Mötzingen Hooligans überfallen Österreich...
Verfasst: Freitag 21. Juli 2006, 22:09
Sodele! Tim war mal wieder on Tour, diesmal im Osiland, und da er selbst seine Berichte nicht online stellen darf/kann, mach ich das:
"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Arbeitsam und liederreich. Großer Väter freie Söhne, Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich." So beginnt die Nationalhymne Österreichs. Und in diesem Land beginnt für mich persönlich auch die Fußball-Saison 2006/2007. Denn vielgerühmt ist die Alpen-Republik nicht nur wegen der Berge, Strome, Äcker und Dome, sondern vor allem wegen des Ferien-Tickets der ÖBB. Und das kann im Vergleich zu Deutschland einiges mehr: gilt über 2 Monate lang, gilt nicht nur für einzelne Bundesländer, sondern fürs ganze Land und kostet gerade mal 50 Steine (für U20-Jährige sogar nur 20 Euro). Und das Beste ist: Für dieses Schüler-Ferien-Ticket muss man noch nicht mal Schüler sein, geschweige denn Österreicher. Nein, wer unter 26 Jahre alt ist und die Kröten beim ÖBB-Bahnhof seines Vertrauens auf den Tresen werfen kann, ist dabei. Einziger Haken: Man muss zusätzlich eine ÖBB-VorteilsCard kaufen. Die kommt unserer BahnCard gleich, gibt 50 % Ermäßigung in Österreich, weitere 25 % für Bahnfahrten im Ausland, kostet für U26-Jährige nur 19 Euro und gilt ein ganzes Jahr lang. Also auch keine schlechte Anschaffung. So, jetzt aber genug die Werbetrommel für die ÖBB gerührt, schließlich beginnt nach dem WM-Zauber in Europa wieder so nach und nach der Liga-Alltag. In Österreich ungewöhnlicherweise an einem Dienstag mit dem Spitzenspiel Austria Wien vs. Grazer AK. Zudem stehen am Mittwoch einige nette Spielchen auf dem Plan, darunter Mattersburg vs. Rapid Wien und Sturm Graz vs. Wacker Innsbruck. Was genau gefahren wird - beide Spiele versprechen interessant zu werden - soll das auf der Fahrt spontan entschieden werden. Dann mal los. Den ICE-Luxus über München gibt die Reisekasse natürlich nicht her, so geht es am Dienstag Morgen um 5:53 Uhr im Heimathafen MÖ-City los. Über Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen und Lindau ist die Ösi-Grenze binnen knapp 5 Stunden erreicht - so zumindest der Plan. Naja, wäre ich Blödmann nicht am Vorabend noch ne Runde im Nachtleben abgetaucht, was mir letztendlich nur 2 Stunden Nachtruhe einbrachte. Im Zug von Tübingen nach Aulendorf wird folgerichtig noch etwas abgeruht, allerdings eine Spur zu viel und von den Idioten im Zug sieht es natürlich keiner für nötig, mich zu wecken. Als ich so langsam mal wieder wach werde, ist der Zug mittlerweile wieder auf dem Weg zurück nach Tübingen. Wuuuaaah, Alptraum, oder was?? Kacke, wie kann das passieren? Am besten am nächsten Bahnhof raus, gegebenenfalls nach Lindau mit dem Taxi fahren oder was weiß ich was. Leider heißt der nächste Bahnhof Altshausen und liegt so ungefähr am Arsch der Welt. Taxis natürlich Fehlanzeige, Läden oder ähnliches gibt es nicht, am Bahnhof weist lediglich ein Schild darauf hin, dass man den Fahrkartenschalter (wohl mangels Kundschaft) abgeschafft hat, der Automat aber gerne weiterhelfen würde. Na prima. Kurzer Blick auf die Landkarte, Lindau vielleicht 70 km entfernt, das wäre für ein Taxi eh zu viel. Wenigstens kommt in 20 Minuten wieder ein Zug nach Aulendorf, das ist besser als nichts. Dummerweise scheinen an diesem sonnigen Dienstag sämtliche Schulklassen Baden-Württembergs den Bodensee zum Ausflugsziel auserkoren zu haben, die Züge lassen entsprechend auf sich warten. Auch in Aulendorf hat der Zug Verspätung, ich bin derweil kräftig am abhassen. Das geht ja alles schon mal gut los. Ursprünglich sollten in Wien 55 Minuten Zeit sein, um vom Westbahnhof zum Horr-Stadion zu kommen. Müsste eigentlich ausreichen, dieser Plan kann nun getrost zerrissen werden. Ab jetzt gilt es sich nach Gespür durchzuschlagen. Eigentlich ne feine Sache, aber mit Zeitdruck leicht hemmend. Eine Stunde dem Zeitplan hinterherhinkend erreiche ich dann endlich Feldkirch in Vorarlberg. Fehlinvestition des Tages war übrigens das BW-Ticket, wurde ich von Mötzingen bis nach Feldkirch nicht ein einziges Mal nach ner Fahrkarte kontrolliert. Naja, dafür wenigstens die Stunde von Lindau nach Feldkirch ohne Fahrschein unterwegs gewesen, das gleicht sich also wieder aus. Nächster Halt: Ferien-Ticket kaufen. Antrag ausfüllen, Lichtbild ist im Gepäck dabei, jetzt hab ich nur noch ne kleine Frage: Bei Herkunftsland sind drei Buchstaben hinzuschreiben, was soll ich da hinkritzeln? GER? DEU? Der Ösi-Bahn-Manne nimmt seinen ganzen Schmäh zusammen: „Gestern hieß es noch BRD. Oder hobt’s ihr seit heute Morgen wieder an Führer?“ Witzig, witzig, sag mir mal lieber, wann der nächste Zug nach Wien fährt! So recht will ich meinen Ohren nicht trauen, als der da was von „in über ner Stunde“ faselt. Wieder so’n Adolf-Witz? Nein, tatsächlich, von Feldkirch fährt tatsächlich nur alle zwei Stunden ein Zug in die Hauptstadt. Ankunft wäre dort dann 20:35 Uhr, Anstoß im Horr-Stadion 19:30 Uhr, das war’s dann wohl… Zum Beine vertreten erst mal ne runde um den Bahnhof drehen, alles sehr gemütlich hier, da lässt es sich aushalten. Am Imbiss erst mal ne Bosna-Spezial, im Billa 2 Dosen pfandfreien Almradler (Almdudler + Bier). Ist zwar leicht prollig um die Uhrzeit, aber hier kennt mich ja keiner, hehe… Den einzigen, den ich hier erwartet hätte, wäre Vorarlberg-Fan Albstädter, der vielleicht spontan ähnliche Ferien-Ticket-Gedanken hegen könnte und mir hier über den Weg läuft. War aber natürlich nicht so. Gegen 13 Uhr mal wieder in den Bahnhof geschlappt und völlig begeistert festgestellt: fährt von diesem kleinen Kaff aus doch tatsächlich ein Direkt-Zug nach Belgrad und einer nach Zagreb. Unfassbar. Aber zurück zu den aktuellen Problemen: Was jetzt machen? Die Schluss-Minuten im Horr-Stadion anschauen? Naja, ich weiß ja nicht. Kurzer Blick auf den Zugplan, aha, kurz vor 19 Uhr läuft der Zug am Linzer Hbf ein, mal gleich ne SMS an Schwandl schicken, vielleicht ist ja Testspiel-Terror in Linz. Ja, tatsächlich, 19 Uhr Union St. Florian gegen Vorwärts Steyr. Den Ground hab ich zwar schon, aber eine bessere Alternative als 10 Minuten Horr-Stadion, dazu dürfte es mit den Linzern abwechslungsreich werden, die sich den Kick des Liga-Konkurrenten ebenfalls anschauen wollen. Na gut, noch etwas pennen und die Boulevard-Blättchen „Kurier“ und „Krone“ durchblättern - ein Kult, die Welt aus der Sicht Österreichs - dann ist einige Stunden später mit dem modernen IC die Donaustadt Linz erreicht.
Testspiel am 18.7.2006
Union St. Florian vs. Vorwärts Steyr
1:0
Als ich aussteige, denke ich erstmal, in der falschen Stadt zu sein. Wow, der Hbf hat sich ja mächtig verändert. Aus der verkommenen, siffigen Dauerbaustelle ist ein riesiger Glaskomplex geworden, der eher an einen Flughafen erinnert. Überhaupt hat sich seit dem letzten Besuch einiges verändert, inzwischen gibt es in Linz sogar eine U-Bahn. Ok, 3 Stationen, aber immerhin ein Anfang. Nicht verändert haben sich hingegen Schwandl und Mario, die mit Sonnenbrille auf der Nase am Bahnsteig auf mich warten und bereits die Überwachungskameras inspizieren. Steht am Gleisaufgang doch ein Paket mit mutmaßlich wertvoller Fracht, das in der Sammlung noch fehlt, hehe. Weitere Entdeckung des Tages: Mario ist ein ziemlicher Rennfahrer am Steuer, vor dem würden wohl selbst die Autos in Belgrad ausweichen - und das will ja was heißen! Kurz wird über den Stand der Dinge in beiden Szenen philosophiert, dann geht es ab nach St. Florian. Eintritt wird keiner verlangt, dazu gibt es Käsekrainer mit Kartoffelsalat und Beilagen für nur 2,80 Euro. Das fetzt. Zuschauer sind etwa 200 da, darunter 50 (1 Zaunfahne) vom Sechstligisten aus Steyr. Der SK Vorwärts (größter Erfolg: Pokalfinale 1949; 2:5 gegen Austria Wien verloren) spielte bis 1999 sogar in der österreichischen Bundesliga, ihm wurde aber die Lizenz verweigert und man fing in der untersten Liga komplett neu an. Nach wie vor ist Vorwärts aber ein Fanmagnet, zumindest im Amateur-Fußball. Gegen den Regionalligisten aus dem Linzer Vorort St. Florian verliert man dennoch, wenn auch knapp. Einschätzung der Linzer nach dem Spiel: "Die sind für uns dieses Jahr keine Bedrohung." Naja, hoffen wir es mal. Wir gondeln zurück nach Linz, setzen Schwandl mal eben an der Straßenbahn ab (wohnt der doch tatsächlich an einer Haltestelle mit Namen "Herz-Jesu-Kirche" - wie passend, hehe), lassen uns am Döner-Laden noch ne Runde Stiegl-Bier raus und chilln uns dann vor Marios Fernseher, über dem in dem Moment die BBC-Dokumentation über Hooligans flimmert. Genächtigt werden darf auf dem Sofa der Pyromanen-Kult-WG (Mario wohnt inzwischen mit Raxi zusammen), die am Morgen ganz harmonische Züge annimmt. Geweckt werde ich nämlich mit feinem Kaffee-Duft, Mario macht dort weiter, wo er gestern aufgehört hat: mit Gastfreundschaft. Es wird gemütlich zusammen gefrühstückt, noch schnell ne Dusche nehmen und dann ab zur Straßenbahn - Danke Mario, auf bald. Noch schnell im Spar Proviant einkaufen, dann aber rein in den Zug nach…
Österreich 1. Liga am 19.7.2006
SK Sturm Graz vs. FC Wacker Innsbruck
2:3
Graz. Genau, die ehemalige Terminator-Arena soll es sein. Zwar verspricht der Rapid-Gästeanhang in Mattersburg massig Attraktivität (das immer noch von Österreich besetzte ungarische Burgenland ist nicht weit von Wien entfernt) und der Ground ist mit dem Gegner kaum besser zu machen, andererseits hab ich natürlich meine ganz besondere Beziehung zu Innsbruck: bin ja dort quasi aufgewachsen, kenne die Stadt und die Szene recht gut, habe als kleiner Junge viele Wacker-Spiele im alten Tivoli-Stadion gesehen. Außerdem sind Ferien, mit ner Busladung VK'91 sollte zu rechnen sein. Gut, machen wir es so. Durch malerische Landschaften geht es mit der Bimmelbahn bis zum Knotenbahnhof Selzthal, ein wahres Urlaubsparadies hier, folgerichtig klebe ich beinahe die ganze Fahrt am Fenster. Mit dem Intercity geht es weiter nach Graz, alles pünktlich erreicht, somit ist reichlich Zeit für Sightseeing. Die Stadt kann deutlich mehr als erwartet, die engen Gassen und Altbaufassen sind top, Moderne und Tradition sind gekonnt miteinander verknüpft. Bestes Beispiel dafür ist das top-moderne Kunstmuseum am Südtiroler Platz. Es können einige Fotos geschossen werden, am meisten natürlich rund um den Hauptplatz im I. Bezirk (wie auch in Wien sind die Stadtteile nach Zahlen durchnummeriert). Noch ein Foto zusammen mit Kollega Mozart, dann wird es aber Zeit für Erledigungen. Schließlich soll der Nachtzug „Zürichsee“ nach - na klar - Zürich schon um 21:35 Uhr fahren, die ÖPNV-Anreise zurück zum Hbf nach Spielende muss nahtlos geplant werden. Die Alternative wäre, hier 650 km von der Heimat entfernt am wohl unsympathischsten Bahnhof der Welt nächtigen zu müssen. Dummerweise fährt die Straßenbahn vom Stadion aus nicht in den Abendstunden, wegen Gleisarbeiten oder so werden Ersatzbusse eingesetzt. Naja, läuft mir nicht wirklich rein. Außerdem muss das Stadion somit 5 Minuten früher verlassen werden. Alternative wären zwar die Ultras Gelesenkirchen, die derzeit im Trainingslager in der Nähe verweilen, am Abend losfahren und mich mitnehmen würden bis Salzburg oder so. Allerdings müsste dann die Nacht in Salzburg verbracht werden, dazu wäre ich noch ein paar Stunden später zu Hause - aber trotzdem vielen Dank nach Schalke. So, jetzt aber erst mal aufs Spiel freuen. Schnell noch nen Apfelstrudel in "Heidis Café" verdrücken, dann ab zum ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion, wo schon einiges vorm Stadion los ist. 6.000 Zuschauer sollen heute insgesamt kommen. Karten gibt es für die Haupttribüne für 12 Euro ermäßigt mit guter Sicht auf beide Blöcke, nach nem Ausweis fragt hier niemand - sehr schön. Zum Anpfiff ist der Bus der Verrückten Köpfe ´91 aus Innsbruck noch nicht eingetroffen, dafür machen die drei großen Grazer Gruppen (Sturmflut, Brigate und Jewels <<< alle zwischen 1994 und 1996 gegründet worden, somit hat die Ultrá-Kultur hier schon auffallend lange Fuß gefasst) schon ordentlich Alarm. Nach einer Schweigeminuten für einen Grazer Politiker geht es sofort los, ungewöhnlicherweise zwar gleich mit einem Wechselgesang, aber der kommt brachial laut rüber und wird 5 Minuten lang durchgesungen. Ist vielleicht auch Usus hier, keine Ahnung, jedenfalls überrascht mich das ganze doch sehr, hat Graz hierzulande ja nicht so den extremen Ruf. Lediglich die Freundschaft der Brigate zur Viole Maribor vom benachbarten NK Maribor aus Slowenien (ein Katzensprung hinüber ins ehemalige Jugoslawien) war mir bekannt. Nun gut, weiß ich also, dass sich ein Derby gegen den GAK sicherlich lohnen dürfte, wenngleich Sturm in Graz als Arbeiterverein gilt und die Massen anzieht, somit sicherlich ne Ecke mehr drauf hat als GAK. Nach 10 Minuten trifft endlich die Busladung der VK'91 unter lauten "Innsbrucker Arschlöcher"-Gesängen im Stadion ein. Die pöbeln ganz italia-like, es sind ja auch keine 20 Minuten mit dem Auto von Innsbruck bis Italien, zugleich ist man mit den Ultras von Atalanta Bergamo befreundet. Aus seiner extremen politisch linken Gesinnung macht man keinen Hehl, so muss es sein, 90 Minuten am Stück (!!) schwenkt man Che Guevara-, Palästina-, Bergamo- und Antifa-Fahnen, dazu eine Riesen-Schwenkfahne mit der Aufschrift "Verrückte Köpfe" - Respekt an die Oberarme des Schwenkers!! Vom Support her weit über die Hälfte italienisch, auch wenn die rund 70 Innsbrucker ein wenig untergehen bei der Lautstärke der Grazer. Hier macht nämlich stellenweise das ganze Stadion mit. Ich bin fast schon beeindruckt, das habe ich so nicht erwartet. Nervig allerdings dieser ganze Kommerz-Dreck im Stadion: massig Werbebanden, die Spieler sind rennende Littfasssäulen, ständig ballert einen die Anzeigetafel mit Werbeclips zu. Dafür fetzt das Spiel ziemlich, welches die Innsbrucker mit 3:2 gewinnen könne. Natürlich gönne ich es den Tirolern, auch wenn die Sturm-Equipe (ständig von Finanz-Problemen gebeutelt) von Franco Foda und Abwehr-Chef Frank Verlaat (aka Wanderhure) damit nach dem Punkabzug weiterhin -3 Punkte auf dem Konto hat. Schade vor allem, weil Sturm-Stürmer Oliver Nzuzi Niati Polo aus dem Kongo einfach mit das geilste ist, was ich je gesehen hab. Der Typ bei den Kickers und alle Probleme wären gelöst. Eine Gazelle, unglaublich, gewinnt jeden Zweikampf, so sieht Fußball aus. Trotzdem müssen so langsam die Segel gesetzt werden, 10 Minuten vor Abpfiff dreh ich noch mal schnell ne Runde ums Stadion zum Gästeblock hin, hier wird bereits alles hermetisch verriegelt, etwa 150 Polizisten warten schon mit Knüppel, Helm und Schildern, um die 70 Innsbrucker in den Bus zu stecken - die haben nun mal ihren Ruf, hehe. Dann ab zur Bushaltestelle, jetzt muss der Zeitplan funktionieren. Doch - aaaaaaaaaaaaaaaaaaah - fünf Minuten vor Abfahrt laut Fahrplan seh ich nur noch die Rücklichter vom Bus, das darf doch wohl nicht war sein bzw. in einer Stadt dieser Größe gar nicht passieren, dass Busse zu früh abfahren. Und jetzt? Erst mal abhassen, dann nen klaren Gedanken fassen, jippie, da vorne steht ein Taxi, aha, Fahrer ist Serbe. Naja, wenn's einer schafft, sich durch den Stadion-Abfahrts-Stau zu boxen, dann der. Für'n 10er drückt der kräftig auf die Tube, alles läuft wie geschmiert, weil halt auch mal rote Ampeln ignoriert werden ("Hoffentlich nix Blitzer kommen" - ein Kult!!) und so wird der Grazer Hbf 5 Minuten vor Abfahrt des Nachtzuges erreicht. Bestens, da kann ja noch kurz im Spar vorbeigeschaut werden und etwas Proviant rausgelassen werden, vor allem halt die leckeren Punsch-Krapfen, auf die ich schon als Kind in Innsbruck abgefahren bin. Ein nettes Plätzchen zwischen lauter Bosniern ist schnell gefunden (die nachts plötzlich anfangen, muslimische Melodien zu singen - Exotik pur, hehe) und 6:31 Uhr wird Feldkirch pünktlich erreicht. Rein in den Zug back to Germany, in Lindau noch ne Stunde bis 9 Uhr abflacken, bin das BW-Ticket gilt (was in Lindau alles andere als schwer ist, zumal der - in meinen Augen schönste in Deutschland - Hbf mitten auf ner Insel liegt) und gegen 14 Uhr ist die Heimat wieder erreicht. Über 17 Stunden Zugfahrt ballern zwar schon rein, dafür ist das Ganze aber schweine-billig und für das Spiel hat es sich gelohnt.
Bilder:
http://www.directupload.net/show/d/765/NSOf45Ye.jpg
Innsbrucker Mob
http://www.directupload.net/show/d/765/6FkTRH68.jpg
Grazer Intro
http://www.directupload.net/show/d/765/2uSQY8P9.jpg
Sightseeing...
http://www.directupload.net/show/d/765/478x7uPM.jpg
Bahnhof auf dem Weg nach Selzthal
http://www.directupload.net/show/d/765/OoylCp6b.jpg
Ne typische Straße in Graz
"Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome. Arbeitsam und liederreich. Großer Väter freie Söhne, Volk begnadet für das Schöne, Vielgerühmtes Österreich." So beginnt die Nationalhymne Österreichs. Und in diesem Land beginnt für mich persönlich auch die Fußball-Saison 2006/2007. Denn vielgerühmt ist die Alpen-Republik nicht nur wegen der Berge, Strome, Äcker und Dome, sondern vor allem wegen des Ferien-Tickets der ÖBB. Und das kann im Vergleich zu Deutschland einiges mehr: gilt über 2 Monate lang, gilt nicht nur für einzelne Bundesländer, sondern fürs ganze Land und kostet gerade mal 50 Steine (für U20-Jährige sogar nur 20 Euro). Und das Beste ist: Für dieses Schüler-Ferien-Ticket muss man noch nicht mal Schüler sein, geschweige denn Österreicher. Nein, wer unter 26 Jahre alt ist und die Kröten beim ÖBB-Bahnhof seines Vertrauens auf den Tresen werfen kann, ist dabei. Einziger Haken: Man muss zusätzlich eine ÖBB-VorteilsCard kaufen. Die kommt unserer BahnCard gleich, gibt 50 % Ermäßigung in Österreich, weitere 25 % für Bahnfahrten im Ausland, kostet für U26-Jährige nur 19 Euro und gilt ein ganzes Jahr lang. Also auch keine schlechte Anschaffung. So, jetzt aber genug die Werbetrommel für die ÖBB gerührt, schließlich beginnt nach dem WM-Zauber in Europa wieder so nach und nach der Liga-Alltag. In Österreich ungewöhnlicherweise an einem Dienstag mit dem Spitzenspiel Austria Wien vs. Grazer AK. Zudem stehen am Mittwoch einige nette Spielchen auf dem Plan, darunter Mattersburg vs. Rapid Wien und Sturm Graz vs. Wacker Innsbruck. Was genau gefahren wird - beide Spiele versprechen interessant zu werden - soll das auf der Fahrt spontan entschieden werden. Dann mal los. Den ICE-Luxus über München gibt die Reisekasse natürlich nicht her, so geht es am Dienstag Morgen um 5:53 Uhr im Heimathafen MÖ-City los. Über Tübingen, Aulendorf, Friedrichshafen und Lindau ist die Ösi-Grenze binnen knapp 5 Stunden erreicht - so zumindest der Plan. Naja, wäre ich Blödmann nicht am Vorabend noch ne Runde im Nachtleben abgetaucht, was mir letztendlich nur 2 Stunden Nachtruhe einbrachte. Im Zug von Tübingen nach Aulendorf wird folgerichtig noch etwas abgeruht, allerdings eine Spur zu viel und von den Idioten im Zug sieht es natürlich keiner für nötig, mich zu wecken. Als ich so langsam mal wieder wach werde, ist der Zug mittlerweile wieder auf dem Weg zurück nach Tübingen. Wuuuaaah, Alptraum, oder was?? Kacke, wie kann das passieren? Am besten am nächsten Bahnhof raus, gegebenenfalls nach Lindau mit dem Taxi fahren oder was weiß ich was. Leider heißt der nächste Bahnhof Altshausen und liegt so ungefähr am Arsch der Welt. Taxis natürlich Fehlanzeige, Läden oder ähnliches gibt es nicht, am Bahnhof weist lediglich ein Schild darauf hin, dass man den Fahrkartenschalter (wohl mangels Kundschaft) abgeschafft hat, der Automat aber gerne weiterhelfen würde. Na prima. Kurzer Blick auf die Landkarte, Lindau vielleicht 70 km entfernt, das wäre für ein Taxi eh zu viel. Wenigstens kommt in 20 Minuten wieder ein Zug nach Aulendorf, das ist besser als nichts. Dummerweise scheinen an diesem sonnigen Dienstag sämtliche Schulklassen Baden-Württembergs den Bodensee zum Ausflugsziel auserkoren zu haben, die Züge lassen entsprechend auf sich warten. Auch in Aulendorf hat der Zug Verspätung, ich bin derweil kräftig am abhassen. Das geht ja alles schon mal gut los. Ursprünglich sollten in Wien 55 Minuten Zeit sein, um vom Westbahnhof zum Horr-Stadion zu kommen. Müsste eigentlich ausreichen, dieser Plan kann nun getrost zerrissen werden. Ab jetzt gilt es sich nach Gespür durchzuschlagen. Eigentlich ne feine Sache, aber mit Zeitdruck leicht hemmend. Eine Stunde dem Zeitplan hinterherhinkend erreiche ich dann endlich Feldkirch in Vorarlberg. Fehlinvestition des Tages war übrigens das BW-Ticket, wurde ich von Mötzingen bis nach Feldkirch nicht ein einziges Mal nach ner Fahrkarte kontrolliert. Naja, dafür wenigstens die Stunde von Lindau nach Feldkirch ohne Fahrschein unterwegs gewesen, das gleicht sich also wieder aus. Nächster Halt: Ferien-Ticket kaufen. Antrag ausfüllen, Lichtbild ist im Gepäck dabei, jetzt hab ich nur noch ne kleine Frage: Bei Herkunftsland sind drei Buchstaben hinzuschreiben, was soll ich da hinkritzeln? GER? DEU? Der Ösi-Bahn-Manne nimmt seinen ganzen Schmäh zusammen: „Gestern hieß es noch BRD. Oder hobt’s ihr seit heute Morgen wieder an Führer?“ Witzig, witzig, sag mir mal lieber, wann der nächste Zug nach Wien fährt! So recht will ich meinen Ohren nicht trauen, als der da was von „in über ner Stunde“ faselt. Wieder so’n Adolf-Witz? Nein, tatsächlich, von Feldkirch fährt tatsächlich nur alle zwei Stunden ein Zug in die Hauptstadt. Ankunft wäre dort dann 20:35 Uhr, Anstoß im Horr-Stadion 19:30 Uhr, das war’s dann wohl… Zum Beine vertreten erst mal ne runde um den Bahnhof drehen, alles sehr gemütlich hier, da lässt es sich aushalten. Am Imbiss erst mal ne Bosna-Spezial, im Billa 2 Dosen pfandfreien Almradler (Almdudler + Bier). Ist zwar leicht prollig um die Uhrzeit, aber hier kennt mich ja keiner, hehe… Den einzigen, den ich hier erwartet hätte, wäre Vorarlberg-Fan Albstädter, der vielleicht spontan ähnliche Ferien-Ticket-Gedanken hegen könnte und mir hier über den Weg läuft. War aber natürlich nicht so. Gegen 13 Uhr mal wieder in den Bahnhof geschlappt und völlig begeistert festgestellt: fährt von diesem kleinen Kaff aus doch tatsächlich ein Direkt-Zug nach Belgrad und einer nach Zagreb. Unfassbar. Aber zurück zu den aktuellen Problemen: Was jetzt machen? Die Schluss-Minuten im Horr-Stadion anschauen? Naja, ich weiß ja nicht. Kurzer Blick auf den Zugplan, aha, kurz vor 19 Uhr läuft der Zug am Linzer Hbf ein, mal gleich ne SMS an Schwandl schicken, vielleicht ist ja Testspiel-Terror in Linz. Ja, tatsächlich, 19 Uhr Union St. Florian gegen Vorwärts Steyr. Den Ground hab ich zwar schon, aber eine bessere Alternative als 10 Minuten Horr-Stadion, dazu dürfte es mit den Linzern abwechslungsreich werden, die sich den Kick des Liga-Konkurrenten ebenfalls anschauen wollen. Na gut, noch etwas pennen und die Boulevard-Blättchen „Kurier“ und „Krone“ durchblättern - ein Kult, die Welt aus der Sicht Österreichs - dann ist einige Stunden später mit dem modernen IC die Donaustadt Linz erreicht.
Testspiel am 18.7.2006
Union St. Florian vs. Vorwärts Steyr
1:0
Als ich aussteige, denke ich erstmal, in der falschen Stadt zu sein. Wow, der Hbf hat sich ja mächtig verändert. Aus der verkommenen, siffigen Dauerbaustelle ist ein riesiger Glaskomplex geworden, der eher an einen Flughafen erinnert. Überhaupt hat sich seit dem letzten Besuch einiges verändert, inzwischen gibt es in Linz sogar eine U-Bahn. Ok, 3 Stationen, aber immerhin ein Anfang. Nicht verändert haben sich hingegen Schwandl und Mario, die mit Sonnenbrille auf der Nase am Bahnsteig auf mich warten und bereits die Überwachungskameras inspizieren. Steht am Gleisaufgang doch ein Paket mit mutmaßlich wertvoller Fracht, das in der Sammlung noch fehlt, hehe. Weitere Entdeckung des Tages: Mario ist ein ziemlicher Rennfahrer am Steuer, vor dem würden wohl selbst die Autos in Belgrad ausweichen - und das will ja was heißen! Kurz wird über den Stand der Dinge in beiden Szenen philosophiert, dann geht es ab nach St. Florian. Eintritt wird keiner verlangt, dazu gibt es Käsekrainer mit Kartoffelsalat und Beilagen für nur 2,80 Euro. Das fetzt. Zuschauer sind etwa 200 da, darunter 50 (1 Zaunfahne) vom Sechstligisten aus Steyr. Der SK Vorwärts (größter Erfolg: Pokalfinale 1949; 2:5 gegen Austria Wien verloren) spielte bis 1999 sogar in der österreichischen Bundesliga, ihm wurde aber die Lizenz verweigert und man fing in der untersten Liga komplett neu an. Nach wie vor ist Vorwärts aber ein Fanmagnet, zumindest im Amateur-Fußball. Gegen den Regionalligisten aus dem Linzer Vorort St. Florian verliert man dennoch, wenn auch knapp. Einschätzung der Linzer nach dem Spiel: "Die sind für uns dieses Jahr keine Bedrohung." Naja, hoffen wir es mal. Wir gondeln zurück nach Linz, setzen Schwandl mal eben an der Straßenbahn ab (wohnt der doch tatsächlich an einer Haltestelle mit Namen "Herz-Jesu-Kirche" - wie passend, hehe), lassen uns am Döner-Laden noch ne Runde Stiegl-Bier raus und chilln uns dann vor Marios Fernseher, über dem in dem Moment die BBC-Dokumentation über Hooligans flimmert. Genächtigt werden darf auf dem Sofa der Pyromanen-Kult-WG (Mario wohnt inzwischen mit Raxi zusammen), die am Morgen ganz harmonische Züge annimmt. Geweckt werde ich nämlich mit feinem Kaffee-Duft, Mario macht dort weiter, wo er gestern aufgehört hat: mit Gastfreundschaft. Es wird gemütlich zusammen gefrühstückt, noch schnell ne Dusche nehmen und dann ab zur Straßenbahn - Danke Mario, auf bald. Noch schnell im Spar Proviant einkaufen, dann aber rein in den Zug nach…
Österreich 1. Liga am 19.7.2006
SK Sturm Graz vs. FC Wacker Innsbruck
2:3
Graz. Genau, die ehemalige Terminator-Arena soll es sein. Zwar verspricht der Rapid-Gästeanhang in Mattersburg massig Attraktivität (das immer noch von Österreich besetzte ungarische Burgenland ist nicht weit von Wien entfernt) und der Ground ist mit dem Gegner kaum besser zu machen, andererseits hab ich natürlich meine ganz besondere Beziehung zu Innsbruck: bin ja dort quasi aufgewachsen, kenne die Stadt und die Szene recht gut, habe als kleiner Junge viele Wacker-Spiele im alten Tivoli-Stadion gesehen. Außerdem sind Ferien, mit ner Busladung VK'91 sollte zu rechnen sein. Gut, machen wir es so. Durch malerische Landschaften geht es mit der Bimmelbahn bis zum Knotenbahnhof Selzthal, ein wahres Urlaubsparadies hier, folgerichtig klebe ich beinahe die ganze Fahrt am Fenster. Mit dem Intercity geht es weiter nach Graz, alles pünktlich erreicht, somit ist reichlich Zeit für Sightseeing. Die Stadt kann deutlich mehr als erwartet, die engen Gassen und Altbaufassen sind top, Moderne und Tradition sind gekonnt miteinander verknüpft. Bestes Beispiel dafür ist das top-moderne Kunstmuseum am Südtiroler Platz. Es können einige Fotos geschossen werden, am meisten natürlich rund um den Hauptplatz im I. Bezirk (wie auch in Wien sind die Stadtteile nach Zahlen durchnummeriert). Noch ein Foto zusammen mit Kollega Mozart, dann wird es aber Zeit für Erledigungen. Schließlich soll der Nachtzug „Zürichsee“ nach - na klar - Zürich schon um 21:35 Uhr fahren, die ÖPNV-Anreise zurück zum Hbf nach Spielende muss nahtlos geplant werden. Die Alternative wäre, hier 650 km von der Heimat entfernt am wohl unsympathischsten Bahnhof der Welt nächtigen zu müssen. Dummerweise fährt die Straßenbahn vom Stadion aus nicht in den Abendstunden, wegen Gleisarbeiten oder so werden Ersatzbusse eingesetzt. Naja, läuft mir nicht wirklich rein. Außerdem muss das Stadion somit 5 Minuten früher verlassen werden. Alternative wären zwar die Ultras Gelesenkirchen, die derzeit im Trainingslager in der Nähe verweilen, am Abend losfahren und mich mitnehmen würden bis Salzburg oder so. Allerdings müsste dann die Nacht in Salzburg verbracht werden, dazu wäre ich noch ein paar Stunden später zu Hause - aber trotzdem vielen Dank nach Schalke. So, jetzt aber erst mal aufs Spiel freuen. Schnell noch nen Apfelstrudel in "Heidis Café" verdrücken, dann ab zum ehemaligen Arnold-Schwarzenegger-Stadion, wo schon einiges vorm Stadion los ist. 6.000 Zuschauer sollen heute insgesamt kommen. Karten gibt es für die Haupttribüne für 12 Euro ermäßigt mit guter Sicht auf beide Blöcke, nach nem Ausweis fragt hier niemand - sehr schön. Zum Anpfiff ist der Bus der Verrückten Köpfe ´91 aus Innsbruck noch nicht eingetroffen, dafür machen die drei großen Grazer Gruppen (Sturmflut, Brigate und Jewels <<< alle zwischen 1994 und 1996 gegründet worden, somit hat die Ultrá-Kultur hier schon auffallend lange Fuß gefasst) schon ordentlich Alarm. Nach einer Schweigeminuten für einen Grazer Politiker geht es sofort los, ungewöhnlicherweise zwar gleich mit einem Wechselgesang, aber der kommt brachial laut rüber und wird 5 Minuten lang durchgesungen. Ist vielleicht auch Usus hier, keine Ahnung, jedenfalls überrascht mich das ganze doch sehr, hat Graz hierzulande ja nicht so den extremen Ruf. Lediglich die Freundschaft der Brigate zur Viole Maribor vom benachbarten NK Maribor aus Slowenien (ein Katzensprung hinüber ins ehemalige Jugoslawien) war mir bekannt. Nun gut, weiß ich also, dass sich ein Derby gegen den GAK sicherlich lohnen dürfte, wenngleich Sturm in Graz als Arbeiterverein gilt und die Massen anzieht, somit sicherlich ne Ecke mehr drauf hat als GAK. Nach 10 Minuten trifft endlich die Busladung der VK'91 unter lauten "Innsbrucker Arschlöcher"-Gesängen im Stadion ein. Die pöbeln ganz italia-like, es sind ja auch keine 20 Minuten mit dem Auto von Innsbruck bis Italien, zugleich ist man mit den Ultras von Atalanta Bergamo befreundet. Aus seiner extremen politisch linken Gesinnung macht man keinen Hehl, so muss es sein, 90 Minuten am Stück (!!) schwenkt man Che Guevara-, Palästina-, Bergamo- und Antifa-Fahnen, dazu eine Riesen-Schwenkfahne mit der Aufschrift "Verrückte Köpfe" - Respekt an die Oberarme des Schwenkers!! Vom Support her weit über die Hälfte italienisch, auch wenn die rund 70 Innsbrucker ein wenig untergehen bei der Lautstärke der Grazer. Hier macht nämlich stellenweise das ganze Stadion mit. Ich bin fast schon beeindruckt, das habe ich so nicht erwartet. Nervig allerdings dieser ganze Kommerz-Dreck im Stadion: massig Werbebanden, die Spieler sind rennende Littfasssäulen, ständig ballert einen die Anzeigetafel mit Werbeclips zu. Dafür fetzt das Spiel ziemlich, welches die Innsbrucker mit 3:2 gewinnen könne. Natürlich gönne ich es den Tirolern, auch wenn die Sturm-Equipe (ständig von Finanz-Problemen gebeutelt) von Franco Foda und Abwehr-Chef Frank Verlaat (aka Wanderhure) damit nach dem Punkabzug weiterhin -3 Punkte auf dem Konto hat. Schade vor allem, weil Sturm-Stürmer Oliver Nzuzi Niati Polo aus dem Kongo einfach mit das geilste ist, was ich je gesehen hab. Der Typ bei den Kickers und alle Probleme wären gelöst. Eine Gazelle, unglaublich, gewinnt jeden Zweikampf, so sieht Fußball aus. Trotzdem müssen so langsam die Segel gesetzt werden, 10 Minuten vor Abpfiff dreh ich noch mal schnell ne Runde ums Stadion zum Gästeblock hin, hier wird bereits alles hermetisch verriegelt, etwa 150 Polizisten warten schon mit Knüppel, Helm und Schildern, um die 70 Innsbrucker in den Bus zu stecken - die haben nun mal ihren Ruf, hehe. Dann ab zur Bushaltestelle, jetzt muss der Zeitplan funktionieren. Doch - aaaaaaaaaaaaaaaaaaah - fünf Minuten vor Abfahrt laut Fahrplan seh ich nur noch die Rücklichter vom Bus, das darf doch wohl nicht war sein bzw. in einer Stadt dieser Größe gar nicht passieren, dass Busse zu früh abfahren. Und jetzt? Erst mal abhassen, dann nen klaren Gedanken fassen, jippie, da vorne steht ein Taxi, aha, Fahrer ist Serbe. Naja, wenn's einer schafft, sich durch den Stadion-Abfahrts-Stau zu boxen, dann der. Für'n 10er drückt der kräftig auf die Tube, alles läuft wie geschmiert, weil halt auch mal rote Ampeln ignoriert werden ("Hoffentlich nix Blitzer kommen" - ein Kult!!) und so wird der Grazer Hbf 5 Minuten vor Abfahrt des Nachtzuges erreicht. Bestens, da kann ja noch kurz im Spar vorbeigeschaut werden und etwas Proviant rausgelassen werden, vor allem halt die leckeren Punsch-Krapfen, auf die ich schon als Kind in Innsbruck abgefahren bin. Ein nettes Plätzchen zwischen lauter Bosniern ist schnell gefunden (die nachts plötzlich anfangen, muslimische Melodien zu singen - Exotik pur, hehe) und 6:31 Uhr wird Feldkirch pünktlich erreicht. Rein in den Zug back to Germany, in Lindau noch ne Stunde bis 9 Uhr abflacken, bin das BW-Ticket gilt (was in Lindau alles andere als schwer ist, zumal der - in meinen Augen schönste in Deutschland - Hbf mitten auf ner Insel liegt) und gegen 14 Uhr ist die Heimat wieder erreicht. Über 17 Stunden Zugfahrt ballern zwar schon rein, dafür ist das Ganze aber schweine-billig und für das Spiel hat es sich gelohnt.
Bilder:
http://www.directupload.net/show/d/765/NSOf45Ye.jpg
Innsbrucker Mob
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Grazer Intro
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Sightseeing...
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Bahnhof auf dem Weg nach Selzthal
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Ne typische Straße in Graz








