EßZ: Erdin setzt auf das falsche Pferd
Verfasst: Donnerstag 6. November 2003, 09:37
Die Stuttgarter Kickers arbeiten in Zukunft ohne Manager und
Geschäftsführer
Stuttgart - So dürftig es auch ausfiel, das Fax kam nicht überraschend: "Die
Stuttgarter Kickers sehen sich aus wirtschaftlichen Gründen veranlasst, das
Arbeitsverhältnis mit dem Geschäftsführer, Herrn Kaharaman Erdin,
fristgemäß zum 31.12.2003 zu beenden." Allerdings musste der 39-Jährige
bereits gestern seinen Schreibtisch räumen. Auf daraus resultierende Fragen
gab es keine Antworten.
Von Sigor Paesler
"Wir haben vereinbart, über den Pressetext hinaus nichts bekannt zu geben",
sagte Präsident Hans Kullen. Auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle hätten
gerne gewusst, wie es weitergeht. Immerhin hat Erdin seit seinem Dienstantritt
am 1. Mai 2002 viele Stunden am Tag gearbeitet, hatte in dieser Zeit genau
sieben Tage Urlaub. So fragt sich beispielsweise Daniela Rehm, die für die
Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, warum sie kürzlich
erst eingestellt wurde, wenn es offenbar nicht einmal genug Arbeit für einen
Geschäftsführer und Manager gab. Kullen sagt nur so viel: "Die Aufgaben
werden im Präsidium und Aufsichtsrat verteilt."
"Ich kann in den Spiegel schauen"
Kullen hatte vorgestern versucht, die bevorstehende Trennung von der Person
Erdins zu trennen und grundsätzlich in Frage gestellt, ob ein Regionalligist einen
Manager brauche. Dass es zwar um Geld, aber nicht nur um Erdins Gehalt
ging, weiß aber auch der Präsident. Erdin kennt die Vorwürfe. Und obwohl er
"nicht mit Schmutz werfen" will, versucht er, einige Dinge aus seiner Sicht
zurecht zu rücken. "Ich habe auch Fehler gemacht, aber das war im Bereich
von Peanuts, ich kann mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen", sagt er.
Dass er nicht bereit gewesen sei, selbst finanzielle Abstriche zu machen,
während an der Mannschaft gespart wurde sei "schlicht falsch". Noch am
Dienstag habe er angeboten, auf 20 Prozent seines Gehalts zu verzichten. Dass
er nun für die schlechte finanzielle Lage verantwortlich gemacht werde, liege
daran, "dass ich der einzige bin, der noch da ist".
Vor allem aber will sich Erdin nicht den geringen Erfolg bei der
Sponsorensuche und -pflege in die Schuhe schieben lassen: "Die springen
wegen der sportlichen Entwicklung, eventuell eigener finanzieller Probleme und
der Außendarstellung des Vereins ab - nicht wegen Kahraman Erdin." Der
Ex-Manager ist dagegen von Präsidium und Aufsichtsrat enttäuscht, die im Juli
mit dem Argument einer geballten Wirtschaftskraft angetreten seien: "Haben
sie bisher einen Cent beigetragen oder einen Kontakt hergestellt? Nichts." Hat
er auf das falsche Pferd gesetzt, als er für Kullen und seine Mannschaft als
neue Führungscrew eintrat? "Wie es scheint, ja", sagt er.
Erdin will nun erst einmal Abstand gewinnen. "Wenn man etwas mit so viel
Herzblut macht, tut es weh", sagt er. Aber auch: "Ich bin nicht vom Verein
enttäuscht, sondern von einzelnen Personen."
Wie reagiert der Hauptsponsor?
Ob Erdins Entlassung ein positives Signal für die dringend benötigten
Sponsoren ist, dürfte indes fraglich sein. Jugendleiter Paul Kilgus wurde
entlassen, Trainer Rainer Adrion ebenfalls und jetzt Erdin. Alle drei standen in
der Gunst von Hauptsponsor Eduardo Garcia weit oben. Zudem hatte Kullen
behauptet, er sei bei seinem Amtsantritt im Juli bezüglich der finanzielle Lage
des Vereins belogen worden - Garcia saß damals noch im Präsidium.
Kommende Woche ist Garcia aus dem Urlaub zurück. Auf seine Reaktion darf
man gespannt sein.
Geschäftsführer
Stuttgart - So dürftig es auch ausfiel, das Fax kam nicht überraschend: "Die
Stuttgarter Kickers sehen sich aus wirtschaftlichen Gründen veranlasst, das
Arbeitsverhältnis mit dem Geschäftsführer, Herrn Kaharaman Erdin,
fristgemäß zum 31.12.2003 zu beenden." Allerdings musste der 39-Jährige
bereits gestern seinen Schreibtisch räumen. Auf daraus resultierende Fragen
gab es keine Antworten.
Von Sigor Paesler
"Wir haben vereinbart, über den Pressetext hinaus nichts bekannt zu geben",
sagte Präsident Hans Kullen. Auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle hätten
gerne gewusst, wie es weitergeht. Immerhin hat Erdin seit seinem Dienstantritt
am 1. Mai 2002 viele Stunden am Tag gearbeitet, hatte in dieser Zeit genau
sieben Tage Urlaub. So fragt sich beispielsweise Daniela Rehm, die für die
Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, warum sie kürzlich
erst eingestellt wurde, wenn es offenbar nicht einmal genug Arbeit für einen
Geschäftsführer und Manager gab. Kullen sagt nur so viel: "Die Aufgaben
werden im Präsidium und Aufsichtsrat verteilt."
"Ich kann in den Spiegel schauen"
Kullen hatte vorgestern versucht, die bevorstehende Trennung von der Person
Erdins zu trennen und grundsätzlich in Frage gestellt, ob ein Regionalligist einen
Manager brauche. Dass es zwar um Geld, aber nicht nur um Erdins Gehalt
ging, weiß aber auch der Präsident. Erdin kennt die Vorwürfe. Und obwohl er
"nicht mit Schmutz werfen" will, versucht er, einige Dinge aus seiner Sicht
zurecht zu rücken. "Ich habe auch Fehler gemacht, aber das war im Bereich
von Peanuts, ich kann mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen", sagt er.
Dass er nicht bereit gewesen sei, selbst finanzielle Abstriche zu machen,
während an der Mannschaft gespart wurde sei "schlicht falsch". Noch am
Dienstag habe er angeboten, auf 20 Prozent seines Gehalts zu verzichten. Dass
er nun für die schlechte finanzielle Lage verantwortlich gemacht werde, liege
daran, "dass ich der einzige bin, der noch da ist".
Vor allem aber will sich Erdin nicht den geringen Erfolg bei der
Sponsorensuche und -pflege in die Schuhe schieben lassen: "Die springen
wegen der sportlichen Entwicklung, eventuell eigener finanzieller Probleme und
der Außendarstellung des Vereins ab - nicht wegen Kahraman Erdin." Der
Ex-Manager ist dagegen von Präsidium und Aufsichtsrat enttäuscht, die im Juli
mit dem Argument einer geballten Wirtschaftskraft angetreten seien: "Haben
sie bisher einen Cent beigetragen oder einen Kontakt hergestellt? Nichts." Hat
er auf das falsche Pferd gesetzt, als er für Kullen und seine Mannschaft als
neue Führungscrew eintrat? "Wie es scheint, ja", sagt er.
Erdin will nun erst einmal Abstand gewinnen. "Wenn man etwas mit so viel
Herzblut macht, tut es weh", sagt er. Aber auch: "Ich bin nicht vom Verein
enttäuscht, sondern von einzelnen Personen."
Wie reagiert der Hauptsponsor?
Ob Erdins Entlassung ein positives Signal für die dringend benötigten
Sponsoren ist, dürfte indes fraglich sein. Jugendleiter Paul Kilgus wurde
entlassen, Trainer Rainer Adrion ebenfalls und jetzt Erdin. Alle drei standen in
der Gunst von Hauptsponsor Eduardo Garcia weit oben. Zudem hatte Kullen
behauptet, er sei bei seinem Amtsantritt im Juli bezüglich der finanzielle Lage
des Vereins belogen worden - Garcia saß damals noch im Präsidium.
Kommende Woche ist Garcia aus dem Urlaub zurück. Auf seine Reaktion darf
man gespannt sein.