schlierseer Nachbargemeinde Bayrischzell beansprucht "Bruno" für sich - denn schließlich war es ihr Gebiet, auf dem "Bruno" vor gut einer Woche im Morgengrauen abgeschossen wurde.
Seitdem kocht der Volkszorn. Tierschützer in Berlin demonstrierten unter dem Motto "Wir alle sind Bruno" für die Abschaffung der Jagd. Auf Transparenten hieß es "Alle Jäger sind Bruno-Töter". Im bayerischen Umweltministerium, das den Bären zum Abschuss freigegeben hatte, gehen Morddrohungen ein. Mitarbeiter vertrauten dem "Münchner Merkur" anonym an, sie erhielten Anrufe und E-Mails mit dem Tenor "Ich schlitz' dich auf" oder andere massive Drohungen. "Das verfolgt mich bis in den Schlaf", sagte eine Mitarbeiterin der Zeitung. "Ich frage mich, wohin die Menschheit geht."
Auch der Landesjagdverband Bayern klagt über eine Flut von E-Mails - obwohl sich der Verband von Anfang an von dem Abschuss distanziert hatte. Die Staatsanwaltschaft München II prüft inzwischen neben Anzeigen gegen Schnappauf und die Jäger wegen möglicher Verstöße gegen Tierschutz- und Bundesnaturschutzgesetz auch eine Reihe von Bedrohungen mit Mord und anderen Verbrechen.
Der erst zweijährige Bär, auf den menschlichen Namen "Bruno" getauft, sei für die Menschen "eine Art Haustier" und "Symbol des jungen Teddybären" geworden, erläutert der Medienpsychologe Stephan Lermer die aufgeheizte Stimmung. Bei denjenigen, die Drohungen in die Welt setzten, handele es sich teils um extreme Persönlichkeiten unter denjenigen, die sich als Anwälte der Tiere betrachteten, oder unter Menschen, die Tiere ohnehin für die "besseren Menschen" hielten. Zudem gebe es neurotische Trittbrettfahrer, die eine latente Aggressionsbereitschaft hätten und hier endlich ein Ventil sähen. Die Absagen vieler Touristen in den Gemeinden um den Abschussort seien irrational, aber psychologisch verständlich. "Es wird pauschalisiert", sagt Lermen und fasst zusammen: ""Bruno" ist zum Märtyrer mutiert."
Quelle: dpa