StZ: Neues Wir-Gefühl bei den Kickers
Verfasst: Montag 3. November 2003, 08:01
Neues Wir-Gefühl bei den Kickers
Robin Dutt setzt bei seinem Debüt als Cheftrainer auf die jungen Spieler und freut sich über ein 2:1
STUTTGART. Das nennt man Einstand nach Maß. Unter dem neuen Cheftrainer Robin Dutt haben die Stuttgarter Kickers 2:1 (1:0) gegen Augsburg gewonnen - und der Präsident Hans Kullen sagt: "Ich hoffe, dass wir uns jetzt im Mittelfeld der Tabelle einnisten."
Von Joachim Klumpp
Von wegen alles neu. Wer am Samstag ganz genau hingeschaut hatte, der fühlte sich im Waldaustadion durchaus an alte Zeiten erinnert - wenn auch mit anderen Vorzeichen. Unten auf der Trainerbank saß jetzt Robin Dutt, der zu Zeiten von Marcus Sorg noch Assistent war. Sorg wiederum hatte sich unter die Zuschauer auf der Tribüne gemischt - alte Liebe rostet eben nicht.
Doch das war es dann auch schon mit den Reminiszenzen. Schließlich gab es nicht nur einen neuen Chefcoach, sondern auch gleich noch einen neuen Co-Trainer (Stefan Minkwitz) und eine ganz neue Anstoßzeit - um die Mittagsstunde. Am Ende gab"s auch noch einen 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg, der in dem Kickers-Präsident Hans Kullen die Hoffnung nährt, "dass wir uns jetzt im Mittelfeld der Tabelle einnisten". Doch die Realität sieht vorerst anders aus: Noch liegen die Stuttgarter auf einem Abstiegsplatz
Im Mittelfeld steht einstweilen der FC Augsburg, ein Team, das eigentlich aufsteigen wollte. Doch nach dem dritten Spiel unter seiner Regie war auch der neue Trainer Armin Veh restlos bedient. "Das war beschämend. Ich habe mir das jetzt lange genug angeschaut. Künftig werde ich nur auf die jungen Spieler setzen."
Anschauungsunterricht dafür gab es am Samstag bei den Kickers, deren Altersschnitt nicht mal 23 Jahre betrug. Mehr als ein halbes Dutzend Talente der Kategorie U 24 standen auf dem Platz, die Mittelfeldachse bildeten die jungen Gumper und Akcay. "Kompliment", sagte nicht nur Veh zu dem Duo. Der Mut zum Risiko des bisherigen Oberligatrainers Robin Dutt wurde belohnt - nicht mit einer spielerischen Überlegenheit, aber mit einer Einstellung, von der die Exbundesligaprofis Reeb, Bode, Reis oder Ehlers beim Gegner nur träumen konnte: "Leidenschaft und Herz waren heute da", sagte Dutt.
Da ließ sich auch das Manko leichter verschmerzen: "Nach der Balleroberung haben wir das Spiel nach vorne nicht immer optimal umgesetzt", sagte Dutt. Und nach einer 2:0-Führung wurde die Mannschaft zu sehr in die Defensive gedrängt, sodass nach dem Anschlusstreffer noch bis zum Abpfiff gezittert werden musste.
Bezeichnend für den neuen Teamgeist war eine Szene in der Schlussphase. Patrick Milchraum lag plötzlich mit Wadenkrämpfen am Boden, musste außerhalb der Spielfelds drei, vier Minuten behandelt werden, biss - nachdem bereits dreimal gewechselt worden war - auf die Zähne und hielt durch. "Der Trainer wollte, dass wir mit zehn Mann weitermachen", sagte Milchraum später, doch der Spieler wollte dem Trainer zumindest einmal widersprechen - und ein Zeichen setzen. Dass am Ende beim allgemeinen Jubel plötzlich auch Gaetano Intemperante in einer Daunenjacke auf dem Platz stand, obwohl der Stürmer dieses Jahr verletzungsbedingt nicht mehr zum Zuge kommen wird, zeugte in der Tat von einem Wir-Gefühl.
Wie lange das anhalten wird, hängt nicht zuletzt von Robin Dutt ab. Der gibt sich nach diesem Einstand durchaus selbstbewusst: "Jeder Einzelne hat ja schon besser gespielt als gegen Augsburg, da muss jetzt nur eine gewisse Konstanz rein." Doch nicht nur das. "Ich traue mir schon das Fachwissen zu, das nötig ist, damit die Spieler an ihre Leistungsgrenze gehen", ergänzte Dutt.
Vielleicht trägt dazu auch die eine oder andere Maßnahme bei. "Wir werden die Trainingsarbeit künftig etwas differenzierter gestalten", das heißt, möglicherweise in getrennten Gruppen arbeiten, zum Beispiel nur mit Abwehr- und mit Angriffsspielern, so Dutt. Dabei wird ihn künftig Stefan Minkwitz unterstützen. Wie der bisherige Kapitän seine Aufgabe sieht? "Ganz einfach: als Spieler und Co-Trainer." Wobei der Schwerpunkt schon auf letzterem liegen soll. "Als mich Robin Dutt gefragt hat, habe ich zehn Minuten überlegt - und dann zugesagt." Das Argument von Dutt: "Stefan Minkwitz war im Gegensatz zu mir jahrelang Profi, er kennt den Fußball also von der anderen Seite."
Dagegen weiß Robin Dutt allzu gut, wie es in Degerloch zugeht. Vor seinem Debüt hatte er gesagt: "Ich erwarte von den Fans nichts. Wir sind es, die in Vorleistung gehen müssen." Das hat das Team getan - und die Zuschauer haben es mit einem warmen Applaus gedankt. Und jetzt? "Nun hoffe ich, dass die Leute zufrieden nach Hause gehen", so Dutt, "und nächstes Mal wiederkommen". Für einen gilt das ganz bestimmt: Günter Rommel, der neben Marcus Sorg auf der Tribüne saß. In zwei Wochen gastiert er als Trainer des SC Pfullendorf im Waldaustadion.
Kickers: Köstel - Steinle, Barth, Malchow, Stierle (78. Er) - Braun, Gumper, Akcay, Milchraum - Rahmanovic (66. Obinna), Mesic (81. Minkwitz).
Aktualisiert: 03.11.2003, 05:16 Uhr
Robin Dutt setzt bei seinem Debüt als Cheftrainer auf die jungen Spieler und freut sich über ein 2:1
STUTTGART. Das nennt man Einstand nach Maß. Unter dem neuen Cheftrainer Robin Dutt haben die Stuttgarter Kickers 2:1 (1:0) gegen Augsburg gewonnen - und der Präsident Hans Kullen sagt: "Ich hoffe, dass wir uns jetzt im Mittelfeld der Tabelle einnisten."
Von Joachim Klumpp
Von wegen alles neu. Wer am Samstag ganz genau hingeschaut hatte, der fühlte sich im Waldaustadion durchaus an alte Zeiten erinnert - wenn auch mit anderen Vorzeichen. Unten auf der Trainerbank saß jetzt Robin Dutt, der zu Zeiten von Marcus Sorg noch Assistent war. Sorg wiederum hatte sich unter die Zuschauer auf der Tribüne gemischt - alte Liebe rostet eben nicht.
Doch das war es dann auch schon mit den Reminiszenzen. Schließlich gab es nicht nur einen neuen Chefcoach, sondern auch gleich noch einen neuen Co-Trainer (Stefan Minkwitz) und eine ganz neue Anstoßzeit - um die Mittagsstunde. Am Ende gab"s auch noch einen 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg, der in dem Kickers-Präsident Hans Kullen die Hoffnung nährt, "dass wir uns jetzt im Mittelfeld der Tabelle einnisten". Doch die Realität sieht vorerst anders aus: Noch liegen die Stuttgarter auf einem Abstiegsplatz
Im Mittelfeld steht einstweilen der FC Augsburg, ein Team, das eigentlich aufsteigen wollte. Doch nach dem dritten Spiel unter seiner Regie war auch der neue Trainer Armin Veh restlos bedient. "Das war beschämend. Ich habe mir das jetzt lange genug angeschaut. Künftig werde ich nur auf die jungen Spieler setzen."
Anschauungsunterricht dafür gab es am Samstag bei den Kickers, deren Altersschnitt nicht mal 23 Jahre betrug. Mehr als ein halbes Dutzend Talente der Kategorie U 24 standen auf dem Platz, die Mittelfeldachse bildeten die jungen Gumper und Akcay. "Kompliment", sagte nicht nur Veh zu dem Duo. Der Mut zum Risiko des bisherigen Oberligatrainers Robin Dutt wurde belohnt - nicht mit einer spielerischen Überlegenheit, aber mit einer Einstellung, von der die Exbundesligaprofis Reeb, Bode, Reis oder Ehlers beim Gegner nur träumen konnte: "Leidenschaft und Herz waren heute da", sagte Dutt.
Da ließ sich auch das Manko leichter verschmerzen: "Nach der Balleroberung haben wir das Spiel nach vorne nicht immer optimal umgesetzt", sagte Dutt. Und nach einer 2:0-Führung wurde die Mannschaft zu sehr in die Defensive gedrängt, sodass nach dem Anschlusstreffer noch bis zum Abpfiff gezittert werden musste.
Bezeichnend für den neuen Teamgeist war eine Szene in der Schlussphase. Patrick Milchraum lag plötzlich mit Wadenkrämpfen am Boden, musste außerhalb der Spielfelds drei, vier Minuten behandelt werden, biss - nachdem bereits dreimal gewechselt worden war - auf die Zähne und hielt durch. "Der Trainer wollte, dass wir mit zehn Mann weitermachen", sagte Milchraum später, doch der Spieler wollte dem Trainer zumindest einmal widersprechen - und ein Zeichen setzen. Dass am Ende beim allgemeinen Jubel plötzlich auch Gaetano Intemperante in einer Daunenjacke auf dem Platz stand, obwohl der Stürmer dieses Jahr verletzungsbedingt nicht mehr zum Zuge kommen wird, zeugte in der Tat von einem Wir-Gefühl.
Wie lange das anhalten wird, hängt nicht zuletzt von Robin Dutt ab. Der gibt sich nach diesem Einstand durchaus selbstbewusst: "Jeder Einzelne hat ja schon besser gespielt als gegen Augsburg, da muss jetzt nur eine gewisse Konstanz rein." Doch nicht nur das. "Ich traue mir schon das Fachwissen zu, das nötig ist, damit die Spieler an ihre Leistungsgrenze gehen", ergänzte Dutt.
Vielleicht trägt dazu auch die eine oder andere Maßnahme bei. "Wir werden die Trainingsarbeit künftig etwas differenzierter gestalten", das heißt, möglicherweise in getrennten Gruppen arbeiten, zum Beispiel nur mit Abwehr- und mit Angriffsspielern, so Dutt. Dabei wird ihn künftig Stefan Minkwitz unterstützen. Wie der bisherige Kapitän seine Aufgabe sieht? "Ganz einfach: als Spieler und Co-Trainer." Wobei der Schwerpunkt schon auf letzterem liegen soll. "Als mich Robin Dutt gefragt hat, habe ich zehn Minuten überlegt - und dann zugesagt." Das Argument von Dutt: "Stefan Minkwitz war im Gegensatz zu mir jahrelang Profi, er kennt den Fußball also von der anderen Seite."
Dagegen weiß Robin Dutt allzu gut, wie es in Degerloch zugeht. Vor seinem Debüt hatte er gesagt: "Ich erwarte von den Fans nichts. Wir sind es, die in Vorleistung gehen müssen." Das hat das Team getan - und die Zuschauer haben es mit einem warmen Applaus gedankt. Und jetzt? "Nun hoffe ich, dass die Leute zufrieden nach Hause gehen", so Dutt, "und nächstes Mal wiederkommen". Für einen gilt das ganz bestimmt: Günter Rommel, der neben Marcus Sorg auf der Tribüne saß. In zwei Wochen gastiert er als Trainer des SC Pfullendorf im Waldaustadion.
Kickers: Köstel - Steinle, Barth, Malchow, Stierle (78. Er) - Braun, Gumper, Akcay, Milchraum - Rahmanovic (66. Obinna), Mesic (81. Minkwitz).
Aktualisiert: 03.11.2003, 05:16 Uhr