Zeidler im Dialog, Teil I
Verfasst: Donnerstag 19. Juli 2007, 12:56
Tja, ich hätte ja nicht gedacht, dass Robin Dutt in Sachen Fragerunde noch zu toppen ist - aber lest selbst...
Herr Zeidler, heute Abend geht’s gegen Freiburg. Für Robin Dutt ist das sicher ein besonderes Spiel, weil er an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Für Sie ist es aber auch ein besonders, schließlich ist es die Premiere auf der Waldau. Nervös?
Peter Zeidler: Nein, nervös wäre der falsche Ausdruck. Es gibt eine große Vorfreude auf das erste Heimspiel. Wir haben die Chance, uns den Zuschauern und einer großen Öffentlichkeit zu zeigen. Bislang waren wir gegen Thun nur weit weg im südbadischen Raum. Die Gelegenheit heute Abend wollen wir nutzen: mit einem guten Spiel und einem hoffentlich annehmbaren Ergebnis.
Gegen Dortmund am Dienstag wird die Öffentlichkeit noch größer. Das
Spiel kommt live im Fernsehen. Inwieweit haben solche Spiele denn einen sportlichen Wert?
Zeidler: Der sportliche Wert ist groß, auch wenn man nicht vergessen darf, dass es sich noch um Vorbereitungsspiele handelt. Mir kommt es darauf an zu sehen, wie sich die Jungs präsentieren. Wir wollen den Plan, den wir im Training immer üben, auch im Spiel umsetzen und zeigen, dass wir einen gute Stimmung im Team und eine gute Taktik haben. Dabei muss ich natürlich auf die richtige Dosierung der Einsatzzeiten achten. Ich wäre nicht gut beraten, wenn ich die meisten Spieler über zwei Mal 90 Minuten Einsatzzeit schicke. Denn am Ende zählt nur ein Spiel und das findet am nächsten Freitag um 19.30 Uhr in Ingolstadt statt.
Zeichnet sich denn schon so etwas wie eine Stammformation ab?
Zeidler: Ja, es kristallisiert sich ein Stamm heraus, der sieben, acht Spieler umfasst. Dazu kommt eine Reihe von Spielern wie Genisyürek, Kacani oder Tucci, die für die Struktur des Teams enorm wichtig sind.
Wer ist denn gesetzt?
Zeidler: Im Tor wird in den ersten Spielen David Yelldell stehen. Das habe ich ihm selber noch gar nicht gesagt (lacht). Aber ich bin wirklich sehr froh, dass wir den Manuel Salz haben, der außergewöhnliche Fähigkeiten im physischen, technischen, taktischen und auch persönlichen Bereich hat.
In der Abwehr sind die beiden Außenverteidiger fix: Benda rechts und
Stierle links. Beide können eine tragende Rolle spielen - ich hoffe, dass
sie es auch tun. Für die beiden Innenverteidigerpositionen haben wir mit Rapp, Wildersinn und Härter drei Kandidaten, da ist noch keine abschließende Entscheidung gefallen.
Im Mittelfeld ist Markus Ortlieb gesetzt. Marcus Mann hat einen sehr
guten Eindruck hinterlassen, genauso wie Akcay. Ich habe einen ganz guten Draht zu Robin Dutt. Der hat mir erzählt, dass in seinen letzten vier
Spielzeiten Akcay immer als Mann für die Bank gehandelt wurde. Aber jedes Jahr hat er dann doch gespielt (lacht). Bei den Bayern gab es früher auch so Kandidaten, Bernd Dürnberger zum Beispiel...
...oder Salihamidzic.
Zeidler: Genau. Jedes Jahr wurden die im Kicker-Sonderheft abgeschrieben – und kamen dann doch wieder. Von daher ist Akcay sehr ernstzunehmen, auch wenn er heute Abend nicht anfangen wird. Und dann gibt es eine Reihe Junger, mit denen zu rechnen ist: Deigendesch, Rodrigues, Sökler. Nicht zu vergessen unsere beiden Künstler: Gambo und Parmak, die grandiose fußballerische Fähigkeiten haben. Leider sind beide noch angeschlagen. Zumindest bei Parmak wird das noch dauern. Gambo bekommt vielleicht schon einen Kurzeinsatz.
Im Sturm sind Vaccaro und Beigang sicher die Basisspieler.
Neben Gambo und Parmak gab es auch noch andere Verletzte. Wie ist hier der Sachstand bei Beigang oder Yildiz?
Zeidler: Beigang war nur ganz kurz verletzt. Das war eine sehr schöne Überraschung! Wir hatten große Sorge, als er da im Testspiel vom Platz geführt werden musste. Er wollte schon am nächsten Tag wieder trainieren. Das habe ich ihm dann verboten, aber zwei Tage später konnte ich ihn dann nicht mehr zurückhalten (lacht). Und das spricht absolut für ihn. Er kann auf die Zähne beißen, er will unbedingt spielen.
Und Yildiz?
Zeidler: Da dauert es leider länger. Er ist gleich in der ersten Trainingswoche ganz blöd im Rasen hängengeblieben. Er absolviert zwar schon sehr fleißig sein Rehaprogramm, aber vier, fünfn Wochen braucht er sicher noch. Das ist sehr schade, weil er in der ersten Woche absolut überzeugt hatte.
Es gibt relativ viele fast gleich starke Spieler. Erzeugen Sie da eine Reizstimmung oder wie läuft der Positionskampf ab?
Zeidler: Ich lege viel Wert darauf, dass der Respekt untereinander gewahrt bleibt. Wenn ich es für nötig halte, greife ich auch ein. Wir haben eine gute Arbeitsatmosphäre, aber natürlich geht es in einer Profimannschaft auch im Training zur Sache. Jeder will zeigen, was er kann. Insgesamt haben wir bei der Auswahl der Spieler darauf geachtet, dass wir eine stimmige und positive Konstellation schaffen. Es gibt die jungen, hungrigen und die Spieler mit mehr Erfahrung. Vaccaro zum Beispiel.
Dessen Rückrunde ja nicht gerade überragend war...
Zeidler: Die war sogar richtig schlecht. Ich habe selbst einige Spiele gesehen, in denen er nichts gezeigt hat. Aber die Vorbereitung läuft wirklich ausgezeichnet. Er hat den Sommer über viel gearbeitet und seine Form deutlich verbessert. Er hat bislang in jedem Training Akzente gesetzt. Ich bin wirklich sehr angetan und richtig gespannt, was er in den nächsten Spielen zeigt. Und vor allem: Vaccaro identifiziert sich richtig mit den Kickers. Er ist jetzt hier angekommen.
Ich habe mehrere Mails mit der Frage bekommen, warum Kanyuk gehen musste.
Zeidler: Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich an dieser Stelle mal erklären kann. Kanyuk hat bei mir schon Aalen gespielt. Er hat sich damals in einem wichtigen württembergischen Pokalspiel, in dem er überragend gespielt hat, schwer verletzt. Ich war damals Trainer und Manager in Aalen. Während der Sommerpause konnte ich ihm dann keinen neuen Vertrag anbieten, weil er immer noch verletzt war. Zur Erinnerung: Damals war Aalen noch ein anderer Verein als heute. Wir mussten hart sparen und konnten uns einen verletzten Kanyuk einfach nicht mehr leisten. Ich habe mich dann sehr dafür eingesetzt, dass er damals in Schweinfurt unterkam. Es gab aber nie ein persönliches Problem zwischen uns.
Das Entscheidende ist aber, dass von ihm - als er gehört hat, dass ich Trainer werde – das klare Signal kam, er wolle sich einen neuen Verein suchen. Die Konsequenz für mich war, die Saison ohne ihn zu planen. Wir haben Mann und Deigendesch geholt, sodass ich dann im ersten Training schlecht zu ihm sagen konnte: Lazslo, Du bist mein Mann. Ich bin froh, dass wir jetzt eine für beide Seiten gute Lösung gefunden haben.
Er gehörte ja zu den Topverdienern im Team. Gibt es denn noch Ersatz?
Zeidler: Ich fang mal so an: Die Zusammenarbeit mit Joachim Cast läuft wirklich super. Da bin ich sehr, sehr froh darüber. Wir haben uns jetzt zusammengesetzt und darauf geeinigt, dass wir momentan keinen Transfer tätigen. Aber die Transferliste ist bis Ende August offen...
...es gibt ja bestimmt genügend Spieler, die noch pokern.
Zeidler: Ja klar. Vielleicht kann man ja auch noch ein Leihgeschäft mit einem attraktiven Spieler aus einer höheren Liga abschließen. Aber das müssen wir einfach abwarten. Wir wollen jedenfalls derzeit nicht zu viel
Energie mit der Debatte über potenzielle Neuzugänge verlieren. Das könnt Ihr ja im Fan-Forum diskutieren, da gibt’s ja einige die sich richtig
auskennen. Wenn wir jemand holen, dann eher im Offensivbereich. Aber nicht vergessen: Die Kickers spielen finanziell in einer anderen Liga als Unterhaching, Burghausen, Ingolstadt oder Aalen, aber leider sportlich in der gleichen.
Bei uns müssen eben andere Dinge den Ausschlag geben. Da gehören die Fans dazu. Alle müssen zusammenhalten, dann wird es schwer gegen uns zu gewinnen. Ich will mich nicht anbiedern, sondern ich meine das so.
Bei den Kickers ist die Identifikation der Fans mit dem Verein und seiner Tradition ja sehr groß.
Zeidler: Ich weiß. Das gilt auch für die Mannschaft. Wir haben keine Söldner geholt, sondern den Mann aus Rutesheim, den Rapp aus der Nähe von Pforzheim, den Allgäuer Deigendesch, den Ortlieb aus Baden, den Genisyürek aus der Ulmer Gegend. Die wissen alle, was die Kickers hier bedeuten – auch wenn sie nur in der Regionalliga spielen. Mit den Jungs können wir es schaffen, dass die Identifikation weiter möglich ist. Wir brauchen Aufbruchstimmung und Zusammengehörigkeitsgefühl!
Sie kommen ja auch aus der Gegend...
Ja, ich komme aus der Gegend von Gmünd.
Wie ist da Ihre Kickers-Historie?
Zeidler: Ich habe hier studiert. Im ADM-Sportpark war früher das Sportinstitut der Uni Stuttgart. Ich habe also fünf Jahre auf diesem Trainingsgelände studiert. Mich hat ein Journalist der Stuttgarter Zeitung, der inzwischen leider verstorben ist, damals auch immer mit zu den Pressekonferenzen genommen. Da hat noch Klinsmann gespielt und Sigi Susser. Da waren die Kickers eine richtig große Nummer, zu denen wir als Studenten immer hingegangen sind. Das war generell so bei uns: Die Intelligentesten und Sympathischsten waren immer die Kickers-Fans (lacht). Deshalb freue ich mich auch so auf heute Abend: Meine Kollegen der Lateinlehrer und der Geschichtslehrer sind alles Kickers-Fans und freuen sich auf das Freiburg-Spiel.
Aber Sie arbeiten nicht mehr als Lehrer?
Zeidler: Nein. Das schaffe ich zeitlich nicht mehr. Ich habe ja schon vorher nur noch ein paar Stunden die Woche Französisch unterrichtet. Aber prinzipiell sehe ich mich schon noch als Lehrer.
Und als Kickers-Trainer. Bleibt es beim Saisonziel Qualifikation für die Regionalliga?
Zeidler: Ja. Viele übersehen, dass das auch eine Weiterentwicklung wäre. Alles andere ist Träumerei, zumindest vorerst. Wir sollten im Dorf lassen – was bei bei den Kickers gar nicht so einfach ist (lacht).
Wer steigt am Ende auf?
Zeidler: Ich denke Unterhaching, Burghausen und vielleicht auch
Ingolstadt. Die haben mächtig eingekauft.
Herr Zeidler, heute Abend geht’s gegen Freiburg. Für Robin Dutt ist das sicher ein besonderes Spiel, weil er an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Für Sie ist es aber auch ein besonders, schließlich ist es die Premiere auf der Waldau. Nervös?
Peter Zeidler: Nein, nervös wäre der falsche Ausdruck. Es gibt eine große Vorfreude auf das erste Heimspiel. Wir haben die Chance, uns den Zuschauern und einer großen Öffentlichkeit zu zeigen. Bislang waren wir gegen Thun nur weit weg im südbadischen Raum. Die Gelegenheit heute Abend wollen wir nutzen: mit einem guten Spiel und einem hoffentlich annehmbaren Ergebnis.
Gegen Dortmund am Dienstag wird die Öffentlichkeit noch größer. Das
Spiel kommt live im Fernsehen. Inwieweit haben solche Spiele denn einen sportlichen Wert?
Zeidler: Der sportliche Wert ist groß, auch wenn man nicht vergessen darf, dass es sich noch um Vorbereitungsspiele handelt. Mir kommt es darauf an zu sehen, wie sich die Jungs präsentieren. Wir wollen den Plan, den wir im Training immer üben, auch im Spiel umsetzen und zeigen, dass wir einen gute Stimmung im Team und eine gute Taktik haben. Dabei muss ich natürlich auf die richtige Dosierung der Einsatzzeiten achten. Ich wäre nicht gut beraten, wenn ich die meisten Spieler über zwei Mal 90 Minuten Einsatzzeit schicke. Denn am Ende zählt nur ein Spiel und das findet am nächsten Freitag um 19.30 Uhr in Ingolstadt statt.
Zeichnet sich denn schon so etwas wie eine Stammformation ab?
Zeidler: Ja, es kristallisiert sich ein Stamm heraus, der sieben, acht Spieler umfasst. Dazu kommt eine Reihe von Spielern wie Genisyürek, Kacani oder Tucci, die für die Struktur des Teams enorm wichtig sind.
Wer ist denn gesetzt?
Zeidler: Im Tor wird in den ersten Spielen David Yelldell stehen. Das habe ich ihm selber noch gar nicht gesagt (lacht). Aber ich bin wirklich sehr froh, dass wir den Manuel Salz haben, der außergewöhnliche Fähigkeiten im physischen, technischen, taktischen und auch persönlichen Bereich hat.
In der Abwehr sind die beiden Außenverteidiger fix: Benda rechts und
Stierle links. Beide können eine tragende Rolle spielen - ich hoffe, dass
sie es auch tun. Für die beiden Innenverteidigerpositionen haben wir mit Rapp, Wildersinn und Härter drei Kandidaten, da ist noch keine abschließende Entscheidung gefallen.
Im Mittelfeld ist Markus Ortlieb gesetzt. Marcus Mann hat einen sehr
guten Eindruck hinterlassen, genauso wie Akcay. Ich habe einen ganz guten Draht zu Robin Dutt. Der hat mir erzählt, dass in seinen letzten vier
Spielzeiten Akcay immer als Mann für die Bank gehandelt wurde. Aber jedes Jahr hat er dann doch gespielt (lacht). Bei den Bayern gab es früher auch so Kandidaten, Bernd Dürnberger zum Beispiel...
...oder Salihamidzic.
Zeidler: Genau. Jedes Jahr wurden die im Kicker-Sonderheft abgeschrieben – und kamen dann doch wieder. Von daher ist Akcay sehr ernstzunehmen, auch wenn er heute Abend nicht anfangen wird. Und dann gibt es eine Reihe Junger, mit denen zu rechnen ist: Deigendesch, Rodrigues, Sökler. Nicht zu vergessen unsere beiden Künstler: Gambo und Parmak, die grandiose fußballerische Fähigkeiten haben. Leider sind beide noch angeschlagen. Zumindest bei Parmak wird das noch dauern. Gambo bekommt vielleicht schon einen Kurzeinsatz.
Im Sturm sind Vaccaro und Beigang sicher die Basisspieler.
Neben Gambo und Parmak gab es auch noch andere Verletzte. Wie ist hier der Sachstand bei Beigang oder Yildiz?
Zeidler: Beigang war nur ganz kurz verletzt. Das war eine sehr schöne Überraschung! Wir hatten große Sorge, als er da im Testspiel vom Platz geführt werden musste. Er wollte schon am nächsten Tag wieder trainieren. Das habe ich ihm dann verboten, aber zwei Tage später konnte ich ihn dann nicht mehr zurückhalten (lacht). Und das spricht absolut für ihn. Er kann auf die Zähne beißen, er will unbedingt spielen.
Und Yildiz?
Zeidler: Da dauert es leider länger. Er ist gleich in der ersten Trainingswoche ganz blöd im Rasen hängengeblieben. Er absolviert zwar schon sehr fleißig sein Rehaprogramm, aber vier, fünfn Wochen braucht er sicher noch. Das ist sehr schade, weil er in der ersten Woche absolut überzeugt hatte.
Es gibt relativ viele fast gleich starke Spieler. Erzeugen Sie da eine Reizstimmung oder wie läuft der Positionskampf ab?
Zeidler: Ich lege viel Wert darauf, dass der Respekt untereinander gewahrt bleibt. Wenn ich es für nötig halte, greife ich auch ein. Wir haben eine gute Arbeitsatmosphäre, aber natürlich geht es in einer Profimannschaft auch im Training zur Sache. Jeder will zeigen, was er kann. Insgesamt haben wir bei der Auswahl der Spieler darauf geachtet, dass wir eine stimmige und positive Konstellation schaffen. Es gibt die jungen, hungrigen und die Spieler mit mehr Erfahrung. Vaccaro zum Beispiel.
Dessen Rückrunde ja nicht gerade überragend war...
Zeidler: Die war sogar richtig schlecht. Ich habe selbst einige Spiele gesehen, in denen er nichts gezeigt hat. Aber die Vorbereitung läuft wirklich ausgezeichnet. Er hat den Sommer über viel gearbeitet und seine Form deutlich verbessert. Er hat bislang in jedem Training Akzente gesetzt. Ich bin wirklich sehr angetan und richtig gespannt, was er in den nächsten Spielen zeigt. Und vor allem: Vaccaro identifiziert sich richtig mit den Kickers. Er ist jetzt hier angekommen.
Ich habe mehrere Mails mit der Frage bekommen, warum Kanyuk gehen musste.
Zeidler: Das ist eine etwas längere Geschichte, die ich an dieser Stelle mal erklären kann. Kanyuk hat bei mir schon Aalen gespielt. Er hat sich damals in einem wichtigen württembergischen Pokalspiel, in dem er überragend gespielt hat, schwer verletzt. Ich war damals Trainer und Manager in Aalen. Während der Sommerpause konnte ich ihm dann keinen neuen Vertrag anbieten, weil er immer noch verletzt war. Zur Erinnerung: Damals war Aalen noch ein anderer Verein als heute. Wir mussten hart sparen und konnten uns einen verletzten Kanyuk einfach nicht mehr leisten. Ich habe mich dann sehr dafür eingesetzt, dass er damals in Schweinfurt unterkam. Es gab aber nie ein persönliches Problem zwischen uns.
Das Entscheidende ist aber, dass von ihm - als er gehört hat, dass ich Trainer werde – das klare Signal kam, er wolle sich einen neuen Verein suchen. Die Konsequenz für mich war, die Saison ohne ihn zu planen. Wir haben Mann und Deigendesch geholt, sodass ich dann im ersten Training schlecht zu ihm sagen konnte: Lazslo, Du bist mein Mann. Ich bin froh, dass wir jetzt eine für beide Seiten gute Lösung gefunden haben.
Er gehörte ja zu den Topverdienern im Team. Gibt es denn noch Ersatz?
Zeidler: Ich fang mal so an: Die Zusammenarbeit mit Joachim Cast läuft wirklich super. Da bin ich sehr, sehr froh darüber. Wir haben uns jetzt zusammengesetzt und darauf geeinigt, dass wir momentan keinen Transfer tätigen. Aber die Transferliste ist bis Ende August offen...
...es gibt ja bestimmt genügend Spieler, die noch pokern.
Zeidler: Ja klar. Vielleicht kann man ja auch noch ein Leihgeschäft mit einem attraktiven Spieler aus einer höheren Liga abschließen. Aber das müssen wir einfach abwarten. Wir wollen jedenfalls derzeit nicht zu viel
Energie mit der Debatte über potenzielle Neuzugänge verlieren. Das könnt Ihr ja im Fan-Forum diskutieren, da gibt’s ja einige die sich richtig
auskennen. Wenn wir jemand holen, dann eher im Offensivbereich. Aber nicht vergessen: Die Kickers spielen finanziell in einer anderen Liga als Unterhaching, Burghausen, Ingolstadt oder Aalen, aber leider sportlich in der gleichen.
Bei uns müssen eben andere Dinge den Ausschlag geben. Da gehören die Fans dazu. Alle müssen zusammenhalten, dann wird es schwer gegen uns zu gewinnen. Ich will mich nicht anbiedern, sondern ich meine das so.
Bei den Kickers ist die Identifikation der Fans mit dem Verein und seiner Tradition ja sehr groß.
Zeidler: Ich weiß. Das gilt auch für die Mannschaft. Wir haben keine Söldner geholt, sondern den Mann aus Rutesheim, den Rapp aus der Nähe von Pforzheim, den Allgäuer Deigendesch, den Ortlieb aus Baden, den Genisyürek aus der Ulmer Gegend. Die wissen alle, was die Kickers hier bedeuten – auch wenn sie nur in der Regionalliga spielen. Mit den Jungs können wir es schaffen, dass die Identifikation weiter möglich ist. Wir brauchen Aufbruchstimmung und Zusammengehörigkeitsgefühl!
Sie kommen ja auch aus der Gegend...
Ja, ich komme aus der Gegend von Gmünd.
Wie ist da Ihre Kickers-Historie?
Zeidler: Ich habe hier studiert. Im ADM-Sportpark war früher das Sportinstitut der Uni Stuttgart. Ich habe also fünf Jahre auf diesem Trainingsgelände studiert. Mich hat ein Journalist der Stuttgarter Zeitung, der inzwischen leider verstorben ist, damals auch immer mit zu den Pressekonferenzen genommen. Da hat noch Klinsmann gespielt und Sigi Susser. Da waren die Kickers eine richtig große Nummer, zu denen wir als Studenten immer hingegangen sind. Das war generell so bei uns: Die Intelligentesten und Sympathischsten waren immer die Kickers-Fans (lacht). Deshalb freue ich mich auch so auf heute Abend: Meine Kollegen der Lateinlehrer und der Geschichtslehrer sind alles Kickers-Fans und freuen sich auf das Freiburg-Spiel.
Aber Sie arbeiten nicht mehr als Lehrer?
Zeidler: Nein. Das schaffe ich zeitlich nicht mehr. Ich habe ja schon vorher nur noch ein paar Stunden die Woche Französisch unterrichtet. Aber prinzipiell sehe ich mich schon noch als Lehrer.
Und als Kickers-Trainer. Bleibt es beim Saisonziel Qualifikation für die Regionalliga?
Zeidler: Ja. Viele übersehen, dass das auch eine Weiterentwicklung wäre. Alles andere ist Träumerei, zumindest vorerst. Wir sollten im Dorf lassen – was bei bei den Kickers gar nicht so einfach ist (lacht).
Wer steigt am Ende auf?
Zeidler: Ich denke Unterhaching, Burghausen und vielleicht auch
Ingolstadt. Die haben mächtig eingekauft.