StZ: Der Spieler als Spekulationsobjekt
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 08:01
Der Spieler als Spekulationsobjekt
Ein Vereinswechsel Patrick Milchraums würde die Stuttgarter Kickers von Finanzsorgen befreien
STUTTGART. Dem Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers droht die finanzielle Schieflage - nicht zum ersten Mal. Um die drohenden Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen, sind Spielerverkäufe kein Tabu mehr. Erster Kandidat ist Patrick Milchraum.
Von Joachim Klumpp
Andreas Rettig ist am vergangenen Samstag nicht in Degerloch gewesen. Der Manager des Bundesliga-Aufsteigers 1. FC Köln hatte schließlich Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel, die Gemüter beim 1. FC Köln im trainerlosen Vakuum nach der Trennung von Coach Friedhelm Funkel zu beruhigen. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Bezug zu dem Regionalligisten aus Stuttgart aber keineswegs. Zweimal saß Rettig in dieser Saison bereits im Waldaustadion auf der Tribüne. Wegen Patrick Milchraum, heißt es. "Der Name sagt mir natürlich etwas", erklärt Rettig auf Anfrage. Mehr sagt er nicht. Es soll kein falscher Eindruck entstehen - ein zu großes Interesse könnte einem möglichen Geschäft schaden. Rettig fügt nur noch hinzu: "Man muss in so einem Fall ja aufpassen, dass der Spieler nicht zu einem Spekulationsobjekt wird."
Dazu könnte es durchaus kommen. Indirekt hat das sogar der Extrainer Rainer Adrion einmal angedeutet. Vor dem Heimspiel gegen Eschborn sagte er: "Wir müssen den Spieler auch seinen Fähigkeiten entsprechend aufstellen, er stellt ja auch ein Kapital für die Kickers dar." Denen droht eine finanzielle Schieflage; nicht zum ersten Mal in jüngster Zeit. Doch im Unterschied zur Vergangenheit besitzt der Traditionsklub keine Sicherheiten mehr, seit das Vereinsgelände im Frühjahr für 1,36 Millionen Euro an die Stadt verkauft worden ist.
Also bleibt nur die Möglichkeit, neue Geldquellen aufzutun. "Wir können es schaffen", sagt der Präsident Hans Kullen. Dank Patrick Milchraum? Dessen Vertrag läuft zwar am Saisonende aus, doch die Kickers besitzen eine Option bis 2006. "Und die werden wir ziehen", betont Kullen. Doch er macht auch klar: "Falls es zu einem Wechsel kommen sollte, dann nur in Einvernehmen mit dem Spieler und seinen Eltern." Patrick Milchraum selbst sagt: "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das lasse ich auf mich zukommen. Ich hatte bisher nicht vor, möglicherweise schon in der Winterpause zu wechseln."
Ausgeschlossen ist das nicht mehr, auch wenn alles natürlich eine Frage des Geldes ist. Dazu sagt der Kölner Manager Rettig: "Es gibt zwar Beispiele dafür, dass ein Bundesligist für einen Regionalligaspieler wie Altintop eine Ablöse zahlt, doch grundsätzlich stellt sich die Frage, warum man in diesem Bereich Transferausgaben tätigen sollte." Vielleicht, weil Milchraum jung (19) ist, dynamisch (Junioren-Nationalspieler) und vielseitig verwendbar (Abwehr und Mittelfeld).
Abwarten. Klar ist für Milchraum bei allen Unwägbarkeiten des Fußballgeschäfts nur eines: "Wenn ich wechseln sollte, dann nur zu einem Verein, wo ich auch Spielpraxis bekomme." Neben Köln ist immer wieder der SC Freiburg im Gespräch. Und ein Spielerberater auf der Tribüne sagte am Samstag: "Vielleicht schaltet sich ja auch noch der VfB ein, um den Kickers zu helfen." 200 000 Euro, mindestens, sollte ein Transfer bringen, auch wenn Milchraum auf einer der einschlägigen Internetseiten (http://www.transfermarkt.de) nur mit der Hälfte veranschlagt ist.
Doch das sind Rechenspiele. Der Stürmer Ivan zum Beispiel war in dieser virtuellen Fußballwelt vor kurzem noch mehr wert als das Talent Milchraum. Und wenn derzeit jemand den Brasilianer verpflichten wollte, würden ihm die Kickers wohl keine Steine in den Weg legen. Schließlich saß Ivan gegen Augsburg nur auf der Tribüne. Und dort hat ein Spieler noch in den seltensten Fällen seinen Marktwert gesteigert.
Aktualisiert: 04.11.2003, 05:05 Uhr
Ein Vereinswechsel Patrick Milchraums würde die Stuttgarter Kickers von Finanzsorgen befreien
STUTTGART. Dem Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers droht die finanzielle Schieflage - nicht zum ersten Mal. Um die drohenden Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen, sind Spielerverkäufe kein Tabu mehr. Erster Kandidat ist Patrick Milchraum.
Von Joachim Klumpp
Andreas Rettig ist am vergangenen Samstag nicht in Degerloch gewesen. Der Manager des Bundesliga-Aufsteigers 1. FC Köln hatte schließlich Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel, die Gemüter beim 1. FC Köln im trainerlosen Vakuum nach der Trennung von Coach Friedhelm Funkel zu beruhigen. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Bezug zu dem Regionalligisten aus Stuttgart aber keineswegs. Zweimal saß Rettig in dieser Saison bereits im Waldaustadion auf der Tribüne. Wegen Patrick Milchraum, heißt es. "Der Name sagt mir natürlich etwas", erklärt Rettig auf Anfrage. Mehr sagt er nicht. Es soll kein falscher Eindruck entstehen - ein zu großes Interesse könnte einem möglichen Geschäft schaden. Rettig fügt nur noch hinzu: "Man muss in so einem Fall ja aufpassen, dass der Spieler nicht zu einem Spekulationsobjekt wird."
Dazu könnte es durchaus kommen. Indirekt hat das sogar der Extrainer Rainer Adrion einmal angedeutet. Vor dem Heimspiel gegen Eschborn sagte er: "Wir müssen den Spieler auch seinen Fähigkeiten entsprechend aufstellen, er stellt ja auch ein Kapital für die Kickers dar." Denen droht eine finanzielle Schieflage; nicht zum ersten Mal in jüngster Zeit. Doch im Unterschied zur Vergangenheit besitzt der Traditionsklub keine Sicherheiten mehr, seit das Vereinsgelände im Frühjahr für 1,36 Millionen Euro an die Stadt verkauft worden ist.
Also bleibt nur die Möglichkeit, neue Geldquellen aufzutun. "Wir können es schaffen", sagt der Präsident Hans Kullen. Dank Patrick Milchraum? Dessen Vertrag läuft zwar am Saisonende aus, doch die Kickers besitzen eine Option bis 2006. "Und die werden wir ziehen", betont Kullen. Doch er macht auch klar: "Falls es zu einem Wechsel kommen sollte, dann nur in Einvernehmen mit dem Spieler und seinen Eltern." Patrick Milchraum selbst sagt: "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, das lasse ich auf mich zukommen. Ich hatte bisher nicht vor, möglicherweise schon in der Winterpause zu wechseln."
Ausgeschlossen ist das nicht mehr, auch wenn alles natürlich eine Frage des Geldes ist. Dazu sagt der Kölner Manager Rettig: "Es gibt zwar Beispiele dafür, dass ein Bundesligist für einen Regionalligaspieler wie Altintop eine Ablöse zahlt, doch grundsätzlich stellt sich die Frage, warum man in diesem Bereich Transferausgaben tätigen sollte." Vielleicht, weil Milchraum jung (19) ist, dynamisch (Junioren-Nationalspieler) und vielseitig verwendbar (Abwehr und Mittelfeld).
Abwarten. Klar ist für Milchraum bei allen Unwägbarkeiten des Fußballgeschäfts nur eines: "Wenn ich wechseln sollte, dann nur zu einem Verein, wo ich auch Spielpraxis bekomme." Neben Köln ist immer wieder der SC Freiburg im Gespräch. Und ein Spielerberater auf der Tribüne sagte am Samstag: "Vielleicht schaltet sich ja auch noch der VfB ein, um den Kickers zu helfen." 200 000 Euro, mindestens, sollte ein Transfer bringen, auch wenn Milchraum auf einer der einschlägigen Internetseiten (http://www.transfermarkt.de) nur mit der Hälfte veranschlagt ist.
Doch das sind Rechenspiele. Der Stürmer Ivan zum Beispiel war in dieser virtuellen Fußballwelt vor kurzem noch mehr wert als das Talent Milchraum. Und wenn derzeit jemand den Brasilianer verpflichten wollte, würden ihm die Kickers wohl keine Steine in den Weg legen. Schließlich saß Ivan gegen Augsburg nur auf der Tribüne. Und dort hat ein Spieler noch in den seltensten Fällen seinen Marktwert gesteigert.
Aktualisiert: 04.11.2003, 05:05 Uhr