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Waldaustadion in 11 Freunde

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 10:19
von Blauer Block
In der neuen Ausgabe von "11 Freunde" ist als Stadionposter ein Abbild des Waldaustadions beigelegt.

Die Aufnahme ist vom- glaub ich - Kasselspiel. Der Bericht endet mit dem schönen Satz "Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft."

Dazu ein gewohnt lustiges Interview mit Toni Sailer. Hervorragend.

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 11:43
von Blauer Bayer
Wirklich sehr schön. Text, Interview - echt top.

Sie hätten sich halt fürs Bild noch ein Spiel aussuchen können, wo 50 Zuschauer mehr da sind.

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:03
von Blaues Murrtal
Einst Publikumsliebling bei den Kickers, ist Markus »Toni« Sailer vor drei Jahren zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Beim schwäbischen Klub SV Unterweissach betreibt er die Vereinskneipe, kickt mit 39 in der Landesliga und wartet immer noch auf einen Anruf von Uli Hoeneß

Interview: Joachim Henn


Toni Sailer, Ihre Zeit bei den Stuttgarter Kickers war die erfolgreichste der jüngeren Vergangenheit. Kickers-Fans erinnern sich immer noch gerne an das legendäre Sturmduo Sailer-Akpoborie.


Die Saison 1994/95 in der Regionalliga Süd war eines der schönsten Jahre in Degerloch, auch wenn wir nicht aufgestiegen sind. Johnny hat 37 Tore erzielt, ich 24. Allerdings war ich aufgrund eines dämlichen Fouls gegen den FC Augsburg acht Wochen gesperrt, sonst hätte ich ihn noch eingeholt. Wo ich gespielt habe, war oben. Ich habe nie gegen den Ab­stieg gespielt, aber wie es der Zufall so will, geschieht das ausgerechnet jetzt, im letzten Jahr meiner Laufbahn, nach­dem wir mit dem SV Unterweissach zuvor aus der Kreisliga A in die Landesliga durchmarschiert sind.

Für einen Stürmer sind Sie ziemlich häufig vom Platz geflogen. Diese Saison haben Sie bereits fünf Gelb-Rote-Karten gesammelt...

In der Landesliga stehen die Schiedsrich­ter unter Beobachtung. Von einem wurde mir bestätigt: Sieht der Beobachter, dass er mir gelb zeigt, bekommt er sofort ein Häkchen. Die wollen nach oben, und ich spiele da eben ein bisschen mit (lacht).

Dabei besagt das Klischee doch: Je nied­riger die Klasse, desto mehr gibt es für einen Stürmer auf die Socken?

Klar. Je höher die Liga, desto fairer die Gegen­spieler. In der 2. Liga und Regionalliga verdient man Geld mit Fußball, da sieht einen der Gegenspieler auch eher als Kol­legen an und man respektiert sich. Sonst wäre das brutal. Es geht um soviel Geld, da ist die Gesundheit wichtiger. Ich habe in sämtlichen Klassen gespielt. Was mir noch fehlt, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen, ist die Bundesliga. Ich hoffe, Uli Hoeneß meldet sich noch, ich warte auf seinen Anruf. Vielleicht rufe ich ihn aber auch selbst mal an.

Zurück zu den Kickers. Wie würden Sie den Kickers-Fan charakterisieren?

Der Unterschied zu Fans bei anderen Verei­nen ist nicht groß, das ist ähnlich wie in St. Paule oder Duisburg auch. Ich war nie der »Überkicker«, aber ich habe ehrlichen Fußball gespielt, für den Verein gekämpft und mich auch mit dem Umfeld befasst.

Das Publikum bei den Kickers gilt als kri­tisch. Es kommt vor, dass früh gegen die eigene Mannschaft gepfiffen wird.

Auch bei den »Blauen« gab es ein Jahr, in dem ich selten getroffen oder nicht übermäßig gut gespielt habe. Und da darf das Publi­kum auch mal seinen Unmut äußern. Aber ich bin immer fair behandelt worden. Bei den Kickers habe ich mich immer wohl gefühlt, in Duisburg war das weit weni­ger schön.

Wie erklären Sie es sich, dass selbst in sportlich erfolgreicheren Zeiten nur sel­ten über 5000 Zuschauer nach Degerloch kamen?

Lieber die dreieinhalbtausend, die immer da sind, als die, die nur ab und zu hochkommen und dann nörgeln. Ich habe es ja selbst miterlebt: (imitiert nörgelnd) »Jetzt komme ich einmal hoch, und dann spielen die so einen Mist...«

Ist es deshalb nicht merkwürdig, dass immer wieder über einen Stadionumbau nachgedacht wird, um über mehr Sitzplät­ze und Komfort auch mehr Zuschauer ins Stadion zu locken?

Eigentlich schon. Ich denke, der größte Teil der Zuschauer im Stadion will stehen, und die rund 1300, die sitzen wollen, haben auf der Haupttribüne auch jetzt Gelegenheit dazu.

Können Sie sich noch an den 3:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Oktober 1999 erinnern?

Ich wurde einge­wechselt und hatte kurz vor Schluss eine Riesenchance. Aber das war schon der An-fang vom Ende meiner Zeit bei den Kickers. Trainer damals war Michael Feichtenbeiner. Da gibt es eine schöne Anekdote.

Bitte.

Nachdem der Vertrag mit Vorgän­ger Paul Linz nicht verlängert worden war, wies Manager Andreas Kleinhand die Geschäftsstellenleiterin, Frau Nieber, an, den Vertrag für den Herrn Feichtenbeiner auszufertigen. Daraufhin hat sie ihm den Vertrag vor den Latz geknallt und nur geantwortet: »Für Abstiege bin ich nicht zuständig.« Er solle den Vertrag selbst fer­tigstellen. Sie sollte Recht behalten. Acht Wochen vor Beginn der Transferperiode im Dezember habe ich dann um meine Freigabe gebeten und sie drei Tage vor Ende der Wechselfrist erhalten.

In Internetforen und Büchern mit Fußbal­lersprüchen werden Sie gerne mit einem Bonmot zitiert.

Die Geschichte hat sich in Mainz zugetragen (Das Spiel endete nach turbulentem Verlauf 3:3, Anm. d. Red.). Ich stehe an der Seitenauslinie und Wolfgang Wolf sagt zu mir: »Zieh dich aus.« Ich zie­he meine Trainingsjacke aus, nach fünf Minuten sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen.« Ich ziehe mich also wieder an, stehe da, und er ruft: »Sag mal, warum bist du nicht ausgezogen?« Also ziehe ich mich wieder aus, und schon sagt er: »Du kannst dich wieder anziehen!« So ging das ständig hin und her, bis er in der letzten Spielmi­nute wieder sagt : »Pass auf, du kommst jetzt rein!« Darauf ich: »Ganz rein?« Dann war ich keine halbe Minute auf dem Platz und der Schiedsrichter pfiff ab.

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:12
von Blaues Murrtal
Das Waldaustadion in Degerloch, die Heimat der Stuttgarter Kickers, wurde 1905 erbaut und ist eine der ältesten noch genutzten Spielstätten im deutschen Fußball. Nach langen Jahren im Profigeschäft, fristen die Kickers derzeit ein Dasein in der Regionalliga. Das Degerloch hat sich jedoch zumindest im DFB-Pokal seinen Ruf als Festung erhalten


Von Joachim Henn

Namensänderungen prägen die Geschichte des Kickers-Platzes ebenso wie einschneidende Bau­maßnahmen. Die Haupttribüne, wenige Jahre nach der Stadioneinweihung 1905 als Kopie einer Tribüne von Arsenal er­richtet, musste 1975 den Anforderungen des DFB weichen und machte damit der heutigen Haupttribüne Platz. Anfang der 80er wurde dann zunächst die Gegenge­rade erneuert und 1998 auch überdacht - nachdem 1997 die provisorische Stahlrohrtribüne auf der Haupttribünenseite wieder abgebaut, die Hintertorwälle erneuert und die Flutlichtanlage errichtet worden war. Parallel dazu ging der »Ki­ckers-Platz« (später: »Kickers-Stadion«) als »Waldaustadion« in städtischen Besitz über, um mit dem Verkauf der Namens­rechte durch die Stadt schließlich als »Gazi-Stadion auf der Waldau« die bislang letzte Namensänderung zu erfahren. Die Stuttgarter Kickers teilen es sich derzeit mit einem Football-Bundesligisten, sehr zum Leidwesen des Rasens.

Auch wenn sich die Zuschauerzahlen seit dem Abstieg aus der 2. Liga bei mittlerweile etwa 2500 eingependelt haben, herrscht bei den Spielen mitunter eine geladene Atmosphäre, die ebenfalls zur Geschichte der Spielstätte gehört. Bereits 1912 hielt der Beobachter des »Stuttgar­ter Neuen Tagblatts« »nicht zu billigende Zwischenrufe aus den Zuschauerreihen« fest. Auch 1951, anlässlich des letzten Saisonspiels der »Blauen«, mit dem der Wiederaufstieg in die Oberliga Süd, die da­mals höchste Spielklasse, gefeiert werden sollte, wurde vom »widerlichen Gejohle« im Stadion berichtet. »Gebruddelt« wird bis in die Gegenwart, wahlweise über die Unfairness des Gegners, den Schiedsrichter, die Kickers (auch ein gewisser Jürgen Klinsmann kann ein Lied davon singen) oder gar die eigene Anwesenheit - respektive die der anderen im Block. Ein Berichterstatter der Lokalpresse schrieb anlässlich des mutmaßlichen Zuschauerre­kords gegen den 1. FC Nürnberg im Herbst 1951: »Mit mehr als 20000 Zuschauern war das Fassungsvermögen der Degerlocher Platzanlage erheblich überschritten, und die Erbitterung der Stehplatzbesucher machte sich sehr deutlich Luft. Ein Spiel solcher Bedeutung gehört selbstverständ­lich ins Neckarstadion.«

Doch man sollte sich nicht täuschen. Ebenso präsent wie das Anspruchsden­ken bei den Kickers-Fans sind eine au­ßergewöhnliche Leidens- und Begeis­terungsfähigkeit. An guten Tagen wiegt der Heimvorteil schwer. In den 80ern war Degerloch eine Festung, Mitte der 90er legte man eine Heimserie von 40 Punkt­spielen ohne Niederlage hin, und aus dem notgedrungenen Umzug zu Bundesliga­zeiten, der nach Überzeugung vieler den Klassenerhalt kostete, hat der Klub gelernt. Das Ausweichen auf die andere Seite des Neckars - bis weit nach der Kickers-Blü­tezeit in den Nachkriegsjahren an der Ta­gesordnung - gehört nicht nur aufgrund des nachlassenden Zuschauerzuspruchs der Vergangenheit an. Denn das Stadi­on in Degerloch ist inzwischen für viele Bundesligisten zum gefürchteten Ort bei Pokalspielen geworden. In der laufenden Spielzeit schied hier der HSV aus, 1987 hat­ten zwei, 1999 gleich drei Bundesligisten die Segel streichen müssen. So war kurz vor der Jahrtausendwende auch Volker Finkes Hinweis, es gebe angesichts der widrigen Platzverhältnisse noch ein ande­res Stadion in der Stadt - und zwar eines mit Rasenheizung - vergebens. Bereits zwei Runden zuvor hatten die »Blauen« den BVB aus dem Wettbewerb gekegelt, was als einer der größten Momente der Vereinshistorie gilt. Kolumnist Joe Bauer hatte damals überwältigt notiert: »Über der Gegengerade, einem Plattenbau mit dem Charme einer ländlichen Bushalte­stelle, recken sich die Wipfel des Waldes wie dunkelblau bemützte Köpfe heimli­cher Zaungäste. Die Flutlichtscheinwerfer nehmen über dem Dach der Stehtribüne eine mächtige Baumkrone ins Visier und rücken sie silhouettenhaft ins Zentrum des Waldau-Himmels, während der Nebel steigt. [...] Man konnte glauben, die präzi­se Raumaufteilung der Kulisse habe sich auf die Spielweise der Kickers übertragen. Dortmund mit all seinen Stars hatte nicht den Hauch einer Chance.«

Anders gesagt: Abseits der Seifenoper Bundesliga steht in Degerloch ein nicht ganz gewöhnliches Fußballstadion, wo der Fußball noch geatmet wird, durch die von den Metallstangen am Spielfeldrand gesiebte Luft.

Anschrift: Guts-Muths-Weg 4, 70597 Stuttgart
Baujahr: 1905
Fassungsvermögen: 11534, Sitzplätze: 1370, Stehplätze: 10164
Größte dokumentierte Zuschauer­zahl*: 20000 am 7. Oktober 1951 Stuttgarter Kickers - 1. FC Nürnberg

Im Netz: www.stuttgarter-kickers.de
*ohne Gewähr

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:13
von Blaues Murrtal
und das Poster finde ich sehr gelungen!

Also: Ab zum Kiosk, 11 Freunde kaufen & daheim das Stadionposter übers Bett hängen!

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:14
von DirtyToby
:lol: :lol: :lol: Unser Toni is schon ein geiler Typ. Weis jemand, ob der ab un zu mal bei Spielen ist?

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:34
von Bluespirit
Ja,ausser beim Einkaufen in backnang im Kaufland habe ich ihn auch
letztes Jahr bei den Kickers gesehen

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:35
von Blauer Bayer
Als Bonus gibt's übrigens noch nen Artikel über die beiden Zürcher Fußballclubs.

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 17:47
von Micha-SVK
mich hat es gerade auch beinahe vom Stuhl gehauen, als ich das Stadionposter enteckt haben. Coole Sache.

Jetzt muss ich mir noch ein zweites Heft kaufen, damit ich die Rückseite auch mit aufhängen kann.

Oder hat jemand das Stadionposter abzugeben?

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 18:44
von Wagimen
Gibts das Heft nur in Stuttgart und Umgebung? Finde das hier in der Pfalz nicht :cry:
Kann mir das jemand von euch kaufen und zuschicken (Geld gibt's dann auf's Konto)?

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 18:48
von Killerauge
Micha-SVK hat geschrieben: Oder hat jemand das Stadionposter abzugeben?
:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

@Waginem: Heft gibts bundesweit. Kuck mal am Bahnhof deines Vertrauens :idea:

Verfasst: Mittwoch 25. April 2007, 22:36
von Stepi
du kennst 11Freunde nicht ??? Das gehört doch inzwischen schon zum kleien Einmaleins der Fussballliteratur. Inzwischen findet man 11Freunde nicht mehr nur am Bahnhof, sondern auch in Tankstellen (Shell...) und Buchhandlungen !

Verfasst: Donnerstag 26. April 2007, 08:43
von Tobaiäs
Blaues Murrtal hat geschrieben: Waldaustadion
auf die Gefahr dass mein Beitrag wieder 3x gepostet wird: :o

SEHR SCHÖN, ist mir auch sofort auf gefallen!!! das WALDAUSTADION lebt :!:

Verfasst: Donnerstag 26. April 2007, 09:56
von Tiefblau
DirtyToby hat geschrieben::lol: :lol: :lol: Unser Toni is schon ein geiler Typ. Weis jemand, ob der ab un zu mal bei Spielen ist?
Er hat heute übrigens Geburtstag und wird 39.
Alles Gute Toni, bist immer willkommen in Degerloch!

Verfasst: Freitag 27. April 2007, 15:12
von Tobaiäs
Blaues Murrtal hat geschrieben: Lieber die dreieinhalbtausend, die immer da sind, als die, die nur ab und zu hochkommen und dann nörgeln. Ich habe es ja selbst miterlebt: (imitiert nörgelnd) »Jetzt komme ich einmal hoch, und dann spielen die so einen Mist...«
SEHR GUTE EINSTELLUNG ! SCHEIß "erfolgsfans"!

Verfasst: Freitag 27. April 2007, 21:24
von Roland
jetzt gibts das Poster schon bei Ebay:

http://cgi.ebay.de/Stuttgarter-Kickers- ... dZViewItem

Re: Waldaustadion in 11 Freunde

Verfasst: Samstag 28. April 2007, 14:02
von Roland
Blauer Block hat geschrieben:In der neuen Ausgabe von "11 Freunde" ist als Stadionposter ein Abbild des Waldaustadions beigelegt.

Die Aufnahme ist vom- glaub ich - Kasselspiel.
habs mir auch gerade gekauft. Das Bild ist vom Spiel gegen Wehen :cry: