StZ: Die Insolvenz der Kickers scheint vom Tisch
Verfasst: Freitag 14. November 2003, 08:37
Die Insolvenz der Kickers scheint vom Tisch
Der krisengeschüttelte Fußball-Regionalligist bekommt finanzielle Unterstützung - das Präsidium gibt aber nicht bekannt, von wem
STUTTGART. "Wir können tief durchatmen", hat der Kickers-Präsident Hans Kullen gestern gesagt. Nach den vielen Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen gibt es ein Erfolgserlebnis: Zwei neue Partner helfen dem Verein mit einer jeweils sechsstelligen Summe.
Von Joachim Klumpp
Morgen schreiben wir den 15. November, doch für die Fans der Stuttgarter Kickers ist das Jahr gewissermaßen beendet. Denn die Partie gegen Pfullendorf ist bereits der letzte Heimauftritt 2003, nachdem das ursprünglich noch geplante Spiel gegen Wehen erst im neuen Jahr stattfindet. Die Verlegung war nötig, weil der Kickers-Spieler Patrick Milchraum an der U-20-WM teilnimmt, "und er für uns derzeit so wichtig ist, dass ich deswegen keine Wettbewerbsverzerrung in Kauf nehme", wie es Trainer Robin Dutt ausdrückt.
Was er nicht sagt: Vielleicht ist Milchraum beim Nachholtermin gegen Wehen gar nicht mehr bei den Kickers, weil der Verein ihn zwecks Transfereinnahmen in der Winterpause verkaufen wird. "Im Moment gehe ich davon aus, dass er noch bei uns spielt", sagt der Präsident Hans Kullen, fügt aber hinzu: "Das ist der Stand heute." Sein Trainer Dutt sieht die Diskussion eher pragmatisch: "Wenn ein Spieler von uns bei der Junioren-Weltmeisterschaft vertreten ist, zeigt das doch, dass die Kickers auf dem Weg sind, wieder eine Marke zu werden."
Da trifft es sich ganz gut, dass der Präsident in den krisengeschüttelten Zeiten noch eine andere gute Botschaft loswerden kann: "Wir haben zwei Partner gefunden, die bereit sind, jeweils mit einem sechsstelligen Betrag einzusteigen." Um wen es sich handelt und mit welcher exakten Summe, das verträgt offenbar das Schnaufen nicht: "Im Moment wollen die Leute nicht genannt werden."
Diese Finanzspritze jedenfalls vertreibt das Damoklesschwert Insolvenz. "Einen freiwilligen Rückzug in die Oberliga wird es nicht geben", betont Kullen, "obwohl es rein rechnerisch vielleicht durchaus Sinn gemacht hätte." Denn eines ist klar: Trotz der neuen Partner ist die wirtschaftliche Lage bei den Kickers nach wie vor angespannt, und der Präsident weiß auch warum: "In erster Linie fehlen uns die Gelder des Hauptsponsors."
Dessen laufendes Engagement taucht zwar in der Bilanz auf, bringt aber keine Liquidität, weil die rund 300 000 Euro als Tilgung für gezahlte Vorschüsse aus der Vergangenheit zu sehen sind. Wobei Kullen betont: "Finanztechnisch ist die Abwicklung durch Herrn Garcia absolut in Ordnung." Nach den Entlassungen des Jugendleiters Kilgus, des Trainers Adrion (mit dem sich die Kickers auf die Weiterzahlung der Hälfte seines Gehalts geeinigt haben) sowie des Managers Erdin, die dem Unternehmer allesamt nahe standen, ist eine weitere Zusammenarbeit mit "Gazi" sowieso Illusion. Kullen: "Natürlich müssen wir schauen, dass sich in Sachen Hauptsponsor etwas bewegt."
Auch die Amateure des VfB Stuttgart wollen etwas bewegen, allerdings nur sportlich. Bereits heute (19.30 Uhr) wartet die Aufgabe in Siegen. "Jedes Spiel ist schwer", sagt Trainer Reinhold Fanz, der nicht nur auf die verletzten Rathgeb, Handschuh, Luz, Rasiejewski, Alabi und Tuzlak verzichten muss, sondern auch auf Torhüter Benaglio, Mittelfeldspieler Berger und Stürmer Slawi Hleb, die alle drei international im Einsatz sind, und das nicht zum ersten Mal. "Das ist sicher kein Vorteil", sagt Fanz, "denn zum einen sind es gute Spieler, zum anderen sind wir so immer wieder zu Umstellungen gezwungen."
Aktualisiert: 14.11.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/547319
Der krisengeschüttelte Fußball-Regionalligist bekommt finanzielle Unterstützung - das Präsidium gibt aber nicht bekannt, von wem
STUTTGART. "Wir können tief durchatmen", hat der Kickers-Präsident Hans Kullen gestern gesagt. Nach den vielen Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen gibt es ein Erfolgserlebnis: Zwei neue Partner helfen dem Verein mit einer jeweils sechsstelligen Summe.
Von Joachim Klumpp
Morgen schreiben wir den 15. November, doch für die Fans der Stuttgarter Kickers ist das Jahr gewissermaßen beendet. Denn die Partie gegen Pfullendorf ist bereits der letzte Heimauftritt 2003, nachdem das ursprünglich noch geplante Spiel gegen Wehen erst im neuen Jahr stattfindet. Die Verlegung war nötig, weil der Kickers-Spieler Patrick Milchraum an der U-20-WM teilnimmt, "und er für uns derzeit so wichtig ist, dass ich deswegen keine Wettbewerbsverzerrung in Kauf nehme", wie es Trainer Robin Dutt ausdrückt.
Was er nicht sagt: Vielleicht ist Milchraum beim Nachholtermin gegen Wehen gar nicht mehr bei den Kickers, weil der Verein ihn zwecks Transfereinnahmen in der Winterpause verkaufen wird. "Im Moment gehe ich davon aus, dass er noch bei uns spielt", sagt der Präsident Hans Kullen, fügt aber hinzu: "Das ist der Stand heute." Sein Trainer Dutt sieht die Diskussion eher pragmatisch: "Wenn ein Spieler von uns bei der Junioren-Weltmeisterschaft vertreten ist, zeigt das doch, dass die Kickers auf dem Weg sind, wieder eine Marke zu werden."
Da trifft es sich ganz gut, dass der Präsident in den krisengeschüttelten Zeiten noch eine andere gute Botschaft loswerden kann: "Wir haben zwei Partner gefunden, die bereit sind, jeweils mit einem sechsstelligen Betrag einzusteigen." Um wen es sich handelt und mit welcher exakten Summe, das verträgt offenbar das Schnaufen nicht: "Im Moment wollen die Leute nicht genannt werden."
Diese Finanzspritze jedenfalls vertreibt das Damoklesschwert Insolvenz. "Einen freiwilligen Rückzug in die Oberliga wird es nicht geben", betont Kullen, "obwohl es rein rechnerisch vielleicht durchaus Sinn gemacht hätte." Denn eines ist klar: Trotz der neuen Partner ist die wirtschaftliche Lage bei den Kickers nach wie vor angespannt, und der Präsident weiß auch warum: "In erster Linie fehlen uns die Gelder des Hauptsponsors."
Dessen laufendes Engagement taucht zwar in der Bilanz auf, bringt aber keine Liquidität, weil die rund 300 000 Euro als Tilgung für gezahlte Vorschüsse aus der Vergangenheit zu sehen sind. Wobei Kullen betont: "Finanztechnisch ist die Abwicklung durch Herrn Garcia absolut in Ordnung." Nach den Entlassungen des Jugendleiters Kilgus, des Trainers Adrion (mit dem sich die Kickers auf die Weiterzahlung der Hälfte seines Gehalts geeinigt haben) sowie des Managers Erdin, die dem Unternehmer allesamt nahe standen, ist eine weitere Zusammenarbeit mit "Gazi" sowieso Illusion. Kullen: "Natürlich müssen wir schauen, dass sich in Sachen Hauptsponsor etwas bewegt."
Auch die Amateure des VfB Stuttgart wollen etwas bewegen, allerdings nur sportlich. Bereits heute (19.30 Uhr) wartet die Aufgabe in Siegen. "Jedes Spiel ist schwer", sagt Trainer Reinhold Fanz, der nicht nur auf die verletzten Rathgeb, Handschuh, Luz, Rasiejewski, Alabi und Tuzlak verzichten muss, sondern auch auf Torhüter Benaglio, Mittelfeldspieler Berger und Stürmer Slawi Hleb, die alle drei international im Einsatz sind, und das nicht zum ersten Mal. "Das ist sicher kein Vorteil", sagt Fanz, "denn zum einen sind es gute Spieler, zum anderen sind wir so immer wieder zu Umstellungen gezwungen."
Aktualisiert: 14.11.2003, 05:06 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... php/547319