Waldhof Mannheim schon wieder in Finanznöte
Verfasst: Mittwoch 22. November 2006, 12:13
Ansprüche gegen Realität beim SV Waldhof
FUSSBALL: Millionenschulden und fehlende Sponsoren beherrschen die Hauptversammlung
Von unserem Mitarbeiter Roland Bode
"Die Hoffnung stirbt zuletzt", drückte Präsidiumsmitglied Rainer Spagerer wohl am besten aus, was die 205 Mitglieder im Franziskus-Saal von der Hauptversammlung des SV Waldhof am Montag mit nach Hause nehmen durften. Trotz aktueller Schuldenlast von über 1,1 Millionen Euro, ungewisser sportlicher Zukunft und extern geführter Diskussionen um Präsidiumsposten bewegt vor allem aber die spannende Frage: Wohin steuert der Traditionsverein vom Alsenweg fünf Monate vor seinem 100. Geburtstag?
Es blieb ruhig und diszipliniert. Nach etwas mehr als zwei Stunden war Schluss. "Die wirtschaftliche Situation hat uns viele schlaflose Nächte bereitet", räumte Präsident Dr. Hans Joachim Bremme ein. Zwar konnte der Verein in Folge eines strikten Sparkurses und erhöhter Einnahmen im Catering-, Merchandising- und Werbebereich um 133 000 Euro gegenüber dem Vorjahr im "Haben" zulegen. Was drückt, sind vor allem die im Geschäftsjahr 2005/06 um 319 000 Euro angestiegenen Kosten für den Spielbetrieb und seine Verwaltung (Löhne, Gehälter, Sozialabgaben). Auf insgesamt 700 000 Euro bezifferte Schatzmeister Jürgen Winter den operativen Verlust der vergangenen Saison. Davon sind liquiditätswirksam 300 000 Euro, die inzwischen zu "großen Teilen über Einnahmen aus dem neuen Business-Club abgetragen wurden", erklärte der SVW-Finanzchef: "Mit einem Verlust haben wir gerechnet, aber nicht in dieser Höhe. Das tut sehr weh, weil es zu Lasten der aktuellen Situation geht", so Winter weiter.
Was in Bezug auf den - komplett anwesenden - Oberliga-Kader so viel heißt: Ohne eine kurzfristig höhere Finanzspritze ist an Verstärkungen im Winter kaum zu denken. "Wir kommen nicht an der Erkenntnis vorbei, dass mit Ausnahme der MVV kein größeres Unternehmen in Mannheim bereit ist, in Fußball zu investieren", bedauerte Vereinschef Bremme. "Trotzdem wird der SVW über die 100 Jahre hinaus bestehen. Jedes Jahr steht der Verein unter erhöhtem Erfolgsdruck. Für diesen Druck sind wir im Präsidium verantwortlich, weil es bald die dritte Liga gibt. Mit unseren Ansprüchen wollen wir uns nicht mit der vierten oder fünften Liga zufrieden geben", begründete Bremme die finanziell immensen Anstrengungen der vergangenen Jahre.
Jüngsten Forderungen im Umfeld nach rollenden Köpfen - in der sportlichen wie in der Vereinsführung - erteilte er in einem Teil zumindest eine Absage: "Das Präsidium steht uneingeschränkt zum Trainerteam. Die Mannschaft muss zusammenwachsen und dazu brauchen wir alle mehr Geduld, als wir erhofft haben", räumte er ein. Ferner äußerte Bremme: "Es gibt keinen im Präsidium, der nicht bereit wäre, wenn es dem SVW nutzt, sofort sein Amt zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch für mich. Ich will aber wissen, ob sich ein Interessent nachhaltig in den Verein einbringen will und nicht nur einer Laune folgt. Vor allem will ich wissen, ob im Hintergrund wirklich keine anderen Interessenten wie Spielerberater oder selbstgefällige Wichtigmacher sind. Wenn es keine ernsthaften Alternativen gibt, werden wir unseren Auftrag bis Herbst 2007 erfüllen."
Das ist eine deutliche Kampfansage des Klubchefs an jene Interessengruppe um Ex-Profi Markus Münch, die als Medienphantom außerhalb Mannheims herum geistert: "Ein ehemaliger Fußballspieler habe einen Pool zur Verfügung, mit dem er den Verein retten will. Bitte nehmen Sie nicht alles, was in den Medien steht, für bare Münze", erklärte Bremme.
Mannheimer Morgen von heute
FUSSBALL: Millionenschulden und fehlende Sponsoren beherrschen die Hauptversammlung
Von unserem Mitarbeiter Roland Bode
"Die Hoffnung stirbt zuletzt", drückte Präsidiumsmitglied Rainer Spagerer wohl am besten aus, was die 205 Mitglieder im Franziskus-Saal von der Hauptversammlung des SV Waldhof am Montag mit nach Hause nehmen durften. Trotz aktueller Schuldenlast von über 1,1 Millionen Euro, ungewisser sportlicher Zukunft und extern geführter Diskussionen um Präsidiumsposten bewegt vor allem aber die spannende Frage: Wohin steuert der Traditionsverein vom Alsenweg fünf Monate vor seinem 100. Geburtstag?
Es blieb ruhig und diszipliniert. Nach etwas mehr als zwei Stunden war Schluss. "Die wirtschaftliche Situation hat uns viele schlaflose Nächte bereitet", räumte Präsident Dr. Hans Joachim Bremme ein. Zwar konnte der Verein in Folge eines strikten Sparkurses und erhöhter Einnahmen im Catering-, Merchandising- und Werbebereich um 133 000 Euro gegenüber dem Vorjahr im "Haben" zulegen. Was drückt, sind vor allem die im Geschäftsjahr 2005/06 um 319 000 Euro angestiegenen Kosten für den Spielbetrieb und seine Verwaltung (Löhne, Gehälter, Sozialabgaben). Auf insgesamt 700 000 Euro bezifferte Schatzmeister Jürgen Winter den operativen Verlust der vergangenen Saison. Davon sind liquiditätswirksam 300 000 Euro, die inzwischen zu "großen Teilen über Einnahmen aus dem neuen Business-Club abgetragen wurden", erklärte der SVW-Finanzchef: "Mit einem Verlust haben wir gerechnet, aber nicht in dieser Höhe. Das tut sehr weh, weil es zu Lasten der aktuellen Situation geht", so Winter weiter.
Was in Bezug auf den - komplett anwesenden - Oberliga-Kader so viel heißt: Ohne eine kurzfristig höhere Finanzspritze ist an Verstärkungen im Winter kaum zu denken. "Wir kommen nicht an der Erkenntnis vorbei, dass mit Ausnahme der MVV kein größeres Unternehmen in Mannheim bereit ist, in Fußball zu investieren", bedauerte Vereinschef Bremme. "Trotzdem wird der SVW über die 100 Jahre hinaus bestehen. Jedes Jahr steht der Verein unter erhöhtem Erfolgsdruck. Für diesen Druck sind wir im Präsidium verantwortlich, weil es bald die dritte Liga gibt. Mit unseren Ansprüchen wollen wir uns nicht mit der vierten oder fünften Liga zufrieden geben", begründete Bremme die finanziell immensen Anstrengungen der vergangenen Jahre.
Jüngsten Forderungen im Umfeld nach rollenden Köpfen - in der sportlichen wie in der Vereinsführung - erteilte er in einem Teil zumindest eine Absage: "Das Präsidium steht uneingeschränkt zum Trainerteam. Die Mannschaft muss zusammenwachsen und dazu brauchen wir alle mehr Geduld, als wir erhofft haben", räumte er ein. Ferner äußerte Bremme: "Es gibt keinen im Präsidium, der nicht bereit wäre, wenn es dem SVW nutzt, sofort sein Amt zur Verfügung zu stellen. Das gilt auch für mich. Ich will aber wissen, ob sich ein Interessent nachhaltig in den Verein einbringen will und nicht nur einer Laune folgt. Vor allem will ich wissen, ob im Hintergrund wirklich keine anderen Interessenten wie Spielerberater oder selbstgefällige Wichtigmacher sind. Wenn es keine ernsthaften Alternativen gibt, werden wir unseren Auftrag bis Herbst 2007 erfüllen."
Das ist eine deutliche Kampfansage des Klubchefs an jene Interessengruppe um Ex-Profi Markus Münch, die als Medienphantom außerhalb Mannheims herum geistert: "Ein ehemaliger Fußballspieler habe einen Pool zur Verfügung, mit dem er den Verein retten will. Bitte nehmen Sie nicht alles, was in den Medien steht, für bare Münze", erklärte Bremme.
Mannheimer Morgen von heute