NPD zieht in den Landtag ein
Verfasst: Sonntag 17. September 2006, 23:48
Frust über Einzug der NPD
Massive Verluste für die SPD, schlechtestes Landtags-Ergebnis für die CDU - die Reaktionen bei den großen Parteien auf die Wahlergebnisse sind entsprechend verhalten. Die FDP jubelt über ihren Einzug in den Landtag. Das Ergebnis der NPD wird in allen Parteien kritisiert.
Schwerin/ Berlin - Im Theater in Schwerin war die Stimmung gedrückt. Die ersten Prognosen verursachten im bei der CDU-Wahlfeier nur betretenes Schweigen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis von 28,8 Prozent hat die CDU ihre Chance verpasst, die seit acht Jahren regierende rot-rote Koalition abzulösen. Das sei jedoch sein erklärtes Ziel gewesen, sagte Spitzenkandidat Jürgen Seidel in der ARD. Das angepeilte Ziel von 30 Prozent habe seine Partei nicht ganz erreicht.
Die Bundes-CDU zeigte sich optimistischer. Generalsekretär Ronald Pofalla sieht die Verlierer der Wahlen eindeutig im rot-roten Lager - auch in mecklenburg-Vorpommern. Eine Fortsetzung der Koalition von SPD und Linkspartei sei vom Wähler nicht gewollt sei, sagte er am Abend in Berlin. Pofalla appellierte an die Verantwortlichen in Schwerin, jetzt eine Große Koalition von CDU und SPD zu bilden.
Auch der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzende und niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach sich für ein Bündnis von SPD und CDU aus. Die rot-rote Koalition habe zum Erstarken des rechten und linken Randes geführt, sagte er in der ARD. Falls es zu einer Koalition komme, werde die CDU werde aber kein "bequemer Koalitionspartner", sagte CDU-Generalsekretär in Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, in der ARD.
"Wahlbeteiligung war besser als befürchtet"
Über mögliche Koalitionspartner wollte sich der amtierende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD) nicht äußern. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erhielt seine Partei 30,2 Prozent der Stimmen - über zehn Prozentpunkte weniger als bei der letzten Wahl. Die Verluste erklärte Ringstorff unter anderem damit, dass es bei der letzten Wahl noch bundespolitischen Rückenwind für die SPD gegeben habe.
Davon ließ sich der SPD-Landeschef Till Backhaus nicht beirren. Nun gehe es darum, eine "stabile und solide" Mehrheit zu schaffen, verlangte er. Zu einem möglichen Koalitionspartner äußerte er sich jedoch ebenfalls nicht. Die Wahlbeteiligung sei aber besser als befürchtet gewesen, sagte Backhaus im ZDF. Der amtierende Justizminister Erwin Sellering (SPD) kritisierte in der ARD, dass seine Landes-Partei "alles andere als Rückenwind" von der Bundes-SPD gehabt habe.
Der Spitzenkandidat der FDP, Michael Roolf, zeigte sich begeistert über das Ergebnis seiner Partei, die mit 9,6 Prozent nach zwölf Jahren wieder ins Schweriner Parlament zurückkehrte. Die FDP habe deutlich von der Politik der Bundespartei profitiert. "Glaubwürdige Politik zahlt sich aus", sagte er in der ARD. Auch die Bundes-FDP ist mit dem Ergebnis zufrieden. Dass die FDP den Einzug in einen weiteren Landtag geschafft habe, sei ein "Superergebnis", sagte Generalsekretär Dirk Niebel sagte am Abend in Berlin
"Ein schlechtes Zeichen für die Demokratie"
Der Einzug der NPD in den Landtag stieß jedoch durch quer alle Parteien auf Kritik. "Es gibt doch mehr Leute als gedacht, die anfällig für Parolen sind", sagte Ringstorff. Seine Partei werde sich mit den "braunen Brüdern" demokratisch auseinander setzen. Als wichtigste Aufgabe der kommenden Legislaturperiode bezeichnete Ringstorff, der Bevölkerung zu zeigen, dass die neu in den Landtag eingezogene NPD keine Alternativen bieten könne, sagte der Landeschef im ZDF. Der stellvertretende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling (Linkspartei.PDS), sieht im Einzug der rechtsextremen NPD in den Landtag ein schlechtes Zeichen für die Demokratie. "Das Ergebnis überschattet alles", sagte der Umweltminister und Spitzenkandidat am Abend in Schwerin. Mit dem Ergebnis seiner eigenen Partei sei er jedoch zufrieden. Das erklärte Ziel, das Ergebnis der Landtagswahl von 2002 zu verbessern, sei erreicht.
Die rechtsextreme NPD wird erstmals in den Landtag einziehen. Sie erhielt 7,3 Prozent der Stimmen. Der NPD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, kündigte im ZDF eine harte Oppositionspolitik seiner Partei an. Seine Partei wolle die "rot-rote Katastrophe" aufdecken und hinter die Kulissen schauen. Noch weiter geht allerdings der Bundesgeschäftsführer und Landesvorsitzende der NPD in Mecklenburg Vorpommern, Stefan Köster. Die NPD wolle sich nach ihrem Einzug in den Schweriner Landtag für eine Abschaffung der Demokratie nach bundesrepublikanischem Vorbild einsetzen. "Wir wollen das System überwinden", sagte er in Schwerin. Ihm schwebe "eine Demokratie nach Schweizer Vorbild" vor. Die NPD wolle "analytische Frontalopposition" betreiben. Konkrete Vorschläge dafür werde sie aber erst später vorlegen.
spiegel.de
Massive Verluste für die SPD, schlechtestes Landtags-Ergebnis für die CDU - die Reaktionen bei den großen Parteien auf die Wahlergebnisse sind entsprechend verhalten. Die FDP jubelt über ihren Einzug in den Landtag. Das Ergebnis der NPD wird in allen Parteien kritisiert.
Schwerin/ Berlin - Im Theater in Schwerin war die Stimmung gedrückt. Die ersten Prognosen verursachten im bei der CDU-Wahlfeier nur betretenes Schweigen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis von 28,8 Prozent hat die CDU ihre Chance verpasst, die seit acht Jahren regierende rot-rote Koalition abzulösen. Das sei jedoch sein erklärtes Ziel gewesen, sagte Spitzenkandidat Jürgen Seidel in der ARD. Das angepeilte Ziel von 30 Prozent habe seine Partei nicht ganz erreicht.
Die Bundes-CDU zeigte sich optimistischer. Generalsekretär Ronald Pofalla sieht die Verlierer der Wahlen eindeutig im rot-roten Lager - auch in mecklenburg-Vorpommern. Eine Fortsetzung der Koalition von SPD und Linkspartei sei vom Wähler nicht gewollt sei, sagte er am Abend in Berlin. Pofalla appellierte an die Verantwortlichen in Schwerin, jetzt eine Große Koalition von CDU und SPD zu bilden.
Auch der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzende und niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach sich für ein Bündnis von SPD und CDU aus. Die rot-rote Koalition habe zum Erstarken des rechten und linken Randes geführt, sagte er in der ARD. Falls es zu einer Koalition komme, werde die CDU werde aber kein "bequemer Koalitionspartner", sagte CDU-Generalsekretär in Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, in der ARD.
"Wahlbeteiligung war besser als befürchtet"
Über mögliche Koalitionspartner wollte sich der amtierende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD) nicht äußern. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erhielt seine Partei 30,2 Prozent der Stimmen - über zehn Prozentpunkte weniger als bei der letzten Wahl. Die Verluste erklärte Ringstorff unter anderem damit, dass es bei der letzten Wahl noch bundespolitischen Rückenwind für die SPD gegeben habe.
Davon ließ sich der SPD-Landeschef Till Backhaus nicht beirren. Nun gehe es darum, eine "stabile und solide" Mehrheit zu schaffen, verlangte er. Zu einem möglichen Koalitionspartner äußerte er sich jedoch ebenfalls nicht. Die Wahlbeteiligung sei aber besser als befürchtet gewesen, sagte Backhaus im ZDF. Der amtierende Justizminister Erwin Sellering (SPD) kritisierte in der ARD, dass seine Landes-Partei "alles andere als Rückenwind" von der Bundes-SPD gehabt habe.
Der Spitzenkandidat der FDP, Michael Roolf, zeigte sich begeistert über das Ergebnis seiner Partei, die mit 9,6 Prozent nach zwölf Jahren wieder ins Schweriner Parlament zurückkehrte. Die FDP habe deutlich von der Politik der Bundespartei profitiert. "Glaubwürdige Politik zahlt sich aus", sagte er in der ARD. Auch die Bundes-FDP ist mit dem Ergebnis zufrieden. Dass die FDP den Einzug in einen weiteren Landtag geschafft habe, sei ein "Superergebnis", sagte Generalsekretär Dirk Niebel sagte am Abend in Berlin
"Ein schlechtes Zeichen für die Demokratie"
Der Einzug der NPD in den Landtag stieß jedoch durch quer alle Parteien auf Kritik. "Es gibt doch mehr Leute als gedacht, die anfällig für Parolen sind", sagte Ringstorff. Seine Partei werde sich mit den "braunen Brüdern" demokratisch auseinander setzen. Als wichtigste Aufgabe der kommenden Legislaturperiode bezeichnete Ringstorff, der Bevölkerung zu zeigen, dass die neu in den Landtag eingezogene NPD keine Alternativen bieten könne, sagte der Landeschef im ZDF. Der stellvertretende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling (Linkspartei.PDS), sieht im Einzug der rechtsextremen NPD in den Landtag ein schlechtes Zeichen für die Demokratie. "Das Ergebnis überschattet alles", sagte der Umweltminister und Spitzenkandidat am Abend in Schwerin. Mit dem Ergebnis seiner eigenen Partei sei er jedoch zufrieden. Das erklärte Ziel, das Ergebnis der Landtagswahl von 2002 zu verbessern, sei erreicht.
Die rechtsextreme NPD wird erstmals in den Landtag einziehen. Sie erhielt 7,3 Prozent der Stimmen. Der NPD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, kündigte im ZDF eine harte Oppositionspolitik seiner Partei an. Seine Partei wolle die "rot-rote Katastrophe" aufdecken und hinter die Kulissen schauen. Noch weiter geht allerdings der Bundesgeschäftsführer und Landesvorsitzende der NPD in Mecklenburg Vorpommern, Stefan Köster. Die NPD wolle sich nach ihrem Einzug in den Schweriner Landtag für eine Abschaffung der Demokratie nach bundesrepublikanischem Vorbild einsetzen. "Wir wollen das System überwinden", sagte er in Schwerin. Ihm schwebe "eine Demokratie nach Schweizer Vorbild" vor. Die NPD wolle "analytische Frontalopposition" betreiben. Konkrete Vorschläge dafür werde sie aber erst später vorlegen.
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