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Der Marvin auf St. Pauli

Verfasst: Mittwoch 26. Juli 2006, 08:34
von Blauer Bayer
Marvin Braun kämpft um Stammplatz

Von Julien Wolff

Am Dienstag war es endlich soweit. Nachdem die vergangenen zwei Wochen wegen einer Knieverletzung für ihn durch Arztbesuchen, Massagen und Laufeinheiten geprägt waren, konnte Marvin Braun endlich wieder am Mannschaftstraining des FC St. Pauli teilnehmen. "Es war ein wirklich tolles Gefühl, endlich wieder gegen den Ball treten zu können", freute sich der 24 Jahre alte Zugang der Hamburger nach der Einheit.

Seine Verletzung kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich entscheiden die Trainings- und Testspielleistungen dieser Tage darüber, wer beim ersten Spiel der neuen Regionalligasaison am 5. August beim Wuppertaler SV zur Startformation der Braun-Weißen gehören wird.

Insbesondere im Mittelfeld ist die Konkurrenz groß. Braun glaubt aber trotz der Zwangspause an seine Chance, auf der rechten Außenbahn zum Einsatz zu kommen. "Es ist ein schmaler Grad, den nötigen Konkurrenzkampf aufrecht zu erhalten und dennoch einen guten Mannschaftsgeist zu besitzen. Aber das kriegen wir hin."

Er sei nach Hamburg gekommen, um sich ausschließlich auf den Sport zu konzentrieren und wolle unbedingt Stammspieler werden. "Ich will zeigen, was ich kann, spielen und aufsteigen", beschreibt er seine Zielsetzung.

Den Sprung in die Zweite Bundesliga zu schaffen, ist seit langem ein Ziel des Schwaben. Vor zwei Jahren stand er bereits kurz davor, diesen großen Traum zu erreichen. Mit seinem damaligen Verein FC Augsburg traf er am letzten Spieltag der Saison 2004/2005 in der Regionalliga Süd auf Regensburg. Ein Sieg im Spitzenspiel, und der FCA wäre aufgestiegen. Vor 27 000 Zuschauern ging Augsburg in Führung, kassierte aber in der Schlußphase durch Konterangriffe zwei Gegentreffer und verlor die entscheidende Partie. Die Arbeit einer gesamten Saison war innerhalb von wenigen Minuten zu Nichte gemacht. "Das war eine Katastrophe", erinnert sich Braun.

Schon damals, nach dem enttäuschenden Saisonende, wollte er zu St. Pauli wechseln, doch Augsburg verweigerte die Freigabe. Statt dessen kehrte er zu seinem ehemaligen Verein Stuttgarter Kickers zurück. Nach einer durchwachsenen Saison nutzte er nun die Möglichkeit, ans Millerntor zu kommen. "Ich wollte schon immer für St. Pauli spielen. Das ist einfach ein toller Verein, davon kann man später seinen Kindern erzählen", schwärmt Braun, der sich in einem Fernstudium zum Sportmanager weiterbildet.

Bis eine eigene Wohnung gefunden ist, lebt er vorübergehend bei seinem Mannschaftskameraden Dirk Prediger in Blankenese. Von der Qualität des Kaders ist Braunüberzeugt. "Ich bin zwar noch nicht lange hier, aber wenn ich mir die Mannschaft und das Umfeld so ansehe, habe ich ein gutes Gefühl."

Daß seine Erwartungen berechtigt sind, kann St. Pauli heute beweisen. Um 19.30 Uhr empfangen die Hamburger Bundesligist Hertha BSC am Millerntor zum Test.

In Gedenken an die am Sonntag verstorbene Lebensgefährtin des ehemaligen St. Pauli-Profis Deniz Baris wird die Mannschaft von Andreas Bergmann mit einem Trauerflor auflaufen. Vor dem Spiel wird eine Schweigeminute eingelegt. Die Frau war nach einem Treppensturz in ihrem Haus in Jork im Alter von 27 Jahren an Genickbruch gestorben.

Quelle: Die Welt vom 26. Juli 2006