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Aufnahmestopp in Freiburg wegen Finke-Diskussionen

Verfasst: Donnerstag 5. April 2007, 16:36
von gerko
Um weitere Diskussionen um einen Verbleib von Trainer Volker Finke zu unterbinden, hat der SC Freiburg einen Aufnahmestopp für Neu-Mitglieder angekündigt.

Der Vorstand bekräftigte die Entscheidung, sich zum Saisonende von Finke zu trennen und kritisierte den Versuch der Finke-Befürworter, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Eine solche Versammlung sei «schädlich und inhaltlich ohne wirklichen Sinn», hieß es in einem Schreiben an die 2500 Mitglieder. Mit dem Aufnahmestopp will der SC verhindern, dass weitere Finke-Sympathisanten kurzfristig eintreten und die Mitgliederversammlung herbeiführen.

Nach Angaben der Finke-Anhänger liegen bisher 200 Anträge vor, für eine nicht turnusmäßige Mitgliederversammlung werden 625 benötigt. Die Fangruppierung «Wir sind Finke» will, dass bei einer solchen Versammlung «die Entscheidung über die sportliche Leitung diskutiert und eine Kurskorrektur vorgenommen wird», wie es in einer Mitteilung heißt. Der Vorstand um Präsident Achim Stocker habe mit der Entscheidung im Dezember 2006, sich nach 16 Jahren von Finke trennen zu wollen, «panikartig» gehandelt.

Obwohl in Robin Dutt von den Stuttgarter Kickers längst der Nachfolger Finkes feststeht, hält die Diskussion um den Coach ebenso an wie dessen Erfolgssträhne mit der Mannschaft. Die hat sich in den letzten Wochen vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten gemausert. Laut Club-Angaben kann der Trainerwechsel nach der Satzung des Vereins und der Deutschen Fußball Liga (DFL) ohnehin nicht rückgängig gemacht werden.

fussball24.de

Verfasst: Freitag 6. April 2007, 07:12
von Heiko
Wie peinlich!

Ist so ein Aufnahmestopp überhaupt zulässig? Darf ein Vorstand Leuten verbieten in den Verein einzutreten, nur weil sie deren Meinung nicht teilen? Immerhin geht es hier nicht um Mörder, Kriegsverbrecher und Kinderschänder sondern nur um Leute denen offensichtlich durchaus was am Verein liegt und die nicht tatenlos zusehen wollen.

Verfasst: Freitag 6. April 2007, 07:19
von gerko
Kein Verein ist verpflichtet ein Mitglied aufzunehmen.

Verfasst: Freitag 6. April 2007, 10:26
von DirtyToby
gerko hat geschrieben:Kein Verein ist verpflichtet ein Mitglied aufzunehmen.
rüschdüsch!

Verfasst: Freitag 6. April 2007, 10:30
von Tacheles
Außerdem: Ihr habt Sorgen...

Verfasst: Freitag 6. April 2007, 10:58
von Heiko
Naja. Blamabel ist die Sache trotzdem.

Die elegante Lösung: Offiziell ist die Geschäftsstelle derzeit überlastet, alle Mitgliedsanträge werden püntklich am 2.Juli bearbeitet und natürlich auch die Beiträge eingezogen - also einen Tag nach Amtsantritt des neuen Trainers. :lol:

Gerangel um Finke: Freiburgs Angst vor schmutziger Wäsche

Verfasst: Samstag 14. April 2007, 12:55
von Rael

Verfasst: Samstag 14. April 2007, 13:24
von Basti
Bild

Verfasst: Samstag 14. April 2007, 15:18
von gerko
Freiburgs Angst vor schmutziger Wäsche

Von Christoph Ruf

Der Abgang von Freiburg-Trainer Volker Finke zum Saisonende ist beschlossen. Dennoch befehden sich Gegner und Befürworter des langjährigen Coachs bis aufs Blut. Der Vorstand gerät mit jedem Sieg des Zweitliga-Teams mehr unter Druck und legt sich mit seinen Mitgliedern an.

Der Mann, der sich mit hochrotem Kopf dem Stand nähert, ist außer sich: Seit 20 Jahren gehe er nun schon zum SC, "und jetzt, wo ich Mitglied werden will, wollen sie mir das verbieten". "Sie", das sind Präsident Achim Stocker und die beiden Vizepräsidenten Fritz Keller und Heinrich Breit, die in der vergangenen Woche beschlossen hatten, einen Aufnahmestopp für Mitglieder zu verhängen. Die Maßnahme ist eine Antwort auf das Vorhaben der Fan-Initiative "Wir sind Finke", die mithilfe einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Trennung von Finke rückgängig machen will. Wenn ein Viertel der bereits aktiven Mitglieder eine außerplanmäßige Versammlung unterstützt, muss diese stattfinden. Doch bislang haben nur 200 statt der benötigten 625 Unterstützer unterschrieben.

Achim Trenkle von "Wir-sind-Finke", ein braungebrannter freundlicher Mittvierziger mit großem Ohrring, freut sich über den wütenden Fan. "Bleib doch. In fünf Minuten kommt Premiere, das kannst du dann vor der Kamera noch mal wiederholen." Trenkles Argumente fallen auf fruchtbaren Boden, der SC-Vorstand ist in die Defensive geraten. Einiges spricht dafür, dass man sich auch in der Führungsetage mittlerweile ärgert, die im Dezember verkündete Trennung von Finke zum Saisonende nicht bereits im Dezember vollzogen zu haben.

Unabhängig vom weiteren Saisonverlauf wäre Ruhe im Umfeld eingekehrt. So aber verstärkt der Mitglieder-Aufnahmestopp den Eindruck, dass die Verantwortlichen die Diskussion mit den Finke-Befürwortern scheuen. Vizepräsident Breit dementiert das. Man habe lange überlegt, ob man eine solche Versammlung als "Forum zu einer grundsätzlichen Aussprache nutzen solle". Doch dann hätte man dort wohl auch "schmutzige Wäsche waschen" müssen. "Es wäre schön, wenn beide Seiten das ließen."

Ob Freiburg wirklich Finke ist? Die Initiative sei vielleicht Finke, nicht jedoch Freiburg, sagt Ralf Hettich von den "Natural Born Ultras". "Die sind zu unbedeutend, um für die Fanszene an sich zu sprechen. Außerdem sind sie sich untereinander nicht einig", so Hettich. Trenkle hingegen hält dagegen - und die Finke-kritischen Ultras sowieso für verzichtbar: "Die Szene ist rechtsradikal unterwandert", sagt Trenkle, und will auch einen Beweis für seine Behauptung haben: "Vor dem Schlusspfiff haben sie diesen 'Sieg'-Stakkatogesang angestimmt." Im Streit um die Trainerfrage haben sich beide Gruppierungen in den vergangenen Jahren auch schon manch handgreifliche Auseinandersetzung geliefert, wie beide Seiten unabhängig voneinander berichten.

Das Stimmungsbild unter den 20.000 Zuschauern beim 2:0-Sieg über den FC Augsburg ist ebenfalls diffus. Konsens ist es immerhin, dass man dem langjährigen Trainer den Aufstieg als letzten Triumph gönnt, viele sähen ihn wohl auch gerne in der kommenden Saison an der Seitenlinie. Von einer massenhaften Pro-Finke-Stimmung ist jedoch nichts zu spüren. Während des Spiels werden nie mehr als 50 "Wir-sind-Finke"-Karten gleichzeitig in die Höhe gehalten. Und nur einmal erschallt ein "Außer Finke könnt ihr alle geh'n" durchs weite Rund. Allerdings aus dem Augsburger Fanblock, der die Niederlage mit Humor nimmt.

Selbst nach der jüngsten Erfolgsserie sind die allermeisten Fans bereit, dem designierten Nachfolger Robin Dutt eine Chance zu geben. Zumal das, was man über Dutt weiß, für Freiburger Ohren vertraut klingt: Seit Jahren schafft er es bei den Stuttgarter Kickers, Talente in die mit einem Etat von 1,7 Millionen Euro chronisch unterfinanzierte erste Mannschaft zu hieven, die zweite Mannschaft spielt in der Oberliga erfolgreicher als die des SC, die A-Jugend kickt in der höchsten Spielklasse. Kurzum: Dutt scheint ein Trainer zu sein, der das Nachwuchskonzept des SC bestens weiter entwickeln könnte.

Trenkle sieht das ganz anders. Nur wenn Finke bliebe, könne man verhindern, "dass alles, was hier in all den Jahren aufgebaut wurde, zerstört wird. Finke-nahe Spieler werden aussortiert oder verlassen den SC freiwillig. Wenn Finke geht, ist die Hälfte des Kaders weg", so Trenkle. Den Beweis für solche Befürchtungen bleibt er schuldig. Er, der gut Französisch spreche, habe sich mit vielen Spielern unterhalten, die große Hoffnungen auf die Aktion seiner Initiative setzten.

"Das Präsidium sollte die Nieren haben, einzugestehen, dass es einen Fehler gemacht hat." Dass seit Wochen ein Nachfolger feststeht, hält Trenkle nur vordergründig für ein Problem, wie er den Passanten erzählt: "Es ist billiger, dem Dutt eine Abfindung zu zahlen als dem Finke mit seinem unbefristeten Vertrag." Robin Dutt ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, denn der Verein wird lernen müssen, mit einer Stimme zu sprechen, statt eine Stimme für sich sprechen zu lassen.

spiegel.de