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Für Jürgen Klinsmann ist das Projekt 2006 beendet

Verfasst: Freitag 14. Juli 2006, 00:39
von Basti
Zurück in die Normalität
Für Jürgen Klinsmann ist das Projekt 2006 beendet

VON MIKE SCHIER
München - Wenigstens an der Wortwahl hat sich nichts geändert: Jürgen Klinsmann spricht von "Power" und "Energie". So hat er während der Weltmeisterschaft erst seine Mannschaft und dann die ganze schwarz-rot-goldene Fangemeinde zu Höchstleistungen angestachelt - bis beide auf der ganzen Welt Respekt ernteten. Klinsmann ist auch zwei Tage nach der WM noch der alte.

Doch der Tenor ist plötzlich ein ganz neuer: Er habe "sehr viel Kraft gelassen" in den letzten Wochen, sagt er bei der Pressekonferenz, die von Frankfurt aus ins ganze Land übertragen wird. Er fühle sich "im Moment absolut nicht im Stande, diese Arbeit mit der gleichen Energie und der gleichen Power weiterführen zu können. Ich habe das Gefühl, innen einfach ausgebrannt zu sein." Damit ist es offiziell: Die Mini-Ära Klinsmann ist vorbei.

Wer genau hingesehen hat, konnte Klinsmanns Abschied bereits erahnen. Erst hatte er freundlich lächelnd wiederholt, er wolle sich zunächst mit seiner Familie beraten, ehe er eine Entscheidung treffe. Doch je lauter der Chor derer anschwoll, die ihn zum Bleiben überreden wollten - von der Kanzlerin über den Kaiser bis zur "Bild"-Zeitung -, desto leiser wurden Klinsmanns Erklärungen zu seiner Zukunft.

"Ich habe das Gefühl, innen einfach ausgebrannt zu sein."
Jürgen Klinsmann


Nach der Niederlage im Halbfinale gegen Italien sei ihm "der Gedanke erstmals durch den Kopf geschossen", berichtet der frisch gebackene Ex-Bundestrainer. Am Sonntag, nach der großen Jubelfeier auf der Fan-Meile in Berlin, zog er sich dann mit seiner Frau Debbie nach Baiersbronn in den Schwarzwald zurück. "Sie hat mir die Entscheidung ganz alleine überlassen und mir volle Rückendeckung versichert", sagt Klinsmann.

Doch die Entscheidung ist bereits gefallen. Am Montag informiert er seinen Assistenten und Nachfolger Joachim Löw im Vier-Augen-Gespräch. Am Dienstagnachmittag telefoniert er mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, dann mit dem geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger. Am Abend trifft sich eine größere Runde in Stuttgart, wo die Berufung Löws besiegelt wird. Als alles geklärt ist, verspürt Klinsmann nur noch "den großen Wunsch, wieder in die Normalität mit der Familie überzugehen".

Also war es doch die Familie, oder? Mit keinem Wort erwähnt Klinsmann bei der Pressekonferenz die Monate vor der WM, als er im ganzen Land als Problemfall des deutschen Fußballs ausgemacht worden war. Die Dauerdebatten über seinen Wohnsitz im Süden Kaliforniens, die ewige Torwartfrage und sein für viele übertriebenes Zutrauen in die Jugend - Klinsmann dürfte das alles nicht vergessen haben. Nach dem "Fiasko von Florenz" (FAZ), der 1:4-Niederlage in Italien, hatten alle auf den Trainer-Pendler eingetreten - von Franz Beckenbauer bis zur "Bild"-Zeitung. Bei Angela Merkel bedankte er sich am vergangenen Samstag während der Siegerehrung nach dem "kleinen Finale" ausdrücklich dafür, dass sie ihm in dieser Zeit den Rücken gestärkt hatte.

Doch Merkel stand in der Politik damals weitgehend allein. Selbst der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), oder der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz meinten, den Deutschen Fußball-Bund und seinen Trainer attackieren zu müssen. "Der DFB hätte sich niemals darauf einlassen dürfen, dass der Bundestrainer ein Mega-Ereignis wie die WM aus Kalifornien betreut", sagte der bis dato nicht als Fußball-Experte in Erscheinung getretene Wiefelspütz.

Ob Klinsmann darüber rückblickend lachen kann, ist nicht überliefert. Möglich wäre es. Fraglicher ist, ob er auch die Widerstände im DFB inzwischen amüsant findet. Dessen Vorsitzenden Mayer-Vorfelder dankt er beim Abschied zwar den Tränen nahe für den Beistand "am Grab meines Vaters", was den Ex-Präsidenten des damaligen Klinsmann-Clubs VfB Stuttgart "bewegt und berührt". Doch unvergessen sind sicher auch die Auseinandersetzungen vor der WM. Immer wieder legten ihm die Funktionäre bei seinem Projekt, das Klinsmann im Stile eines US-Managers "Challenge 2006" nannte, Steine in den Weg. So wollte Klinsmann unbedingt den Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters als Sportdirektor durchdrücken, stattdessen setzte ihm der DFB Matthias Sammer ins Boot.

"Beim Jürgen kommt's ja vom Fliegen."
Joachim Löw in Anspielung auf die Wohnsitzdebatte auf die Frage, warum Klinsmann so ausgebrannt sei


Feine Ironie: Von Sammer war während der WM nichts zu sehen, dafür wurde das Modell des "Fußballdirektors Peters" andernorts verwirklicht - bei der TSG Hoffenheim in der Regionalliga-Provinz.

Das alles dürfte eine Rolle gespielt haben bei Klinsmanns Entscheidung. Hinzu kommen hartnäckige Gerüchte, Klinsmann habe das Angebot, die USA als Trainer an die Weltspitze heranzuführen. Gestern wiegelte der amerikanisierte Deutsche erneut ab. Es gebe "keine Kontakte". Außerdem wolle er "in nächster Zeit überhaupt keinen neuen Job annehmen", um den "Akku aufzuladen". Zumindest Letzteres würde einem Engagement in den USA keineswegs widersprechen: Der Vertrag des aktuellen US-Trainers Bruce Arena läuft laut "New York Times" bis zum Jahresende. Und im Januar wäre der Klinsmann-Akku bestimmt wieder voll.

:arrow: http://www.merkur-online.de/nachrichten ... 5f417cbd6e
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man beachte den Artikel mal ganz genau - na? wer findets zuerst?

Verfasst: Freitag 14. Juli 2006, 07:01
von Ralphonso
ich, hätte es aber schier übersehen ;)