Dutt im Dialog, Teil XXIV
Verfasst: Montag 2. Oktober 2006, 23:28
So, anbei die neueste Fragerunde mit Robin Dutt. Diesmal gab's sehr viele Fragen, die sich thematisch überschnitten haben. Ich habe versucht, sie einigermaßen sinnvoll zu bündeln und so die Neugierde aller zu befriedigen...
1. Herr Dutt, sie haben betont, dass sie mit ihrer Mannschaft genauso hart trainieren wie ein Bundesligateam. Inwiefern ist der enge Terminplan dafür verantwortlich, dass die letzten drei Punktspiele nicht gewonnen werden konnten?
Der enge Terminplan ist nicht in erster Linie für die Ergebnisse verantwortlich, jedoch haben wir in der Trainingsarbeit ein Problem: Durch die vielen Spiele dienen die Trainingseinheiten dazwischen fast nur zur Regeneration und einigen technischen Inhalten. Die Weiterentwicklung im taktischen Bereich kommt oft zu kurz, weil wir keine Zeit dafür haben. Doch gerade die jungen Spieler benötigen unbedingt diese taktischen Einheiten.
2. Gegen Reutlingen waren Sie mehrfach sehr erregt an der Seitenlinie. Als Ferndiagnose könnte man daraus schließen, dass Sie Müdigkeit allein als Ausrede nicht akzeptieren - zumal auch schon in Siegen die ersten 45 Minuten die schwächeren waren. Im Forum wurde das Spiel ungewöhnlich kontrovers diskutiert. Wie bewerten Sie den Auftritt?
Mit den jeweiligen Halbzeiten können wir auf keinen Fall zufrieden sein. Wir haben technische und taktische Fehler gemacht. Wie bereits in der obigen Antwort erwähnt würden wir uns einfacher tun, wenn wir die Defizite durch Trainingsarbeit begleichen könnten. So müssen wir auf die zweite Halbzeit und unsere konditionelle Stärke hoffen. Dies ging oft gut, leider nicht in den letzten Spielen.
3. Der Aufstieg ist inzwischen offiziell Saisonziel, die Gegner ändern inzwischen gegen uns als Tabellenführer ihre Spielweise. Inwieweit sehen Sie noch Probleme des Teams, sich auf diese veränderte Situation einzustellen - auf und neben dem Platz?
Wir müssen lernen, gegen extrem tief stehende Mannschaften spielerisch eine Lösung zu finden. Und schon sind wir wieder beim gleichen Thema wie in Antwort 1 und 2....
Mit der Situation neben dem Platz geht die Mannschaft ganz gut um.
4. Reicht die Pause nach dem Crailsheim-Spiel aus, um den Substanzverlust der letzten harten Wochen auszugleichen? Mit welchen Mitteln wollen Sie dies erreichen? Gibt es ein paar Tage frei? Und gibt es sonst noch etwas Besonderes, dass Sie der Mannschaft während dieser Pause vermitteln wollten.
Wir werden von Mittwoch bis Freitag in ein Regenerationstrainingslager am Bodensee gehen. Hier werden die Spieler Zeit haben, zu regenerieren und die Akkus wieder aufzuladen. In der kommenden Woche haben wir zum Glück dann wieder eine komplette Woche für die Trainingsarbeit, um uns auf Pirmasens einzustellen. Ja, die Zeit reicht aus.
5. Die Heimbilanz 2006/2007 ist mit zwei Siegen und drei Remis noch ausbaufähig. Betrachtet man auch noch die Heimspiel-Rückrunde 2005/2006 (drei Siege, zwei Remis, drei Niederlagen), so kommt man nicht unbedingt auf die Idee, die Kickers als "Heim-Mannschaft" zu bezeichnen. Wie bewerten Sie die Heimbilanz 2006?
Als ich vor 3 Jahren angefangen habe wurde die Auswärtsbilanz kritisiert, nun die Heimbilanz. Mich interessiert nur die Gesamtbilanz und die aktuelle Entwicklung. Aktuell müssen wir uns wieder steigern, um im nächsten Spiel wieder einen Dreier einfahren zu können. Insgesamt jammern wir auf dem höchsten Niveau seit dem Abstieg aus der 2. Liga. Wenn mir vor 8 Wochen jemand gesagt hätte, welche Probleme auf uns Anfang Oktober warten, hätte ich gesagt: Her mit diesen Problemen. Wir sind Tabellenführer!
Und zur Heimbilanz würde ich gerne noch 2 Pokalsiege gegen den HSV und VFR Aalen hinzufügen, dann siehts doch nicht ganz so schlecht aus, oder?
6. Eine Frage zu Mustafa Akcay: Zu seinen Qualitäten gehört es, das Spiel zu lesen, ein taktisches Foul im richtigen Moment und die Balleroberung. Er ist also ganz klar ein "6er", der das Spiel vor sich haben muss. Dagegen müht er sich diese Saison auf der 10 ab. Wie sehen Sie seine Rolle? Ist er, wenn alle fit sind, womöglich nur noch Ersatz?
Mustafa Akcay hat schon in der letzten Saison eher auf der 10 als auf der 6 gespielt, zumindest wenn er gleichzeitig mit Manuel Hartmann aufgelaufen ist. Er kann beide Positionen sehr gut ausfüllen.
Wir haben in unserem kleinen Kader keine Ersatzspieler. Jeder hat schon von Anfang an gespielt und wird auch in den kommenden Wochen gebraucht. Der eine von Anfang an, der andere nach seiner Einwechslung. Viel hängt auch von der Tagesform ab.
7. Eine bemerkenswerte Entwicklung hat Nico Kanitz gemacht. Anfang der
Saison hat er kaum gespielt, in den letzten Spielen war er Leistungsträger.
Wie kommt das?
Er hat seine Chance nach der Verletzung von Moritz Steinle genutzt. Aber auch er war nie ein Ersatzspieler im eigentlichen Sinne, sondern einer von meheren guten Außenverteidigern.
8. Haben sie den Pokalgegner Crailsheim am Wochenende beobachtet? Werden wieder Spieler aus der zweiten Reihe zum Einsatz kommen?
Wir kennen die Oberliga und in diesem Fall Crailsheim durch unsere
2. Mannschaft sehr gut. Es kommen die Spieler zum Einsatz, die fit sind und für die gestellte Aufgabe die richtigen zu sein scheinen.
9. Die Kickers sind plötzlich wieder gefragt. Merken Sie das auch bei Anfragen von Spielern und ihren Beratern, die gerne für die Blauen auflaufen würden?
Nein, dazu ist es noch zu früh. Dies wird bestimmt Ende November der Fall sein.
10. Beim Spiel gegen Pirmasens werden sie zum 100. mal in Folge bei einem Spiel der ersten Mannschaft als Chefcoach auf der Bank sitzen.
Sie sind seit Wolfgang Wolf (94-98 ) der erste Trainer, der das schafft, und
erst der siebte Trainer in den letzten 60 Jahren, der das bei den Kickers
geschafft hat. Diese Entwicklung war nicht unbedingt abzusehen. Haben Sie persönlich damals so etwas erwartet? Was hat sich seit Ihrem Anfang
verändert?
Ich habe gut daran getan, auf dem Schleudersitz der Stuttgarter Kickers nichts zu erwarten und freue mich, dass wir so erfolgreich zusammenarbeiten.
Verändert hat sich: Vor drei Jahren waren wir Abstiegskandidat, jetzt sind
wir Aufstiegskandidat.
1. Herr Dutt, sie haben betont, dass sie mit ihrer Mannschaft genauso hart trainieren wie ein Bundesligateam. Inwiefern ist der enge Terminplan dafür verantwortlich, dass die letzten drei Punktspiele nicht gewonnen werden konnten?
Der enge Terminplan ist nicht in erster Linie für die Ergebnisse verantwortlich, jedoch haben wir in der Trainingsarbeit ein Problem: Durch die vielen Spiele dienen die Trainingseinheiten dazwischen fast nur zur Regeneration und einigen technischen Inhalten. Die Weiterentwicklung im taktischen Bereich kommt oft zu kurz, weil wir keine Zeit dafür haben. Doch gerade die jungen Spieler benötigen unbedingt diese taktischen Einheiten.
2. Gegen Reutlingen waren Sie mehrfach sehr erregt an der Seitenlinie. Als Ferndiagnose könnte man daraus schließen, dass Sie Müdigkeit allein als Ausrede nicht akzeptieren - zumal auch schon in Siegen die ersten 45 Minuten die schwächeren waren. Im Forum wurde das Spiel ungewöhnlich kontrovers diskutiert. Wie bewerten Sie den Auftritt?
Mit den jeweiligen Halbzeiten können wir auf keinen Fall zufrieden sein. Wir haben technische und taktische Fehler gemacht. Wie bereits in der obigen Antwort erwähnt würden wir uns einfacher tun, wenn wir die Defizite durch Trainingsarbeit begleichen könnten. So müssen wir auf die zweite Halbzeit und unsere konditionelle Stärke hoffen. Dies ging oft gut, leider nicht in den letzten Spielen.
3. Der Aufstieg ist inzwischen offiziell Saisonziel, die Gegner ändern inzwischen gegen uns als Tabellenführer ihre Spielweise. Inwieweit sehen Sie noch Probleme des Teams, sich auf diese veränderte Situation einzustellen - auf und neben dem Platz?
Wir müssen lernen, gegen extrem tief stehende Mannschaften spielerisch eine Lösung zu finden. Und schon sind wir wieder beim gleichen Thema wie in Antwort 1 und 2....
Mit der Situation neben dem Platz geht die Mannschaft ganz gut um.
4. Reicht die Pause nach dem Crailsheim-Spiel aus, um den Substanzverlust der letzten harten Wochen auszugleichen? Mit welchen Mitteln wollen Sie dies erreichen? Gibt es ein paar Tage frei? Und gibt es sonst noch etwas Besonderes, dass Sie der Mannschaft während dieser Pause vermitteln wollten.
Wir werden von Mittwoch bis Freitag in ein Regenerationstrainingslager am Bodensee gehen. Hier werden die Spieler Zeit haben, zu regenerieren und die Akkus wieder aufzuladen. In der kommenden Woche haben wir zum Glück dann wieder eine komplette Woche für die Trainingsarbeit, um uns auf Pirmasens einzustellen. Ja, die Zeit reicht aus.
5. Die Heimbilanz 2006/2007 ist mit zwei Siegen und drei Remis noch ausbaufähig. Betrachtet man auch noch die Heimspiel-Rückrunde 2005/2006 (drei Siege, zwei Remis, drei Niederlagen), so kommt man nicht unbedingt auf die Idee, die Kickers als "Heim-Mannschaft" zu bezeichnen. Wie bewerten Sie die Heimbilanz 2006?
Als ich vor 3 Jahren angefangen habe wurde die Auswärtsbilanz kritisiert, nun die Heimbilanz. Mich interessiert nur die Gesamtbilanz und die aktuelle Entwicklung. Aktuell müssen wir uns wieder steigern, um im nächsten Spiel wieder einen Dreier einfahren zu können. Insgesamt jammern wir auf dem höchsten Niveau seit dem Abstieg aus der 2. Liga. Wenn mir vor 8 Wochen jemand gesagt hätte, welche Probleme auf uns Anfang Oktober warten, hätte ich gesagt: Her mit diesen Problemen. Wir sind Tabellenführer!
Und zur Heimbilanz würde ich gerne noch 2 Pokalsiege gegen den HSV und VFR Aalen hinzufügen, dann siehts doch nicht ganz so schlecht aus, oder?
6. Eine Frage zu Mustafa Akcay: Zu seinen Qualitäten gehört es, das Spiel zu lesen, ein taktisches Foul im richtigen Moment und die Balleroberung. Er ist also ganz klar ein "6er", der das Spiel vor sich haben muss. Dagegen müht er sich diese Saison auf der 10 ab. Wie sehen Sie seine Rolle? Ist er, wenn alle fit sind, womöglich nur noch Ersatz?
Mustafa Akcay hat schon in der letzten Saison eher auf der 10 als auf der 6 gespielt, zumindest wenn er gleichzeitig mit Manuel Hartmann aufgelaufen ist. Er kann beide Positionen sehr gut ausfüllen.
Wir haben in unserem kleinen Kader keine Ersatzspieler. Jeder hat schon von Anfang an gespielt und wird auch in den kommenden Wochen gebraucht. Der eine von Anfang an, der andere nach seiner Einwechslung. Viel hängt auch von der Tagesform ab.
7. Eine bemerkenswerte Entwicklung hat Nico Kanitz gemacht. Anfang der
Saison hat er kaum gespielt, in den letzten Spielen war er Leistungsträger.
Wie kommt das?
Er hat seine Chance nach der Verletzung von Moritz Steinle genutzt. Aber auch er war nie ein Ersatzspieler im eigentlichen Sinne, sondern einer von meheren guten Außenverteidigern.
8. Haben sie den Pokalgegner Crailsheim am Wochenende beobachtet? Werden wieder Spieler aus der zweiten Reihe zum Einsatz kommen?
Wir kennen die Oberliga und in diesem Fall Crailsheim durch unsere
2. Mannschaft sehr gut. Es kommen die Spieler zum Einsatz, die fit sind und für die gestellte Aufgabe die richtigen zu sein scheinen.
9. Die Kickers sind plötzlich wieder gefragt. Merken Sie das auch bei Anfragen von Spielern und ihren Beratern, die gerne für die Blauen auflaufen würden?
Nein, dazu ist es noch zu früh. Dies wird bestimmt Ende November der Fall sein.
10. Beim Spiel gegen Pirmasens werden sie zum 100. mal in Folge bei einem Spiel der ersten Mannschaft als Chefcoach auf der Bank sitzen.
Sie sind seit Wolfgang Wolf (94-98 ) der erste Trainer, der das schafft, und
erst der siebte Trainer in den letzten 60 Jahren, der das bei den Kickers
geschafft hat. Diese Entwicklung war nicht unbedingt abzusehen. Haben Sie persönlich damals so etwas erwartet? Was hat sich seit Ihrem Anfang
verändert?
Ich habe gut daran getan, auf dem Schleudersitz der Stuttgarter Kickers nichts zu erwarten und freue mich, dass wir so erfolgreich zusammenarbeiten.
Verändert hat sich: Vor drei Jahren waren wir Abstiegskandidat, jetzt sind
wir Aufstiegskandidat.