StN: Adrion moniert Lügen und Scheinheiligkeit im Fußball
Verfasst: Donnerstag 30. Oktober 2003, 09:11
Der gefeuerte Kickers-Trainer Adrion moniert Lügen und Scheinheiligkeit im Fußball
"Das ist nicht mehr meine Welt"
Stuttgart - Der Fußball im professionellen Bereich ist nicht mehr die Welt von Rainer Adrion. "Lügen und Scheinheiligkeit in der Zusammenarbeit gehören mittlerweile zum Geschäft. Ich überlege mir ernsthaft etwas anderes zu machen", sagt der von den Stuttgarter Kickers gefeuerte Trainer.
Herr Adrion, können Sie denn mit ein bisschen Abstand Ihren Rauswurf verstehen?
Letztendlich war mein Angebot, auf die Hälfte meines Gehalts zu verzichten, entscheidend.
Damit haben Sie sich praktisch selbst entlassen.
Mir ging es einfach nicht ums Geld, sondern um ein perspektivisches Arbeiten. Und dafür wollte ich einen Vertrauensbeweis. Jetzt ist mir klar, dass die Zukunft ohnehin ohne mich gelaufen wäre.
Sie kennen doch aber die Schnelllebigkeit des Geschäfts.
Genau deshalb mache ich mir derzeit viele Gedanken über den Beruf des Fußball-Lehrers. Lügen und Scheinheiligkeit in der Zusammenarbeit gehören inzwischen wohl zum Geschäft. Das ist nicht mehr meine Welt. Darauf reagiere ich immer sensibler.
Im Laufe der Zeit müsste Ihnen doch eine Hornhaut auf der Seele gewachsen sein.
Bei mir ist das eben nicht der Fall. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ein bisschen naiv, aber ich bin und bleibe ein Typ, der stets ein Miteinander herstellen möchte. Ich brauche eine gewisse Harmonie. Ich bin kein Söldner, der kommt, den Hammer auspackt, draufhaut und wieder verschwindet.
In gewissen Situationen braucht es doch aber eine gewisse Härte.
Vielleicht kommt meine Art immer weniger an. Heutzutage wird doch erwartet, dass man diese Härte öffentlich zeigt, das nennen viele professionell. Es reicht nicht mehr, einen Spieler intern zusammenzustauchen.
Das klingt so, als hätten Sie mit dem Profifußball abgeschlossen.
Ich werde immer ein Fußball-Verrückter bleiben. Aber ich überlege mir in der Tat ernsthaft, etwas anderes zu machen. Vielleicht trainiere ich auch eine unterklassige Mannschaft, oder ich leite einen Verein.
Sie wollen Präsident werden?
Ich könnte mir gut vorstellen, in einem Verein Managementaufgaben wahrzunehmen, perspektivisch zu arbeiten.
Ihr Ex-Club, der Oberligist SpVgg 07 Ludwigsburg, könnte Sie gut gebrauchen.
Es gibt keine Kontakte, aber grundsätzlich ist natürlich auch ein Engagement in dieser Spielklasse für mich denkbar.
Interview: Jürgen Frey
Aktualisiert: 30.10.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/s ... php/536581
"Das ist nicht mehr meine Welt"
Stuttgart - Der Fußball im professionellen Bereich ist nicht mehr die Welt von Rainer Adrion. "Lügen und Scheinheiligkeit in der Zusammenarbeit gehören mittlerweile zum Geschäft. Ich überlege mir ernsthaft etwas anderes zu machen", sagt der von den Stuttgarter Kickers gefeuerte Trainer.
Herr Adrion, können Sie denn mit ein bisschen Abstand Ihren Rauswurf verstehen?
Letztendlich war mein Angebot, auf die Hälfte meines Gehalts zu verzichten, entscheidend.
Damit haben Sie sich praktisch selbst entlassen.
Mir ging es einfach nicht ums Geld, sondern um ein perspektivisches Arbeiten. Und dafür wollte ich einen Vertrauensbeweis. Jetzt ist mir klar, dass die Zukunft ohnehin ohne mich gelaufen wäre.
Sie kennen doch aber die Schnelllebigkeit des Geschäfts.
Genau deshalb mache ich mir derzeit viele Gedanken über den Beruf des Fußball-Lehrers. Lügen und Scheinheiligkeit in der Zusammenarbeit gehören inzwischen wohl zum Geschäft. Das ist nicht mehr meine Welt. Darauf reagiere ich immer sensibler.
Im Laufe der Zeit müsste Ihnen doch eine Hornhaut auf der Seele gewachsen sein.
Bei mir ist das eben nicht der Fall. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ein bisschen naiv, aber ich bin und bleibe ein Typ, der stets ein Miteinander herstellen möchte. Ich brauche eine gewisse Harmonie. Ich bin kein Söldner, der kommt, den Hammer auspackt, draufhaut und wieder verschwindet.
In gewissen Situationen braucht es doch aber eine gewisse Härte.
Vielleicht kommt meine Art immer weniger an. Heutzutage wird doch erwartet, dass man diese Härte öffentlich zeigt, das nennen viele professionell. Es reicht nicht mehr, einen Spieler intern zusammenzustauchen.
Das klingt so, als hätten Sie mit dem Profifußball abgeschlossen.
Ich werde immer ein Fußball-Verrückter bleiben. Aber ich überlege mir in der Tat ernsthaft, etwas anderes zu machen. Vielleicht trainiere ich auch eine unterklassige Mannschaft, oder ich leite einen Verein.
Sie wollen Präsident werden?
Ich könnte mir gut vorstellen, in einem Verein Managementaufgaben wahrzunehmen, perspektivisch zu arbeiten.
Ihr Ex-Club, der Oberligist SpVgg 07 Ludwigsburg, könnte Sie gut gebrauchen.
Es gibt keine Kontakte, aber grundsätzlich ist natürlich auch ein Engagement in dieser Spielklasse für mich denkbar.
Interview: Jürgen Frey
Aktualisiert: 30.10.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/s ... php/536581