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Oberliga-Halbzeit

Verfasst: Donnerstag 14. Dezember 2006, 09:24
von McVillager
Statt Tristesse "droht" der Triumph

FUSSBALL-OBERLIGA: Sandhausen ist Herbstmeister / Aufsteiger allesamt im Abstiegskampf

Von unserem Redaktionsmitglied Michael Fürst

Neun Jahre gehörte der FV Lauda als Aushängeschild der Fußballregion Odenwald-Tauber der Oberliga Baden-Württemberg an. Nach dem Abstieg im diesem Frühjahr ist nun die erste Halbserie in der vierthöchsten deutschen Spielklasse ohne die Taubertäler vorüber. Und an der Spitze überwintert ein Verein, der seit Jahren versucht, in die Regionalliga Süd aufzusteigen: der SV Sandhausen. Zwar hat die Mannschaft um den ehemaligen Trainer des FV Lauda, Gerd Dais, nur einen Punkt Vorsprung vor dem SSV Ulm, trotzdem ist man am Hardtwald stolz und froh, dass es nach Jahren der Tristesse und der andauernden Trainerwechsel endlich so gut läuft.

Doch das war vor der Saison nicht abzusehen. Wieder präsentierte der SV bei der Saisoneröffnung 14 Neuzugänge. Erneut, wie in all den Jahren zuvor, sollte der Aufstieg mit einer komplett neuen und nicht eingespielten Mannschaft gelingen. Für SV-Präsident Jürgen Machmeier liegt der Grund dafür, warum es in diesem Jahr anders lief, auf der Hand: Er heißt Gerd Dais. Der 43-jährige Fußballlehrer genießt aufgrund seiner pflichtbewussten und akribischen Arbeit 100-prozentige Rückendeckung im Verein - das war nicht immer so. Im Gegensatz zu den Vorjahren schaute sich der ehemalige Bundesliga-Spieler des SV Waldhof die potenziellen Neuzugänge für die Saison 2006/2007 selbst an, oft bis zu fünf Mal, um sich selbst ein Bild von deren Qualität zu machen. Dazu war Manager Tobias Gebert fast genau so viele Kilometer unterwegs. So konnten sich die sportliche Verantwortlichen selbst ein Bild von den Spielern machen und verließen sich nicht auf eine Bewerbungs-DVD und Urteile von Spielerberatern. Deshalb wurde dem SV nicht wieder das eine oder andere Kuckucksei ins Nest gelegt.

Auch dank der Leistungsexplosion eines Daniel Ruf, der bisher zehn Saisontore erzielte (in der gesamten letzten Runde waren es gerade mal acht), marschierten die Kicker vom Hardtwald bis auf Platz eins. "Dabei haben wir aber auch viele Punkte leichtfertig liegen lassen", weiß Dais und erinnert stellvertretend an das 4:4 gegen Ulm. Nach 35 Minuten hatte Sandhausen in dieser Partie noch 4:0 geführt. Dais bedauert, dass sein Top-Stürmer wohl die komplette Rückrunde ausfallen wird. Daniel Ruf zog sich kürzlich einen Kreuzbandriss zu.

Das Tabellenbild zeigt derzeit eigentlich nur zwei Teams, die dem SV Sandhausen die Meisterschaft noch streitig machen können: Ulm und Heidenheim. "Die Spatzen" haben auch schon angekündigt, in der Winterpause nochmals personell nachzulegen. Doch ganz außer Acht lassen darf man auch den TSV Crailsheim nicht. Nach einem völlig verkorksten Saisonstart haben sich "die Horaffen" bis auf Rang vier vorgearbeitet. Spielerisch kann sich die Mannschaft von Trainer Peter Kosturkov auch mit den Top-Drei der Liga messen, doch den Crailsheimern fehlt etwas die Konstanz. Ein Beispiel hierfür ist das 1:1 in Emmendingen, als man bis zur zweiten Nachspielminute noch 1:0 führte, um dann nach einer Ecke noch den Ausgleich zu kassieren. "Solche Punktverluste tun weh", gab damals auch Manager Werner Rank zähneknirschend zu.

Noch lauter ist das Zähneknirschen aus Mannheim zu hören - vor allem vom SV Waldhof. Mit Steffen Menze stellte der Traditionsverein aus der Quadratestadt wieder mal einen neuen Trainer vor - dazu 14 Neuzugänge aus der gesamten Republik. Damit haben die Waldhöfer den selben Fehler wie der SV Sandhausen all die Jahre zuvor gemacht. Der anvisierte Aufstieg ist bereits zur Saison-Halbzeit verspielt. Zudem fuhr der Verein nach seiner Insolvenz 2003 wieder ein Millionen-Defizit ein. Randalierende Fans sorgten erneut für Negativ-Schlagzeilen. Der SVW ist drauf und dran, auch den Rest der jahrelang erworbenen Sympathien zu verspielen.

Noch intensiver als das Rennen um den einen Aufstiegsplatz ist der Kampf gegen den Abstieg. Hierbei ist noch nicht klar, wie viele Teams wieder in die Verbandsliga runter müssen. Im Moment währen es vier, da Pfullendorf in der Regionalliga auf einem Abstiegplatz steht. Doch auch der KSC II und der kriselnde VfR Aalen sind gefährdet, so dass es durchaus auch fünf Absteiger geben kann. Kaum noch zu retten scheint der SV Bonlanden, der jetzt schon neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer hat. "Gott sei Dank ist jetzt Winterpause", will SVB-Trainer Klaus Kämmerer erst mal durchschnaufen, hisst aber noch lange nicht die weiße Flagge. Und auch ein zweiter Aufsteiger tut sich schwer: der 1. FC Pforzheim, mit dem Osterburkener Christoph Stahl in der Innenverteidigung, ist Vorletzter, aber keinesfalls abgeschlagen. Vor allem zum Rundenbeginn tat sich "der Club", der in der kommenden Saison mit dem VfR Pforzheim fusionieren wird, schwer, weil er einfach zu wenig Tore schoss. Der dritte Aufsteiger Villingen steht nur deshalb über dem "virtuellen Strich", weil er einen hervorragenden Saisonstart hinlegte. In den letzten Woche ging es für die Südbadener rapide bergab.

Und auch die Mannschaft von Valentin Herr steht, trotz des jüngsten 2:0-Erfolgs über den SV Waldhof mitten im Abstiegskampf. "Aber in der Kirche wird noch georgelt", sagte der Ex-Trainer des FV Lauda am letzten Samstag. Doch egal wie seine Saison in der Oberliga zuende geht - seinem Freund Gerd Dais gönnt er den Aufstieg von Herzen. Doch noch sind 16 Partien zu spielen, aber Dais weiß: "Wir sind auf einem guten Weg."

© Fränkische Nachrichten - 14.12.2006