LKZ: Kickers: Daiss nicht mehr im Aufsichtsrat
Verfasst: Freitag 5. Dezember 2003, 07:33
Meinungsverschiedenheiten mit Kullen - Ex-Vizepräsident wollte die alte Führungsriege zur Rechenschaft ziehen
Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers kommen nicht zur Ruhe. Günter Daiss und Hans-Peter Bauer gehören nicht mehr dem Aufsichtsrat der Blauen an. Der Grund bei Daiss: Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidium. Daiss wollte die alte Führungsmannschaft für die finanzielle Misswirtschaft zur Rechenschaft ziehen.
VON JÜRGEN FREY
Das Wahlprozedere an jenem 16. Juli war langwierig und kompliziert. Doch in einer Entscheidung zeigten die Kickers-Mitglieder bei der diesjährigen Hauptversammlung große Einigkeit: Günter Daiss wählten sie mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat. Vielleicht auch wegen seiner vollmundigen Worte: "Ich will mit den Kickers nicht nur in die zweite Liga, mein Ziel ist die erste Liga.'' Bestimmt aber wegen der mit dem Geschäftsmann Daiss (,,Ohne Moos nix los'') verbundenen Hoffnung auf bessere finanzielle Zeiten.
Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt. Zwar verlängerte Daiss in seiner Funktion als Uhlsport-Chef vor kurzem den Ausrüstervertrag mit den Blauen um drei Jahre, doch die finanzielle Lage beim Fußball-Regionalligisten bleibt mehr als angespannt. Bester Beweis: Die Spielergehälter sollen noch in dieser Runde um 15 Prozent gekürzt werden. Außerdem ist fest eingeplant, zumindest die Verträge mit Ivan und Zdenko Juric in der Winterpause aufzulösen.
All diese Maßnahmen sind Daiss viel zu kurz gedacht. "Es gab Meinungsverschiedenheiten'', bestätigte Daiss gegenüber unserer Zeitung seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat - und liefert die Begründung gleich mit: "Ich hätte gerne bei null angefangen und wäre gegen diejenigen, die uns die Schulden hinterlassen haben, viel härter vorgegangen.'' Bei seinem Mitstreiter Hans-Peter Bauer waren gesundheitliche Probleme der Anlass für das Ausscheiden.
"Für die Altlasten bin ich nicht zuständig'', betonte Daiss immer wieder. Der Hintergrund: Bei seinem Abschied als Vizepräsident 2000 konnte sich die finanzielle Lage bei den Blauen durchaus sehen lassen. Nun sollte er dem Club erneut aus der Patsche helfen, kam sich aber verschaukelt vor. Bei der Hauptversammlung war von einer Deckungslücke in Höhe von 140 000 Euro die Rede. Im Nachhinein stellte sich das Loch in der Kasse als dreimal so hoch heraus. Genau diese Misswirtschaft lastet Daiss dem ehemaligen Präsidium und Ex-Geschäftsführer Kahraman Erdin an: "Ich hätte geprüft, ob man die alte Führungsriege rechtlich belangen kann. Schließlich geht es um die Sache Kickers.'' Da könne man auf Personen wenig Rücksicht nehmen. Kullen scheute dagegen die Konfrontation - vor allem mit Ehrenpräsident Axel Dünnwald-Metzler -, griff zuletzt lieber in die eigene Tasche und verhinderte eine drohende Insolvenz. Viel dazu sagen wollte Kullen am gestrigen Donnerstag nicht. Nur so viel: "Ich werde keine Schuldzuweisungen machen.''
Offen spricht der Kickers-Häuptling dagegen über eine weitere Änderung in der Führungsetage: Bernd Klingler wird aus dem Aufsichtsrat in das Präsidium aufrücken und dort fürs Marketing zuständig sein. Der bisher dafür verantwortliche Jürgen Hollenbach kümmert sich nur noch um die Abteilungen. Fest steht: Auf alle Beteiligten wartet weiter ein Berg von Arbeit.
Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers kommen nicht zur Ruhe. Günter Daiss und Hans-Peter Bauer gehören nicht mehr dem Aufsichtsrat der Blauen an. Der Grund bei Daiss: Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidium. Daiss wollte die alte Führungsmannschaft für die finanzielle Misswirtschaft zur Rechenschaft ziehen.
VON JÜRGEN FREY
Das Wahlprozedere an jenem 16. Juli war langwierig und kompliziert. Doch in einer Entscheidung zeigten die Kickers-Mitglieder bei der diesjährigen Hauptversammlung große Einigkeit: Günter Daiss wählten sie mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat. Vielleicht auch wegen seiner vollmundigen Worte: "Ich will mit den Kickers nicht nur in die zweite Liga, mein Ziel ist die erste Liga.'' Bestimmt aber wegen der mit dem Geschäftsmann Daiss (,,Ohne Moos nix los'') verbundenen Hoffnung auf bessere finanzielle Zeiten.
Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt. Zwar verlängerte Daiss in seiner Funktion als Uhlsport-Chef vor kurzem den Ausrüstervertrag mit den Blauen um drei Jahre, doch die finanzielle Lage beim Fußball-Regionalligisten bleibt mehr als angespannt. Bester Beweis: Die Spielergehälter sollen noch in dieser Runde um 15 Prozent gekürzt werden. Außerdem ist fest eingeplant, zumindest die Verträge mit Ivan und Zdenko Juric in der Winterpause aufzulösen.
All diese Maßnahmen sind Daiss viel zu kurz gedacht. "Es gab Meinungsverschiedenheiten'', bestätigte Daiss gegenüber unserer Zeitung seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat - und liefert die Begründung gleich mit: "Ich hätte gerne bei null angefangen und wäre gegen diejenigen, die uns die Schulden hinterlassen haben, viel härter vorgegangen.'' Bei seinem Mitstreiter Hans-Peter Bauer waren gesundheitliche Probleme der Anlass für das Ausscheiden.
"Für die Altlasten bin ich nicht zuständig'', betonte Daiss immer wieder. Der Hintergrund: Bei seinem Abschied als Vizepräsident 2000 konnte sich die finanzielle Lage bei den Blauen durchaus sehen lassen. Nun sollte er dem Club erneut aus der Patsche helfen, kam sich aber verschaukelt vor. Bei der Hauptversammlung war von einer Deckungslücke in Höhe von 140 000 Euro die Rede. Im Nachhinein stellte sich das Loch in der Kasse als dreimal so hoch heraus. Genau diese Misswirtschaft lastet Daiss dem ehemaligen Präsidium und Ex-Geschäftsführer Kahraman Erdin an: "Ich hätte geprüft, ob man die alte Führungsriege rechtlich belangen kann. Schließlich geht es um die Sache Kickers.'' Da könne man auf Personen wenig Rücksicht nehmen. Kullen scheute dagegen die Konfrontation - vor allem mit Ehrenpräsident Axel Dünnwald-Metzler -, griff zuletzt lieber in die eigene Tasche und verhinderte eine drohende Insolvenz. Viel dazu sagen wollte Kullen am gestrigen Donnerstag nicht. Nur so viel: "Ich werde keine Schuldzuweisungen machen.''
Offen spricht der Kickers-Häuptling dagegen über eine weitere Änderung in der Führungsetage: Bernd Klingler wird aus dem Aufsichtsrat in das Präsidium aufrücken und dort fürs Marketing zuständig sein. Der bisher dafür verantwortliche Jürgen Hollenbach kümmert sich nur noch um die Abteilungen. Fest steht: Auf alle Beteiligten wartet weiter ein Berg von Arbeit.